Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 30
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-13, Seite 30
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 7 · Uuion
Wieder ein Beiſpiel des methadiſtiſchen unchriſt⸗
lichen Richtgeiſtes.
Nr. 39, Band 11, des methodiſtiſchen „Apolo⸗
geten“ ſchreibt ein in Jackſon in Miſſouri ſtatio⸗
nirter Methodiſten⸗Miſſionar unter anderem Fol⸗
gendes: „Es umgeben uns falſche Hirten, die
den armen Leuten ihre Sünden vergeben, und
Anhang genug haben. Möge der HErr ſolchen
Miethlingen die Augen, und ihren betrogenen
Zuhörern das Verſtändniß öffnen, damit ſie ein⸗
ſehen lernen, daß allein IEſus Macht hat, auf
Erden Sünden zu vergeben.“
Daß ein Methodiſtenmiſſionar ſo ſchreibt, wun⸗
dert uns nicht, denn die meiſten dieſer armen un⸗
wiſſenden Menſchen wiſſen offenbar nicht, was ſie
damit thun; ſie kennen weder die wahre luthe⸗
riſche (das iſt, chriſtliche) Lehre von der Abſolution,
noch wiſſen ſie, was ein Miethling iſt. Von
ihnen heißt es: „Sie verführen und werden ver⸗
führt.“ Sie ſind in ihrer Unkenntniß wahren
Chriſtenthums hineingezogen worden in den
Strudel einer ſchwärmeriſchen Seecte, zu ihrem
größten Verderben noch dazu bald zu Predigern
und Verbreitern des Methodismus gemacht wor⸗
den, ſo wollen ſie denn nun auch ihre Pflicht
thun, und erklären nun alles um ſie her, was ſich
zu ihrer Parthei nicht ſchlagen will, für unbekehrt,
und die Prediger, welche einer andern Kirche die⸗
nen, wenn ſich dieſelben auch für Chriſtum und
die von ihm erkauften Seelen in heiliger Liebe
aufopferten und verzehrten, — für Miethlinge,
das iſt, Bauchdiener.
So gern wir nun dies an denen tragen wollen,
die jenem Bauer gleich ſind, der in ſeiner Einfalt
auch mit Holz zur Verbrennung des Hieronymus
von Prag herbeitrug, zu welchem derſelbe lächelnd
ſprach: „O heilige Einfalt, wer dich betrügt, der
hat des tauſendfältige Sünde!“ — aber was
ſollen wir dazu ſagen, daß Hr. Doctor Naſt,
der Herausgeber des „Apologeten“, dazu behülf⸗
lich iſt, daß diejenigen, welche nach der in Gottes
Wort ſo klar gegründeten Lehre die Vergebung
begehrenden und Buße und Glauben bekennenden
Sünder im Namen Chriſti abſolviren, deswegen
ohne weiteres Miethlinge geſcholten werden?!
Wie? ſollte Hrn. Dr. Naſt's Gewiſſen ſchon ſolche
Brandmale bekommen haben, daß er aus Liebe zu
ſeiner Parthei einen treuen Diener Chriſti, ja,
alle jene Gottesmänner, Luther, Melanchthon,
Chemnitz, Arnd, Heinrich Müller ꝛc., welche alle
vor uns ſchon Abſolution ertheilt und ſich derſel⸗
ben in Anfechtung, Noth und Tod, getröſtet
haben, deswegen Miethlinge, Bauchdiener ſchelten
laſſen kann? —
Nun, fahrt nur ſo fort, ihr Methodiſten, und
verdächtiget, verleumdet und verdammet alle
Knechte des Heilandes, die eure Farbe nicht tra⸗
gen: es kommt ein Tag, da wird die verborgen
geweſene Treue belohnt, aber aller verdammungs⸗
ſüchtiger Heuchler weit auspoſaunten Werken die
gleißende Tünche abgezogen werden.
— 30—
(Eingeſandt.)
Ein Wort über Union mit beſonderer Be⸗
rückſichtigung eines Artikels in dem Juli⸗
Hefte des „deutſchen Kirchenfreundes“.)
Jeder, dem es um die, uns von Gott verliehene
Wahrheit, welche uns von der ſchnöden Knecht⸗
ſchaft unſerer ſubjectiven Meinungen frei machen,
und uns in ſich ſelbſt vereinen, d. i. uniren ſoll,
ein rechter Ernſt iſt, wird mit betrübtem Herzen
hinblicken auf das unglückliche Sectenweſen, wel⸗
ches im Ungehorſam gegen dieſe einigende, gött⸗
liche Wahrheit, und in Nachgiebigkeit gegen die
trennende, menſchliche Afterweisheit in Zerriſſen⸗
heit auseinanderfällt. Dieſer traurige Zuſtand
iſt ſchon von vielen Seiten beherzigt und beſpro⸗
chen worden, und manche Mittel und Wege ſind
bereits angegeben, um ſolchem Uebelſtande abzu⸗
helfen. In neuerer Zeit hat es ſich nun hier zu
Lande beſonders der angeblich „für die gemein⸗
ſamen Intereſſen der amerikaniſch-deutſchen Kir⸗
chen“ herausgegebene Kirchenfreund zur Aufgabe
gemacht, dieſen Schaden Zions zu heilen. Wer
nun dieſes Blatt zur Hand nimmt, welches ſeinen
Standpunkt mit einer gewiſſen wohlbehaglichen
Selbſtgefälligkeit gleichſam in der Unionscentral⸗
ſonne ſelbſt genommen hat, und von da aus mit
herablaſſender Geduld auf „das ſich in verſchie⸗
denen Farbenſtrahlen brechende Licht des Evan⸗
geliums“ herabblickt, wird bei einem in der Juli⸗
Nummer erſchienenen, die Union auf ganz eigen⸗
thümliche Weiſe auffaſſenden, Artikel „der Pro⸗
teſtantismus“ in der That kaum wiſſen, was er
darin am meiſten beklagen ſoll, die darin befind⸗
lichen Widerſprüche, oder die unter hohlen Phra⸗
ſen verdeckte Unredlichkeit.
Der Artikel führt die weitere Ueberſchrift „in⸗
nere Gliederung“, man erwartet nun billig eine
Darlegung der verſchiedenen Glieder des Prote⸗
ſtantismus in ihren innern, jene Gliederung be⸗
gründenden Gegenſätzen, ſtatt deſſen findet man
aber von dem Angekündigten Nichts, ſondern nur
ein, ſich ſelbſt bis zur Weiſſagung über Rußland
verſteigendes, ſelbſtgefälliges Raiſonnement über
Union. — Die erſte Frage iſt nun wohl, ob Herr
W. J. M. denn wirklich Union wolle oder nicht?
Einem Theile ſeines Aufſatzes nach, ſollte man
das allerdings vorausſetzen, er ſagt unter Anderm:
„Wir wünſchen aber die letztere (die Einheit) von
ganzer Seele und aus allen Kräften“ — ferner
„daß ſie (die großartige Union“) kommen wird, iſt
eine Hoffnung, die uns mit höherer Freude und
größerer Zuverſicht erfüllt, als Alles, was bisher
für Union geſchehen iſt. Die Geiſter müſſen auf
ein neues Ziel hindrängen.“ — Was will denn
aber der Herr Verfaſſer uniren? — Etwa die luthe⸗
riſche und katholiſche „Richtung“? Das ſcheint
doch ſo, wenn er ſagt: wir wünſchen nicht nur,
ſondern hoffen mit großer Zuverſicht eine Ver⸗
einigung der proteſtantiſchen mit der katholiſchen
*) Dieſe Einſendung erſcheint erſt in dieſer Nummer
unſeres Blattes aus Schuld des Redacteurs, dem ſie ſchon
vor mehr als einem Monate zugekommen war. Sowohl
Einſender als Leſer ſind deßwegen um geneigte Eniſchul⸗
digung gebeten. D. R.
Kirche. — „Wir wünſchen“, ſagt aber der Herr
Verfaſſer, „nie eine ſolche Einheit der Kirche, welche
den individuellen Geiſtern nicht das Recht ihrer
Geiſtesfreiheit in Chriſto belaſſen wollte.“ Daher
fragt er denn auch: „Wer will einen von ihnen
(nemlich Petrus und Jacobus als Repräſentanten
einer jüdiſch⸗chriſtlichen und Paulus als den einer
heidniſch⸗chriſtlichen Richtung) für weniger chriſt⸗
lich halten, als den andern?“ Und ſagt dann:
„dieſer verſchiedenartige Standpunkt (alſo der
petriniſche und der pauliniſche) hat ſich aber
nachher fortwährend wieder geltend gemacht und
demgemäß hat er ſich in Parteien dargeſtellt ...4
Man ſchreibt der katholiſchen Kirche, beſonders
des Mittelalters, nicht mit Unrecht in manchtt
Hinſicht jenen judenchriſtlichen Charakter zu . ..“
Hierin ſteht ſie dem Proteſtantismus direct en⸗
gegen, deſſen wichtigſte Bekenntnißſchriften einen
weſentlich pauliniſchen Charakter an ſich tragen.“
Hier iſt kein Wort geſagt von dem Lügengeiſt des
Katholicismus, der ſchmachvollen Karricatur
„jener“ jüdiſch-chriſtlichen Richtung des Petrus.
Nein, der Katholicismus iſt dem Verfaſſer eben
nur ein von dem Proteſtantismus verſchieden⸗
artiger Standpunkt, von dem aus die Sache an⸗
geſchaut wird, „die Sache ſelbſt, um die es ſich
handelt, iſt dieſelbe, iſt Eine.“ Aber warum will
denn Herr W. J. M. dieſe unſchuldigen verſchie⸗
denen Standpunkte noch uniren? Er will ja
keine ſolche Einheit der Kirche, welche den indi
viduellen Geiſtern das Recht ihrer Geiſtesfreihei:
in Chriſto benimmt, und nun ſcheint ihm ſogar
die Union der Geiſter der Apoſtel noch nicht eng
genug?
Oder will der Verfaſſer etwa das Lutherthum
und den „Reformismus“ uniren? — Er erwähnt
es mit Recht tadelnd, daß „alle Unionsverſuche
zwiſchen Reformirten und Lutheranern ſtets dar⸗
auf ausgegangen, die Differenzen zudecken, über⸗
ſehen zu wollen und einen gemeinſamen Grund
aufzuſuchen“. Der Verfaſſer will nun dieſen
Fehler vermeiden und gibt ſich den Schein, die
Differenzen recht gründlich aufdecken zu wollen,
er nimmt in der That den Mund ſehr voll und
thut grundehrlich, wenn er ſagt: „Die volle Dif⸗
ferenz des reformirten und lutheriſchen Bekenn⸗
niſſes, weil Geiſtes, wollen wir geradezu recht.
anerkannt wiſſen. Sie iſt ſo wenig ein Mach⸗
werk etlicher Doctoren, als der Proteſtantismus
ſelbſt.“ Er findet die Verſchiedenheit des Luther⸗
thums und des Reformismus „unendlich tief⸗
greifender (12) als ſelbſt den zwiſchen Proteſtan⸗
tismus und Katholicismus.“ Er ſagt ferner:
„Kann man denn da (bei dem gegenſeitigen Rechte
zwiſchen religiöſen Gemeinſchaften) auch etwas
fahren laſſen, das man mit gutem Gewiſſen vor⸗
her feſthalten zu müſſen glaubte? Kann man nur
einen Titel vom Geſetz aufgeben, ſo lange das
Herz Etwas an demſelben findet? Kann man da
um des Friedens willen etwas thun oder laſſen,
was im engern Herzen Unfrieden ſtiften müßte?
Sind dieſe Punkte ganz beſeitigt, dann iſt das
Uniren leicht. Wer ſie aber beim Uniren nicht
gehörig beherzigt, wird geradezu Saat zum Un⸗
frieden ausſtreuen.“ Ferner: „Es darf nicht
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