# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 13_S30 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wieder ein Beiſpiel des methadiſtiſchen unchriſt⸗ lichen Richtgeiſtes. Nr. 39, Band 11, des methodiſtiſchen „Apolo⸗ geten“ ſchreibt ein in Jackſon in Miſſouri ſtatio⸗ nirter Methodiſten⸗Miſſionar unter anderem Fol⸗ gendes: „Es umgeben uns falſche Hirten, die den armen Leuten ihre Sünden vergeben, und Anhang genug haben. Möge der HErr ſolchen Miethlingen die Augen, und ihren betrogenen Zuhörern das Verſtändniß öffnen, damit ſie ein⸗ ſehen lernen, daß allein IEſus Macht hat, auf Erden Sünden zu vergeben.“ Daß ein Methodiſtenmiſſionar ſo ſchreibt, wun⸗ dert uns nicht, denn die meiſten dieſer armen un⸗ wiſſenden Menſchen wiſſen offenbar nicht, was ſie damit thun; ſie kennen weder die wahre luthe⸗ riſche (das iſt, chriſtliche) Lehre von der Abſolution, noch wiſſen ſie, was ein Miethling iſt. Von ihnen heißt es: „Sie verführen und werden ver⸗ führt.“ Sie ſind in ihrer Unkenntniß wahren Chriſtenthums hineingezogen worden in den Strudel einer ſchwärmeriſchen Seecte, zu ihrem größten Verderben noch dazu bald zu Predigern und Verbreitern des Methodismus gemacht wor⸗ den, ſo wollen ſie denn nun auch ihre Pflicht thun, und erklären nun alles um ſie her, was ſich zu ihrer Parthei nicht ſchlagen will, für unbekehrt, und die Prediger, welche einer andern Kirche die⸗ nen, wenn ſich dieſelben auch für Chriſtum und die von ihm erkauften Seelen in heiliger Liebe aufopferten und verzehrten, — für Miethlinge, das iſt, Bauchdiener. So gern wir nun dies an denen tragen wollen, die jenem Bauer gleich ſind, der in ſeiner Einfalt auch mit Holz zur Verbrennung des Hieronymus von Prag herbeitrug, zu welchem derſelbe lächelnd ſprach: „O heilige Einfalt, wer dich betrügt, der hat des tauſendfältige Sünde!“ — aber was ſollen wir dazu ſagen, daß Hr. Doctor Naſt, der Herausgeber des „Apologeten“, dazu behülf⸗ lich iſt, daß diejenigen, welche nach der in Gottes Wort ſo klar gegründeten Lehre die Vergebung begehrenden und Buße und Glauben bekennenden Sünder im Namen Chriſti abſolviren, deswegen ohne weiteres Miethlinge geſcholten werden?! Wie? ſollte Hrn. Dr. Naſt's Gewiſſen ſchon ſolche Brandmale bekommen haben, daß er aus Liebe zu ſeiner Parthei einen treuen Diener Chriſti, ja, alle jene Gottesmänner, Luther, Melanchthon, Chemnitz, Arnd, Heinrich Müller ꝛc., welche alle vor uns ſchon Abſolution ertheilt und ſich derſel⸗ ben in Anfechtung, Noth und Tod, getröſtet haben, deswegen Miethlinge, Bauchdiener ſchelten laſſen kann? — Nun, fahrt nur ſo fort, ihr Methodiſten, und verdächtiget, verleumdet und verdammet alle Knechte des Heilandes, die eure Farbe nicht tra⸗ gen: es kommt ein Tag, da wird die verborgen geweſene Treue belohnt, aber aller verdammungs⸗ ſüchtiger Heuchler weit auspoſaunten Werken die gleißende Tünche abgezogen werden. — 30— (Eingeſandt.) Ein Wort über Union mit beſonderer Be⸗ rückſichtigung eines Artikels in dem Juli⸗ Hefte des „deutſchen Kirchenfreundes“.) Jeder, dem es um die, uns von Gott verliehene Wahrheit, welche uns von der ſchnöden Knecht⸗ ſchaft unſerer ſubjectiven Meinungen frei machen, und uns in ſich ſelbſt vereinen, d. i. uniren ſoll, ein rechter Ernſt iſt, wird mit betrübtem Herzen hinblicken auf das unglückliche Sectenweſen, wel⸗ ches im Ungehorſam gegen dieſe einigende, gött⸗ liche Wahrheit, und in Nachgiebigkeit gegen die trennende, menſchliche Afterweisheit in Zerriſſen⸗ heit auseinanderfällt. Dieſer traurige Zuſtand iſt ſchon von vielen Seiten beherzigt und beſpro⸗ chen worden, und manche Mittel und Wege ſind bereits angegeben, um ſolchem Uebelſtande abzu⸗ helfen. In neuerer Zeit hat es ſich nun hier zu Lande beſonders der angeblich „für die gemein⸗ ſamen Intereſſen der amerikaniſch-deutſchen Kir⸗ chen“ herausgegebene Kirchenfreund zur Aufgabe gemacht, dieſen Schaden Zions zu heilen. Wer nun dieſes Blatt zur Hand nimmt, welches ſeinen Standpunkt mit einer gewiſſen wohlbehaglichen Selbſtgefälligkeit gleichſam in der Unionscentral⸗ ſonne ſelbſt genommen hat, und von da aus mit herablaſſender Geduld auf „das ſich in verſchie⸗ denen Farbenſtrahlen brechende Licht des Evan⸗ geliums“ herabblickt, wird bei einem in der Juli⸗ Nummer erſchienenen, die Union auf ganz eigen⸗ thümliche Weiſe auffaſſenden, Artikel „der Pro⸗ teſtantismus“ in der That kaum wiſſen, was er darin am meiſten beklagen ſoll, die darin befind⸗ lichen Widerſprüche, oder die unter hohlen Phra⸗ ſen verdeckte Unredlichkeit. Der Artikel führt die weitere Ueberſchrift „in⸗ nere Gliederung“, man erwartet nun billig eine Darlegung der verſchiedenen Glieder des Prote⸗ ſtantismus in ihren innern, jene Gliederung be⸗ gründenden Gegenſätzen, ſtatt deſſen findet man aber von dem Angekündigten Nichts, ſondern nur ein, ſich ſelbſt bis zur Weiſſagung über Rußland verſteigendes, ſelbſtgefälliges Raiſonnement über Union. — Die erſte Frage iſt nun wohl, ob Herr W. J. M. denn wirklich Union wolle oder nicht? Einem Theile ſeines Aufſatzes nach, ſollte man das allerdings vorausſetzen, er ſagt unter Anderm: „Wir wünſchen aber die letztere (die Einheit) von ganzer Seele und aus allen Kräften“ — ferner „daß ſie (die großartige Union“) kommen wird, iſt eine Hoffnung, die uns mit höherer Freude und größerer Zuverſicht erfüllt, als Alles, was bisher für Union geſchehen iſt. Die Geiſter müſſen auf ein neues Ziel hindrängen.“ — Was will denn aber der Herr Verfaſſer uniren? — Etwa die luthe⸗ riſche und katholiſche „Richtung“? Das ſcheint doch ſo, wenn er ſagt: wir wünſchen nicht nur, ſondern hoffen mit großer Zuverſicht eine Ver⸗ einigung der proteſtantiſchen mit der katholiſchen *) Dieſe Einſendung erſcheint erſt in dieſer Nummer unſeres Blattes aus Schuld des Redacteurs, dem ſie ſchon vor mehr als einem Monate zugekommen war. Sowohl Einſender als Leſer ſind deßwegen um geneigte Eniſchul⸗ digung gebeten. D. R. Kirche. — „Wir wünſchen“, ſagt aber der Herr Verfaſſer, „nie eine ſolche Einheit der Kirche, welche den individuellen Geiſtern nicht das Recht ihrer Geiſtesfreiheit in Chriſto belaſſen wollte.“ Daher fragt er denn auch: „Wer will einen von ihnen (nemlich Petrus und Jacobus als Repräſentanten einer jüdiſch⸗chriſtlichen und Paulus als den einer heidniſch⸗chriſtlichen Richtung) für weniger chriſt⸗ lich halten, als den andern?“ Und ſagt dann: „dieſer verſchiedenartige Standpunkt (alſo der petriniſche und der pauliniſche) hat ſich aber nachher fortwährend wieder geltend gemacht und demgemäß hat er ſich in Parteien dargeſtellt ...4 Man ſchreibt der katholiſchen Kirche, beſonders des Mittelalters, nicht mit Unrecht in manchtt Hinſicht jenen judenchriſtlichen Charakter zu . ..“ Hierin ſteht ſie dem Proteſtantismus direct en⸗ gegen, deſſen wichtigſte Bekenntnißſchriften einen weſentlich pauliniſchen Charakter an ſich tragen.“ Hier iſt kein Wort geſagt von dem Lügengeiſt des Katholicismus, der ſchmachvollen Karricatur „jener“ jüdiſch-chriſtlichen Richtung des Petrus. Nein, der Katholicismus iſt dem Verfaſſer eben nur ein von dem Proteſtantismus verſchieden⸗ artiger Standpunkt, von dem aus die Sache an⸗ geſchaut wird, „die Sache ſelbſt, um die es ſich handelt, iſt dieſelbe, iſt Eine.“ Aber warum will denn Herr W. J. M. dieſe unſchuldigen verſchie⸗ denen Standpunkte noch uniren? Er will ja keine ſolche Einheit der Kirche, welche den indi viduellen Geiſtern das Recht ihrer Geiſtesfreihei: in Chriſto benimmt, und nun ſcheint ihm ſogar die Union der Geiſter der Apoſtel noch nicht eng genug? Oder will der Verfaſſer etwa das Lutherthum und den „Reformismus“ uniren? — Er erwähnt es mit Recht tadelnd, daß „alle Unionsverſuche zwiſchen Reformirten und Lutheranern ſtets dar⸗ auf ausgegangen, die Differenzen zudecken, über⸗ ſehen zu wollen und einen gemeinſamen Grund aufzuſuchen“. Der Verfaſſer will nun dieſen Fehler vermeiden und gibt ſich den Schein, die Differenzen recht gründlich aufdecken zu wollen, er nimmt in der That den Mund ſehr voll und thut grundehrlich, wenn er ſagt: „Die volle Dif⸗ ferenz des reformirten und lutheriſchen Bekenn⸗ niſſes, weil Geiſtes, wollen wir geradezu recht. anerkannt wiſſen. Sie iſt ſo wenig ein Mach⸗ werk etlicher Doctoren, als der Proteſtantismus ſelbſt.“ Er findet die Verſchiedenheit des Luther⸗ thums und des Reformismus „unendlich tief⸗ greifender (12) als ſelbſt den zwiſchen Proteſtan⸗ tismus und Katholicismus.“ Er ſagt ferner: „Kann man denn da (bei dem gegenſeitigen Rechte zwiſchen religiöſen Gemeinſchaften) auch etwas fahren laſſen, das man mit gutem Gewiſſen vor⸗ her feſthalten zu müſſen glaubte? Kann man nur einen Titel vom Geſetz aufgeben, ſo lange das Herz Etwas an demſelben findet? Kann man da um des Friedens willen etwas thun oder laſſen, was im engern Herzen Unfrieden ſtiften müßte? Sind dieſe Punkte ganz beſeitigt, dann iſt das Uniren leicht. Wer ſie aber beim Uniren nicht gehörig beherzigt, wird geradezu Saat zum Un⸗ frieden ausſtreuen.“ Ferner: „Es darf nicht