Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 27

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-13, Seite 27

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehranſtalt 1 · Loge · Loge 6

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ſeht her, Leute, bei uns iſt die rechte Liebe, auf un⸗
ſern Fahnen findet ihr ſie abgebildet. —Pfui Teu⸗
fel— Mir nur der Liebe nicht! die Lüge iſt
zu grob und gottlos! Die Phariſäer waren hei⸗
lige Leute gegen euch. Sie gaben zwar auch aus
Selbſtſucht, aber doch den Armen, ihr gebt nur
euch ſelbſt, denn wenn auch einige gutmüthige
Gimpel, wie du z. B., ſich von dem Liebesgeſchrei
bethören laſſen, ſo möchten doch wohl unter hun⸗
dert ſich kaum zwei finden, die eingetreten ſind,
um Liebe zu üben, ſondern eure Unterſtützungen
zu genießen. Ja die Sprache fehlt mir, um mei⸗
nen vollen Abſcheu vor ſolcher abſcheulicher Lüge
auszudrücken, wodurch alle chriſtlichen
Begriffe umgeſtürzt, das göttliche Bild
derſchriſtlichen Liebe in eine widerliche
Fratze verwandelt, und das Volk that⸗
ſächlich in den abſcheulichen Irrthum
geführt wird, Selbſtſucht fürchriſtliche
Liebe zu halten. Es gehört die Abgeſtumpft⸗

heit des neunzehnten Jahrhunderts dazu, um
ſolche Scheuel und Greuel ungeſtraft aufbringen
und verſchlucken zu können, und doppelte Schmach
über die Prediger, die gegen ſolchen Greuel nicht
nur nicht ſchreien, ſondern den Greuel mitmachen
und billigen. Sie ſind's, über welche der HErr
das Wehe ausruft Jeſ. 5, 20.

C. Ich muß geſtehen, du haſt mir einen tüch⸗
tigen Floh ins Ohr geſetzt und meinen Eifer für
die Geſellſchaften bedeutend abgekühlt.

P. Wollt Gott, ich hätte dir lauter Spieße
und Nägel ins Gewiſſen geworfen, Pred. 12, 11.
Denn wenn dir die Augen durch dein beſchwertes
Gewiſſen erſt etwas geöffnet werden, ſo muß ſich
dir ja die Wahrheit aufdringen, daß ihr gegen
Gott und ſeinen heiligen Erlöſungsplan ſtreitet,
und durch euer Wort und Beiſpiel die Welt im⸗
mer mehr verdunkelt, daß ſie gar nicht mehr ſieht,
wozu ſie eigentlich der HErr erlöſet hat, und das
iſt nichts anders, als daß ſie in das Bild Gottes
ſoll wieder verkläret werden, und Gott iſt die
Liebe. Nun aber ſtellt ihr die Selbſtſucht als
die rechte Liebe hin, und Tauſende und abermals
Tauſende, ja bekehrte Chriſten ſind ſchon ſo weit
verblendet, daß ſie den greulichen Irrthum und
die Lüge gar nicht einmal mehr ſehen, deren doch
die Heiden ſich würden geſchämt haben; denn
das iſt bei aller Finſterniß den Heiden nie einge⸗
fallen, für Liebe auszugeben, was ihr dafür aus⸗
gebt. Es iſt nur gut, daß Gott den Bäumen
ſteuert, daß ſie nicht in den HDimmel wachſen; Er
wird auch euch wieder zu Boden bringen, und
der Welt die Augen über eure Liebe und Liebes⸗
geſchrei öffnen; daß ihr euch ſelbſt ſchämen, und
euer Treiben aufgeben werdet, wenigſtens die
Chriſten unter euch, die ihren Namen auch in der
That führen.

C. Wenn ich nur nicht ſchon ſo viel Geld in
die Geſellſchaften hineingeſteckt hätte, ſo träte ich
auf der Sielle aus.

P. Aha! kommt endlich der Fuchs zum Loche
heraus? Siehſt du nun, daß alle dein Liebesge⸗
ſchwätz eben nur Geſchwätz geweſen? Denn
biſt du aus Liebe, und um Liebe gegen die Armen
auszuüben, eingetreten, und nicht um ſelbſt Un⸗

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terſtützung zu erhalten, ſo iſt ja nichts verloren
von dem Gelde, obgleich es hätte beſſer angelegt
werden können; weil du aber nur das Deine da⸗
bei im Auge gehabt haſt, ſo trittſt du ungern
aus, weil du nun dein Geld umſonſt weggegeben
haſt, und nichts dafür wieder kriegſt. Aber, ſo
ſchwer es dir, und auch ärmern Chriſten werden
mag, ſo bedenke doch nur, ob du um einiger Tha⸗
ler willen fortfahren willſt, gegen Gottes Wort
zu handeln, der Kirche und der Welt Aergerniſſe
zu geben, dem HErrn und ſeiner Kirche die Ehre
zu rauben, die Ihm allein gebührt, und die Kräfte
andern zu leihen, die, wie du geſtehen mußt, gegen
Chriſtus und ſeine Kirche arbeiten, ja durch die
Lüge, die dir ja nun ſelbſt offenbar iſt, die Welt
immer mehr verfinſtern, und mit dem ſchändlich⸗
ſten und ſchädlichſten Irrthum erfüllen? Denk
doch ſelbſt nach, wie du vor Dem erſcheinen willſt,
der Sich und Seine ganze Herrlichkeit um deinet⸗
willen geopfert hat, und dir hinlänglich durch die
Hingabe Seines heiligen Blutes und Lebens die
Verſicherung gegeben, daß Er auch im Leiblichen
dich wohl verſorgen will, namentlich wenn du
das Leibliche für ihn opferſt. Ach, bedenke
doch den großen Ernſt, den das Selig—
werden erfordert! Denn wenn der HErr
ſagt, daß, wer ſein Leben lieb hat, es verlieren
wird, was wird denn dem werden, der die paar
Thaler nicht in die Schanze ſchlagen will?
Wer nicht Allem abſagt, ja ſein eigen
Leben nicht haßt um Meinetwillen,
ſpricht der HErr, der iſt Mein nicht
werth! O, laß doch Seine Liebe zu dir in das
Herz eindringen, und du wirſt dich ſchämen, den
kleinen und nur ſcheinbaren Verluſt in Anſchlag
zu bringen!

C. Es wird auch an Spott und Hohn nicht
fehlen, wenn ich austrete!

P. Gewiß nicht! Man wird dich einen Dun⸗
kelmann, Pfaffenknecht ꝛc. heißen, aber nur ſolche,
die ſelbſt kein Gewiſſen mehr haben; rechtliche
Leute, ſelbſt wenn ſie deine Anſichten für über⸗
ſpannt halten, werden dir recht geben, wenn du
deinem Gewiſſen folgſt. Aber ſwas iſt's denn
überall? Narren müſſen wir werden um Chriſti
willen, wenn wir ſeine Jünger, und einſt ſeine
Miterben werden wollen, 1 Cor. 3, 18. Und
was iſt denn aller Ruhm oder Haß und Hohn der
Welt gegen die Ehre und Verwerfung vor dem
HErrn? Wenn Chriſtus dich vor ſeinem himmli⸗
ſchen Vater und ſeinen heiligen Engeln bekennt,
dann müſſen ja doch die Läſterungen der Welt
ſchweigen, und wenn Er dich verleugnet, ſo wird
die Ehre, die die Welt dir gab, dich in der Hölle
ſicherlich nicht tröſten, ſondern ein Zuwachs dei⸗
ner Pein ſein, darum, daß du die Ehre deines
HErrn und Königs verſchmähet haſt, um der Ehre
der Welt willen, die doch vor Gott nichts als
Schande iſt.

C. Wenn ich mich nun aber gar nicht mehr
um die Geſellſchaften bekümmerte und nur die
Beiträge fortbezahlte?

P. Würdeſt du nicht in derſelben Verdammniß
bleiben? Würdeſt du dich nicht fremder Sünden
theilhaftig machen? Würden die Aergerniſſe auf⸗

hören? Würdeſt du damit, wie du es ſchuldig
biſt, ein offenes ehrliches Bekenntniß gegen das
Sündliche der Geſellſchaften ablegen, und für den
HErrn und Seine Kirche? Würdeſt du dich nicht
als einen elenden Feigling ſelbſt verachten müſſen,
und die Verachtung der Welt mit Recht verdie⸗
nen, weil du nicht einmal Courage genug hätteſt,
friſch und frei hervorzutreten, wie doch ſelbſt ein
ehrlicher und tüchtiger Heide thut? Ja, würdeſt
du nicht von Neuem Chriſtum unter ſeinen Geg⸗
nern läſtern, und unſern heiligen Glauben ſchän⸗
den, wenn ſie ſehen, daß ein Chriſt ſo zweideutig
bei ſeinem Glauben handeln darf? Raffe dich
doch auf, Carl, und ſei ein Mann und ein Chriſt!
Halbirtes Weſen iſt immer eine Schmach für
einen Mann, wie vielmehr für einen Chriſten; es
kann auch dabei keine Buße, kein Glaube, kein gut
Gewiſſen, kein fröhlich Herz beſtehn; und dein
eigen Gewiſſen wird dir ſagen, daß ſolch Handeln
nichts iſt als ein Verrath Chriſti und ein Auf⸗
geben der Seelen Seligkeit. Rufe den HErrn an
um Licht, um Muth und Kraft und du wirſt auch
bald rühmen können mit David: „Mit meinem
Gott kann ich über die Mauern ſpringen“,
2 Sam. 22, 30., obgleich dieſe Mauern ſo hoch
nicht ſind.

C. Ich ſehe wohl, daß es leichter iſt, in die
Welt ſich hineinzufinden, als wieder herauszu⸗
kommen. Aber es muß wohl dennoch ein Sprung
über die Mauern gewagt werden.

P. Nun, ich will verſuchen, dir den rechten
Schwung zu geben.

C. Wie ſo?
(Schluß folgt.)

(Eingeſandt.)
An die lutheriſche Kirche in den Vereinigten
Staaten von Nord⸗Amerika.

Daß es die unterzeichnete Commiſſion wagt,
Gegenwärtiges an die ganze lutheriſche Kirche in
den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu
richten, wird hoffentlich nicht befremden, wenn
man die Wichtigkeit des Gegenſtandes, der im
Nachfolgenden dargelegt wird, erwägt, und es be⸗
denkt, daß eben die lutheriſche Kirche es iſt, an
welche wir uns allein in der betreffenden Ange⸗
legenheit wenden können. Die Sache nemlich,
welche wir hierdurch vorzulegen gedrungen wer⸗
den, betrifft die Errichtung einer dauernden Anſtalt
hier im Weſten, in welcher Prediger des ſelig⸗
machenden Evangeliums für unſere, hier ſo ſehr
verlaſſenen Glaubensbrüder, und für unſere Nach⸗
kommen erzogen werden ſollen. Wohl dachten
einige hier gebildete lutheriſche Gemeinden bald
nach ihrem Zuſammentritt auch daran, daß es
ihre Pflicht ſei, den Anfang zu einem theologi⸗
ſchen Predigerſeminar zu machen. Es entſtand
auch ein ſolches vor 10 Jahren. Aber es war
nur ein geringer Anfang, und iſt auch ein ſolcher
bis auf den heutigen Tag geblieben. Erſt vier
junge Leute, welche von früher Jugend an die
alten Sprachen gelernt haben und in der theolo⸗
giſchen Wiſſenſchaft wohl unterrichtet ſind, ſind
aus dem Collegio hervorgegangen, und als Ar⸗
beiter in der großen Ernte angeſtellt worden. In

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