Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 28

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-13, Seite 28

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehranſtalt 1

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Jahresfriſt werden mit Gottes Hülfe vielleicht
noch einige Andere, als zum heiligen Amte wohl
vorbereitet, die Anſtalt verlaſſen können. Was
iſt dies aber gegen die großen Maſſen deutſcher
Lutheraner, womit die Staaten des Weſtens an⸗
gefüllt ſind! Was iſt das gegen ein Arbeits⸗
feld, das mit jedem Jahre immer ausgedehnter
wird, und ganze Schaaren von Evangeliſten er⸗
fordert.

Bisher befand ſich die Anſtalt in Altenburg,
Perry Co., Mo., einer wenig bekannten deutſchen
Anſiedelung. Der Unterricht in derſelben wurde
in den letzten Jahren von dem Paſtor der daſigen
Gemeinde, dem nun ſelig entſchlafenen Paſtor
Löber, einem Lehrer in den alten Sprachen und
einem Hülfslehrer ertheilt. Wie ſchon angeführt,
iſt die Anſtalt klein geblieben. Gegenwärtig be⸗
finden ſich im Ganzen neun Zöglinge darinnen,
von welchen vier noch junge Knaben ſind, die
anfangen, die Sprachen zu lernen. Wäre es
nicht in der That traurig, wenn dieſe, im fernen
Weſten einzige Pflanzſchule zur Erziehung der
Prediger unſeres Bekenntniſſes fort und fort ein
ſo kümmerliches Beſtehen hätte? Wäre es nicht
wünſchenswerth, daß die Aufmerkſamkeit mehr auf
dieſe Anſtalt gerichtet, und ſelbſt mit Aufopferung
das Nöthige beſchafft würde, um dieſelbe zu he⸗
ben? Ohne Zweifel werden alle rechtſchaffenen
Lutheraner in dieſen Wunſch einſtimmen. Was
könnte nun zu ſolcher Hebung beitragen?

Die deutſche, evangeliſch-lutheriſche Synode
von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten, nach⸗
dem derſelben die Anſtalt ſelbſt, und die Leitung
und Aufſicht über dieſelbe übertragen worden iſt,
hat, in Erwägung, daß ein paſſender Ort, an
welchem eine ſolche Schule leichter zur Kenntniß
der Leute komme und eher Zöglinge erhalten
könne, viel zu Hebung derſelben beitragen dürfte,
beſchloſſen, das bisher in Altenburg ohne eigenes
Gebäude daſelbſt beſtehende Predigerſeminar nach
St. Louis, dem Mittel⸗ und Hauptpunkte des
Weſtens, zu verlegen. Und weil natürlich ohne
Anſtellung von beſonderen Lehrern, die tüchtig ſind
und ihre Zeit und Kraft allein dem Unterrichte
widmen können, eine Hebung nicht denlbar iſt,
ſo hat die genannte Synode ebenfalls beſchloſſen,
neben dem Lehrer in den alten Sprachen auch
einen beſonderen Profeſſor der Theologie und wo
möglich auch noch mehre Lehrer, namentlich auch
einen ſolchen für die engliſche Sprache und die
Realien anzuſtellen. Dieſe Beſchlüſſe werden
gewiß von Allen, die der Sache reiflich nachden⸗
ken, für zweckmäßig gefunden werden, und von
Allen die Zuſtimmung zur ſchleunigſten Ausfüh⸗
rung erhalten. Aber eben an der Ausführung
liegt es; dazu bedarf es nicht nur betender Her⸗
zen, ſondern auch milder Hände. Es wird nem⸗
lich eine gehörige Summe Geldes erfordert, ein⸗
mal um die nothwendigen Gebäude ausführen zu
können, und ſodann, um einen Fond zu gründen,
aus welchem, wenn auch nicht der vollſtändige
Gehalt der Lehrer, doch zum großen Theil beſtrit⸗
ten werden kann. Da die meiſten der jungen
Leute, die ſich hier zu Lande dem heiligen Predigt⸗
amt widmen, arm ſind, ſo iſt es meiſt völlig ge⸗

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nug, wenn ſie Jahre lang, ohne ſich ſonſt etwas
zu erwerben, für ihren Unterhalt ſorgen. Auf
eine Bezahlung für den Unterricht, alſo auf eine
Erhaltung der Lehrer von dieſer Seite, iſt wenig
oder gar nicht zu rechnen. Einige Hundert Tha⸗
ler reichen auch nicht hin, um dieſes zur Ausfüh—
rung zu bringen. Es werden Tauſende erfordert,
wenn paſſende Wohnungen für Lehrer und Schü⸗
ler erbaut, und liegende Güter angeſchafft werden
ſollen, von deren Einkommen die Lehrer, wenig⸗
ſtens theilweiſe, erhalten werden können. Wie ſoll
aber dieſes Geld aufgebracht werden? Wird es
wohl möglich ſein, in der lutheriſchen Kirche Ame⸗
rika's für einen ſolchen Zweck einige Tauſende zu
erhalten?

Die lutheriſche Gemeinde in St. Louis ſelbſt
hat zwei werthvolle Acker Landes in der Nähe der
Stadt in einer der geſündeſten Gegenden zu Bau⸗
plätzen geſchenkt; hat die reinen Einkünfte ihrer
Gottesacker⸗Caſſe, und den Ueberſchuß aus dem
Verkauf des von ihr verlegten Geſangbuchs dem
Seminar zugewieſen und über 2000 Dollars zum
Bau des Gebäudes verwilligt und unter ſich auf⸗
gebracht. Aber dennoch würde es eine Sache der
Unmöglichkeit ſein, und manches Nothwendige
unterbleiben müſſen, wenn dieſe Gemeinde mit
den wenigen andern, viel ärmeren Gemeinden,
welche ihre Unterſtützung zugeſagt haben, die ganze
Laſt der Erhaltung allein tragen ſollte. Es iſt ja
auch nicht die Sache einer und der andern Ge⸗
meinde, ſondern der ganzen Kirche. Die Lehrer,
die hier ihre Bildung erhalten ſollen, ſind be⸗
ſtimmt, nicht nur in St. Louis und innerhalb des
Bereichs der Synode von Miſſouri das Wort
Gottes zu predigen, ſondern an allen Orten, wo⸗
hin ſie der HErr der Ernte ſtellen wird, nament⸗
lich in unſerm ſo predigerarmen Weſten.

Von wirklichem Mangel an Mitteln inner⸗
halb der ganzen lutheriſchen Kirche Amerika's zu
einem ſolchen Unternehmen kann offenbar nicht
die Rede ſein: Sollte die lutheriſche Kirche von
Amerika eine Summe von 10,000 Dollars und
mehr nicht mit Leichtigkeit aufbringen können?
Es kann ſich hier offenbar nur um die Bereit⸗
willigkeit handeln, eine ſolche Anſtrengung zu
machen. Und um dieſe in den Herzen durch Got⸗
tes Hülfe zu erwecken, fühlen wir uns gedrungen,
auf Folgendes hinzuweiſen:

Tauſende von Lutheranern kommen jährlich aus
unſerem alten Vaterlande hierher, und ſiedeln ſich
zum großen Theil im Weſten an. Wie Viele
gibt es aber unter den auswandernden Geſellſchaf⸗
ten, die auch Prediger, und, was die Hauptſache
iſt, gläubige, für das reine Gotteswort eifernde
Prediger mit ſich bringen? Das iſt eine Selten⸗
heit. An vielen Plätzen, wo ſich die Angekom⸗
menen hier niederlaſſen, gibt es entweder gar
keine Prediger, oder doch keine deutſchen und
lutheriſchen. Was geſchieht? Diejenigen,
die ſich mit uns zu Einer Kirche bekannten, ſie
verſinken erſt, durch den gänzlichen Mangel an
der Predigt des göttlichen Wortes, in Gleichgül⸗
tigkeit, werden hierauf oft Verächter Gottes und
ſeines Wortes, und ſpotten wohl endlich über
alles Heilige. Die armen Kinder werden Chriſto

nicht zugeführt, werden nicht getauft, nicht in der
heilſamen Lehre unterrichtet. Es werden aus
unſern deutſchen Glaubensgenoſſen, es iſt erſchreck⸗
lich zu ſagen — offenbare Heiden! — Ach, welch
ein Jammer! Am Irdiſchen reich, und am Geiſt⸗
lichen und Himmliſchen ſo ganz arm! Dieſer
Jammer wird jedem aufmerkſamen Reiſenden A
durch Amerika bald entgegentreten. Die Amer⸗
kaner ſelbſt, die unſerer Kirche nicht angehören,
werden vom Mitleiden bewogen, den deutſchen
Gliedern unſerer Kirche Prediger zu ſenden. Es
arbeiten namentlich die Methodiſten, auch die 3
Presbyterianer und Episcopalen unter den Deu⸗
ſchen. Aus Mangel an Predigern ihres eigenen
Glaubens nehmen dieſelben die zu ihnen kommen⸗
den deutſchen Methodiſten-Miſſionare und andere
Prediger an, treten von ihrer Kirche ab, und ver⸗
lieren alſo mit ihren Kindern das theuerſte Ver⸗
mächtniß, das ſie von ihren Vätern ererbi haben,
das Bekenntniß der reinen und vollen Wahrheit.,
Ihr koſtbarer Katechismus wird ausgetauſcht;
ihre glaubensvollen Lieder werden ihnen unbe⸗
kannt; ſie gerathen oft von einer Secte in die ö
andere.

Es ſei fern von uns, über die Abſichten der
miſſionirenden engliſchen Gemeinſchaften uns bit⸗
ter auszuſprechen. Selbige handeln nach ihrem
Gewiſſen, und bringen große, bewunderungsvolle
Opfer. Aber wir führen es hier an, um die deut⸗
ſchen Lutheraner an ihre verſäumte Pflicht zu er⸗
innern. O, geliebte Glaubensbrüder! ſagt, wer
ſoll ſich der Lutheraner annehmen, daß ſie Luthera⸗
ner bleiben? Wer ſoll für das Beſtehen und
Aufblühen der lutheriſchen Kirche wirken? Wer
anders, als eben wir Lutheraner? Dürfen wir
das uns, als Lutheranern, vom HErrn anver⸗
traute Pfund vergraben? Und dürfen wir es
darum vergraben, weil wir einige Dollars nicht
ſpenden wollen? Es wäre fürwahr ein höchſt
trauriges Zeichen, entweder, daß wir unſern
Glauben in ſeiner Reinheit nicht kennen, oder,
daß wir das Geld lieber haben, als Gottes Ehre
und Gottes Wort und der Seelen Heil, wenn
wir nichts darreichen wollten, eine Anſtalt mit
heben zu helfen, in welcher rechtſchaffene und
tüchtige Prediger des Evangeliums gebildet wer⸗
den ſollen! Sollten freilich nicht höhere Wiſſen⸗
ſchaften und Sprachen in der Anſtalt getrieben
werden, ſo würde es allerdings nicht ſo viele
Koſten erfordern. Es wären weniger Lehrer und
weniger Kräfte erforderlich; auch könnten die
Zöglinge, ſo ſie anders fromme und begabte junge
Leute wären, in kürzerer Zeit wieder entlaſſen
werden. Aber grade dieſes hat die lutheriſche
Kirche ſtets feſtgehalten, daß die Kirche auch Ge⸗
lehrtenſchulen zur Erziehung ihrer Prediger be⸗
dürfe, weil es Erfahrungsſache iſt, daß in ſolchen
Gemeinſchaften die reine Lehre bald untergegan⸗
gen iſt, in welchen man es nicht für nöthig hielt,
daß von Predigern höhere Wiſſenſchaften und
Sprachen erlernt würden.
hocherleuchtete Knecht Gottes, der ſel. Dr. Mar⸗
tin Luther, eifert, unter anderem auf die
Waldenſer hinweiſend, ſehr für Erhaltung höhe⸗
rer Schulen. In der Schrift „an die Bürger⸗

Der erfahrene und

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