Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 25
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-13, Seite 25
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge · Loge 4
Belligirt von C. F. W. Walther.
Der Lutheraner.
„Gottes Mort und Authers Xehr' vergehet nun und nimmermehr.“ „
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Zahrgang 6.
Ht. Louis, Mo., den 16. October 1849.
No. 4.
ENur die Briefe, welche
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
vorauszubezahlen und das Poſtgeld R tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of O. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
(Eingeſandt.)
Darf ein Chriſt ſich den ſogenannten geheimen
Geſellſchaften anſchließen?
(Fortſetzung.)
C. Nun, wenn die Kirche ihre Pflicht thäte, ſo
brauchte man ja freilich die Geſellſchaften nicht,
und man wäre damit auch alles zufälligen Uebels
überhoben, wovon auch die beſten menſchlichen
Einrichtungen begleitet ſind.
P. Die Kirche ihre Pflicht thäte? Wunderliche
Rede! Wer iſt denn die Kirche? ſind's nicht die
Gläubigen? Gehörſt du nicht auch zur Kirche?
Haſt du nicht auch Pflichten gegen ſie und in ihr
zu erfüllen? Wenn nun die Gläubigen ihre Pflicht
nicht thun, ſo thut ſie freilich die Kirche nicht.
Davon reden wir ja eben, daß ihr Gläubigen,
oder Glieder der Kirche, eure Kräfte verſchwendet
in Verbindung mit den Ungläubigen und zum
Beſten der Welt, und darin liegt ja eben die Ur⸗
ſache und die Schuld, daß die Kirche ihrer Pflicht
nicht nachkommen kann. Du mußt alſo ſo ſagen:
„Wenn wir Gläubigen unſere Pflicht thäten, und
ſtatt für die Geſellſchaften zu arbeiten, mit der
Kirche, d. h. mit den andern Gläubigen, Hand ans
Werk legten, und ſie nicht ſchändlicher Weiſe im
Stich ließen, ſo brauchte man die Geſellſchaften
nicht.“ Uebrigens ſind wir mit unſerm Vertrauen
in leiblicher Noth und Armuth gar nicht auf die
Kirche angewieſen, ſondern auf den lebendigen
Gott, denn die Kirche hat es zunächſt mit andern
Dingen zu thun, als die Bäuche zu füllen, ob⸗
gleich natürlich der rechte Glaube auch dergleichen
Liebeswerke mit ſich führen wird; und gibt's auch,
Gott ſei Dank, in jeder chriſtlichen Gemeinde noch
Gläubige genug, die es an dergleichen Liebeswer⸗
ken nicht fehlen laſſen, eben ſo wohl, als ſolche,
die, ohne Glieder eurer Geſellſchaften zu ſein, es
noch täglich erfahren, daß der HErr auch in leib⸗
licher Hinſicht der Gott der Elenden und Armen
iſt, und ſeine Gaben durch die Hände der Gläu⸗
bigen austheilt.
C. Freilich ſparſam genug!
P. Eben durch eure Schuld, weil ihr ſie ſchänd⸗
lich im Stiche laßt, und mit euren Almoſen lieber
hinter der Welt herzieht, damit ihr ihres Ruhmes
theilhaftig werdet. Denn, ſage ſelbſt, wenn z. B.
alle Glieder der Gemeinde die Beiträge, die ſie
jetzt in die Geſellſchaften tragen, in den Gottes⸗
kaſten der Gemeinde niederlegten, würde nicht eine
ſo bedeutende Summe heraus kommen, daß aller
Noth in der Gemeinde abgeholfen werden könnte?
und nicht allein das, ſie würde dadurch auch in
Stand geſetzt werden, denen, die draußen ſind, zu
helfen; da käme es wieder in den alten Gang,
daß die Kirche wieder Hospitäler anlegen, arme
Kinder zur Schule ſchicken, dürftige aber tüchtige
junge Leute ſtudiren laſſen, verlaſſene Gemeinden
mit Predigern und Kirchen verſehen, kurz in allen
Zweigen der Liebe und Barmherzigkeit thätig ſein
könnte. Da würde ſie wieder in ihrem rechten
äußern Schmucke prangen zum Lobe und Preiſe
ihres göttlichen HErrn und Meiſters, der dies
Alles in ihr wirkte. Da würde manches, dem HErrn
entfremdete Herz durch die leibliche Gabe zu der
einzigen und ewigen Quelle der Liebe gezogen
werden, und noch im Himmel die Kirche preiſen,
während eure Geſellſchaften ſie immer mehr der
Kirche entfremden, und ſo Schuld ſind, daß ſie um
ihrer Seelen Seligkeit betrogen werden. Ja da
würde auch die rechte Liebe geübt werden, während
eure Liebe, wovon ihr ſo viel Weſens macht, am
Gelindeſten geſprochen, doch nur ein miſerabler
humbug iſt. — Du mußt mir das engliſche Wort
nicht übel nehmen, denn im Deutſchen wüßte ich
es nicht anders zu geben, als durch „Betrug“ und
„abſcheuliche Lüge“, und das würde dir vielleicht
zu hart vor den Kopf ſtoßen. ö
C. Nun du theilſt wahrlich deine Höflichkeiten
auf eine eigenthümliche Weiſe aus, und man muß
dir wenigſtens das Lob ertheilen, daß du allem
Mißverſtehen derſelben behutſam vorbeugſt. Man
pflegt das bei uns Bohnenſtroh⸗grob zu nennen.
Solche Grobheiten ſind mir übrigens ganz lieb,
ſie beweiſen gewöhnlich die Schwäche des Geg⸗
ners, der das mit Grobheit des Ausdrucks erſetzen
muß, was ſeinen Beweiſen an Kraft und Wahr⸗
heit abgeht, und ich ſchöpfe wieder Muth für
meine Geſellſchaften!
P. Iſt dir das bisher Geſagte vielleicht nicht
deutlich genug geweſen, auch ohne Grobheit?
C. Vollkommen, wenigſtens haſt du mir genug
gegeben, um die Sache ernſtlich in Erwägung zu
ziehen.
P. Nun Gott helfe dir dabei zu rechter Lauter⸗
keit und Aufrichtigkeit des Herzens! Aber daß dir
der miſerable humbug, den man bei euch mit der
Liebe und Wohlthätigkeit treibt, noch nicht in die
Augen gefallen iſt, das wundert mich!
C. Und mich ſoll's wundern, wie du die Liebe
und Wohlthätigkeit zum humbug machen kannſt,
ich finde das abſcheulich! ö
P. Nicht die Liebe, ſondern eure Liebe. Du
weißt, wie der HErr die rechte Liebe, die man
allein Liebe nennen kann, bezeichnet. Darin finde
ich nun erſtlich nichts von Poſaunen, Pfeifen und
Trommeln, ſondern das finde ich bei der Liebe der
Phariſäer, die der HErr als eine Lüge hinſtellt
Matth. 6, 1—4. Indeſſen das iſt noch nichts,
obgleich immer ſchon genug, um einem Chriſten
einen Ekel vor eurer Liebe beizubringen. Was
ſagſt du aber zu ſolchen Stellen, die dir ja von
Jugend auf bekannt ſind: „Liebet eure Feinde,
thut wohl den, die euch haſſen ꝛc. Wer dich bittet,
dem gib, und wer dir das Deine nimmt, da fordere
es nicht wieder. — Und ſo ihr liebet, die euch lie⸗
ben, was Danks habt ihr davon? Denn die
Sünder lieben auch ihre Liebhaber; und wenn
ihr euren Wohlthätern wohl thut, was Danks
habt ihr davon? denn die Sünder thun dasſelbe
auch. Und wenn ihr leihet, von denen
ihr hoffet, zu nehmen, was Danks habt
ihr davon, denn die Sünder leihen den Sündern
auch, auf daß ſie Gleiches wieder neh—
men! Doch aber liebet eure Feinde, thut wohl
und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet,
ſo wird euer Lohn groß ſein, und werdet Kinder
des Allerhöchſten ſein, denn Er iſt gütig.“ ꝛc.
Eure Geſellſchaften ſagen: So du mir, ſo ich dir!
Von welchem wir keinen Profit ziehen können, der
kann von uns auch nichts kriegen! Eure Liebe
iſt die allermiſerabelſte Selbſtſucht, wie
ſie nur der Unglaube und das gröbſte Fleiſch her⸗
vorbringen kann.
C. Wie kannſt du das ſagen? Werden nicht
unſere Kranken auf das Beſte verpflegt, unſere
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