# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 13_S27 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſeht her, Leute, bei uns iſt die rechte Liebe, auf un⸗ ſern Fahnen findet ihr ſie abgebildet. —Pfui Teu⸗ fel— Mir nur der Liebe nicht! die Lüge iſt zu grob und gottlos! Die Phariſäer waren hei⸗ lige Leute gegen euch. Sie gaben zwar auch aus Selbſtſucht, aber doch den Armen, ihr gebt nur euch ſelbſt, denn wenn auch einige gutmüthige Gimpel, wie du z. B., ſich von dem Liebesgeſchrei bethören laſſen, ſo möchten doch wohl unter hun⸗ dert ſich kaum zwei finden, die eingetreten ſind, um Liebe zu üben, ſondern eure Unterſtützungen zu genießen. Ja die Sprache fehlt mir, um mei⸗ nen vollen Abſcheu vor ſolcher abſcheulicher Lüge auszudrücken, wodurch alle chriſtlichen Begriffe umgeſtürzt, das göttliche Bild derſchriſtlichen Liebe in eine widerliche Fratze verwandelt, und das Volk that⸗ ſächlich in den abſcheulichen Irrthum geführt wird, Selbſtſucht fürchriſtliche Liebe zu halten. Es gehört die Abgeſtumpft⸗ heit des neunzehnten Jahrhunderts dazu, um ſolche Scheuel und Greuel ungeſtraft aufbringen und verſchlucken zu können, und doppelte Schmach über die Prediger, die gegen ſolchen Greuel nicht nur nicht ſchreien, ſondern den Greuel mitmachen und billigen. Sie ſind's, über welche der HErr das Wehe ausruft Jeſ. 5, 20. C. Ich muß geſtehen, du haſt mir einen tüch⸗ tigen Floh ins Ohr geſetzt und meinen Eifer für die Geſellſchaften bedeutend abgekühlt. P. Wollt Gott, ich hätte dir lauter Spieße und Nägel ins Gewiſſen geworfen, Pred. 12, 11. Denn wenn dir die Augen durch dein beſchwertes Gewiſſen erſt etwas geöffnet werden, ſo muß ſich dir ja die Wahrheit aufdringen, daß ihr gegen Gott und ſeinen heiligen Erlöſungsplan ſtreitet, und durch euer Wort und Beiſpiel die Welt im⸗ mer mehr verdunkelt, daß ſie gar nicht mehr ſieht, wozu ſie eigentlich der HErr erlöſet hat, und das iſt nichts anders, als daß ſie in das Bild Gottes ſoll wieder verkläret werden, und Gott iſt die Liebe. Nun aber ſtellt ihr die Selbſtſucht als die rechte Liebe hin, und Tauſende und abermals Tauſende, ja bekehrte Chriſten ſind ſchon ſo weit verblendet, daß ſie den greulichen Irrthum und die Lüge gar nicht einmal mehr ſehen, deren doch die Heiden ſich würden geſchämt haben; denn das iſt bei aller Finſterniß den Heiden nie einge⸗ fallen, für Liebe auszugeben, was ihr dafür aus⸗ gebt. Es iſt nur gut, daß Gott den Bäumen ſteuert, daß ſie nicht in den HDimmel wachſen; Er wird auch euch wieder zu Boden bringen, und der Welt die Augen über eure Liebe und Liebes⸗ geſchrei öffnen; daß ihr euch ſelbſt ſchämen, und euer Treiben aufgeben werdet, wenigſtens die Chriſten unter euch, die ihren Namen auch in der That führen. C. Wenn ich nur nicht ſchon ſo viel Geld in die Geſellſchaften hineingeſteckt hätte, ſo träte ich auf der Sielle aus. P. Aha! kommt endlich der Fuchs zum Loche heraus? Siehſt du nun, daß alle dein Liebesge⸗ ſchwätz eben nur Geſchwätz geweſen? Denn biſt du aus Liebe, und um Liebe gegen die Armen auszuüben, eingetreten, und nicht um ſelbſt Un⸗ 27 terſtützung zu erhalten, ſo iſt ja nichts verloren von dem Gelde, obgleich es hätte beſſer angelegt werden können; weil du aber nur das Deine da⸗ bei im Auge gehabt haſt, ſo trittſt du ungern aus, weil du nun dein Geld umſonſt weggegeben haſt, und nichts dafür wieder kriegſt. Aber, ſo ſchwer es dir, und auch ärmern Chriſten werden mag, ſo bedenke doch nur, ob du um einiger Tha⸗ ler willen fortfahren willſt, gegen Gottes Wort zu handeln, der Kirche und der Welt Aergerniſſe zu geben, dem HErrn und ſeiner Kirche die Ehre zu rauben, die Ihm allein gebührt, und die Kräfte andern zu leihen, die, wie du geſtehen mußt, gegen Chriſtus und ſeine Kirche arbeiten, ja durch die Lüge, die dir ja nun ſelbſt offenbar iſt, die Welt immer mehr verfinſtern, und mit dem ſchändlich⸗ ſten und ſchädlichſten Irrthum erfüllen? Denk doch ſelbſt nach, wie du vor Dem erſcheinen willſt, der Sich und Seine ganze Herrlichkeit um deinet⸗ willen geopfert hat, und dir hinlänglich durch die Hingabe Seines heiligen Blutes und Lebens die Verſicherung gegeben, daß Er auch im Leiblichen dich wohl verſorgen will, namentlich wenn du das Leibliche für ihn opferſt. Ach, bedenke doch den großen Ernſt, den das Selig— werden erfordert! Denn wenn der HErr ſagt, daß, wer ſein Leben lieb hat, es verlieren wird, was wird denn dem werden, der die paar Thaler nicht in die Schanze ſchlagen will? Wer nicht Allem abſagt, ja ſein eigen Leben nicht haßt um Meinetwillen, ſpricht der HErr, der iſt Mein nicht werth! O, laß doch Seine Liebe zu dir in das Herz eindringen, und du wirſt dich ſchämen, den kleinen und nur ſcheinbaren Verluſt in Anſchlag zu bringen! C. Es wird auch an Spott und Hohn nicht fehlen, wenn ich austrete! P. Gewiß nicht! Man wird dich einen Dun⸗ kelmann, Pfaffenknecht ꝛc. heißen, aber nur ſolche, die ſelbſt kein Gewiſſen mehr haben; rechtliche Leute, ſelbſt wenn ſie deine Anſichten für über⸗ ſpannt halten, werden dir recht geben, wenn du deinem Gewiſſen folgſt. Aber ſwas iſt's denn überall? Narren müſſen wir werden um Chriſti willen, wenn wir ſeine Jünger, und einſt ſeine Miterben werden wollen, 1 Cor. 3, 18. Und was iſt denn aller Ruhm oder Haß und Hohn der Welt gegen die Ehre und Verwerfung vor dem HErrn? Wenn Chriſtus dich vor ſeinem himmli⸗ ſchen Vater und ſeinen heiligen Engeln bekennt, dann müſſen ja doch die Läſterungen der Welt ſchweigen, und wenn Er dich verleugnet, ſo wird die Ehre, die die Welt dir gab, dich in der Hölle ſicherlich nicht tröſten, ſondern ein Zuwachs dei⸗ ner Pein ſein, darum, daß du die Ehre deines HErrn und Königs verſchmähet haſt, um der Ehre der Welt willen, die doch vor Gott nichts als Schande iſt. C. Wenn ich mich nun aber gar nicht mehr um die Geſellſchaften bekümmerte und nur die Beiträge fortbezahlte? P. Würdeſt du nicht in derſelben Verdammniß bleiben? Würdeſt du dich nicht fremder Sünden theilhaftig machen? Würden die Aergerniſſe auf⸗ hören? Würdeſt du damit, wie du es ſchuldig biſt, ein offenes ehrliches Bekenntniß gegen das Sündliche der Geſellſchaften ablegen, und für den HErrn und Seine Kirche? Würdeſt du dich nicht als einen elenden Feigling ſelbſt verachten müſſen, und die Verachtung der Welt mit Recht verdie⸗ nen, weil du nicht einmal Courage genug hätteſt, friſch und frei hervorzutreten, wie doch ſelbſt ein ehrlicher und tüchtiger Heide thut? Ja, würdeſt du nicht von Neuem Chriſtum unter ſeinen Geg⸗ nern läſtern, und unſern heiligen Glauben ſchän⸗ den, wenn ſie ſehen, daß ein Chriſt ſo zweideutig bei ſeinem Glauben handeln darf? Raffe dich doch auf, Carl, und ſei ein Mann und ein Chriſt! Halbirtes Weſen iſt immer eine Schmach für einen Mann, wie vielmehr für einen Chriſten; es kann auch dabei keine Buße, kein Glaube, kein gut Gewiſſen, kein fröhlich Herz beſtehn; und dein eigen Gewiſſen wird dir ſagen, daß ſolch Handeln nichts iſt als ein Verrath Chriſti und ein Auf⸗ geben der Seelen Seligkeit. Rufe den HErrn an um Licht, um Muth und Kraft und du wirſt auch bald rühmen können mit David: „Mit meinem Gott kann ich über die Mauern ſpringen“, 2 Sam. 22, 30., obgleich dieſe Mauern ſo hoch nicht ſind. C. Ich ſehe wohl, daß es leichter iſt, in die Welt ſich hineinzufinden, als wieder herauszu⸗ kommen. Aber es muß wohl dennoch ein Sprung über die Mauern gewagt werden. P. Nun, ich will verſuchen, dir den rechten Schwung zu geben. C. Wie ſo? (Schluß folgt.) (Eingeſandt.) An die lutheriſche Kirche in den Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika. Daß es die unterzeichnete Commiſſion wagt, Gegenwärtiges an die ganze lutheriſche Kirche in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu richten, wird hoffentlich nicht befremden, wenn man die Wichtigkeit des Gegenſtandes, der im Nachfolgenden dargelegt wird, erwägt, und es be⸗ denkt, daß eben die lutheriſche Kirche es iſt, an welche wir uns allein in der betreffenden Ange⸗ legenheit wenden können. Die Sache nemlich, welche wir hierdurch vorzulegen gedrungen wer⸗ den, betrifft die Errichtung einer dauernden Anſtalt hier im Weſten, in welcher Prediger des ſelig⸗ machenden Evangeliums für unſere, hier ſo ſehr verlaſſenen Glaubensbrüder, und für unſere Nach⸗ kommen erzogen werden ſollen. Wohl dachten einige hier gebildete lutheriſche Gemeinden bald nach ihrem Zuſammentritt auch daran, daß es ihre Pflicht ſei, den Anfang zu einem theologi⸗ ſchen Predigerſeminar zu machen. Es entſtand auch ein ſolches vor 10 Jahren. Aber es war nur ein geringer Anfang, und iſt auch ein ſolcher bis auf den heutigen Tag geblieben. Erſt vier junge Leute, welche von früher Jugend an die alten Sprachen gelernt haben und in der theolo⸗ giſchen Wiſſenſchaft wohl unterrichtet ſind, ſind aus dem Collegio hervorgegangen, und als Ar⸗ beiter in der großen Ernte angeſtellt worden. In