Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 24 › Seite 192
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-14, Seite 192
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 1
Schwert und Pflug.
—
Einſt war ein Graf, ſo geht die Mähr,
Der fühlte, daß er ſterbe,
Die beiden Söhne rief er her,
Zu theilen Hab und Erbe.
Nach einem Pflug, nach einem Schwert
Rief da der alte Degen,
Das brachten ihm die Söhne werth,
Da gab er ſeinen Segen:
Mein erſter Sohn, mein ſtärkſter Sproß,
Du ſollſt das Schwert behalten,
Die Berge mit dem ſtolzen Schloß,
Und aller Ehren walten.
Doch Dir, nicht minder liebes Kind,
Dir ſei der Pflug gegeben,
Im Thal, wo ſtille Hütten ſind,
Da magſt Du friedlich leben.
So ſtarb der lebensmüde Greis,
Als er ſein Gut vergeben,
Die Söhne hielten das Geheiß
Treu durch ihr ganzes Leben.
Doch ſprecht, was ward denn aus dem Stahl,
Dem Schloſſe und dem Krieger?
Was ward denn aus dem ſtillen Thal,
Was aus dem ſchwachen Pflüger?
O fragt nicht nach der Sage Ziel,
Euch künden rings die Gauen:
Der Berg iſt wüſt, das Schloß zerfiel,
Das Schwert iſt längſt zerhauen.
Doch liegt das Thal voll Herrlichkeit
Im lichten Sonnenſchimmer;
Da wächſt und reift es weit und breit:
Man ehrt den Pflug noch immer.
Wolfgang Müller.
Von dem amerikaniſch⸗lutheriſchen und refor⸗
mirten Geſangbuch.
Zweiter Brief.
Lieber Jakob!
Du mußt nicht zürnen, daß ich Dir mit dem
erſten Brief nicht auch gleich die Beweiſe für das
Geſagte von dem amerikaniſchen Geſangbuch ge⸗
liefert habe. Du weißt wohl, daß unſereiner das
Schreiben nicht gewohnt iſt und gleich müde
wird; zumal da ich jetzt ſo fleißig auf dem Felde
zu arbeiten habe und nur die Abende dazu an⸗
wenden kann. Ueberdieß hat's noch einen beſon⸗
deren Nutzen für Dich, Du haſt inzwiſchen Zeit
zum Nachdenken. Alles auf einmal würde Dir
den Kopf zu voll machen. Nun zu den Be⸗
weiſen.
Vorher muß ich Dir aber bekennen, daß ich
eben nur vom Gröbſten reden kann und als ein
Bauer nicht im Stande bin, wie ein Gelehrter
alles ſo genau aufzufinden, was nichts taugt;
aber darin liegt eben nicht ein geringer Beweis,
daß wenn ich ſchon ſo viel finde, was würde
dann erſt ein rechtgläubiger Gelehrter alles fin⸗
den! Machſt Du nun die erſte große Schublade
auf und ſuchſt in den vielen Fächern, wo die
Glaubenslehren drin ſind, ſo findeſt Du gleich
vorne dran in dem Liede Nr. 2 im 2. Vers, daß
die Seligkeit an die Tugend geknüpft wird, da
doch die heilige Schrift ſagt, daß man aus Gna⸗
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den durch den Glauben ſelig wird. Und wenn
die heilige Schrift ſagt, daß ohne Heiligung Nie⸗
mand den HErrn ſchauen kann, ſo iſts keines⸗
wegs die Meinung, daß man an die Heiligung
oder, wie die Liederdichter ſagen, an die Tugend
die Seligkeit knüpfen kann. Denn der Schächer
am Kreuz hat keine Tugend aufzuweiſen und doch
iſt er, laut den Worten des HErrn, ſelig gewor⸗
den. Daß aber der Mann wirklich die Seligkeit
an die Tugend knüpft, das beweiſ't er damit,
daß er Anfangs dieſes Verſes ſagt, um der Tu⸗
gend willen lebe er hier, und noch deutlicher im
dritten Verſe ſagt er, daß Gott die Tugend
„mächtig aus dem Staube hebe“, da doch die
heilige Schrift deutlich zeigt, daß Gott durch
Chriſtum die Sünder aus dem Staube hebt,
und Chriſtus ſagt, daß er gekommen ſei, die
Sünder zur Buße zu rufen und nicht die From⸗
men. Sind ſolche Ausdrücke nicht falſch und
habe ich da zu viel behauptet? Und wenn Du
ſagſt, es ſei ja doch auch vom Glauben in dieſem
Verſe die Rede, ſo ſage ich: ja wohl, aber von
was für einem Glauben? Eben von dem Glau⸗
ben, der auf der Tugend als Verdienſt zur Se⸗
ligkeit ruht. Laß Dich nicht blenden, lieber Ja⸗
kob, ſondern ſiehe es genau an und Du mußt
es finden. Dieſe vernunftgläubigen Leute und
Tugendlehrer wiſſen gar wohl auch etwas vom
Glauben zu ſagen und zu ſingen. Denn das
wiſſen ſie wohl, daß ſie nicht ſo grob kommen
dürfen, um kein Wörtlein vom Glauben verlauten
zu laſſen. Unſer Herr Pfarrer ſagt, es gibt viele,
die nicht glauben, daß Chriſtus Gottes Sohn iſt
und mit dem Vater gleich, und doch predigen und
ſagen ſie von Gottes Sohn; aber da meinen ſie
nicht mehr und nicht weniger, als daß Chriſtus
deswegen Gottes Sohn ſei, weil Er ein ſo tugend⸗
haftes Leben geführt habe und ein ſo weiſer Leh⸗
rer geweſen ſei. Nun, ſolche Söhne Gottes kön⸗
nen dann alle Menſchen ſein, wenn ſie dem
„weiſen Lehrer und Tugendmuſter“, wie ſie Chri⸗
ſtum nennen, ähnlich zu werden ſuchen. — Uebri⸗
gens iſt in dieſem Liede nur der Glaube gemeint,
daß überhaupt ein Gott ſei, und das wider⸗
ſtreitet ja auch der Teufel nicht. Mit dieſem ein⸗
zigen Beweis hätte ich Dich ſchon genugſam
überwieſen, daß dieſes Geſangbuch für allerlei
Leute paßt, nur nicht für einen gläubigen Luthe⸗
raner, und deßwegen von uns abgethan werden
ſollte. Denn gerade die Lehre von der Rechtfer⸗
tigung iſt der Kern und Stern der heiligen
Schrift, welche aber in dieſem Geſangbuche in
vielen Liedern umgeſtoßen wird.
Da wird ferner im Lied No. 32 im 4. Vers
ſogar geſagt, daß des Menſchen Herz fähig iſt —
Gott zu lieben. Ja wohl, es war einſt fähig,
Gott zu lieben, vor dem Sündenfall im Para⸗
dies, aber nun? — nun heißt es: „Wir ſind
alleſammt abgewichen, alleſammt untüchtig ge⸗
worden.“ Pſ. 14. Röm. 3. Iſt das bibliſch ge⸗
redet? Iſt uns der Heiland, wie Nr. 32 V. 9
ſagt, bloß dazu gegeben, daß Er uns des Vaters
Willen thun lehrte und Er uns zum Vater führt?
Ich meine, wenn wir Gottes Willen thun,
könnten wir nicht auch ohne Führer zum Vater
kommen? —
Nach No. 40 Vers 3 ſcheint es faſt, als wollte
der Mann ſagen, daß der liebe Gott die erſten
Menſchen unvollkommen geſchaffen habe, und daß
ſie durch „Tugend“ immer höher zu fliegen
gehabt hätten. Iſt das dem Glauben ähnlich
geredet? —
Nach No. 46 Vers 1 iſt das menſchliche Ge⸗
ſchlecht zum Guten bloß immer mehr „ge—
ſchwächt“, alſo nicht ganz erſtorben? Ich
meine, das ſei ganz wider die Lehre der Schrift,
wie wir leſen im Briefe an die Römer und ande
ren Stellen. ö
Nun aber, lieber Jakob, kann ich nicht anders,
als einen tiefen Seufzer ausſtoßen, gleich unſenn
Herrn Pfarrer. Da lies einmal No. 72; da haſt
Du das vollkommenſte Rationaliſtenlied!
Mit dieſer traurigen Hinweiſung will ich dies⸗
mal ſchließen und bitte Dich, ſuche nach in Deinem
Geſangbuch, Du wirſt es alles finden. Leb un⸗
terdeſſen wohl! Dein
Andreas.
Bücher und Pamphlets zu haben in der Expedition
des Lutheraner um die beigeſetzten Preiſe.
Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus, un⸗
veränderter Abdruck....... . — .10
Das Dutzend P1.00. Hundert Stück §7.00.
Merkwürdiger Brief einer Dame, welche im
Jahre 1703 der ev.-lutheriſchen Religion halber
mit ſechs meiſt unerzogenen Kindern ihr Vater⸗
land und all' ihr Hab und Gut verlaſſen hat.
Das Dutzend 50 Cts. 25 Stück P1.00.
Dr. Luthers Sermon von „Bereitung zum
Sterben .—.
Die Verfaſſung der deutſchen ev.⸗luth.
Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten
nebſt einer Einleitung und erläuternden Be⸗
merkungen.
Das Dutzend 50 Cis. 25 Stück P1.00.
Erſter Synodalbericht der deutſchen ev.⸗luth.
Synols von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten
v
005
005
0.0⁵
0.10
0.10
J. 1817.—.—.—.—.—.—.—.—.——
Zweiter Synodalbericht derſelben Synode
v. J. 1848..—.——.—.—..—.—..7
Dritter Jahrgang des Lutheraner v. 1846
No. 8—2 0.50
Vierter do. v. 1847—1848 (vollſt.)..... 0.50
(Der 1. und 2. Jahrgang ſind vergriffen.
Chriſtliches Concordien buch, d. i. Symbol.
Bücher der ev.-luth. Kirche, New Äorker Aus⸗
gabe, in gepreßtem Leder gebunden ......
Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern
über den Methodismus, (in Pamphlet⸗
form) 2 Stück ..—.—.—
Dr. M. Luthers Tractat von der wahren
Kirche (aus No. 9. des Lutheraner beſonders
abgedruckt), 2 Stück........
Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigien
über die Evangelien auf die Sonn- und Feſt⸗
tage des ganzen Jahres, New Yorker Ausgabe,
gebunden in Kalbleder.... .
Kirchengeſangbuch für eb.⸗luth. Gemein⸗
den, verlegt v. d. hieſ. ev.⸗Iuth. Gemeinde
U. A. C., gebunden das Stück.........
100 Suüd „52.0 Faegen Baanablang
A B (C Buch, New Zorker Ausgabe, das Stück..
Im Dutzend.. 1.
Der Hirtenbrief des Herrn Paſtors Grabau zu
Buffalo (in No. 17. des Lutheraner ausführ⸗
licher angezeigt)
—1847. No. 8 PPW..........
1.25
0.⁰
0.0⁵
Erhalten
durch Herrn P. Beſt in Palmyra, Mo., von folgenden
Gliedern ſeiner Gemeinde:
51.00 von H. Baum, §1.00 von J. G. Henrici, 50 Cts.
von Georg Stark, 50 Cts. von Heinr. Liborius, 50 Cis.
von Heinr. Götze, 50 Cts. von Johannes Deis, 40 Cts.
von Maria Eliſabeth Weis, 50 Cts. von Margar. Dreſche,
50 Cts. von Maria Kath. Muder, 25 Cts. von Kath. Stark,
25 Cts. von Kunigunda Stark, 10 Cts. von Sophia Jung.
Summe F6.00, und zwar P3.00 für die Gemeinde des
Hrn. P. Bürger in Buffalo, und P3.00 für die Gemeinde 4
des Hrn. P. Brohm in New Aork als Beitrag zum dori⸗
gen Kirchenbau.
Gedruckt bei Arthur Olshauſen,
derausgeber des Anzeiger des Weſtenk.
English translation
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