Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 24 › Seite 188

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-14, Seite 188

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heute noch bereit, in ſeinem heiligen Worte einzu⸗
kehren bei Allen, die arm am Geiſte und zerſchla⸗
genen Herzens ſind.

Von dieſem Bethanien nun hat der Lutheraner
dir ſchon einmal etwas mitgetheilt, geliebter Leſer,
das nemlich, daß im Januar dieſes Jahres ſechs
Schulkinder, die ihren Glauben ſchon ſelbſt be⸗
kennen konnten, und vier kleine durch das Bad
der heiligen Taufe der Kirche Gottes einverleibt
worden ſind. Darüber wirſt du dich ja auch ge⸗
freut und Gott gedankt haben. Dieſe Kindlein
haben mit mehreren anderen die Schule ſo ziem⸗
lich fleißig beſucht, und nicht nur buchſtabiren ꝛc.,
ſondern auch namentlich den Katechismus Lutheri
mit ſeinen trefflichen Erklärungen in ihrer eigenen
Sprache leidlich aufbeten gelernt. Auch die bib⸗
liſche Geſchichte, wobei ihnen Bilder vorgelegt
wurden, hat ihnen nicht nur Freude, ſondern auch
Belehrung in der Weisheit, die von Oben kommt,
gebracht. Von dieſen Kindlein hatte der Miſſio⸗
nar letzten Winter 5, 6 bis 7 in ſeinem Hauſe,
nicht nur zum Unterricht, ſondern auch, da es
meiſt Waiſen ſind, zur Beköſtigung und Beklei⸗
dung. Freilich hat es damit auch ſeine Schwie⸗
rigkeiten gehabt, da alle Lebensmittel ziemlich
theuer gekauft und dann noch über 50 Meilen
weit in einem kleinen Indianerkahne einen rei⸗
ßenden Strom hinaufgeſchafft werden müſſen,
wozu viel Geld erfordert wurde, zuweilen aber
gar keins vorhanden war. Doch, da das Werk
ja nicht zu Menſchen, ſondern zu Gottes Ehre
unternommen worden iſt, ſo hat der liebe Gott
auch immer wieder geholfen, ſo daß am heiligen
Weihnachtsfeſte den Schulkindern allen, neunzehn
an der Zahl, der heilige Chriſt beſcheren konnte.
Da gab es denn freilich große Freude bei Jung
und Alt, weil ſie das nie zuvor geſehen. Und
wenn du dabei geweſen wäreſt, lieber Leſer, und
hätteſt ſie um den hell leuchtenden Chriſtbaum
herumſtehen ſehen und hätteſt gehört, wie ſie un⸗
ſers alten Luthers herrliches Lied: Vom Himmel
boch da komm ich her ꝛc., in indianiſcher Sprache
geſungen haben, du hätteſt dich mit freuen müſſen
und Gott loben. —Doch ich höre, daß du von den
alten Indianern, von ihrer ſogenannten Reli⸗
gion, von ihrem troſtloſen Götzendienſte und thö—
richten Götzenopfern, überhaupt darüber gern
was hören wollteſt, wie ſie Satanas geiſtlich und
leiblich knechtet, wie aber auch ſie nun durch das
Evangelium berufen werden und eingeladen, zur
Hochzeit des Lammes, zu dem großen Abendmahl
unſeres Gottes zu kommen. Nun, da ich dieſe
rothen Söhne des Waldes ſo ziemlich genau
kenne, auch täglich mit ihnen zu thun habe, ſo
will ich dir deinen Wunſch gerne erfüllen, und
ich verſpreche dir im Voraus, daß, wenn du mit
Nachdenken lieſeſt, du ſehr große Urſache finden

wirſt, Gott auf deinen Knieen zu danken, daß er

dich nicht unter dieſen rothen rohen Heiden, ſon—
dern von chriſtlichen Eltern hat geboren werden
laſſen, und du ſo Gelegenheit hatteſt, von Kind⸗

heit an die heilige Schrift zu lernen, die dich un⸗

terweiſen kaun zur Seligkeit. Bevor ich aber
meine Mittheilung beginne, will ich den alten

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es uns beiden freilich am beſten ſagen kann, wie
es um ihn ſteht, zumal im Leiblichen. Als er
nemlich hörte, daß ich zur Synode reiſen und
durch Detroit kommen würde, ſo kam er in mein
Haus und hielt eine ſehr lange Rede an den Prä⸗
ſidenten der Vereinigten Staaten und bat mich,
ſie durch den Superintendenten der indianiſchen
Angelegenheiten zu Detroit dem Präſidenten mit⸗
zutheilen. Er ſprach: „Mein großer Vater!
Es iſt nun ſchon lange her, ſeit du dich nicht mehr
um mich bekümmert haſt. Nun, da du ſchweigſt,
ſo will ich reden. Ich will reden, daß es dir
durch dein Herz gehen ſoll. Denkſt du vielleicht,
ich bin todt? O nein, ich lebe noch, und mein
Name iſt Bemaſſike. Als du mein Land haben
wollteſt, da wußteſt du, wie ich heiße und wo ich
wohne. Jetzt haſt du mein Land, ſo denkſt du
nicht mehr an mich. Aber ich weiß noch alle
deine Worte, die du geredet und was du mir ver⸗
ſprochen haſt. Du ſagteſt, wir ſollten ſo viel
Sauerwaſſer (Branntwein) haben, daß wir dar⸗
innen ſchwimmen könnten, doch das haſſe ich. —
Aber du haſt geſagt, daß wir des weißen und gel⸗
ben Erzes (Geld) immer genug haben ſollten,
ſtatt deſſen aber haben wir Schulden genug, und
ich bekomme kaum etwas mit meinen Kindern.
Du haſt geſagt, daß unſer Land uns gepflügt
werden ſoll, haſt auch einen weißen Häuptling
(Agenten) dazu beſtellt, und er kriegt viel von
unſerm Gelde, aber es iſt kein guter Häuptling,
er kommt nie her und thut nie ſeine Pflicht.
Das Pferd, das du mir verſprochen haſt, haben
deine weißen Leute mir gezeigt, aber nicht ge⸗
geben; ſie haben es wieder mit fortgenommen.
Die Ochſen, die du mir ſchickſt, vertauſchen ſie
und geben mir alte, die bald ſterben; denn ich
glaube nicht, daß du mir ſo etwas Schlechtes
ſchicken würdeſt. Mit dem Pflug machen ſie es
eben ſo u. ſ. w. Du haſt geſagt, daß die Zeit
kommen wird, wo wir unſere Frauen gar nicht
mehr kennen würden, von wegen der ſchönen
Kleider ꝛc., aber ſo oft ich mich umwende, nach
meinem Weibe zu ſehen, ſo kenne ich ſie noch gar
wohl, ſehe auch nichts von ſchönen Kleidern, wohl
aber, wie ſie nun faſt gar nackend iſt. Hungern
ſollten wir nicht mehr, aber nun ſchmachten meine
Kinder und ich darbe. Du haſt geſagt, daß wir
den Miſſiſſippi nie ſehen würden, ſondern daß
wir unſre Gebeine hier laſſen ſollten, wenn wir
unſern Vätern nach dahinfahren; aber nun kom⸗
men deine weißen Vögel (die Methodiſten) und
ſingen uns ein ander Lied. Sie ſagen, wir müß⸗
ten von ihnen hüpfen und ſpringen und heulen
lernen, ſonſt würden wir fort müſſen. Aber ſie
ſpringen wie Trunkene und heulen wie Wölfe,
ich mag mit ihnen nichts zu thun haben ꝛc. ꝛc. —
Siehe, das iſt nur einiges von dem, was du mir

verſprochen haſt, aber es wird dir zeigen, daß ich
das andere auch noch nicht vergeſſen habe. Was
ich aber geſagt habe, das iſt die Wahrheit; Gott

weiß es, daß ich nicht läge. Und nun weißt du,

daß ich noch lebe. Aber ich werde nicht mehr
lange leben, denn ich bin alt und krank; und
darum ſage ich dir nur noch, daß ich einen Sohn

meine Worte an dich, o großer Vater.“ Aus
dieſen Worten des Häuptlings wirſt du, lieber
Leſer, nun wohl abnehmen können, daß die In⸗
dianer auch im Leiblichen ſehr arme Heiden ſind,
und darüber könnte ich dir noch manches erzählen.
Wie ſie z. B. von Beamten, von Händlern, ja
von allerlei Menſchen aufs Schändlichſte betrogen
werden. Wie ihre Jungfrauen von gottloſen
Buben, die den Namen Chriſti, unſeres hochge⸗
lobten HErrn, an der Stirn tragen, geſchändet
werden. Wie ſie buchſtäblich Hunger leiden
müſſen ꝛc. Denn da ſie nur wenig Land geklän
haben, auch zu faul ſind, mehr zu klären, ſo reicht
das Wälſchkorn, das ſie bauen, bei den meiſten
nur bis zum Februar, in welcher Zeit ſie durch
Schmauſereien und Feſte freilich mehr verbrau⸗
chen, als nöthig wäre. Im Februar geht dann
das Zuckermachen an, und viele haben dann auch
nichts weiter zu eſſen, als eben Zucker. Im
April, wenn die Zuckerzeit vorüber iſt, hat es
Gott ſo wunderlich eingerichtet, daß viele tauſend
Störe aus dem Huronſee eine Wanderung in die
entfernten Flüſſe antreten und ſo den armen hun⸗
gernden Indianern zur Nahrung dienen können,
und zwar im Ueberfluß. Von der Mitte Mai
aber, wenn die Fiſche ſich wieder verlaufen haben,
geht die Hungerkur der armen Indianer an.
Hirſche können ſie um dieſe Zeit faſt gar keine
ſchießen, und ſo kommt es nicht ſelten, daß manche,
namentlich Wittwen ꝛc., vor Hunger krank wer⸗
den. In dieſer Zeit des äußerſten Mangels
pflegen ſie dann gewiſſe Wurzeln zu ſuchen und
zu eſſen; leider dauert ſie bis Auguſt, wo ſie dann
mehr Wild und auch ſchon etwas aus den Gär⸗
ten haben können. Doch, wie groß auch ihr
äußeres Elend wirklich iſt, ſo iſt es doch nur wie
ein Tropfen am Eimer gegen das Elend der See⸗
len, gegen die ſchmähliche Knechtſchaft der Sünde,
in welcher ſie vom Teufel gefangen gehalten wer⸗
den, gegen die fürchterliche Verblendung, in wel⸗
cher ſie ruhig dem Höllenſchlunde entgegentaumeln,
ja von gewiſſen Bekehrern um ihrer Seelen Se⸗
ligkeit ſchändlich betrogen und methodiſch dem
Verderben zu geführt werden. Darum will ich
über ihre äußern Umſtände nichts weiter ſagen.
Aber über ihre Seelennoth, und wie ſie ſo gar
hart unter der Herrſchaft der Finſterniß geknechtet
werden, will ich dir noch manches Wort ſagen,
wenn du es gern hören willſt. Ebenſo ſollſt du
zuweilen hören, auf welche Weiſe und unter wel⸗
chen Umſtänden ihnen nun das Evangelium ge—
predigt wird, was unſer HErr JEſus Chriſtus
Matth. 28, 18 —20. dir und mir, ſeiner ganzen
heiligen Kirche ſo ernſtlich befohlen hat.

*

(Eingeſandt von Paſtor Keyl.)
Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den
deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes.

(Schluß.)
7) Die Verwüſtung der urſprünglichen“
Gottesdienſt-Ordnung.
Es wird ohne Zweifel manchem Lefer lieb ſein,
wenn ihm die treffliche Vorerinnerung, mit wel⸗

Häuptling Bemaſſike ſelbſt reden laſſen, weil der habe, thue ihm dann, was recht iſt. Das ſind cher Herr Dr. Kliefoth dieſen Abſchnitt beginnt,

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