Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 18 › Seite 142

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-01, Seite 142

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehrer 16

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rein in der Lehre wären, durch ihr Zeugniß nim⸗
mermehr aus Finſterniß Licht, aus moraliſiren⸗
dem Geſchwätz nimmermehr Glaubensſprache, aus
Blasphemien nimmermehr Chriſti Lob machen
können; daß ſie daher durch ihr Zeugniß nicht
die Ehre des neuen, mit dem Gifte falſchen
Glaubens durch und durch geſättigten Weylſchen
Hübners gerettet, ſondern dadurch allein ſich
ſelbſt ein öffentliches klägliches Zeugniß ihres
Abfalls von dem reinen bibliſchen Glauben und
ihres geringen Eifers für die Ehre ihres hoch—
gelobten Heilandes ausgeſtellt und die einſtige
ſchwere Verantwortung alles des unausſprechlichen
Schadens mit auf ſich geladen haben, welchen der
Weylſche Hübner in vielen tauſend jungen un⸗
ſchuldigen Herzen anrichten wird und muß. Möge
man immerhin fortfahren, uns der Liebloſigkeit
und der Ketzermacherei zu beſchuldigen; das wird
uns nicht abhalten, unſerem Berufe als Redac⸗
teur einer öffentlichen Zeitſchrift gemäß, alles gott⸗
loſe Weſen, welches von denen öffentlich getrieben
wird, die unter der Flagge unſeres lutheriſchen
Namens ſegeln wollen, zu Tilgung des dadurch
entſtehenden Aergerniſſes auch öffentlich zu ſtrafen,
es mit ſeinem wahren Namen zu nennen und da⸗
vor jedermänniglich zu warnen (vergl. Epheſ. 5,
11. 3 Moſ. 19, 17. Jeſ. 5, 20. 56, 10. 11.0;
das wird uns auch ferner nicht abhalten, inſonder⸗
heit dann keines Menſchen zu ſchonen und zu
ſchweigen, wenn die Ehre deſſen angegriffen wird,
der da iſt der wahrhaftige Gott und das ewige
Leben, und in deſſen Namen ſich beugen ſollen alle
derer Knie, die im Himmel und auf Erden und
unter der Erde ſind, und wenn das den Werken
und der Tugend des Menſchen zugeſchrieben wird,
was nur dem Verdienſt deſſen zukömmt, der ſein
theures Gottesblut zur Verſöhnung für unſere
Sünde, nicht allein aber für die unſere, ſondern
für der ganzen Welt am Stamm des heiligen
Creuzes vergoſſen hat. Gott erhalte uns nur ein
Herz, das fort und fort entzündet wird und es
nicht laſſen kann zu eifern, wo das Herz un⸗
ſerer ſeligmachenden Lehre, die Lehre von
der Rechtfertigung allein durch den Glauben an
den Gottmenſchen IEſum Chriſtum aus Gnaden
ohne Werke, angegriffen wird. Darüber ge—
ſchmähet zu werden, iſt für uns eine Ehre, deren
wir uns, Gott weiß es, nicht werth achten, da wir
unſerem Heilande ſchon ſo viel Schande gemacht
haben.
Wir können übrigens nicht unerwähnt laſſen,
daß Herr Prediger Rauſchenbuſch in einer fol⸗
genden Nummer des Weylſchen „Kirchenboten“
die Erklärung gegeben hat, es ſei ihm „unlieb,
daß ſein an Herrn Weyl gerichteter Privatbrief
veröffentlicht worden ſei, und daß er damit ein
Urtheil über jenes Buch weder habe abgeben
wollen, noch überhaupt abgeben wolle.“
Schließlich bemerken wir noch, daß, Gott Lob!
es der „Lutheraner“ keinesweges, wie Herr Weyl
ſeine Leſer glauben machen will, allein iſt, welcher
hier zu Lande den neuen Hübner für ein ratio⸗

*) Der Vater des Herrn Prediger Rauſchenbuſch iſt nem⸗
lich der Verfaſſer des von Herrn Weyl herausgegebenen ſ. g.
Hübner.

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naliſtiſches Machwerk erklärt hat, indem dies
auch von einem Mitarbeiter an der „Reformirten
Kirchenzeitung“ in Chambersburg in einer der
letzten Nummern derſelben geſchehen iſt.

Wir haben nun das Unſrige gethan. Wer
nun trotz mehrfachen erhaltenen Zeugniſſes da⸗
gegen die theuer erlöſ'te Jugend dennoch durch die
falſche, aber mit dem Zucker frommer Rede be⸗
ſtreute Lehre des Buches vergiften will, der thue
es auf ſeine Verantwortung und Gefahr. Iſt
etwa mancher noch ſo ſchwach an Erkenntniß und
in der Gabe Geiſter zu prüfen und zu unterſchei⸗
den, daß er meint, ſo viele Irrthümer ſeien
nicht darin, als wir darin finden wollten, der be⸗
denke: „Ein wenig Sauerteig verſäuert den
ganzen Teig“ (Gal. 5, 9.), ein wenig Gift iſt
auch tödtlich. So wenig er nun ſeinen Kindern
Brod zu eſſen geben würde, wenn auch nur ein
Gran Arſenik darin wäre, weil er ſein Kind nicht
leiblich morden möchte, ſo wenig ſollen wir
unſeren Kleinen geiſtliche Speiſe reichen, wenn
auch nur Eine Irrlehre darin wäre, damit wir
nicht Mörder ihrer Seelen werden. Er, der
gute Hirte, nehme ſich ſeiner Lämmer ſelbſt gnädig
an und regiere die Herzen aller derer, welchen er
dieſelben zur Weide anvertraut hat, ſie nur mit
der lauteren Milch des ſüßen ſeligmachenden
Evangeliums zu tränken (1 Pet. 2, 2.), und kröne
dann ihre mühevolle Arbeit mit dem herrlichen
Erfolge, daß wieder ein gläubiges Geſchlecht in
dieſem herrlichen Lande kirchlicher Freiheit auf—
wachſe.

2

„Eine öffentliche Lüge iſt keiner Antwort
werth“, ſchreibt Luther im großen Bekenntniß.

„Was (in der Kirche) alle beirifft, muß mit
Bewilligung aller geſchehen.“ Leo.

Wie nöthig der Kampf gegen die ſei, welche die
Lehre von den heiligen Sacramenten oder von
einem anderen Artikel des Glaubens
verfälſchen.

(Aus Luthers Predigt von der Chriſten Waffenrüſtung
über Epheſ. 6, 10. ff.: „Wir haben nicht mit Fleiſch und
Blut zu kämpfen“ ꝛc. Vom Jahre 1532. Werke. Hall.
Ausg. IX, 454. ff.)

Wir fechten nicht wider ſie (die falſchen Lehrer),
als wider Fleiſch und Blut, ſondern wider den
leidigen Teufel, der durch ſie wider uns ſtreitet,
und greift uns nicht an fleiſchlicher oder leiblicher
Weiſe, ſondern unſern Glauben, das liebe Wort,
Taufe, Sacrament, und alle Artikel des Glaubens,
welcher keines von Fleiſch und Blut gegeben noch
geſtiftet, noch in dies irdiſche Regiment gehöret.
Darum fechten wir nicht wider ſie, daß wir ihnen
Leib, Gut oder deß etwas wollien nehmen, oder
das unſere wider ſie retten; ſondern daß wir un⸗
ſere Lehre und Glauben, Chriſtum und Gott be—
halten, und ſie dazu dem Teufel abſchlagen und
gewinnen, und ewiges Leben erobern; davon die
Welt nichts weiß. . .. Das Gut iſt ſo groß, daß es
keines Menſchen Herz begreifen kann, und ja
nicht ſo geringe zu achten iſt, wie die Welt thut
und etliche unverſtändige Geiſter fürgeben, durch
den Teufel betrogen, über dem Sacrament oder

andere Irrung: „Man ſolle nicht über Einem
Artikel ſo hart ſtreiten ꝛc. und darüber die chriſt⸗
liche Liebe zertrennen, noch einander darüber dem
Teufel geben: ſondern, ob man gleich in einem
geringen Stück irrete, da man ſonſt in andern eines
iſt, möge man wohl etwas weichen und gehen laſſen,
und gleichwohl brüderliche und chriſtliche Einig⸗
keit oder Gemeinſchaft halten!“ Nein, lieber
Mann, mir nicht des Friedens und Einigkeit,
darüber man Gottes Wort verleuret; denn damit
wäre ſchon das eweige Leben und alles verloren.
Es gilt hier nicht weichen, noch erwas einräumen,
dir oder einigen Menſchen zu liebe, ſondern dem
Wort ſollen alle Dinge weichen, es heiße Feind
oder Freund. Denn es iſt nicht um äußerlicher
oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen, ſon⸗
dern um des ewigen Lebens willen gegeben. Das
Wort oder die Lehre ſoll chriſtliche Einigkeit oder
Gemeinſchaft machen; wo die gleich und einig
iſt, da wird das andere wohl folgen; wo nichi, ſo
bleibt doch keine Einigkeit. Darum ſage mir nur
von keiner Liebe noch Freundſchaft, wo man dem
Wort oder Glauben will abbrechen; denn es heißt
nicht, die Liebe, ſondern das Wort bringt ewiges
Leben, Gottes Gnade und alle himmliſche Schätz.

Das wollen wir gerne thun, daß wir äußer⸗
lichen Frieden mit ihnen halten, als wir in der
Welt thun müſſen mit jedermann, auch mit den
ärgſten Feinden; das gehe ſeinen Weg in dieſes
Leben und weltliche Weſen, darüber wir nichts zu
kämpfen haben; aber der Lehre und chriſtlichen
Gemeinſchaft halben wollen wir nichts mit ihnen
zu thun haben, noch für Brüder, ſondern für Feinde
halten, weil ſie auf ihrem Irrthum wiſſentlich be⸗
harren; und wider ſie fechten durch unſern geiſt⸗
lichen Kampf. Darum iſt es nur ein teufliſcher
und betrüglicher liſtiger Anlauf, ſo ſolches fürgibt,
und fordert, daß man ſolle etwas weichen und
einen Irrthum zu gut halten um Einigkeit willen,
damit er uns ſuchet alſo liſtiglich vom Wort zu
führen. Denn wenn wir ſolches annehmen und
werden der Sache eins, ſo hat er ſchon Raum ge⸗
wonnen und bald eine ganze Elle genommen, da
ihm ein Finger breit gewichen wäre, und ſo bald
gar eingeriſſen.

Es ſcheinet wohl nicht, daß ſo große Gefahr
und Macht daran liege, aber St. Paulus machet
es wahrlich groß, daß es nicht gelte Geld noch
Gut, noch Menſchen Liebe und Gunſt, oder welt⸗
lichen Friede und Gemach, noch was Fleiſch und
Blut iſt und vermag, oder die Welt geben und
nehmen kann: ſondern Gottes und des ewigen
Lebens Verluſt. Darum laß jenes bleiben oder
fahren, wo es bleibet oder fähret, denn damit hat
er noch nichts gewonnen; verſieheſt du es aber,
daß er dir dies Stück, nemlich das Wort, niwmt,
ſo haſt du alles verloren und iſt kein Rath noch
Hülfe mehr. Denn das Hauptſtück iſt dahin,;
ohne welches kein gut Leben, noch was du ver⸗
magſt, gilt noch beſtehet vor Gott, und doch der
Teufel mit ſolchem ſchönen Vorgeben und Schein
darnach ſtehet und ſuchet, wie er dich darum brin⸗
gen möge; denn er hat es im Sinne, daß er dir
alles nehmen wolle. Darum gilt es hier nicht
Scherzens noch ſicher ſein. Wenn du ſollteſt
kämpfen für dein Haus und Hof, Weib und Kind,
und zuletzt für dein eigen Leib und Leben, da
würdeſt du ja nicht faul ſein, ſondern deinen
Feind ſuchen, und ihm keinen Frieden laſſen, noch
von ihm annehmen, oder ihm etwas nachgeben,
ſondern ſehen, wie du ihm zuvorkämeſt und ſein
mächtig würdeſt. Nun haſt du hier andere Feinde,
die dich anders meinen und dir den ewigen Tod
geſchworen haben und nicht aufhören, ehe ſie dich
übermögen, und doch mit ſolcher Liſt dich angrei⸗
fen, wie droben geſagt, als ſuchen ſie Liebe und
Freundſchaft zu dir ꝛc.

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