Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 18 › Seite 141
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-01, Seite 141
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſang 2 · Geſangbuch 1 · Geſangbuch 2 · Geſangbuch 6 · Gottesdienſt 3 · Gemeindegeſang 2 · Gemeindegeſang
die von Gregorius dem Großen getroffene Ein⸗
richtung bei, daß die Diener der Kirche alles das,
was ihnen am Altare zukam, alſo auch die Peri⸗
kopen, ſingen und die Gemeinden ſingend ant⸗
worten ſollten, und zwar Erſteres nicht ſowohl
deshalb, weil das gut geſungene Wort in grö⸗
heren Kirchen weiterhin verſtändlich iſt, als das
geſprochene, denn dieſer Grund fände doch bei
den meiſten Dorfkirchen keine Anwendung, ſon⸗
dern vielmehr deshalb, weil durch jene Weiſe die
Gemeinde in den Stand geſetzt wird, namentlich
bei den langſam abgeſungenen Gebeten ſelbſt mit—
beten zu können, was bei dem bloßen Verleſen
nicht möglich iſt.
Was den Wechſelgeſang betrifft, ſo fin⸗
den wir in den lutheriſchen Agenden eine viel⸗
fache Betheiligung der Gemeinde vor, ſo daß ent⸗
weder der Pfarrer intonirt und die ganze Ge⸗
meinde, geführt vom Sängerchore, reſpondirt, oder
daß der Cantor oder der Chor oder ein Chorknabe
intonirt und die ganze Gemeinde reſpondirt, oder
daß die Gemeinde, in zwei Hälften getheilt, ſich
gegenſeitig intonirt und reſpondirt.
Was aber in der lutheriſchen Kirche ganz neu
und eigenthümlich war, war das Kirchenlied;
das einzige, was davon das chriſtliche Volk vor
der Reformation hatte, waren deutſche Lieder über
die zehn Gebote, Glauben und Vater Unſer, die
aber nur außer der Kirche geſungen wurden; die⸗
ſes gilt auch von andern Liedern, z. B. von dem:
„Alſo heilig iſt der Tag“ (aus dem 12ten Jahr⸗
hundert); in der Kirche hatte das deutſche Volk
Jahrhunderte lang nichts anderes, als das Ky⸗
rie eleiſon. Erſt die lutheriſche Kirche hat das
Kirchenlied völlig ausgebildet, und an ſeinen
rechten Ort geſtellt, wobei ſie aber in ihren erſten
zwei Jahrhunderten die Lehr- und Bekenntniß⸗
lieder, z. B. „Es iſt das Heil uns kommen her“,
denen, welche mehr die Empfindungen einzelner
Chriſten ausſprachen, entſchieden vorgezogen. Ja
die lutheriſche Kirche hat die vorzüglichſten jener
Lieder, wie das „Ein Kindelein ſo löbelich“, ſo
hoch geehret, daß ſie vielfach befohlen hat, darüber
zu paſſenden Kirchenzeiten in den Katechismus⸗
predigten zu predigen.
Miit den Kirchenliedern ſind auch die Melodieen
derſelben, in denen ein gewiſſer Grundton herrſcht,
entſtanden, nur darf man freilich unſern heutigen
Choralgeſang nicht für ganz übereinſtimmend mit
dem der alten lutheriſchen Kirche halten, denn die
alten Melodieen ſind durch die falſch berühmte
Kunſt der Choralbücher vielfach verderbt worden
und namentlich hat die ältere Kirche das Abſetzen
im Geſange am Schluſſe der Strophen, welches
oft allen Sinn der Worte zerſtört, nicht gekannt,
ſondern ſie hat die Ruhepunkte bei dem Komma,
Punktum u. ſ. w. eintreten laſſen.
Die Arbeit, welche die Einübung der Gemein⸗
den im Reſpondiren und in andern Wechſel⸗
geſängen überhaupt, ſo wie im Lernen der Kir⸗
chenlieder nach Inhalt und Melodie erforderte,
war eine überaus umfaſſende und beſchwerliche,
und wurde noch dadurch ſehr vermehrt, daß die
Maſſe des Volks nicht leſen konnte, daher waren
anfänglich die Sammlungen von Kirchenliedern
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nur für den Gebrauch der Paſtoren und Küſter
beſtimmt, welche ſie den Gemeinden bei den Got⸗
tesdienſten ſolange vorſingen mußten, bis ſie die⸗
ſelben mitſingen konnten. Deshalb war man
genöthigt, mit der Zahl der Lieder ſehr ſparſam
zu ſein; ſo enthält das erſte von Dr. Luther her⸗
ausgegebene Geſangbüchlein vom Jahre 1524
nur acht Lieder, das kurz vor ſeinem Tode erſchie⸗
nene 129, und dies iſt ungefähr der Vorrath, der
zufolge der Kirchenordnungen bis etwa um das
Jahr 1650 im kirchlichen Gebrauche war; dabei
ſuchte man aus dieſen und andern Gründen dem
Eindringen vieler neuer Lieder zu wehren, man
beſtand auch darauf, daß die Lieder immer ganz
geſungen wurden, und nur die ſtraßburgiſche Kir⸗
chenordnung erlaubte das Abbrechen derſelben;
freilich waren ſie auch noch nicht, wie ſpäter, zu
einer ſo anſehnlichen Zahl von Verſen angewachſen.
(Fortſetzung folgt.)
Drei Paare und Einer.
Du haſt zwei Ohren und Einen Mund;
Willſt du's beklagen?
Gar Vieles ſollſt du hören, und —
Wenig darauf ſagen.
Du haſt zwei Augen und Einen Mund;
Mach dir's zu eigen!
Gar Manches ſollſt du ſehen, und —
Manches verſchweigen.
Du haſt zwei Hände und Einen Mund;
Lern es ermeſſen!
Zweie ſind da zur Arbeit, und —
Einer zum Eſſen.
Sartorius' Lebensſpiegel.
„Hübner's bibliſche Hiſtorien.“
Herausgegeben von C. G. Weyl, Prediger in Baltimore.
Wir haben es für unſere Pflicht gehalten, vor
dieſem Buche, deſſen Titel ſchon eine Lüge, und
deſſen Inhalt voll Blasphemien iſt, in der 12.
Nummer dieſes Blattes unſere Leſer zu warnen.
Den Herausgeber dieſes Buches, Herrn Weyl,
durch dieſe unſere wohl motivirte Warnung zu
Erkenntniß und Eingeſtändniß ſeiner ſchweren
Verſündigung zu bringen, hat uns, da wir des
Mannes Charakter nur zu gut kennen gelernt
haben, natürlich nicht einfallen können. Von
dieſer Seite her vermutheten wir vielmehr etwas
ganz anderes, und was wir vermutheten, iſt ge⸗
ſchehen, und noch mehr. Wir haben, wie die
Leſer ſich erinnern werden, gezeigt. daß Hr. Weyl
nicht, wie er bei Aufforderung zur Unterſtützung
des Werkes ausdrücklich verſprochen hatte,
den Hübner „in ſeiner alten unveränderten Form
und Weſen“ wieder aufgelegt, ſondern ein Buch
geliefert habe, das mit dem alten Hübner nichts
gemein hat, als daß es den Namen Hübners
(alſo freilich auch dieſen nur trüglich) an der
Stirne trägt. Wir ſprachen dabei die gute Hoff⸗
nung aus, Hr. W. möge das Buch wohl nicht
aus Bosheit, ſondern aus Unwiſſenheit als Hüb⸗
ners Arbeit nach Form und Weſen nicht nur auf
das Beſtimmteſte angekündigt, ſondern auch als
ſolche hernach ausgegeben haben. Wir konnten
nicht glauben, daß ein Menſch (geſchweige wer
*
ein Chriſt und Diener der Kirche ſein wolle,) ſo
aller Schaam baar ſein könne, einen Betrug zu
ſpielen, von welchem er im Voraus weiß, daß
derſelbe offenbar werden müſſe. Was hat nun
Hr. Weyl zu ſeiner Rechtfertigung zuerſt über
dieſen Punkt geantwortet? — Es iſt kaum glaub⸗
lich, und doch iſt es ſo: Hr. W. hat es einge⸗
ſtanden, daß er nicht aus Unwiſſenheit,
ſondern mit vollem Bewußtſein ſeinem Verſpre⸗
chen zuwider den alien Hübner nicht wieder habe
abdrucken laſſen; theils nemlich, weil ein Exem⸗
plar des alten Hübner nicht aufzufinden geweſen
ſei (2, theils weil derſelbe „für das jetzige Zeit⸗
alter unſchicklich und vielleicht auch zu einſeitig
kirchlich ſein dürfte“.“) Daß er's erſt verſpro—
chen habe, ſei „ein unſchuldiger Fehler“.
Er habe ja „ein Schulbuch für alle chriſt—
lichen Verfaſſungen und kein ſteiflutheri⸗
ſches herausgeben“ wollen, denn er „ſchreite mit
der Zeit fort“. — Wir geſtehen, eine ſolche Ant⸗
wort hatten wir doch nicht, ſelbſt nicht von einem
Hrn. Weyl, erwartet. Derſelbe hat hiermit ſeinen
eigentlichen Charakter in ein Licht geſetzt, in wel⸗
chem wir ihn bisher noch nicht geſehen und ange⸗
ſehen haben. Das Wort Gottes freilich, welches
alle verborgenen Abgründe des menſchlichen Her⸗
zens aufdeckt (Ebr. 4, 12. 13.), hat auch ſolche
Charaktere bereits gezeichnet; man leſe nur Jeſ.
3, 9. 1 Tim. 4, 2. Wir können nun nicht blos
ſagen: „Gott erbarme ſich über alle Zuhörer, die
ſolche Lehrer haben!“ wir müſſen auch hinzu⸗
ſetzen: wer von ſolchen Männern ſich führen
läßt, nachdem er ſolche Selbſtrechtfertigungen von
ihnen geleſen hat, der iſt nichts Beſſeres werth.
Wir hatten aber in der 12ten Nummer unſeres
Blattes nicht nur gerügt, daß Hr. W. ſein Wort
ſchmählich gebrochen habe, den alten Hübner zu
liefern, ſondern auch mit wörtlichen Auszügen aus
dem Buch nachgewieſen, daß dasſelbe ein in ratio⸗
naliſtiſchem Geiſte abgefaßtes Buch ſei, voll von
leerem, Chriſti ſallein ſeligmachendes Verdienſt
verleugnendem Tugendgeſchwätz und voll von
Blasphemien gegen Chriſtum, voll nemlich von
Reden, durch welche Chriſti wahrhaftiger Gottheit
läſterlich zu nahe getreten wird. Was thut Herr
Weyl? An die Rechtfertigung der ſchlimmſten,
von uns zu Belegen angeführten Stellen macht
ſich der Mann mit ſeinem böſen Gewiſſen gar
nicht, ſondern, dieſe mit Stillſchweigen über⸗
gehend, ſucht er nur ſolche zu rechtfertigen, von
welchen er hofft, daß ſie ſein mit der reinen Lehre
unbekanntes Publikum verſchlucken werde. So⸗
dann führt er für ſein Buch die anerkennenden
Zeugniſſe zweier Männer an, die allgemein für
rechtgläubig anerkannt ſein ſollen, nemlich das
des Herrn Paſtor Fr. Stohlmann zu New.
Rork und eins dergleichen von dem unſeren Leſern
ſchon bekannten Hrn. Prediger Rauſchenbuſch.
Hierauf haben wir nur dies zu bemerken, daß die
genannten Herrn, und wenn ſie anerkannt noch ſo
*) Aus dieſem zweiten Grunde erſieht man, daß der
erſte, der Mangel an einem Exemplar des alten wahren
Hübner, nicht der eigentliche Grund bei Hrn. W. war;
denn geſetzt, Hr. W. hätte einer Originalausgabe habhaft
werden können, ſo hätte er dieſelbe dennoch um des zweiten,
dritten und vierten Grundes willen nicht wieder aufgelegt.
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