# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 01_S142 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) rein in der Lehre wären, durch ihr Zeugniß nim⸗ mermehr aus Finſterniß Licht, aus moraliſiren⸗ dem Geſchwätz nimmermehr Glaubensſprache, aus Blasphemien nimmermehr Chriſti Lob machen können; daß ſie daher durch ihr Zeugniß nicht die Ehre des neuen, mit dem Gifte falſchen Glaubens durch und durch geſättigten Weylſchen Hübners gerettet, ſondern dadurch allein ſich ſelbſt ein öffentliches klägliches Zeugniß ihres Abfalls von dem reinen bibliſchen Glauben und ihres geringen Eifers für die Ehre ihres hoch— gelobten Heilandes ausgeſtellt und die einſtige ſchwere Verantwortung alles des unausſprechlichen Schadens mit auf ſich geladen haben, welchen der Weylſche Hübner in vielen tauſend jungen un⸗ ſchuldigen Herzen anrichten wird und muß. Möge man immerhin fortfahren, uns der Liebloſigkeit und der Ketzermacherei zu beſchuldigen; das wird uns nicht abhalten, unſerem Berufe als Redac⸗ teur einer öffentlichen Zeitſchrift gemäß, alles gott⸗ loſe Weſen, welches von denen öffentlich getrieben wird, die unter der Flagge unſeres lutheriſchen Namens ſegeln wollen, zu Tilgung des dadurch entſtehenden Aergerniſſes auch öffentlich zu ſtrafen, es mit ſeinem wahren Namen zu nennen und da⸗ vor jedermänniglich zu warnen (vergl. Epheſ. 5, 11. 3 Moſ. 19, 17. Jeſ. 5, 20. 56, 10. 11.0; das wird uns auch ferner nicht abhalten, inſonder⸗ heit dann keines Menſchen zu ſchonen und zu ſchweigen, wenn die Ehre deſſen angegriffen wird, der da iſt der wahrhaftige Gott und das ewige Leben, und in deſſen Namen ſich beugen ſollen alle derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde ſind, und wenn das den Werken und der Tugend des Menſchen zugeſchrieben wird, was nur dem Verdienſt deſſen zukömmt, der ſein theures Gottesblut zur Verſöhnung für unſere Sünde, nicht allein aber für die unſere, ſondern für der ganzen Welt am Stamm des heiligen Creuzes vergoſſen hat. Gott erhalte uns nur ein Herz, das fort und fort entzündet wird und es nicht laſſen kann zu eifern, wo das Herz un⸗ ſerer ſeligmachenden Lehre, die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben an den Gottmenſchen IEſum Chriſtum aus Gnaden ohne Werke, angegriffen wird. Darüber ge— ſchmähet zu werden, iſt für uns eine Ehre, deren wir uns, Gott weiß es, nicht werth achten, da wir unſerem Heilande ſchon ſo viel Schande gemacht haben. Wir können übrigens nicht unerwähnt laſſen, daß Herr Prediger Rauſchenbuſch in einer fol⸗ genden Nummer des Weylſchen „Kirchenboten“ die Erklärung gegeben hat, es ſei ihm „unlieb, daß ſein an Herrn Weyl gerichteter Privatbrief veröffentlicht worden ſei, und daß er damit ein Urtheil über jenes Buch weder habe abgeben wollen, noch überhaupt abgeben wolle.“ Schließlich bemerken wir noch, daß, Gott Lob! es der „Lutheraner“ keinesweges, wie Herr Weyl ſeine Leſer glauben machen will, allein iſt, welcher hier zu Lande den neuen Hübner für ein ratio⸗ *) Der Vater des Herrn Prediger Rauſchenbuſch iſt nem⸗ lich der Verfaſſer des von Herrn Weyl herausgegebenen ſ. g. Hübner. 142 naliſtiſches Machwerk erklärt hat, indem dies auch von einem Mitarbeiter an der „Reformirten Kirchenzeitung“ in Chambersburg in einer der letzten Nummern derſelben geſchehen iſt. Wir haben nun das Unſrige gethan. Wer nun trotz mehrfachen erhaltenen Zeugniſſes da⸗ gegen die theuer erlöſ'te Jugend dennoch durch die falſche, aber mit dem Zucker frommer Rede be⸗ ſtreute Lehre des Buches vergiften will, der thue es auf ſeine Verantwortung und Gefahr. Iſt etwa mancher noch ſo ſchwach an Erkenntniß und in der Gabe Geiſter zu prüfen und zu unterſchei⸗ den, daß er meint, ſo viele Irrthümer ſeien nicht darin, als wir darin finden wollten, der be⸗ denke: „Ein wenig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig“ (Gal. 5, 9.), ein wenig Gift iſt auch tödtlich. So wenig er nun ſeinen Kindern Brod zu eſſen geben würde, wenn auch nur ein Gran Arſenik darin wäre, weil er ſein Kind nicht leiblich morden möchte, ſo wenig ſollen wir unſeren Kleinen geiſtliche Speiſe reichen, wenn auch nur Eine Irrlehre darin wäre, damit wir nicht Mörder ihrer Seelen werden. Er, der gute Hirte, nehme ſich ſeiner Lämmer ſelbſt gnädig an und regiere die Herzen aller derer, welchen er dieſelben zur Weide anvertraut hat, ſie nur mit der lauteren Milch des ſüßen ſeligmachenden Evangeliums zu tränken (1 Pet. 2, 2.), und kröne dann ihre mühevolle Arbeit mit dem herrlichen Erfolge, daß wieder ein gläubiges Geſchlecht in dieſem herrlichen Lande kirchlicher Freiheit auf— wachſe. 2 „Eine öffentliche Lüge iſt keiner Antwort werth“, ſchreibt Luther im großen Bekenntniß. „Was (in der Kirche) alle beirifft, muß mit Bewilligung aller geſchehen.“ Leo. Wie nöthig der Kampf gegen die ſei, welche die Lehre von den heiligen Sacramenten oder von einem anderen Artikel des Glaubens verfälſchen. (Aus Luthers Predigt von der Chriſten Waffenrüſtung über Epheſ. 6, 10. ff.: „Wir haben nicht mit Fleiſch und Blut zu kämpfen“ ꝛc. Vom Jahre 1532. Werke. Hall. Ausg. IX, 454. ff.) Wir fechten nicht wider ſie (die falſchen Lehrer), als wider Fleiſch und Blut, ſondern wider den leidigen Teufel, der durch ſie wider uns ſtreitet, und greift uns nicht an fleiſchlicher oder leiblicher Weiſe, ſondern unſern Glauben, das liebe Wort, Taufe, Sacrament, und alle Artikel des Glaubens, welcher keines von Fleiſch und Blut gegeben noch geſtiftet, noch in dies irdiſche Regiment gehöret. Darum fechten wir nicht wider ſie, daß wir ihnen Leib, Gut oder deß etwas wollien nehmen, oder das unſere wider ſie retten; ſondern daß wir un⸗ ſere Lehre und Glauben, Chriſtum und Gott be— halten, und ſie dazu dem Teufel abſchlagen und gewinnen, und ewiges Leben erobern; davon die Welt nichts weiß. . .. Das Gut iſt ſo groß, daß es keines Menſchen Herz begreifen kann, und ja nicht ſo geringe zu achten iſt, wie die Welt thut und etliche unverſtändige Geiſter fürgeben, durch den Teufel betrogen, über dem Sacrament oder andere Irrung: „Man ſolle nicht über Einem Artikel ſo hart ſtreiten ꝛc. und darüber die chriſt⸗ liche Liebe zertrennen, noch einander darüber dem Teufel geben: ſondern, ob man gleich in einem geringen Stück irrete, da man ſonſt in andern eines iſt, möge man wohl etwas weichen und gehen laſſen, und gleichwohl brüderliche und chriſtliche Einig⸗ keit oder Gemeinſchaft halten!“ Nein, lieber Mann, mir nicht des Friedens und Einigkeit, darüber man Gottes Wort verleuret; denn damit wäre ſchon das eweige Leben und alles verloren. Es gilt hier nicht weichen, noch erwas einräumen, dir oder einigen Menſchen zu liebe, ſondern dem Wort ſollen alle Dinge weichen, es heiße Feind oder Freund. Denn es iſt nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen, ſon⸗ dern um des ewigen Lebens willen gegeben. Das Wort oder die Lehre ſoll chriſtliche Einigkeit oder Gemeinſchaft machen; wo die gleich und einig iſt, da wird das andere wohl folgen; wo nichi, ſo bleibt doch keine Einigkeit. Darum ſage mir nur von keiner Liebe noch Freundſchaft, wo man dem Wort oder Glauben will abbrechen; denn es heißt nicht, die Liebe, ſondern das Wort bringt ewiges Leben, Gottes Gnade und alle himmliſche Schätz. Das wollen wir gerne thun, daß wir äußer⸗ lichen Frieden mit ihnen halten, als wir in der Welt thun müſſen mit jedermann, auch mit den ärgſten Feinden; das gehe ſeinen Weg in dieſes Leben und weltliche Weſen, darüber wir nichts zu kämpfen haben; aber der Lehre und chriſtlichen Gemeinſchaft halben wollen wir nichts mit ihnen zu thun haben, noch für Brüder, ſondern für Feinde halten, weil ſie auf ihrem Irrthum wiſſentlich be⸗ harren; und wider ſie fechten durch unſern geiſt⸗ lichen Kampf. Darum iſt es nur ein teufliſcher und betrüglicher liſtiger Anlauf, ſo ſolches fürgibt, und fordert, daß man ſolle etwas weichen und einen Irrthum zu gut halten um Einigkeit willen, damit er uns ſuchet alſo liſtiglich vom Wort zu führen. Denn wenn wir ſolches annehmen und werden der Sache eins, ſo hat er ſchon Raum ge⸗ wonnen und bald eine ganze Elle genommen, da ihm ein Finger breit gewichen wäre, und ſo bald gar eingeriſſen. Es ſcheinet wohl nicht, daß ſo große Gefahr und Macht daran liege, aber St. Paulus machet es wahrlich groß, daß es nicht gelte Geld noch Gut, noch Menſchen Liebe und Gunſt, oder welt⸗ lichen Friede und Gemach, noch was Fleiſch und Blut iſt und vermag, oder die Welt geben und nehmen kann: ſondern Gottes und des ewigen Lebens Verluſt. Darum laß jenes bleiben oder fahren, wo es bleibet oder fähret, denn damit hat er noch nichts gewonnen; verſieheſt du es aber, daß er dir dies Stück, nemlich das Wort, niwmt, ſo haſt du alles verloren und iſt kein Rath noch Hülfe mehr. Denn das Hauptſtück iſt dahin,; ohne welches kein gut Leben, noch was du ver⸗ magſt, gilt noch beſtehet vor Gott, und doch der Teufel mit ſolchem ſchönen Vorgeben und Schein darnach ſtehet und ſuchet, wie er dich darum brin⸗ gen möge; denn er hat es im Sinne, daß er dir alles nehmen wolle. Darum gilt es hier nicht Scherzens noch ſicher ſein. Wenn du ſollteſt kämpfen für dein Haus und Hof, Weib und Kind, und zuletzt für dein eigen Leib und Leben, da würdeſt du ja nicht faul ſein, ſondern deinen Feind ſuchen, und ihm keinen Frieden laſſen, noch von ihm annehmen, oder ihm etwas nachgeben, ſondern ſehen, wie du ihm zuvorkämeſt und ſein mächtig würdeſt. Nun haſt du hier andere Feinde, die dich anders meinen und dir den ewigen Tod geſchworen haben und nicht aufhören, ehe ſie dich übermögen, und doch mit ſolcher Liſt dich angrei⸗ fen, wie droben geſagt, als ſuchen ſie Liebe und Freundſchaft zu dir ꝛc.