Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 18 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-01, Seite 138
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen. —Bibelverbot 13 · Papſttum 4
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refflichſten Ausdrücken rühmt, auf der andern winden und die Feindſchaft in heilige Luſt und zu befeſtigen und die Seelen der Chriſten in fal⸗
Seite ihre Verbreitung aufs bitterſte anfeindet.
Der Grund dazu iſt eigentlich nureiner, nemlich
der vom Teufel in den Menſchen gepflanzte und
von den Papiſten hübſch gepflegte Hochmuth.
Dieſer Hochmuth tritt aber in der römiſchen Kirche
beſonders in zwei Geſtalten hervor, a. in Verken⸗
nung des gräulichen und gründlichen Verderbens
der menſchlichen Natur und Ueberſchätzung der
natürlichen Kräfte im Menſchen. b. in Herrſch—
ſucht.
a.) Es iſt bekannt, daß die römiſche Kirche ge—
gen die ausdrücklichſten und klarſten Stellen der
heiligen Schrift (z. B. 1 Moſ. 8, 21. Röm. 3,
10 18. Epheſ. 2, 1—3. u. ſ. w.), ja auch gegen
das Zeugniß ſolcher Kirchenväter und Concilien⸗
beſchlüſſe, welche die Papiſten ſelbſt nicht zu ver—
werfen wagen, dennoch behauptet, der Menſch
habe in ſeinem jetzigen gefallenen Zuſtande noch
einige gute Kräfte und das Vermögen, ſich durch
eigne Anſtrengung auf die Gnade Gottes vorzu⸗
bereiten und die dargebotene zu ergreifen. Von
dieſem falſchen Grunde aus ergibt ſich ihnen der
ebenſo falſche, ja gottloſe Schluß, daß einige Men⸗
ſchen der Gnade Gottes mehr, andere derſelben
weniger werth ſeien. Als wenn nicht vor Gott
alle Menſchen gleich unwerth und alle ohne Aus—
nahme der hölliſchen Verdammniß würdig wären,
als wenn irgend ein Menſch der unausſprechlich
theuren Gabe des Wortes Gottes werth wäre! —
Hätten die Papiſten Recht in der gottloſen Be—
hauptung, daß der Menſch noch natürliche gute
Kräfte überbehalten hätte nach dem Sündenfall,
mit denen er ſich auf die Gnade Gottes vorberei⸗
ten und ihr zuwenden könnte, ſo ließe ſich der
Schluß noch einigermaßen hören: Wer dieſe übri⸗
gen guten Kräfte nicht anwendet, der iſt auch nicht
werth, das Gnadenmittel des Wortes Gottes zu
erlangen. Nun aber ſteht es ja alſo, daß keine
Spur von geſunder göttlicher Kraft in irgend
einem Menſchen übrig geblieben iſt, daß vielmehr
Alle todt ſind in Uebertretung und Sünden, daß
ſie Alle abgewichen und untüchtig geworden ſind
(Röm. 3.), daß von jedem Menſchen ohne Aus⸗
nahme gilt Jeſ. 1, 5. ff.: „Das ganze Haupt iſt
krank, das ganze Herz iſt matt. Von der Fußſohle
an bis auf's Haupt iſt nichts Geſundes an ihm,
ſondern Wunden und Striemen und Eiterbeulen,
die nicht geheftet noch verbunden, noch mit Oel
gelindert ſind. — Wenn es demnach eine Verun⸗
ehrung des Wortes Gottes, eine lüderliche Ver⸗
ſchwendung desſelben und eine Verkleinerung ſei⸗
nes Werthes wäre, dasſelbe auf jede mögliche
Weiſe den Menſchen nahe zu bringen und zwar
auch ſolchen Menſchen, die nichts darnach fragen,
ſondern es verachten; ſo hätte ſich Gott dieſe lüder—
liche Verſchwendung und Verunehrung ſeines
Wortes zuerſt zu Schulden kommen laſſen, denn
Er hat es ja der gottloſen Welt gegeben, die Ihn
wahrlich nicht darum gebeten hat, ſondern es noch
obendrein verachtet und anfeindet; ja die ſo grund—
los verderbt iſt, daß kein Menſch Gottes Wort
annehmen könnte und würde, wenn nicht eben das
Wort ſelbſt die Kraft in ſich trüge, den feindſeligen
Widerſtand des natürlichen Menſchen zu über⸗
Anbetung zu verwandeln. Dieſe Kraft aber hat
das Wort (Röm. 1, 16. Hebr. 4, 12. 1 Cor. 1,
18. Joh. 6, 63. u. a. m.) und verliert dieſelbe
nie, weil die Kraft von Gott iſt, wenn auch Mil⸗
lionen Menſchen, aus einer noch über die natür—
liche Feindſchaft gegen das Wort hinzukommen—
den Hartnäckigkeit und Widerſpenſtigkeit, ſich da⸗
gegen ſperren und verſchließen. Darum iſt es
eine Gottloſigkeit zu ſagen, durch Ausbreitung der
heiligen Schrift werde dieſelbe verunehrt und im
Werihe herabgeſetzt. Das kommt etwa ſo heraus,
als wenn ein Arzt, der eine köſtliche Arznei gegen
eine Krankheit hat, dieſelbe nicht allen mit jener
Krankheit Behafteten zuwenden ſollte, ſondern nur
Einigen, vielleicht beſonders reichen, damit die
Mediein im Preiſe bleibe, nröchten auch ſoviel
Andere derſelben bedürftig ſein und ohne dieſelbe
umkommen, als da wollten. Wer würde das
nicht für eine Gottloſigkeit halten? Aber ſo wol—
len es die römiſchen Prieſter mit der heiligen Schrift
gemacht wiſſen. Den reicheren Menſchen d. h.
denen, die ſich und Anderen einbilden, daß ſie rei⸗
cher an Frömmigkeit und Gerechtigkeit ſind als
die Uebrigen, denen ſoll man die Bibel geben,
aber den groben, offenbaren Sündern, die ſie doch
am nöthigſten hätten, denen ſoll man ſie nicht ver⸗
ſchaffen. — Nun, wir wollen einmal annehmen, es
wäre ſo, wie die römiſche Kirche lehrt, daß einige
Menſchen nicht ſo gänzlich von der Sünde ver⸗
derbt wären als Andere; wie, ſollte man da nicht
billig den Kränkſten am erſten zu Hülfe kommen
und alſo die heilige Schrift womöglich grade denen
zuerſt nahe bringen, welche am ſchwerſten darnie⸗
derliegen? Hier werden die Papiſten vielleicht
ſagen: Ja, es wäre aber übel, wenn man koſtbare
Arzenei einem Kranken reichte, der ſie doch nicht
nimmt, ſondern wegſchüttet. — Aber von dem
Worte Gottes läßt ſich nicht Etwas wegſchütten,
wie von anderer Arzenei; es wird nicht weniger
und nicht mehr, ob es Millionen Menſchen an—
nehmen oder wegwerfen, und Keinem wird darum
Etwas entzogen, daß es Anderen gegeben wird.
Es iſt eine ewig reiche ſprudelnde Lebens—
quelle, die nie ausgeſchöpft, nie verringert werden
kann, es mögen Viele oder Wenige daraus ſchö—
pfen. Deßhalb iſt es gewiß: wenn die Papiſten
gegen die Verbreitung der Bibel eifern, ſo geſchieht
das darum, weil ſie pelagianiſche Ketzer ſind d. h.
ſolche Leute, welche behaupten, die menſchliche
Natur ſei durch die Sünde nicht gänzlich verderbt,
ſondern vermöge auch noch etwas Gutes aus
eignen Kräften.
b.) Die andere Geſtalt, worin ſich der Hoch—
muth der Papiſten, inſonderheit der Prieſter zeigt,
iſt die Herrſchſucht, und dieſe treibt ſie denn frei⸗
lich gleichfalls ſehr natürlich zur Feindſchaft gegen
die Verbreitung der Bibel. Denn weil die heilige
Schrift die Heilswahrheit zur Seligkeit Jeder—
mann klar und deutlich weiſet, der ſich nur will
weiſen laſſen, ſo iſt vorauszuſehen, daß, jemehr die
Bibel unter die Leute kommt, deſto mehr an den
Tag kommt, daß die papiſtiſchen Prieſter allerlei
Sachen lehren, welche gar nicht zur Seligkeit die—
nen, ſondern nur dazu, das Regimeut der Prieſter
ſchen Gottesdienſten gefangen zu halten. Darum
loben die papiſtiſchen Prieſter zwar die heilige
Schrift, denn ſie haben ihren Vortheil dabei und
dürften es auch um der Leute willen nicht grade
heraus ſagen, daß ſie im Grunde gar nichts dar⸗
nach fragen, ſondern bloß ihre eignen erdachten
Satzungen lieben, die ihnen den Bauch mäſten,
die Taſche füllen und Ehre bei den Menſchen ein⸗
tragen; darum, ſage ich, loben ſie die heilige
Schrift auf der einen Seite, aber auf der andern
Seiie hängen ſie ihr geſchwinde wieder einen ſol⸗
chen Schimpf an, daß Jedermann denken ſoll:
Nur gut, wenn ich damit unbeläſtigt bleibe, denn
wenn die Bibel, wie die Prieſter ſagen, „ein altes,
in längſt ausgeſtorbenen Sprachen geſchriebenes,
nur aus vielfach abweichenden Abſchriften und
Ueberſetzungen vorhandenes Buch iſt“, ſo habe ich
wenig Luſt mich damit herumzuplagen, und würde
auch geringen Gewinn davon haben, denn ich bin
einmal keiner von den Gelehrten. Solche Ge⸗
danken ſind den papiſtiſchen Prieſtern eben recht,
dahin wollen ſie es gerade bringen, daß Jeder⸗
mann denken ſoll: die Bibel iſt ein treffliches
Buch, iſt Gottes Wort und Wahrheit zur Selig—
keit, aber für mich iſt ſie zu hoch, ich kann und
weiß ſie nicht zu gebrauchen, darum will ich mich—
an das halten, was die Prieſter, die gelehrten —
Leute, ſagen, die müſſen es ja wiſſen. So ge⸗
ſchieht es denn, daß die Leute den Prieſtern auf'
Maul ſchauen (das wäre ſchon recht), aber nicht
zugleich in die Bibel und nicht forſchen,
ob ſich's denn auch in Wahrheit alſo
hält, wie der Prieſter ſagt. Da haben denn die
Prieſter gewonnen Spiel, denn nun können ſie
Lügen reden, ſoviel ſie wollen und zu ihrem Zweck
dient, die Leute meinen immer, es iſt Gottes Wort
und dient zur Seligkeit; ſo werden ſie denn be⸗
trogen, werden der Menſchen Knechte und wenn
nicht Gott ein Sonderliches an ihnen thut, des
Satans Gefangene.
Es ſage aber auch einmal Einer, ob das nicht
Gottes Wort läſtern und unehren heißt, die Bibel
alſo ſchändlich verunglimpfen und in das Gerüchte
bringen, als könnte ſie kein Menſch verſtehen,
wenn er nicht die Gelehrſamkeit mit Löffeln ge⸗
freſſen hat und mit den alten Sprachen bekannt
iſt, wie mit ſeiner Mutterſprache? Heißt das
nicht den Heiligen Geiſt aufs allerſchändlichſte
ſchmähen, wenn man die Schrift, die von ihm
eingegeben iſt, mit ſolchen Ausdrücken bezeichnet,
wie die katholiſche Kirchen-Zeitung thut? Warum
hat ſie denn der Heilige Geiſt nicht ſo ſchreiben
laſſen, daß ſie Jedermann verſtehen könnte? Hat
Er das nicht gekonnt? oder nicht ge⸗
wollt? Dann iſt Er nicht der Heilige Geiſ,
ſondern wohl ganz etwas Anderes. — Aber die
Sache verhält ſich alſo, daß kein Menſch, er ſei
der allergelehrteſte oder ungelehrteſte, auch nur ein
Titelchen vom Worte Gottes aus eignem Vermö⸗
gen und eigner Klugheit verſteht; denn der na⸗
türliche Menſch vernimmt nichts vom Geiſte Got⸗
tes, es iſt ihm eine Thorheit und kann es nicht
erkennen, 1 Cor. 2, 14.; hinwieder verſteht jeder
Menſch alsdann das Wort Gottes, wenn es ihm
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