# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 01_S141 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die von Gregorius dem Großen getroffene Ein⸗ richtung bei, daß die Diener der Kirche alles das, was ihnen am Altare zukam, alſo auch die Peri⸗ kopen, ſingen und die Gemeinden ſingend ant⸗ worten ſollten, und zwar Erſteres nicht ſowohl deshalb, weil das gut geſungene Wort in grö⸗ heren Kirchen weiterhin verſtändlich iſt, als das geſprochene, denn dieſer Grund fände doch bei den meiſten Dorfkirchen keine Anwendung, ſon⸗ dern vielmehr deshalb, weil durch jene Weiſe die Gemeinde in den Stand geſetzt wird, namentlich bei den langſam abgeſungenen Gebeten ſelbſt mit— beten zu können, was bei dem bloßen Verleſen nicht möglich iſt. Was den Wechſelgeſang betrifft, ſo fin⸗ den wir in den lutheriſchen Agenden eine viel⸗ fache Betheiligung der Gemeinde vor, ſo daß ent⸗ weder der Pfarrer intonirt und die ganze Ge⸗ meinde, geführt vom Sängerchore, reſpondirt, oder daß der Cantor oder der Chor oder ein Chorknabe intonirt und die ganze Gemeinde reſpondirt, oder daß die Gemeinde, in zwei Hälften getheilt, ſich gegenſeitig intonirt und reſpondirt. Was aber in der lutheriſchen Kirche ganz neu und eigenthümlich war, war das Kirchenlied; das einzige, was davon das chriſtliche Volk vor der Reformation hatte, waren deutſche Lieder über die zehn Gebote, Glauben und Vater Unſer, die aber nur außer der Kirche geſungen wurden; die⸗ ſes gilt auch von andern Liedern, z. B. von dem: „Alſo heilig iſt der Tag“ (aus dem 12ten Jahr⸗ hundert); in der Kirche hatte das deutſche Volk Jahrhunderte lang nichts anderes, als das Ky⸗ rie eleiſon. Erſt die lutheriſche Kirche hat das Kirchenlied völlig ausgebildet, und an ſeinen rechten Ort geſtellt, wobei ſie aber in ihren erſten zwei Jahrhunderten die Lehr- und Bekenntniß⸗ lieder, z. B. „Es iſt das Heil uns kommen her“, denen, welche mehr die Empfindungen einzelner Chriſten ausſprachen, entſchieden vorgezogen. Ja die lutheriſche Kirche hat die vorzüglichſten jener Lieder, wie das „Ein Kindelein ſo löbelich“, ſo hoch geehret, daß ſie vielfach befohlen hat, darüber zu paſſenden Kirchenzeiten in den Katechismus⸗ predigten zu predigen. Miit den Kirchenliedern ſind auch die Melodieen derſelben, in denen ein gewiſſer Grundton herrſcht, entſtanden, nur darf man freilich unſern heutigen Choralgeſang nicht für ganz übereinſtimmend mit dem der alten lutheriſchen Kirche halten, denn die alten Melodieen ſind durch die falſch berühmte Kunſt der Choralbücher vielfach verderbt worden und namentlich hat die ältere Kirche das Abſetzen im Geſange am Schluſſe der Strophen, welches oft allen Sinn der Worte zerſtört, nicht gekannt, ſondern ſie hat die Ruhepunkte bei dem Komma, Punktum u. ſ. w. eintreten laſſen. Die Arbeit, welche die Einübung der Gemein⸗ den im Reſpondiren und in andern Wechſel⸗ geſängen überhaupt, ſo wie im Lernen der Kir⸗ chenlieder nach Inhalt und Melodie erforderte, war eine überaus umfaſſende und beſchwerliche, und wurde noch dadurch ſehr vermehrt, daß die Maſſe des Volks nicht leſen konnte, daher waren anfänglich die Sammlungen von Kirchenliedern 141 nur für den Gebrauch der Paſtoren und Küſter beſtimmt, welche ſie den Gemeinden bei den Got⸗ tesdienſten ſolange vorſingen mußten, bis ſie die⸗ ſelben mitſingen konnten. Deshalb war man genöthigt, mit der Zahl der Lieder ſehr ſparſam zu ſein; ſo enthält das erſte von Dr. Luther her⸗ ausgegebene Geſangbüchlein vom Jahre 1524 nur acht Lieder, das kurz vor ſeinem Tode erſchie⸗ nene 129, und dies iſt ungefähr der Vorrath, der zufolge der Kirchenordnungen bis etwa um das Jahr 1650 im kirchlichen Gebrauche war; dabei ſuchte man aus dieſen und andern Gründen dem Eindringen vieler neuer Lieder zu wehren, man beſtand auch darauf, daß die Lieder immer ganz geſungen wurden, und nur die ſtraßburgiſche Kir⸗ chenordnung erlaubte das Abbrechen derſelben; freilich waren ſie auch noch nicht, wie ſpäter, zu einer ſo anſehnlichen Zahl von Verſen angewachſen. (Fortſetzung folgt.) Drei Paare und Einer. Du haſt zwei Ohren und Einen Mund; Willſt du's beklagen? Gar Vieles ſollſt du hören, und — Wenig darauf ſagen. Du haſt zwei Augen und Einen Mund; Mach dir's zu eigen! Gar Manches ſollſt du ſehen, und — Manches verſchweigen. Du haſt zwei Hände und Einen Mund; Lern es ermeſſen! Zweie ſind da zur Arbeit, und — Einer zum Eſſen. Sartorius' Lebensſpiegel. „Hübner's bibliſche Hiſtorien.“ Herausgegeben von C. G. Weyl, Prediger in Baltimore. Wir haben es für unſere Pflicht gehalten, vor dieſem Buche, deſſen Titel ſchon eine Lüge, und deſſen Inhalt voll Blasphemien iſt, in der 12. Nummer dieſes Blattes unſere Leſer zu warnen. Den Herausgeber dieſes Buches, Herrn Weyl, durch dieſe unſere wohl motivirte Warnung zu Erkenntniß und Eingeſtändniß ſeiner ſchweren Verſündigung zu bringen, hat uns, da wir des Mannes Charakter nur zu gut kennen gelernt haben, natürlich nicht einfallen können. Von dieſer Seite her vermutheten wir vielmehr etwas ganz anderes, und was wir vermutheten, iſt ge⸗ ſchehen, und noch mehr. Wir haben, wie die Leſer ſich erinnern werden, gezeigt. daß Hr. Weyl nicht, wie er bei Aufforderung zur Unterſtützung des Werkes ausdrücklich verſprochen hatte, den Hübner „in ſeiner alten unveränderten Form und Weſen“ wieder aufgelegt, ſondern ein Buch geliefert habe, das mit dem alten Hübner nichts gemein hat, als daß es den Namen Hübners (alſo freilich auch dieſen nur trüglich) an der Stirne trägt. Wir ſprachen dabei die gute Hoff⸗ nung aus, Hr. W. möge das Buch wohl nicht aus Bosheit, ſondern aus Unwiſſenheit als Hüb⸗ ners Arbeit nach Form und Weſen nicht nur auf das Beſtimmteſte angekündigt, ſondern auch als ſolche hernach ausgegeben haben. Wir konnten nicht glauben, daß ein Menſch (geſchweige wer * ein Chriſt und Diener der Kirche ſein wolle,) ſo aller Schaam baar ſein könne, einen Betrug zu ſpielen, von welchem er im Voraus weiß, daß derſelbe offenbar werden müſſe. Was hat nun Hr. Weyl zu ſeiner Rechtfertigung zuerſt über dieſen Punkt geantwortet? — Es iſt kaum glaub⸗ lich, und doch iſt es ſo: Hr. W. hat es einge⸗ ſtanden, daß er nicht aus Unwiſſenheit, ſondern mit vollem Bewußtſein ſeinem Verſpre⸗ chen zuwider den alien Hübner nicht wieder habe abdrucken laſſen; theils nemlich, weil ein Exem⸗ plar des alten Hübner nicht aufzufinden geweſen ſei (2, theils weil derſelbe „für das jetzige Zeit⸗ alter unſchicklich und vielleicht auch zu einſeitig kirchlich ſein dürfte“.“) Daß er's erſt verſpro— chen habe, ſei „ein unſchuldiger Fehler“. Er habe ja „ein Schulbuch für alle chriſt— lichen Verfaſſungen und kein ſteiflutheri⸗ ſches herausgeben“ wollen, denn er „ſchreite mit der Zeit fort“. — Wir geſtehen, eine ſolche Ant⸗ wort hatten wir doch nicht, ſelbſt nicht von einem Hrn. Weyl, erwartet. Derſelbe hat hiermit ſeinen eigentlichen Charakter in ein Licht geſetzt, in wel⸗ chem wir ihn bisher noch nicht geſehen und ange⸗ ſehen haben. Das Wort Gottes freilich, welches alle verborgenen Abgründe des menſchlichen Her⸗ zens aufdeckt (Ebr. 4, 12. 13.), hat auch ſolche Charaktere bereits gezeichnet; man leſe nur Jeſ. 3, 9. 1 Tim. 4, 2. Wir können nun nicht blos ſagen: „Gott erbarme ſich über alle Zuhörer, die ſolche Lehrer haben!“ wir müſſen auch hinzu⸗ ſetzen: wer von ſolchen Männern ſich führen läßt, nachdem er ſolche Selbſtrechtfertigungen von ihnen geleſen hat, der iſt nichts Beſſeres werth. Wir hatten aber in der 12ten Nummer unſeres Blattes nicht nur gerügt, daß Hr. W. ſein Wort ſchmählich gebrochen habe, den alten Hübner zu liefern, ſondern auch mit wörtlichen Auszügen aus dem Buch nachgewieſen, daß dasſelbe ein in ratio⸗ naliſtiſchem Geiſte abgefaßtes Buch ſei, voll von leerem, Chriſti ſallein ſeligmachendes Verdienſt verleugnendem Tugendgeſchwätz und voll von Blasphemien gegen Chriſtum, voll nemlich von Reden, durch welche Chriſti wahrhaftiger Gottheit läſterlich zu nahe getreten wird. Was thut Herr Weyl? An die Rechtfertigung der ſchlimmſten, von uns zu Belegen angeführten Stellen macht ſich der Mann mit ſeinem böſen Gewiſſen gar nicht, ſondern, dieſe mit Stillſchweigen über⸗ gehend, ſucht er nur ſolche zu rechtfertigen, von welchen er hofft, daß ſie ſein mit der reinen Lehre unbekanntes Publikum verſchlucken werde. So⸗ dann führt er für ſein Buch die anerkennenden Zeugniſſe zweier Männer an, die allgemein für rechtgläubig anerkannt ſein ſollen, nemlich das des Herrn Paſtor Fr. Stohlmann zu New. Rork und eins dergleichen von dem unſeren Leſern ſchon bekannten Hrn. Prediger Rauſchenbuſch. Hierauf haben wir nur dies zu bemerken, daß die genannten Herrn, und wenn ſie anerkannt noch ſo *) Aus dieſem zweiten Grunde erſieht man, daß der erſte, der Mangel an einem Exemplar des alten wahren Hübner, nicht der eigentliche Grund bei Hrn. W. war; denn geſetzt, Hr. W. hätte einer Originalausgabe habhaft werden können, ſo hätte er dieſelbe dennoch um des zweiten, dritten und vierten Grundes willen nicht wieder aufgelegt.