# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 01_S138 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ö 1³⁸ refflichſten Ausdrücken rühmt, auf der andern winden und die Feindſchaft in heilige Luſt und zu befeſtigen und die Seelen der Chriſten in fal⸗ Seite ihre Verbreitung aufs bitterſte anfeindet. Der Grund dazu iſt eigentlich nureiner, nemlich der vom Teufel in den Menſchen gepflanzte und von den Papiſten hübſch gepflegte Hochmuth. Dieſer Hochmuth tritt aber in der römiſchen Kirche beſonders in zwei Geſtalten hervor, a. in Verken⸗ nung des gräulichen und gründlichen Verderbens der menſchlichen Natur und Ueberſchätzung der natürlichen Kräfte im Menſchen. b. in Herrſch— ſucht. a.) Es iſt bekannt, daß die römiſche Kirche ge— gen die ausdrücklichſten und klarſten Stellen der heiligen Schrift (z. B. 1 Moſ. 8, 21. Röm. 3, 10 18. Epheſ. 2, 1—3. u. ſ. w.), ja auch gegen das Zeugniß ſolcher Kirchenväter und Concilien⸗ beſchlüſſe, welche die Papiſten ſelbſt nicht zu ver— werfen wagen, dennoch behauptet, der Menſch habe in ſeinem jetzigen gefallenen Zuſtande noch einige gute Kräfte und das Vermögen, ſich durch eigne Anſtrengung auf die Gnade Gottes vorzu⸗ bereiten und die dargebotene zu ergreifen. Von dieſem falſchen Grunde aus ergibt ſich ihnen der ebenſo falſche, ja gottloſe Schluß, daß einige Men⸗ ſchen der Gnade Gottes mehr, andere derſelben weniger werth ſeien. Als wenn nicht vor Gott alle Menſchen gleich unwerth und alle ohne Aus— nahme der hölliſchen Verdammniß würdig wären, als wenn irgend ein Menſch der unausſprechlich theuren Gabe des Wortes Gottes werth wäre! — Hätten die Papiſten Recht in der gottloſen Be— hauptung, daß der Menſch noch natürliche gute Kräfte überbehalten hätte nach dem Sündenfall, mit denen er ſich auf die Gnade Gottes vorberei⸗ ten und ihr zuwenden könnte, ſo ließe ſich der Schluß noch einigermaßen hören: Wer dieſe übri⸗ gen guten Kräfte nicht anwendet, der iſt auch nicht werth, das Gnadenmittel des Wortes Gottes zu erlangen. Nun aber ſteht es ja alſo, daß keine Spur von geſunder göttlicher Kraft in irgend einem Menſchen übrig geblieben iſt, daß vielmehr Alle todt ſind in Uebertretung und Sünden, daß ſie Alle abgewichen und untüchtig geworden ſind (Röm. 3.), daß von jedem Menſchen ohne Aus⸗ nahme gilt Jeſ. 1, 5. ff.: „Das ganze Haupt iſt krank, das ganze Herz iſt matt. Von der Fußſohle an bis auf's Haupt iſt nichts Geſundes an ihm, ſondern Wunden und Striemen und Eiterbeulen, die nicht geheftet noch verbunden, noch mit Oel gelindert ſind. — Wenn es demnach eine Verun⸗ ehrung des Wortes Gottes, eine lüderliche Ver⸗ ſchwendung desſelben und eine Verkleinerung ſei⸗ nes Werthes wäre, dasſelbe auf jede mögliche Weiſe den Menſchen nahe zu bringen und zwar auch ſolchen Menſchen, die nichts darnach fragen, ſondern es verachten; ſo hätte ſich Gott dieſe lüder— liche Verſchwendung und Verunehrung ſeines Wortes zuerſt zu Schulden kommen laſſen, denn Er hat es ja der gottloſen Welt gegeben, die Ihn wahrlich nicht darum gebeten hat, ſondern es noch obendrein verachtet und anfeindet; ja die ſo grund— los verderbt iſt, daß kein Menſch Gottes Wort annehmen könnte und würde, wenn nicht eben das Wort ſelbſt die Kraft in ſich trüge, den feindſeligen Widerſtand des natürlichen Menſchen zu über⸗ Anbetung zu verwandeln. Dieſe Kraft aber hat das Wort (Röm. 1, 16. Hebr. 4, 12. 1 Cor. 1, 18. Joh. 6, 63. u. a. m.) und verliert dieſelbe nie, weil die Kraft von Gott iſt, wenn auch Mil⸗ lionen Menſchen, aus einer noch über die natür— liche Feindſchaft gegen das Wort hinzukommen— den Hartnäckigkeit und Widerſpenſtigkeit, ſich da⸗ gegen ſperren und verſchließen. Darum iſt es eine Gottloſigkeit zu ſagen, durch Ausbreitung der heiligen Schrift werde dieſelbe verunehrt und im Werihe herabgeſetzt. Das kommt etwa ſo heraus, als wenn ein Arzt, der eine köſtliche Arznei gegen eine Krankheit hat, dieſelbe nicht allen mit jener Krankheit Behafteten zuwenden ſollte, ſondern nur Einigen, vielleicht beſonders reichen, damit die Mediein im Preiſe bleibe, nröchten auch ſoviel Andere derſelben bedürftig ſein und ohne dieſelbe umkommen, als da wollten. Wer würde das nicht für eine Gottloſigkeit halten? Aber ſo wol— len es die römiſchen Prieſter mit der heiligen Schrift gemacht wiſſen. Den reicheren Menſchen d. h. denen, die ſich und Anderen einbilden, daß ſie rei⸗ cher an Frömmigkeit und Gerechtigkeit ſind als die Uebrigen, denen ſoll man die Bibel geben, aber den groben, offenbaren Sündern, die ſie doch am nöthigſten hätten, denen ſoll man ſie nicht ver⸗ ſchaffen. — Nun, wir wollen einmal annehmen, es wäre ſo, wie die römiſche Kirche lehrt, daß einige Menſchen nicht ſo gänzlich von der Sünde ver⸗ derbt wären als Andere; wie, ſollte man da nicht billig den Kränkſten am erſten zu Hülfe kommen und alſo die heilige Schrift womöglich grade denen zuerſt nahe bringen, welche am ſchwerſten darnie⸗ derliegen? Hier werden die Papiſten vielleicht ſagen: Ja, es wäre aber übel, wenn man koſtbare Arzenei einem Kranken reichte, der ſie doch nicht nimmt, ſondern wegſchüttet. — Aber von dem Worte Gottes läßt ſich nicht Etwas wegſchütten, wie von anderer Arzenei; es wird nicht weniger und nicht mehr, ob es Millionen Menſchen an— nehmen oder wegwerfen, und Keinem wird darum Etwas entzogen, daß es Anderen gegeben wird. Es iſt eine ewig reiche ſprudelnde Lebens— quelle, die nie ausgeſchöpft, nie verringert werden kann, es mögen Viele oder Wenige daraus ſchö— pfen. Deßhalb iſt es gewiß: wenn die Papiſten gegen die Verbreitung der Bibel eifern, ſo geſchieht das darum, weil ſie pelagianiſche Ketzer ſind d. h. ſolche Leute, welche behaupten, die menſchliche Natur ſei durch die Sünde nicht gänzlich verderbt, ſondern vermöge auch noch etwas Gutes aus eignen Kräften. b.) Die andere Geſtalt, worin ſich der Hoch— muth der Papiſten, inſonderheit der Prieſter zeigt, iſt die Herrſchſucht, und dieſe treibt ſie denn frei⸗ lich gleichfalls ſehr natürlich zur Feindſchaft gegen die Verbreitung der Bibel. Denn weil die heilige Schrift die Heilswahrheit zur Seligkeit Jeder— mann klar und deutlich weiſet, der ſich nur will weiſen laſſen, ſo iſt vorauszuſehen, daß, jemehr die Bibel unter die Leute kommt, deſto mehr an den Tag kommt, daß die papiſtiſchen Prieſter allerlei Sachen lehren, welche gar nicht zur Seligkeit die— nen, ſondern nur dazu, das Regimeut der Prieſter ſchen Gottesdienſten gefangen zu halten. Darum loben die papiſtiſchen Prieſter zwar die heilige Schrift, denn ſie haben ihren Vortheil dabei und dürften es auch um der Leute willen nicht grade heraus ſagen, daß ſie im Grunde gar nichts dar⸗ nach fragen, ſondern bloß ihre eignen erdachten Satzungen lieben, die ihnen den Bauch mäſten, die Taſche füllen und Ehre bei den Menſchen ein⸗ tragen; darum, ſage ich, loben ſie die heilige Schrift auf der einen Seite, aber auf der andern Seiie hängen ſie ihr geſchwinde wieder einen ſol⸗ chen Schimpf an, daß Jedermann denken ſoll: Nur gut, wenn ich damit unbeläſtigt bleibe, denn wenn die Bibel, wie die Prieſter ſagen, „ein altes, in längſt ausgeſtorbenen Sprachen geſchriebenes, nur aus vielfach abweichenden Abſchriften und Ueberſetzungen vorhandenes Buch iſt“, ſo habe ich wenig Luſt mich damit herumzuplagen, und würde auch geringen Gewinn davon haben, denn ich bin einmal keiner von den Gelehrten. Solche Ge⸗ danken ſind den papiſtiſchen Prieſtern eben recht, dahin wollen ſie es gerade bringen, daß Jeder⸗ mann denken ſoll: die Bibel iſt ein treffliches Buch, iſt Gottes Wort und Wahrheit zur Selig— keit, aber für mich iſt ſie zu hoch, ich kann und weiß ſie nicht zu gebrauchen, darum will ich mich— an das halten, was die Prieſter, die gelehrten — Leute, ſagen, die müſſen es ja wiſſen. So ge⸗ ſchieht es denn, daß die Leute den Prieſtern auf' Maul ſchauen (das wäre ſchon recht), aber nicht zugleich in die Bibel und nicht forſchen, ob ſich's denn auch in Wahrheit alſo hält, wie der Prieſter ſagt. Da haben denn die Prieſter gewonnen Spiel, denn nun können ſie Lügen reden, ſoviel ſie wollen und zu ihrem Zweck dient, die Leute meinen immer, es iſt Gottes Wort und dient zur Seligkeit; ſo werden ſie denn be⸗ trogen, werden der Menſchen Knechte und wenn nicht Gott ein Sonderliches an ihnen thut, des Satans Gefangene. Es ſage aber auch einmal Einer, ob das nicht Gottes Wort läſtern und unehren heißt, die Bibel alſo ſchändlich verunglimpfen und in das Gerüchte bringen, als könnte ſie kein Menſch verſtehen, wenn er nicht die Gelehrſamkeit mit Löffeln ge⸗ freſſen hat und mit den alten Sprachen bekannt iſt, wie mit ſeiner Mutterſprache? Heißt das nicht den Heiligen Geiſt aufs allerſchändlichſte ſchmähen, wenn man die Schrift, die von ihm eingegeben iſt, mit ſolchen Ausdrücken bezeichnet, wie die katholiſche Kirchen-Zeitung thut? Warum hat ſie denn der Heilige Geiſt nicht ſo ſchreiben laſſen, daß ſie Jedermann verſtehen könnte? Hat Er das nicht gekonnt? oder nicht ge⸗ wollt? Dann iſt Er nicht der Heilige Geiſ, ſondern wohl ganz etwas Anderes. — Aber die Sache verhält ſich alſo, daß kein Menſch, er ſei der allergelehrteſte oder ungelehrteſte, auch nur ein Titelchen vom Worte Gottes aus eignem Vermö⸗ gen und eigner Klugheit verſteht; denn der na⸗ türliche Menſch vernimmt nichts vom Geiſte Got⸗ tes, es iſt ihm eine Thorheit und kann es nicht erkennen, 1 Cor. 2, 14.; hinwieder verſteht jeder Menſch alsdann das Wort Gottes, wenn es ihm