Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 4 › Seite 32

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-10-13, Seite 32

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekehrung 17

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Politik auf der Kanzel.

In einem neueren Blatte, der deutſchen „Dorf⸗
zeitung“, leſen wir uuter Anderem Folgendes, was
auch einen Blick thun läßt in die gegenwärtigen
religiöſen Zuſtände unſeres alten Vaterlandes:

„Vielfach wird jetzt die intereſſante Frage auf—
geworfen, ob und wie weit die Politik, die Hin⸗
weiſung auf die Welt⸗ und Tagesereigniſſe auf
die Kanzel gehöre. Manche Geiſtliche predigen,
als ob ſie eben von den Zeitungen und Volks⸗
verſammlungen herkämen. Viele Gemeinden,
z. B. Halle, haben ſich gegen ſolche politiſche Pre⸗
digten entſchieden verwahrt. Wenn je, ſo flüch⸗
teten ſie ſich jetzt aus den leidenſchaftlichen Be—
ſprechungen und Bewegungen des Lebens in den
ſtillen heiligen Frieden der Kirche.“

O möchte in recht vielen bei dem gegenwärtigen
Wanken alles Irdiſchen und bei dem jetzigen all⸗
gemeinen Unfrieden im Bereiche der Welt die
Sehnſucht erwachen nach dem ewig Bleibenden
und nach dem Frieden, den der Menſch nirgends
als bei Chriſto findet!

(Eingeſandt.)
Thatbeweis für Chriſti Gottheit.

Zu Cäſarea lebte zu der Zeit, als Baſilius der
Große in jener Stadt ein Lehrer und treuer Pfle⸗
ger der Gemeinde des HErrn war, ein Jude, mit
Namen Joſeph, welcher in der Natur- und Arznei⸗
kunde ſo tiefe Einſicht und große Erfahrenheit be⸗
ſaß, daß ihm hierinnen kein anderer Arzt des Lan⸗
des zu vergleichen war. Unter Anderem hatte
dieſer Joſeph eine ſo ſichere Vorausſicht des Aus⸗
ganges der Krankheiten, daß er, wenn er zu un⸗
heilbaren Kranken gerufen wurde, die Zeit des
Todes denſelben, ohne daß es ihm bisher gefehlt
hatte, aus den Bewegungen des Pulſes und an⸗
deren Zeichen drei, ja ſogar fünf Tage vorher be⸗
ſtimmte. Mit dieſem naturkundigen Arzte, wel⸗
cher ein Gegenſtand des Neides und des Haſſes
aller andern Aerzte und ihres Anhanges war,
pflegte Baſilius der Große, welcher ſelber in ſeinen
jüngern Jahren fünfzehn Jahre zu Athen der Phi⸗
loſophie und Naturkunde fleißig obgelegen, öfters
Geſpräch und Umgang zu halten. Ja die Bei⸗
den, obwohl von verſchiedenem Glauben, liebten
ſich als Freunde und auf dieſer Liebe ruhte der
Wunſch und die gläubig feſte Hoffnung, welche
Baſilius öfters gegen Joſeph den Hebräer aus⸗
ſprach: daß, noch ehe Gott einen von ihnen aus
dem Leben abforderte, es geſchehen ſollte, daß Jo⸗
ſeph IEſum den Geſalbten als ſeinen HErrn und
Heiland erkenne und auf ſeinen Namen getauft
werde. So oft aber auch Baſilius dieſe ſeine
Hoffnung äußerte, erwiderte hierauf jedesmal der
Hebräer, dies werde niemals in Erfüllung gehen,
denn er gedenke bei dem Glauben ſeiner Väter zu
leben und zu ſterben. Und wenn dann Baſſlius,
welcher nicht blos in der menſchlichen Kunſt der
Rede wohlgeübt, ſondern ein Mann voll göttlicher
Beredtſamkeit war, ſich auf jede Weiſe bemühte,
ſeinem Freund zu beweiſen: daß Chriſtus der
Geſchichten Anfang und Ende, der Völker Sehnen
und Hoffnung, ſo wie des Geſetzes Erfüllung ſei,
Chriſtus die Wolke, unter welcher das Volk des
alten Bundes dort in der Wüſte getauft, der Fels,
aus welchem es getränkt worden, ſo blieb dennoch
Joſeph unbewegt bei ſeiner Meinung und ſein
Ohr war allen ſolchen Reden verſchloſſen.

Nach dieſem geſchahe es, daß es mit Baſilius
zum Sterben kam. Da nun derſelbe ſein Ende
ganz nahe fühlte, ſendete er zu Joſeph dem Arzt,
mit dem Vorgeben, er wolle ihn wegen ſeiner Lei⸗
besſchwachheit um Rath fragen. Der Hebräer
kam, betrachtete den Sterbenden und fühlte ſeinen
Puls. Da fragte Baſilius lächelnd: „Sage,
was meinſt Du wohl von meiner Krankheit?“ —

32

Joſeph aber, bewegt, wendete ſich zu den umſte⸗
henden Freunden und ſagte: „Bereitet euch und
ſchaffet herbei, was euch noth ſcheinet, denn ſein
Ende iſt vorhanden.“ Da ſagte Baſilius: „Wie?
ſollte ich nicht am Leben erhalten werden können
bis morgen?“ — Der Hebräer erwiederte: „Mein
Herr! dieſes kann nicht geſchehen; es wird heute
eine Sonne mit der andern untergehen, — Baſi⸗
lius der Große wird den künftigen Morgen nicht
mehr ſehen. Darum, wenn mein Herr noch ir⸗
gend eine Anordnung für ſeine Kirche oder für
die Seinen zu treffen hat, ſo möge er eilen, denn
über eine Stunde wird er nicht mehr lebend ſein.“
— Darauf ſprach der Sterbende: „Wie aber,
wenn ich nun bis morgen lebte?“ — Joſeph, in
der Sicherheit ſeiner Kunſt, antwortete: „Dann
wollte ich ſterben.“ — „Wohl“, ſagte Baſilius,
„ſterben ab der Sünde des Unglaubens und leben
dem HErrn JEſus, der zur Rettung auch deiner
Seele ein Menſch geworden und am Kreuz ge⸗
ſtorben iſt.“ — Der Hebräer, welcher die gute
Meinung ſeines ſterbenden Freundes erkannte, er⸗
wiederte hierauf: „Nun wohl, mein Herr! wenn
dieſes zu deiner Ruhe dient, ſo gelobe ich dir:
daß, wenn dir dein Leben bis morgen verlängert
wird, ich mich will taufen laſſen auf den Namen
deſſen, welcher nur durch ein Wunder der Gottes⸗
Allmacht dem ſchon ſtille ſtehenden Herzen neue
Bewegung und den gebrochenen Augen den An⸗
blick des Lichtes wieder ſchenken kann.“ Hierauf
entfernte ſich Joſeph. Baſilius aber faltete die er—
kaltenden Hände und betete: „HErr JEſu, der
Du dieſem elenden Leibe Leben und Odem ge⸗
ſchenkt, und mir Kräfte gegeben haſt, dieſen Odem
ſo manches Jahr zu Deinem Dienſte und zum

Werben der Menſchenſeelen für Dein heiliges

Reich zu gebrauchen, ſchenke Du den ſterbenden
Gliedern noch auf etliche Stunden Leben und
Odem, damit die Seele dieſes Mannes Deines
Heiles, o Du mein Gott, und Deiner Seligkeit
theilhaftig werde.“ — Als nun der Morgen ge⸗
kommen war, da befahl Baſilius, man ſolle den
Arzt rufen. Joſeph wollte den Boten nicht
glauben, was ſie ihm ſagten, und obgleich die
vieljährige Freundſchaft, die er zu dem Manne
getragen, ihn zuletzt bewog, jenen zu folgen, ſo
ging er doch nur mit, in der feſten Meinung, man
wolle ihn etwa nur durch den Anblick eines ge⸗
liebten Todten zu bewegen ſuchen. Da er aber
ins Zimmer tritt, und Baſilius, noch lebend, mit
der gewohnten Freundlichkeit ihn begrüßt, da
wird der Mann von Bewunderung ſo bewegt,
daß er neben dem Bette des Kranken auf ſeine
Kniee ſinkt und ausruft: „Nun erkenne ich wahr⸗

lich, daß dein Gott, o Baſilius, der wahre Gott, W

der Gott Abrahams, Iſaaks und Jakobs, der
Väter Troſt und Hoffnung ſei, denn er nur, der
Gott der Götter, konnte dies Wunder ſchaffen.
Wohlan, ich thue, was ich geſtern gelobte, ich
gehe hin, daß ich mich taufen laſſe auf den Namen
IEſu, mit meinem ganzen Hauſe.“ „Harre noch“,
ſagte Baſilius, „mein Freund! Ich ſelber werde
dich taufen.“ Da fühlte Joſeph den Puls des
Kranken und ſagte: „Mein Herr! der Kräfte
ſind nur noch ſehr wenige in dir, es wird dir un—
möglich ſein, vom Lager dich zu erheben und
etliche Worte zu reden.“ Baſilius aber ſagte
hierauf: „Wir haben einen HErrn, welcher das
Nichts zum Sein gerufen, und der Creatur ihr
Weſen gegeben. Er, JEſus Chriſtus, iſt von
Jugend an meiner Schwachheit Stärke und mein
großer Troſt geweſen. Ihm iſt es ein Leichtes,
mir auch noch zu dieſer Sache die nöthige Kraft
zu geben.“ Hierauf geht Joſeph der Hebräer, ſich
und die Seinigen zu dieſem Werk zu bereiten.
Da nun die Stunde der heiligen Handlung ge⸗
kommen, ſiehe, da iſt es Baſilius, der vermeint⸗

lich ſchon Verſtorbene, welcher die verſammelte
Gemeinde der Chriſten zum Lobe Gottes und zu
gemeinſamer Fürbitte aufruft, welcher dann den
Hebräer und ſein ganzes Haus auf den Namen
des HErrn JEſu taufet und ihnen allen noch das
Brod der Gnade bricht — das heilige Abend⸗
mahl reichet. Ueber dieſe große Sache hatten ſich
alle Hauptleute und Vornehmſten der Stadt in
dem Tempel Gottes verſammelt. Ihnen Allen,
noch einmal, bezeuget Baſilius, daß in keinem
Andern Seligkeit ſei und Heil, als in IEſu, und
daß wir Ihm treu bleiben ſollen in Liebe, in
Glauben, in Geduld, bis ans Ende. Da nun
Baſilius ſo das Amt des Wortes bis zur dritten
Stunde nach Mittag verzogen, da war es, als
würde ſein Angeſicht von der Kraft einer Freund⸗
lichkeit und Liebe beſtrahlet, welche nicht von
menſchlicher, ſondern von göttlicher Art iſt, und
über dieſem war der Mann verſchieden.

Solches iſt geſchehen am erſten Januar des
Jahres 379 nach der Geburt unſers HErrn.

Joſeph der Hebräer hat bei ſeiner Taufe den
Namen Johannes empfangen. Und dieſer
Johannes iſt, ſo lange ihm Gott noch das Leben
erhalten, Allen, die ihn gekannt, ein Fürbild der
treuen Liebe zu dem HErrn und den Brüdern ge⸗
worden. Denn alle ſeine Kräfte und Güter hat
er ſo angewendet, daß er hiermit bezeuget, daß
nicht er hinfort es ſei, welcher den elenden Leib
und des Lebens Güter für ſich gebrauche, ſondern
daß Chriſtus es ſei, der ſich dieſen Leib zu einem
ſeligen Tempel geſchaffen und der denſelben zu
Seinem Lobe und zu der Menſchen Dienſt und

Heil geweihet habe.
Dr. G. H. v. Schubert.

Todesnachricht.
Soeben ſchreibt uns ein Freunnd die überaus
betrübende Nachricht, daß Paſtor Oſter, welcher
mit einer Schaar preußiſcher Lutheraner vor eini⸗
ger Zeit nach Auſtralien ging, auf dem Meere
geſtorben iſt.

1—.——

Anzeige.

Der Zweite Synodalbericht der Deut⸗
ſchen Evang.Lutheriſchen Synode von Miſſorni,
Ohio u. a. Staaten vom Jahre 1848 iſt, das
Er. zu 10 Cts., zu haben bei
F. W. Barthel.

Erhalten
für die lutheriſche Miſſion am Fluſſe Cass in
Michigan:
810.00 von der Gemeinde des Hrn. P. Sihler zu Fort
ayne. Crämer.

85.00 von Hrn. F. W. Schuricht. 51.00 von Hrn.
Benj. Hofmann. 51.00 von Hrn. K. C. Schuricht. 50 Cts.
von Hrn. Nagel.

für die Synodal-Miſſions⸗Caſſe:
87.073 von verſchiedenen Gliedern der lutheriſchen Ge⸗
meinde in St. Louis.

Bezahlt.

Den 3. Jahrg. Hr. Lind.

Den 4. Jahrg. Die HH. Peter Gräb, Fr. Straub,
Lind.

Die 2. Hälfte des 4. Jahrg.
Jey, Joh. Popp.

Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Fr. Fey, Chr.
Fey, Mich. Kreutel.

Den 5. Jahrg. Die HH. Aufdembrink, Joh. Bäcker, P.
Crämer (11 Ex.), Aug. Elaus, Gerh. Heinr. von dem
Fange, P. Gräbner (4 Ex.), P. Lücken, Lind, Joh. Diet,
Pahlmann, P. Sievers (3 Ex.), Fr. Sandfort, P. Schmidt,
Thöle, Heinr. Trimpe, P. Trautmann, Gerh. Heinr.
Vornhold, Joh. Heinr. zur Oeveſte.

Gedruckt bei Arthur Olshauſen,
berausgeber des Anzeiger des Weſtens.

Die HH. Fr. Fey, Chr.

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