# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 10 13_S32 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Politik auf der Kanzel. In einem neueren Blatte, der deutſchen „Dorf⸗ zeitung“, leſen wir uuter Anderem Folgendes, was auch einen Blick thun läßt in die gegenwärtigen religiöſen Zuſtände unſeres alten Vaterlandes: „Vielfach wird jetzt die intereſſante Frage auf— geworfen, ob und wie weit die Politik, die Hin⸗ weiſung auf die Welt⸗ und Tagesereigniſſe auf die Kanzel gehöre. Manche Geiſtliche predigen, als ob ſie eben von den Zeitungen und Volks⸗ verſammlungen herkämen. Viele Gemeinden, z. B. Halle, haben ſich gegen ſolche politiſche Pre⸗ digten entſchieden verwahrt. Wenn je, ſo flüch⸗ teten ſie ſich jetzt aus den leidenſchaftlichen Be— ſprechungen und Bewegungen des Lebens in den ſtillen heiligen Frieden der Kirche.“ O möchte in recht vielen bei dem gegenwärtigen Wanken alles Irdiſchen und bei dem jetzigen all⸗ gemeinen Unfrieden im Bereiche der Welt die Sehnſucht erwachen nach dem ewig Bleibenden und nach dem Frieden, den der Menſch nirgends als bei Chriſto findet! (Eingeſandt.) Thatbeweis für Chriſti Gottheit. Zu Cäſarea lebte zu der Zeit, als Baſilius der Große in jener Stadt ein Lehrer und treuer Pfle⸗ ger der Gemeinde des HErrn war, ein Jude, mit Namen Joſeph, welcher in der Natur- und Arznei⸗ kunde ſo tiefe Einſicht und große Erfahrenheit be⸗ ſaß, daß ihm hierinnen kein anderer Arzt des Lan⸗ des zu vergleichen war. Unter Anderem hatte dieſer Joſeph eine ſo ſichere Vorausſicht des Aus⸗ ganges der Krankheiten, daß er, wenn er zu un⸗ heilbaren Kranken gerufen wurde, die Zeit des Todes denſelben, ohne daß es ihm bisher gefehlt hatte, aus den Bewegungen des Pulſes und an⸗ deren Zeichen drei, ja ſogar fünf Tage vorher be⸗ ſtimmte. Mit dieſem naturkundigen Arzte, wel⸗ cher ein Gegenſtand des Neides und des Haſſes aller andern Aerzte und ihres Anhanges war, pflegte Baſilius der Große, welcher ſelber in ſeinen jüngern Jahren fünfzehn Jahre zu Athen der Phi⸗ loſophie und Naturkunde fleißig obgelegen, öfters Geſpräch und Umgang zu halten. Ja die Bei⸗ den, obwohl von verſchiedenem Glauben, liebten ſich als Freunde und auf dieſer Liebe ruhte der Wunſch und die gläubig feſte Hoffnung, welche Baſilius öfters gegen Joſeph den Hebräer aus⸗ ſprach: daß, noch ehe Gott einen von ihnen aus dem Leben abforderte, es geſchehen ſollte, daß Jo⸗ ſeph IEſum den Geſalbten als ſeinen HErrn und Heiland erkenne und auf ſeinen Namen getauft werde. So oft aber auch Baſilius dieſe ſeine Hoffnung äußerte, erwiderte hierauf jedesmal der Hebräer, dies werde niemals in Erfüllung gehen, denn er gedenke bei dem Glauben ſeiner Väter zu leben und zu ſterben. Und wenn dann Baſſlius, welcher nicht blos in der menſchlichen Kunſt der Rede wohlgeübt, ſondern ein Mann voll göttlicher Beredtſamkeit war, ſich auf jede Weiſe bemühte, ſeinem Freund zu beweiſen: daß Chriſtus der Geſchichten Anfang und Ende, der Völker Sehnen und Hoffnung, ſo wie des Geſetzes Erfüllung ſei, Chriſtus die Wolke, unter welcher das Volk des alten Bundes dort in der Wüſte getauft, der Fels, aus welchem es getränkt worden, ſo blieb dennoch Joſeph unbewegt bei ſeiner Meinung und ſein Ohr war allen ſolchen Reden verſchloſſen. Nach dieſem geſchahe es, daß es mit Baſilius zum Sterben kam. Da nun derſelbe ſein Ende ganz nahe fühlte, ſendete er zu Joſeph dem Arzt, mit dem Vorgeben, er wolle ihn wegen ſeiner Lei⸗ besſchwachheit um Rath fragen. Der Hebräer kam, betrachtete den Sterbenden und fühlte ſeinen Puls. Da fragte Baſilius lächelnd: „Sage, was meinſt Du wohl von meiner Krankheit?“ — 32 Joſeph aber, bewegt, wendete ſich zu den umſte⸗ henden Freunden und ſagte: „Bereitet euch und ſchaffet herbei, was euch noth ſcheinet, denn ſein Ende iſt vorhanden.“ Da ſagte Baſilius: „Wie? ſollte ich nicht am Leben erhalten werden können bis morgen?“ — Der Hebräer erwiederte: „Mein Herr! dieſes kann nicht geſchehen; es wird heute eine Sonne mit der andern untergehen, — Baſi⸗ lius der Große wird den künftigen Morgen nicht mehr ſehen. Darum, wenn mein Herr noch ir⸗ gend eine Anordnung für ſeine Kirche oder für die Seinen zu treffen hat, ſo möge er eilen, denn über eine Stunde wird er nicht mehr lebend ſein.“ — Darauf ſprach der Sterbende: „Wie aber, wenn ich nun bis morgen lebte?“ — Joſeph, in der Sicherheit ſeiner Kunſt, antwortete: „Dann wollte ich ſterben.“ — „Wohl“, ſagte Baſilius, „ſterben ab der Sünde des Unglaubens und leben dem HErrn JEſus, der zur Rettung auch deiner Seele ein Menſch geworden und am Kreuz ge⸗ ſtorben iſt.“ — Der Hebräer, welcher die gute Meinung ſeines ſterbenden Freundes erkannte, er⸗ wiederte hierauf: „Nun wohl, mein Herr! wenn dieſes zu deiner Ruhe dient, ſo gelobe ich dir: daß, wenn dir dein Leben bis morgen verlängert wird, ich mich will taufen laſſen auf den Namen deſſen, welcher nur durch ein Wunder der Gottes⸗ Allmacht dem ſchon ſtille ſtehenden Herzen neue Bewegung und den gebrochenen Augen den An⸗ blick des Lichtes wieder ſchenken kann.“ Hierauf entfernte ſich Joſeph. Baſilius aber faltete die er— kaltenden Hände und betete: „HErr JEſu, der Du dieſem elenden Leibe Leben und Odem ge⸗ ſchenkt, und mir Kräfte gegeben haſt, dieſen Odem ſo manches Jahr zu Deinem Dienſte und zum Werben der Menſchenſeelen für Dein heiliges Reich zu gebrauchen, ſchenke Du den ſterbenden Gliedern noch auf etliche Stunden Leben und Odem, damit die Seele dieſes Mannes Deines Heiles, o Du mein Gott, und Deiner Seligkeit theilhaftig werde.“ — Als nun der Morgen ge⸗ kommen war, da befahl Baſilius, man ſolle den Arzt rufen. Joſeph wollte den Boten nicht glauben, was ſie ihm ſagten, und obgleich die vieljährige Freundſchaft, die er zu dem Manne getragen, ihn zuletzt bewog, jenen zu folgen, ſo ging er doch nur mit, in der feſten Meinung, man wolle ihn etwa nur durch den Anblick eines ge⸗ liebten Todten zu bewegen ſuchen. Da er aber ins Zimmer tritt, und Baſilius, noch lebend, mit der gewohnten Freundlichkeit ihn begrüßt, da wird der Mann von Bewunderung ſo bewegt, daß er neben dem Bette des Kranken auf ſeine Kniee ſinkt und ausruft: „Nun erkenne ich wahr⸗ lich, daß dein Gott, o Baſilius, der wahre Gott, W der Gott Abrahams, Iſaaks und Jakobs, der Väter Troſt und Hoffnung ſei, denn er nur, der Gott der Götter, konnte dies Wunder ſchaffen. Wohlan, ich thue, was ich geſtern gelobte, ich gehe hin, daß ich mich taufen laſſe auf den Namen IEſu, mit meinem ganzen Hauſe.“ „Harre noch“, ſagte Baſilius, „mein Freund! Ich ſelber werde dich taufen.“ Da fühlte Joſeph den Puls des Kranken und ſagte: „Mein Herr! der Kräfte ſind nur noch ſehr wenige in dir, es wird dir un— möglich ſein, vom Lager dich zu erheben und etliche Worte zu reden.“ Baſilius aber ſagte hierauf: „Wir haben einen HErrn, welcher das Nichts zum Sein gerufen, und der Creatur ihr Weſen gegeben. Er, JEſus Chriſtus, iſt von Jugend an meiner Schwachheit Stärke und mein großer Troſt geweſen. Ihm iſt es ein Leichtes, mir auch noch zu dieſer Sache die nöthige Kraft zu geben.“ Hierauf geht Joſeph der Hebräer, ſich und die Seinigen zu dieſem Werk zu bereiten. Da nun die Stunde der heiligen Handlung ge⸗ kommen, ſiehe, da iſt es Baſilius, der vermeint⸗ lich ſchon Verſtorbene, welcher die verſammelte Gemeinde der Chriſten zum Lobe Gottes und zu gemeinſamer Fürbitte aufruft, welcher dann den Hebräer und ſein ganzes Haus auf den Namen des HErrn JEſu taufet und ihnen allen noch das Brod der Gnade bricht — das heilige Abend⸗ mahl reichet. Ueber dieſe große Sache hatten ſich alle Hauptleute und Vornehmſten der Stadt in dem Tempel Gottes verſammelt. Ihnen Allen, noch einmal, bezeuget Baſilius, daß in keinem Andern Seligkeit ſei und Heil, als in IEſu, und daß wir Ihm treu bleiben ſollen in Liebe, in Glauben, in Geduld, bis ans Ende. Da nun Baſilius ſo das Amt des Wortes bis zur dritten Stunde nach Mittag verzogen, da war es, als würde ſein Angeſicht von der Kraft einer Freund⸗ lichkeit und Liebe beſtrahlet, welche nicht von menſchlicher, ſondern von göttlicher Art iſt, und über dieſem war der Mann verſchieden. Solches iſt geſchehen am erſten Januar des Jahres 379 nach der Geburt unſers HErrn. Joſeph der Hebräer hat bei ſeiner Taufe den Namen Johannes empfangen. Und dieſer Johannes iſt, ſo lange ihm Gott noch das Leben erhalten, Allen, die ihn gekannt, ein Fürbild der treuen Liebe zu dem HErrn und den Brüdern ge⸗ worden. Denn alle ſeine Kräfte und Güter hat er ſo angewendet, daß er hiermit bezeuget, daß nicht er hinfort es ſei, welcher den elenden Leib und des Lebens Güter für ſich gebrauche, ſondern daß Chriſtus es ſei, der ſich dieſen Leib zu einem ſeligen Tempel geſchaffen und der denſelben zu Seinem Lobe und zu der Menſchen Dienſt und Heil geweihet habe. Dr. G. H. v. Schubert. Todesnachricht. Soeben ſchreibt uns ein Freunnd die überaus betrübende Nachricht, daß Paſtor Oſter, welcher mit einer Schaar preußiſcher Lutheraner vor eini⸗ ger Zeit nach Auſtralien ging, auf dem Meere geſtorben iſt. 1—.—— Anzeige. Der Zweite Synodalbericht der Deut⸗ ſchen Evang.Lutheriſchen Synode von Miſſorni, Ohio u. a. Staaten vom Jahre 1848 iſt, das Er. zu 10 Cts., zu haben bei F. W. Barthel. Erhalten für die lutheriſche Miſſion am Fluſſe Cass in Michigan: 810.00 von der Gemeinde des Hrn. P. Sihler zu Fort ayne. Crämer. 85.00 von Hrn. F. W. Schuricht. 51.00 von Hrn. Benj. Hofmann. 51.00 von Hrn. K. C. Schuricht. 50 Cts. von Hrn. Nagel. für die Synodal-Miſſions⸗Caſſe: 87.073 von verſchiedenen Gliedern der lutheriſchen Ge⸗ meinde in St. Louis. Bezahlt. Den 3. Jahrg. Hr. Lind. Den 4. Jahrg. Die HH. Peter Gräb, Fr. Straub, Lind. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Jey, Joh. Popp. Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Fr. Fey, Chr. Fey, Mich. Kreutel. Den 5. Jahrg. Die HH. Aufdembrink, Joh. Bäcker, P. Crämer (11 Ex.), Aug. Elaus, Gerh. Heinr. von dem Fange, P. Gräbner (4 Ex.), P. Lücken, Lind, Joh. Diet, Pahlmann, P. Sievers (3 Ex.), Fr. Sandfort, P. Schmidt, Thöle, Heinr. Trimpe, P. Trautmann, Gerh. Heinr. Vornhold, Joh. Heinr. zur Oeveſte. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, berausgeber des Anzeiger des Weſtens. Die HH. Fr. Fey, Chr.