Collection › Der Lutheraner (Frankfurt am Main) › Jahrgang 2, Nummer 6 › Seite 51

Der Lutheraner Frankfurt am Main — Juni 1948, Seite 51

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Nummer 6                                    Juni 1948                                    Seite 51

Echte Jugendfreude

»So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend,
und laß dein Herz guter Dinge sein in deiner
Jugend. Tue, was dein Herz gelüstet und
deinen Augen gefällt, und wisse, daß dich Gott
um dies alles wird vor Gericht führen.“
Pred. 11, 9.

In diesen Worten wird uns ans Herz gelegt
, daß wir als Gottesgabe erkennen
und genießen sollen, was jeder echten und gesunden
Jugend zu eigen ist: Die Fröhlichkeit
des Herzens. Diese Gabe scheint heute zwar
verloren gegangen zu sein in dem Ernst der
Zeit und unter den drückenden Sorgen der
Gegenwart; und doch ist es — auch in ernsten
Zeiten — ein Vorrecht und eine köstliche
Gabe der Jugend, fröhlich und frei zu leben.
Die Sorgen und Nöte des Lebens treten nur
allzubald auch an junge Menschen heran. So
redet der König Salomo kurz vor unserm
Text von den bösen Tagen, „daß ihrer so viel
ist.“ Und darum ruft er uns hier zu: „Freue
dich, Jüngling, in deiner Jugend“,
weil gerade die Jugendzeit nach Gottes Willen
eine Freudenzeit sein soll. So freue dich
nur über die Dinge des Lebens, die dir in deiner
Jugendzeit gegeben sind, wie Gesang,
Spiel, Sport, Wandern, Lernen und Basteln,
und was es noch mehr gibt, von ganzem
Herzen.

„Und laß dein Herz guter Dinge sein in deiner
Jugend!“ — Ein bekanntes Sprichwort
heißt: „Ein Bäumchen biegt sich, ein Baum
nicht mehr.“ Das bedeutet: Was dem Menschen
in seiner Jugend zur Gewohnheit geworden
ist, kann er im Alter nicht lassen, dann
ist er nicht mehr „biegsam“. Mancher Mensch,
der in seiner Jugend sein Herz nicht „guter
Dinge“ sein ließ, hat vor dem Richter und
im Zuchthaus sein Ende gefunden. —
Schauen wir doch einmal auf die Straßen
und Plätze der Städte und in die Bahnhöfe,
wo mehr oder weniger verborgen die dunklen
Geschäfte des „Schwarzen Marktes“ betrieben
werden. Blicken wir den Hunderten und
Tausenden von Jugendlichen, die dort umherlungern
, ins Antlitz. Die reine Freude der
Jugend ist nicht mehr in ihren Gesichtern zu
finden; wir sehen in ihren Augen nur noch die
fieberhafte Gier nach Geld und Zigaretten
und die Gewinnsucht in ihrem verbotenen,
dunklen Gewerbe. Arbeitsscheu und schlechtes
Beispiel der Erwachsenen sowie eine gewisse
Großmannssucht treten hinzu und bringen
diese Jugend — man findet sogar Zehnjährige
darunter! — unweigerlich auf die schiefe
Bahn. Schieber von heute — Berufsverbrecher
von morgen! — Aber nicht nur auf dem
„Schwarzen Markt“ finden wir solche Jugendlichen
, deren Herzen nicht „guter Dinge“
sind. Blicken wir nur richtig um uns. Manche
Dinge, die wir für „harmlose Kleinigkeiten“
oder gar für gut und echter Freude wert halten
, verlieren bei näherer Betrachtung erheblich
von ihrem Glanz. Verliert nicht jeder Gegenstand
menschlicher Freude, wenn er zur
Leidenschaft wird, den Charakter des Guten?

Sehen wir uns um! Und nicht nur das. Blikken
wir prüfend in unser eigenes Herz.
„Laß dein Herz guter Dinge sein“,
mahnt Salomo. In unserm eigenen Herzen
steckt ja die Sünde, die alles verdirbt,
die auch so manches, was an sich ein gut
Ding ist, zur Leidenschaft werden läßt
und es mißbraucht. Siehe das Spiel!
Etwas Köstliches, wenn es zur Freude
und Entspannung gepflegt wird. Alle reine
Freude am Spiel aber wird erstickt, wo Gewinnsucht
und Leidenschaft die Gemüter beherrschen
und erhitzen, und das Herz kann nicht
mehr „guter Dinge“ sein. — Sport! Eine
edle Uebung menschlicher Kraft und Gewandtheit
von alters her. Wehe aber, wenn der
junge Mensch nicht mehr den Sport betreibt,
sondern der Sport zur Leidenschaft geworden,
ihn treibt und darüber alle andern Dinge —
auch Gottes Wort und Wahrheit vergessen
und versäumt werden. So kann es mit allen
Dingen gehen, die jungen Herzen Freude
machen. Sie dienen nur dann echter und gesunder
Jugendfreude, wenn sie recht gebraucht
und nicht zur Leidenschaft werden. Seid also
Herren über eure Jugendfreuden. „Laß dein
Herz guter Dinge sein in deiner Jugend.“
„Tue, was dein Herz gelüstet!“ Siehe, Gottes
Wort geht noch weiter. Doch wie sollen
wir das nun verstehen? Wird damit nicht
einer schrankenlosen Willkür jugendlicher Leidenschaften
freie Bahn gegeben? Sagt Gottes
Wort nicht auch an anderer Stelle: „Das
Dichten des menschlichen Herzens ist böse von
Jugend auf“? Wie kann es hier nun heißen:
„Tue, was dein Herz gelüstet“? Die nachfolgenden
Worte lehren uns das rechte Verständnis
. „Und wisse, daß dich Gott um dies
alles wird vor Gericht fordern.“ Damit wird
die Freude und alles Denken und Treiben der
Jugend unter den Ernst des göttlichen Gerichts
gestellt. „Um dies alles“ bedeutet ja
nicht weniger als all unser Tun und Lassen
in unserer Jugend. Vor Gottes Gericht entschuldigt
keine Minderjährigkeit. Vor Gottes
Gericht gelten die 10 Gebote ohne Unterschied
für alt und jung; denn „es ist kein Ansehen
der Person vor Gott.“ So können wir
also nicht in schrankenloser Willkür und eigenmächtiger
Freiheit tun und treiben, was unser
natürliches Herz gelüstet. Wer Gottes
Gericht über sich anerkennt, wird vielmehr
wissen, daß er in steter Selbstprüfung und
ehrlicher Selbsterkenntnis mit David bitten
muß: „HErr, gedenke nicht der Sünden meiner
Jugend.“

Doch wie können wir da noch tun, was unser
Herz gelüstet? Und woher sollen wir da noch
Freude, ungetrübte, reine Jugendfreude schöpfen
? Nicht aus uns selbst, aber „gedenke an
deinen Schöpfer in deiner Jugend“ sagt Salomo
gleich nach unserm Text. Gott selbst will
für uns die Quelle aller Freude werden und
als der Geber aller guten Gabe unser Freudenspender
sein, daß wir sprechen lernen: „In
dir ist Freude die Fülle.“ Darum hat er seinen
Sohn zu uns gesandt, daß er uns aus
seinem göttlichen Zornesgericht erlöse und alle
unsere Traurigkeit in Freude verkehre, und
der Glaube an Christum, unsern Heiland,
reinigt unsere unreinen Herzen, daß sie ein
heiliges Gefäß echter und tiefer Jugendfreude
werden. „Darum lasset uns aufsehen auf
Jesum, den Anfänger und Vollender des
Glaubens, welcher, da er wohl hätte mögen
Freude haben, erduldete er das Kreuz und
achtete der Schande nicht“ — für uns, „auf
daß wir Frieden hätten“. Und wo Frieden ist,
da ist auch Freude. Wo „der Friede Gottes,
der höher ist denn alle Vernunft, unsere Herzen
und Sinne bewahrt in Christo Jesu“, da
erfüllt sich auch Christi Verheißung an uns:
„Euer Herz soll sich freuen, und eure Freude
soll niemand von euch nehmen.“ Und ist diese
Freude des Glaubens, diese Freude „in dem
HErrn“ die tragende Grundlage unseres
jugendlichen Frohsinns, dann wissen und erfahren
wir es, was echte, tiefe Jugendfreude
ist, und können mit Paul Gerhardt singen
und jubeln:

„Mein Herze geht in Sprüngen
und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud' und Singen,
sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet,
ist mein HErr Jesu Christ,
das, was mich singen machet,
ist, was im Himmel ist.

Kanzow.

Kalenderecke

Am 5. Juni 1493 wurde Justus Jonas
, einer der nächsten Mitarbeiter Luthers,
geboren.

Paul Gerhardt, der große Liederdichter
der lutherischen Kirche, starb am 7. Juni
1676 in Lübben an der Spree, wohin er, aus
Berlin seines lutherischen Bekenntnisses wegen
vertrieben, als Archidiakonus berufen worden
war.

Am 15. Juni 1520 erließ die römische Kirche
gegen Luther die Bannandrohungsbulle
, die eine Anzahl seiner Schriften verbot
und die Verbrennung aller anderen forderte
. Die Veröffentlichung der Bulle konnten
Luthers Gegner Eck und Aleander in
Deutschland nur an wenigen Orten durchsetzen
.

Der uns allen bekannte Maler Ludwig
Richter starb am 19. Juni 1884. Von
ihm haben wir neben vielen anderen Werken
die Bilder zum Vaterunser.

Am 25. Juni 1530 wurde auf dem Reichstag
zu Augsburg durch den sächsischen Kanzler
vor dem Kaiser sowie den deutschen Fürsten
die Augsburger Konfession
verlesen, die von Melanchthon, dem engsten
Mitarbeiter Luthers, verfaßt worden war.

Am 27. Juni 1519 begann die Leipziger
Disputation zwischen dem römischen
Theologen Dr. Eck und Karlstadt; vom
4.—19. Juli schloß sich eine Debatte zwischen
Luther und Eck an, in der Luther seinen
Glauben gegenüber der römischen Kirche fest
vertrat.

Schneider.

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Number 6                                    June 1948                                    Page 51

Genuine Joy of Youth

"Rejoice, O young man, in thy youth,
and let thy heart cheer thee in the days
of thy youth. Walk in the ways of thy
heart and in the sight of thine eyes, and
know thou, that for all these things God
will bring thee into judgment."
Eccl. 11:9.

In these words it is laid upon our hearts that we should recognize and enjoy as a gift of God what belongs to every genuine and healthy youth: cheerfulness of heart. This gift does indeed seem to have been lost today amid the gravity of the times and under the oppressive cares of the present; and yet — even in serious times — it is a privilege and a precious gift of youth to live cheerfully and freely. The cares and troubles of life all too soon come upon young people as well. Thus King Solomon speaks, shortly before our text, of the evil days, "for they are many." And therefore he calls to us here: "Rejoice, O young man, in thy youth," because precisely the time of youth, according to God's will, is meant to be a time of joy. So rejoice, with a whole heart, in the things of life that are given to you in your youth — such as singing, play, sport, hiking, learning, and craftwork, and whatever else there may be.

"And let thy heart cheer thee in thy youth!" — A well-known proverb says: "A sapling bends, a tree no longer." That means: what has become a habit for a person in youth, he cannot give up in old age, for then he is no longer "pliable." Many a person who in his youth did not let his heart be "of good cheer" has ended up before the judge and in prison. — Let us look at the streets and squares of the cities and at the railway stations, where, more or less hidden, the dark dealings of the "black market" are carried on. Let us look into the faces of the hundreds and thousands of young people who loiter about there. The pure joy of youth is no longer to be found in their faces; we see in their eyes only the feverish greed for money and cigarettes and the lust for profit in their forbidden, shady trade. Aversion to work and the bad example of adults, together with a certain love of showing off, are added to this and lead this youth — one even finds ten-year-olds among them! — inevitably onto a crooked path. Black-marketeers of today — career criminals of tomorrow! — But it is not only on the "black market" that we find such young people whose hearts are not "of good cheer." Let us only look properly around us. Many things that we consider "harmless trifles," or even good and worthy of genuine joy, lose a good deal of their luster upon closer examination. Does not every object of human joy lose the character of goodness when it becomes a passion?

Let us look around! And not only that. Let us look searchingly into our own hearts. "Let thy heart cheer thee," Solomon admonishes. In our own heart there lurks sin, which spoils everything, which even lets many a thing that is in itself good become a passion, and misuses it. Consider play! Something precious, when cultivated for joy and relaxation. But all pure joy in play is stifled where lust for gain and passion dominate and inflame the mind, and the heart can no longer be "of good cheer." — Sport! A noble exercise of human strength and skill from ancient times. But woe, when the young person no longer engages in sport, but sport has become a passion that drives him, and over it all other things — even God's Word and truth — are forgotten and neglected. So it can go with all things that give young hearts joy. They serve genuine and healthy youthful joy only when they are rightly used and do not become a passion. Be masters, then, over your youthful joys. "Let thy heart cheer thee in thy youth."

"Walk in the ways of thy heart!" See, God's Word goes even further. But how are we now to understand this? Is free rein hereby given to the unrestrained willfulness of youthful passions? Does not God's Word also say elsewhere: "The imagination of man's heart is evil from his youth"? How then can it say here: "Walk in the ways of thy heart"? The following words teach us the right understanding. "And know thou, that for all these things God will bring thee into judgment." Thereby the joy and all the thinking and doing of youth are placed under the seriousness of divine judgment. "For all these things" means nothing less than all our doing and refraining in our youth. Before God's judgment, minority age is no excuse. Before God's judgment, the Ten Commandments apply without distinction to old and young alike; for "there is no respect of persons with God." So we cannot, then, in unrestrained willfulness and self-assumed freedom, do and pursue whatever our natural heart desires. Whoever acknowledges God's judgment over himself will rather know that, in constant self-examination and honest self-knowledge, he must plead with David: "LORD, remember not the sins of my youth."

Yet how can we then still do what our heart desires? And from where are we then still to draw joy — untroubled, pure youthful joy? Not from ourselves, but "remember now thy Creator in the days of thy youth," says Solomon immediately after our text. God himself wants to become for us the source of all joy and, as the giver of every good gift, our dispenser of joy, so that we learn to say: "In thy presence is fullness of joy." Therefore he has sent his Son to us, that he might redeem us from his divine judgment of wrath and turn all our sorrow into joy, and faith in Christ, our Savior, purifies our impure hearts, that they may become a holy vessel of genuine and deep youthful joy. "Wherefore let us look unto Jesus, the author and finisher of faith, who, for the joy that was set before him, endured the cross, despising the shame" — for us, "that we might have peace." And where there is peace, there is also joy. Where "the peace of God, which passeth all understanding, keeps our hearts and minds through Christ Jesus," there Christ's promise to us is also fulfilled: "Your heart shall rejoice, and your joy no man taketh from you." And if this joy of faith, this joy "in the LORD," is the sustaining foundation of our youthful cheerfulness, then we know and experience what genuine, deep youthful joy is, and we can sing and rejoice with Paul Gerhardt:

"My heart leaps up in gladness
and cannot know despair,
it's full of joy and singing,
sees naught but sunshine fair.
The sun that smiles upon me
is my Lord Jesus Christ,
what makes my heart go singing
is what is found in heaven."

Kanzow.

Calendar Corner

On June 5, 1493, Justus Jonas, one of Luther's closest co-workers, was born.

Paul Gerhardt, the great hymn writer of the Lutheran church, died on June 7, 1676, in Lübben on the Spree, where he had been called as archdeacon after being driven out of Berlin because of his Lutheran confession.

On June 15, 1520, the Roman church issued against Luther the bull threatening excommunication, which banned a number of his writings and demanded the burning of all the others. Luther's opponents Eck and Aleander were able to enforce the publication of the bull in only a few places in Germany.

The painter Ludwig Richter, well known to us all, died on June 19, 1884. Among many other works, we have from him the pictures for the Lord's Prayer.

On June 25, 1530, at the Diet of Augsburg, the Augsburg Confession was read before the Emperor and the German princes by the Saxon chancellor; it had been composed by Melanchthon, Luther's closest co-worker.

On June 27, 1519, the Leipzig Disputation began between the Roman theologian Dr. Eck and Karlstadt; from July 4–19 there followed a debate between Luther and Eck, in which Luther firmly upheld his faith against the Roman church.

Schneider.