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Der Lutheraner Frankfurt am Main — Juni 1948, Seite 50

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Seite 50 Juni 1948 Nummer 6

einst Philippus dem Kämmerer aus dem
Mohrenland erwies auf seine Frage: „Wie
kann ich, so mich nicht jemand anleitet?“
(Apg. 8, 31).
Knüpfen wir gleich bei dieser Geschichte an.
Die Anleitung, die Philippus dem Kämmerer
gab, wird uns mit den Worten berichtet:
„Philippus aber tat seinen Mund auf
und predigte das Evangelium von Jesu“
(Vers 35). Wir lernen daraus, daß die beste
Anleitung zum persönlichen Bibelstudium die
Predigt des Evangeliums ist. Das Bibelstudium
kann und darf darum nie die Predigt
ersetzen wollen; denn „der Glaube kommt aus
der Predigt.“ Besonders junge Christen sind
leicht geneigt zu denken, das Versäumen des
Gottesdienstes könnte mit dem Lesen der Bibel
ausgeglichen werden, und betrügen damit nur
sich selbst. Doch wie nun der Glaube aus der
Predigt kommt, so wird auch die Predigt
immer die beste Anleitung und Ermunterung
zu einem gesegneten Bibelstudium sein. Wir
lernen es an dem Beispiel der Christen zu
Beroea, die sich durch die Predigt des Apostels
Paulus treiben ließen, täglich in der Schrift
zu forschen, ob sich's also verhielte (Apg. 17,
11). Ihr Vorbild zeigt uns, daß das persönliche
Bibelstudium eine köstliche Frucht und
notwendige Ergänzung des Hörens der Predigt
ist. Und dafür will dir nun der „Junge
Lutheraner“ einige Hinweise und Fingerzeige
geben. Er will nicht die Predigt ersetzen, soll
dich auch nicht anpredigen, sondern er will dir
nur Mut machen und Anregung geben, immer
wieder freudig nach der Bibel zu greifen, daß
du sie mit innerer gläubiger Anteilnahme
lesen mögest und dir das Lesen zum Segen
werde.

Jeder von uns hat wohl schon die Erfahrung
gemacht, daß beim Lesen eines guten Buches
— sei es, daß uns darin eine ergreifende
Lebensgeschichte oder eine spannende Reiseerzählung
geboten wird — die Anteilnahme
mit dem Erzählten oft so stark geweckt wird,
daß uns beim Lesen zumute ist, als wären
wir in das Geschehen mit hineinverwoben und
selbst daran beteiligt. Wir erleben das, was
wir lesen, so stark mit, daß wir davon mitgerissen
werden. Was aber bei solchem Buch
nur geschicht, weil unsere Phantasie durchs
Lesen angeregt wird, was also dort im gewissen
Sinn nur eine Sinnestäuschung ist, das ist
bei der Bibel volle Wirklichkeit. Sie redet
und handelt wirklich von deiner Lebensgeschichte
. Siehe, es ist das Schicksal der in
Sünde gefallenen und verlorenen Menschenwelt
, das in der Schrift vor unsern Augen
entrollt wird, und wiederum das Erbarmen
Gottes, dieser Welt zu helfen, das uns dort
vor Augen gemalt wird. Und damit wird dir
dein eigenes Schicksal vorgestellt, wie du mit
der Welt in gleicher Schuld verloren bist vor
Gott, und wie du mitsamt der Welt in gleicher
Gottesferne und in der Gottesfeindschaft
deiner eigenen Natur Gott, deinem HErrn,
entfremdet bist, aber dann auch, daß Gottes
unergründliche Gnade und Liebe sich deiner in
gleicher Weise erbarmt, wie Gott die Welt
mit seiner Liebe umfängt und will, daß allen
Menschen geholfen werde. Huebener.

Briefwechsel zwischen Ost und West

Nachfolgend veröffentlichen wir einen Briefwechsel
mit der Jugend unserer Dresdener Gemeinde
, den uns Werner Schubach einsandte.
Schickt bitte mehr Berichte über euren Gemeindejugendkreis
! Es fesselt auch die anderen
. Sicher können einige aus diesem Brief
wertvolle Anregungen für ihre Jugendstunden
entnehmen.

Lieber Werner!

Nach längerer Zeit sollst Du endlich auch von
uns mal wieder einen Brief erhalten. Da
wird es Dich wohl vor allem interessieren, was
wir in den Wintermonaten so getrieben haben.
Und wir können Dir schreiben, wir haben
nicht aufgehört mit unserer Jugendarbeit.
Trotz der spärlichen Holzvorräte konnten wir
unsere Jugendstunden regelmäßig halten. Wir
hatten an die Worte des Königs Salomo gedacht
: „So freue dich, Jüngling, in deiner
Jugend, und laß dein Herz guter Dinge sein
in deiner Jugend.“ Nur der richtige Raum
fehlt uns. So sind wir auf die Liebe und das
Entgegenkommen der Gemeindeglieder angewiesen
. Alle vierzehn Tage kommen wir
Sonntag nachmittags in gastfreien Häusern
zusammen. Einzelne haben oft weite Wege
zu machen. Auch wir hier in Dresden leiden
sehr unter den Nachwehen des Krieges. Langes
Warten an den Straßenbahnhaltestellen,
die Fahrt in überfüllten Wagen sind einige
der 'Vorfreuden'. Aber endlich ist das Ziel
erreicht, und alle Strapazen sind schneller vergessen
, als man es sich vorher gedacht hatte.
Die Begrüßung ist jedesmal eine neue Freude.
Von einem Teller entnimmt man ein schön
bemaltes Kärtchen. Dann geht die Platzverteilung
vor sich. Jeder sucht auf den Tischen,
die wunderschön ausgeschmückt sind, das zu
seiner entnommenen Karte gehörende Bild.
In bunter Reihe sitzen wir dann beieinander.
Zu besonderen Festtagen ist jedem ein Teller
mit Gebäck zugedacht. Es ist wahr: viele
kleine Dinge ergeben ein Großes. Löffelweise,
ja teelöffelweise werden die Zutaten zusammengetragen
. Sollten die braunen Plätzchen jetzt
nicht besonders gut schmecken?
Und nun beginnt der Nachmittag. In Bibelstunden
dürfen wir von unserem lieben Seelsorger
das hören, was wir für den Alltag so
nötig brauchen, um dann wieder gestärkt an
unsere Arbeit zu gehen.

Eine bunte Reihenfolge von Vorträgen
schließt sich an. Seien es musikalische Darbietungen
mit Geige, Flöte oder Klavier, Besprechungen
über irgendwelche Persönlichkeiten
, Gesellschaftsspiele, ja sogar Schattenspiele
, und nicht zuletzt erfreuen wir uns
immer wieder an schönen Liedern.

Um 19 Uhr müssen die ersten schon wieder
nach Hause gehen, um ihre Geschwister zu
versorgen oder anderen Pflichten nachzukommen
.
Solch ein Tag ist für alle immer ein besonderes
Ereignis. Ganz besonders freuen wir
uns dabei, daß uns niemand in unseren
Jugendstunden stört, wie es vor Jahren der
Fall war.
Und das dürfen wir Dir zum Schluß noch
sagen: Eure Freude ist auch unsere Freude,
und Euer Leid ist auch unser Leid. Denn als
Glieder am Leibe Christi gehören wir zusammen
.
In diesem Sinne grüßen Dich

Deine Dresdener Jugendfreunde.

Liebe Dresdener Jungen
und Mädel!

Habt vielen Dank für Eure lieben Zeilen.
Wie sehr freuen wir uns, daß auch bei Euch
wieder ein rechtes Leben herrscht, obwohl der
Krieg bei Euch wie bei uns Lücken in den
Kreis gerissen hat. Aber alle Hindernisse können
uns nicht abhalten, weiterhin unsere
Jugendstunden zu halten.

Sonntag Oculi war hier in Groß-Desingen
ein Jubeltag. Zwei Kirchen sind durch Gottes
unaussprechliche Gnade zusammengeführt worden
. Sollte da sich nicht auch die Jugend
freuen und keinen Tag vergehen lassen, um
mit der uns noch fremden Jugend der Schwesterkirche
gemeinsam ans Werk zu gehen?
Viele Einzelheiten werdet Ihr noch von uns
hören, und wir dürfen dann auch bestimmt
hoffen, daß eine Menge Nachrichten von Euch
allen hier eintreffen werden.

Gott befohlen! In herzlicher Verbundenheit
Euer Werner

Für unsere Jüngeren

Vom Frosch und der Maus

Eine Maus wäre gern über ein Wasser gewesen
und konnte nicht und bat einen Frosch
um Rat und Hilfe. Der Frosch war ein
Schalk und sprach zur Maus: „Binde deinen
Fuß an meinen Fuß, so will ich schwimmen
und dich hinüberziehen.“ Da sie aber aufs
Wasser kamen, tauchte der Frosch hinunter
und wollte die Maus ertränken; indem aber
die Maus sich wehrte und arbeitete, flog eine
Weihe daher und erhaschte die Maus, zog den
Frosch auch mit heraus und fraß sie beide.

Lehre.

Siehe dich vor, mit wem du handelst! Die
Welt ist falsch und voll Untreue; denn welcher
Freund den andern vermag, der steckt ihn in
den Sack; doch schlägt die Untreue allzeit ihren
eigenen Herrn, wie dem Frosch hier geschieht.

Fabel von Martin Luther.

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Page 50 June 1948 Number 6

...as Philip once demonstrated to the eunuch
from the land of the Moors in answer to his question: "How
can I, unless someone guides me?"
(Acts 8:31).
Let us take up at once with this story.
The guidance that Philip gave to the eunuch
is reported to us in these words:
"Then Philip opened his mouth
and preached the gospel of Jesus unto him"
(verse 35). We learn from this that the best
guidance toward personal Bible study is
the preaching of the gospel. Bible
study can and must therefore never seek to
replace preaching; for "faith comes from
preaching." Young Christians especially are
easily inclined to think that missing
the worship service could be made up for by reading the Bible,
and in doing so deceive only
themselves. Yet just as faith comes from
preaching, so too preaching will always
be the best guidance and encouragement
toward a blessed Bible study. We
learn this from the example of the Christians
at Berea, who were moved by the preaching of the apostle
Paul to search the Scriptures daily
to see whether these things were so (Acts 17:11).
Their example shows us that
personal Bible study is a precious fruit and
necessary complement to hearing the sermon.
And for this the "Young
Lutheran" now wants to give you a few pointers
and suggestions. It does not wish to replace
the sermon, nor should it preach at you,
but it wants only to encourage you and give impetus
to reach for the Bible again and again with joy,
so that you may read it with inner, believing
participation and that your reading
may become a blessing to you.

Each of us has surely already had the experience
that when reading a good book
— whether it offers a gripping
life story or an exciting travel
narrative — our engagement
with what is told is often awakened so strongly
that while reading we feel
as if we were woven into the events and
ourselves involved in them. We experience so vividly
what we read that we are carried
along by it. But what happens with such a book
only because our imagination is stimulated
through reading, what in a certain
sense is there only an illusion of the senses,
is with the Bible full reality. It speaks
and truly deals with your own life story.
Behold, it is the fate of humanity,
fallen into sin and lost, that is
unrolled before our eyes in Scripture,
and likewise the mercy of God,
his desire to help this world, that is
painted before our eyes there. And with this
your own fate is presented to you: how you,
together with the world, are lost before
God in the same guilt, and how you,
along with the world, in the same
distance from God and in the enmity toward God
of your own nature, are estranged from God, your
Lord — but then also, that God's
unfathomable grace and love has mercy on you
in the same way that God embraces the world
with his love and wills that all
people be helped. Huebener.

Correspondence between East and West

Below we publish a correspondence
with the youth of our congregation in Dresden, which
was sent to us by Werner Schubach.
Please send more reports about your
congregational youth circle! It captivates
others as well. Certainly some can draw
valuable suggestions from this letter
for their youth meetings.

Dear Werner!

After a longer while, you shall finally
receive another letter from us. Surely
you will be interested above all in what
we have been doing during the winter months.
And we can write to you that we
have not stopped our youth work.
Despite the scarce supplies of wood, we were able to
hold our youth meetings regularly. We
had thought of the words of King Solomon:
"Rejoice, O young man, in your
youth, and let your heart cheer you
in your youth." Only the right
room is lacking for us. So we are dependent on
the love and accommodation of the congregation members.
Every fortnight we
come together on Sunday afternoons in hospitable
homes. Some have long distances
to travel. We too here in Dresden suffer
greatly from the aftereffects of the war. Long
waiting at the streetcar stops,
the ride in overcrowded cars are some
of the "foretastes of joy." But finally the goal
is reached, and all the hardships are
forgotten more quickly than one had thought
beforehand. The greeting is each time a new joy.
From a plate one takes a beautifully
painted little card. Then the assignment
of seats takes place. Everyone looks on the tables,
which are wonderfully decorated, for the
picture belonging to the card they took.
In a colorful mix we then sit together.
On special festive days each person is given a plate
with pastries. It is true: many
small things add up to something great. By the spoonful,
indeed by the teaspoonful, the ingredients are
gathered together. Should the brown cookies not
taste especially good now?
And now the afternoon begins. In Bible
studies we may hear from our dear
pastor what we so
badly need for everyday life, so that we may then
go strengthened back to our work.

A colorful sequence of presentations
follows. Whether musical
performances with violin, flute, or piano, discussions
about various personalities,
parlor games, even shadow
plays, and not least we always
delight again in beautiful songs.

At 7 p.m. the first ones already have to
go home, to look after their siblings
or attend to other duties.

Such a day is always a special
event for everyone. We are especially glad
that no one disturbs us in our
youth meetings, as was
the case some years ago.
And this we may tell you in closing:
your joy is also our joy,
and your suffering is also our suffering. For as
members of the body of Christ we belong
together.
In this spirit your Dresden
youth friends greet you.

Dear Dresden boys
and girls!

Many thanks for your kind lines.
How glad we are that a proper life
prevails among you again as well, even though the
war has torn gaps in the circle among you as among us.
But no obstacles can
hold us back from continuing to hold
our youth meetings.

Sunday Oculi was here in Groß-Desingen
a day of jubilation. Two churches have,
through God's inexpressible grace, been brought
together. Should not the youth also
rejoice at this, and let no day pass
without setting to work together with the
youth of the sister church, still unfamiliar to us?
You will hear many details
from us yet, and we may then also
certainly hope that a good deal of news
will arrive here from all of you.

Commended to God! In heartfelt fellowship,
Your Werner

For our younger readers

Of the Frog and the Mouse

A mouse would gladly have gotten across a body of water and
could not, and asked a frog
for advice and help. The frog was a
rogue and said to the mouse: "Tie your
foot to my foot, and I will swim
and pull you across." But when they
came onto the water, the frog dove down
and wanted to drown the mouse; but while
the mouse struggled and fought, a
kite came flying by and seized the mouse,
pulled the frog out along with it, and devoured them both.

Moral.

Take care with whom you deal! The
world is false and full of unfaithfulness; for whoever
can betray his friend
puts him in the sack; yet unfaithfulness always
strikes its own master, as happens here to the frog.

Fable by Martin Luther.