Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 3 › Seite 23

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-29, Seite 23

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sünde 21

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ſe gedenken deinen Namen und dein armes Häuf⸗
lein, das dich bekennt, auszutilgen. Wir haben
zwar die Strafe um dich wohl verdient. Aber
unſern Feinden haben wir kein Leid gethan; wir
haben nicht ihnen, ſondern dir geſündiget; ſie ſtra⸗
fen nicht unſere Sünden an uns, ſondern wollen
an uns dich und dein heiliges Evangelium ver⸗
tilgen; denn wenn wir dich verleugneten und zu
ihren päbſtiſchen Greueln uns begäben, ſo würden
wir von ihnen geduldet, geliebet und befördert
werden; weil wir aber bei deinem Wort gedenken
ſtandhaftig zu verbleiben, ſo werden wir von ihnen
gehaſſet und verfolget. Hie ſiehe nun darein, du
barmherziger Vater über uns und ernſter Richter
über unſere Feinde, denn ſie ſind deine Feinde
mehr, als unſere Feinde. Darum wenn ſie uns
verfolgen, ſo verfolgen ſie dich ſelbſt. Drum wache
auf, lieber HErre Gott, und heilige deinen Namen,
den ſie ſchänden; ſtärke dein Reich, das ſie in uns
zerſtören, und ſchaffe deinen Willen, den ſie in uns
dämpfen wollen, und laß dich nicht um unſerer
Sünden willen mit Füßen treten von denen, die
in uns nicht unſere Sünde ſtrafen, ſondern dein
heiliges Wort, Namen und Werk in uns tilgen
wollen. Du wolleſt uns, o gütiger Gott! nicht
von dir wanken laſſen, ſondern in der erkannten
Wahrheit ſtandhaft erhalten, uns tröſten, in allen
unſeren Trübſalen ſtärken und uns wiederum mit
deinem Worte und Dienern in Gnaden erfreuen.
Laß unſer Gebet vor deine Ohren kommen, ver⸗
gieb uns unſere Sünden und thue, wie wir gläu⸗
ben und zu dir hoffen, durch deinen lieben Sohn
IeEſum Chriſtum, unſem Heiland und Erlöſer.
Amen.“ Nach dieſem Gebete ward von allen das
heilige Vater Unſer mit Einem Munde geſprochen
und mit dem Geſang des Liedes: „Erhalt uns,
Herr, bei deinem Wort und ſteu'r des Pabſt's und
Türken Mord“ ꝛc. ꝛc. der Beſchluß gemacht.
Als nun Günther hierauf ſeinen lieben Zu⸗
hörern, ſich von ihnen verabſchiedend, für das an⸗
ſehnliche Geleite zu ſeinem Exile dankte, da ging
erſt recht ein allgemeines Weinen und Heulen an;
jeder wollte dem ſcheidenden Vater um den Hals
fallen und die Hand reichen; es entſtand ein ſo
großes Gedränge, daß der theure Mann auf den
Wagen ſteigen mußte, von wo aus er noch immer
ſeine betrübte Heerde vermahnte, tröſtete und ſeg⸗
ntte. Endlich ruft er: Gute Nacht! worauf ein
ſo herzzerreißendes lautes und bitteres Wehklagen
folgt, daß, wie Günther ſelbſt ſich ausdrückte, einem
dabei nicht allein das Herz hätte bluten und zer⸗
brechen, ſondern ſelbſt die Steine zum Mitleiden
hätten bewogen werden mögen; niemand, ſchreibt
er, werde ſolchen Schmerz verſtehen können, wer
nicht dergleichen an ſich ſelbſt erfahren habe.
Gegen hundert Perſonen konnten noch immer
von dem geliebten Seelſorger ſich nicht trennen
und begleiteten ihn, neben ſeinem Wagen hergehend,
noch einige Stunden weiter bis Reichenau,
gegen fünfzig bis nach Zittau. Die andern,
als ſie noch eine Weile an dem Abſchiedsorte ſtille
geſtanden, geſungen und gebetet hatten, gingen
endlich mit ſchwerem Herzen und traurigen Mie⸗
nen nach Hauſe. Zur Erinnerung an die letzten
durchdringenden Worte ihres theueren Seelſorgers

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ſetzten einige Tage darauf mehrere, die dabei ge⸗
weſen waren, an den Ort, wo er zuletzt geſtanden
hatte, eine Linde, welche längere Zeit den Namen
der Friedländiſchen Pfarrlinde trug, von den ver⸗
laſſenen Schafen oft beſucht und mit ihren Thrä⸗
nen genetzt wurde; da ſie aber den Papiſten ein
Dorn im Ange war, wurde ſie endlich von ſelbigen
ausgerottet.

So niederſchlagend es auf der einen Seite war,
im Verlauf dieſer Geſchichte zu ſehen, wie ſehr es
die lieben Friedländer Lutheraner in ihrer erſten
Prüfungszeit an Treue und Eifer ermangeln lie⸗
ßen, ſo erfreulich iſt es, zu leſen, daß ſich bald
darauf eine ſchöne Frucht der treuen Ausſaat und
Arbeit ihres ſtandhaften Lehrers zeigte. Aus den
wenigen Nachrichten, die wir über das ſpätere
Schickſal der Friedländer Gemeinde haben aus⸗
findig machen können, geht nemlich hervor, daß
nach dem erfolgten Weggange Günthers eine ziem⸗
liche Anzahl Glieder dieſer Gemeinde ihre irdiſche
Habe verließen und dem Worte Gottes nachzogen,
während viele andere, welche in Frier land ver⸗
blieben, ihrem aufgedrungenen Prieſter allen geiſt⸗
lichen Gehorſam verſagten und in den benach⸗
barten lutheriſchen Orten von Zeit zu Zeit den
Gottesdienſt beſuchten. Der neue Prieſter hat
eine Schrift geſchrieben, worin er ſich ſelbſt dar⸗
über beſchwert, „daß im ganzen Königreich Böh⸗
men nirgends ſo halsſtarrige Lutheraner, als zu
Friedland, ſeien, welche ihr voriger Prädicant
(Günther) ſo feſt verſtrickt habe, daß kaum der
zehnte Theil der Bürger an den Sonn- und Feier⸗
tagen bei ſeinen Predigten erſcheine“. Merkwürdig
iſt, daß, da im Jahre 1633 die Peſt hier graſſirte,
um derſelben willen der katholiſche bauchdieneriſche
Prieſter ſelbſt aus der Stadt entwich. Hierzu kam,
daß im Jahre darauf (den 25. Februar 1634)
der Herzog von Friedland, Wallenſtein, der bis⸗
herige ſo grauſame Dränger der Lutheraner, durch
Gottes Gericht unter Mörderhänden ſtarb, wor⸗
auf Friedland einen neuen Herrn an dem Grafen
Gallas bekam, unter deſſen Herrſchaft die hieſigen
Luiheraner wieder mit treuen Dienern des reinen
Evangeliums verſorgt wurden. Doch dieſe hohe
Gnade genoſſen ſie nun nur kurze Zeit wieder,
denn da es in dem Weſtphäliſchen Frieden feſt⸗
geſetztwar, daß es in jedem Ort, was die Religions⸗
übung und den Beſitz der Kirchengüter betraf, ſo
ſein und bleiben ſollte, wie es daſelbſt im Jahre
1624 (dem ſogenannten Nommaljahr) geweſen ſei,
ſo war dieſer Friedensſchluß gerade für die Kirche
in Friedland, wie überhaupt in dem unglücklichen
Böhmen, von der traurigſten Wirkung. Nicht nur
wurden nun alle lutheriſchen Prediger für immer
verjagt, auch allen andern Einwohnern wurde die
Wahl geſtellt, entweder alle ihre zeitlichen Güter
und ihre Heimath, oder ihre Religion zu verlaſſen
und ſich zur römiſchen antichriſtiſchen Kirche zu
wenden. Wohl wanderten daher viele aus und
verließen um Chriſti willen alles, was ihnen von
irdiſchen Gütern theuer war, aber die endliche
Folge war, daß unſer Friedland den reinen evan⸗
geliſchen Gottesdienſt für immer verlor.

Möge dieſe Trauergeſchichte dazu dienen, daß
diejenigen, welche das Kleinod der reinen Lehre und
des ungehinderten reinen evangeliſchen Gottes⸗
dienſtes beſitzen, erkennen, wie Großes der HErr
an ihnen gethan hat, vor Undank und Untreue
ſich hüten und die überſchwängliche Gnade, die ſie
genießen, mit Redlichkeit benutzen. Denn wehe
denen, die da nicht erkennen die Zeit, darinnen ſie
heimgeſucht werden! Darauf muß Gottes Gericht
folgen; geſchieht es nicht hier in der Zeit, ſo ge⸗
ſchieht es in der Ewigkeit. Davor behüte uns
Am in Gnaden um Chriſti JIEſu willen. Amen!

men!

„Der HErr führet in die Hölle, und wieder
heraus.“ 1 Sam. 2, 6.

Der berühmte lutheriſche Theolog Dr. Aegi⸗
dius Hunnius (geſtorben 1603 zu Wittenberg)
erzählt von ſich folgende merkwürdige Erfahrung
der gnädigen Regierung Gottes. Als er noch im
Knabenalter die lateiniſche Schule zu Adelberg
im Würtembergiſchen beſuchte, habe er zwar viele
böſe Buben zu Commilitonen gehabt, doch habe ihn
Gott aus großer Gnade vor Verführung zu den
Sünden der Jugend bewahrt. Als er z. B. einſt
mit mehreren ſeiner Mitſchüler zuſammengeſeſſen
und ein vertrauliches Geſpräch gepflogen habe,
habe unter anderen einer der Sünde in den Hei⸗
ligen Geiſt Erwähnung gethan, die nicht ver⸗
geben werden könne, weder in dieſer noch in jener
Welt, wie Chriſtus ſage. Wie ein Pfeil ſeien
dieſe Worte ihm in das Herz gefahren; denn weil
er nicht gewußt habe, was eigentlich die Sünde in
den Heiligen Geiſt ſei, ſo habe der Teufel ihm als⸗
bald zugeraunt: Wie? wenn du dieſe Sünde be⸗
gangen hätteſt? In die tiefſte Traurigkeit ver⸗
ſunken, ſei er an dieſem Tage zu Bette gegangen,
aber kein Schlaf ſei in ſeine Augen gekommen, die
ganze Nacht hindurch habe er geweint, geſeufzt
und Gott angefleht, er wolle ihm doch ſeine Barm⸗
herzigkeit erzeigen und ihn mit ſeinem Troſte auf⸗
richten; erſt gegen Morgen ſei er, von Weinen
und Seufzen ermattet, ein wenig eingeſchlummert,
aber bald darauf mit deſto größerer Betrübniß
wieder erwacht und mit bekümmertem Herzen in
ſeine Lection gegangen. Doch ſiehe! kaum habe
er ſich an ſeinen gewöhnlichen Platz geſetzt, ſo ſei
er eines vor ihm liegenden und aufgeſchlagenen
Buches anſichtig geworden, von welchem er nicht
wiſſe, wer es hingelegt habe. Das Buch ſei
Johann Spangenbergs Margarita theologica
(eine Perlenſchnur chriſtlicher Wahrheiten) geweſen
und die Stelle, die ihm ſogleich in die Augen ge⸗
kommen ſei, habe gerade die Antwort auf die
Frage enthalten: was die Sünde in den Heiligen
Geiſt ſei? Als er nun hier geleſen habe, daß zu
dieſer Sünde, wie auch der heilige Auguſtinus
bezeuge, eine beharrliche Unbußfertigkeit bis an
den Tod gehöre, daß daher derjenige dieſe Sünde
gewiß noch nicht begangen habe, der noch die
Regungen der Buße in ſeinem Herzen ſpüre, da ſei
er von großer Freude überſtrömt worden, augen⸗
blicklich ſei ſeine Anfechtung verſchwunden geweſen
und er habe nicht im geringſten daran gezweifelt,
daß jenes Buch durch Gottes beſondere gnädige
Lenkung, damit er aus ſeiner großen Seelennoth
errettet und vor Verzweiflung bewahrt würde, auf
ſeinen Platz gelegt worden ſei.

Kircliche Nacicht.

Nachdem der Candidat der Theologie, Herr
Rudolph Lange aus Schleſien, der ſeinen letz⸗
ten theologiſch-philologiſchen Curſus auf dem
Seminar zu Altenburg gemacht hatte, von der
deutſchen evangeliſch-lutheriſchen Gemeinde zur
Immanuelskirche in St. Charles, Miſſouri, zu
deren Seelſorger ordentlich berufen worden war,
ſo iſt ſelbiger am letztvergangenen 14. Sonntag
nach Trinitatis. den 24. September d. I., auf
ſein Erſuchen bei der Synode von Miſſouri ꝛc.
von dem Präſes derſelben unter Aſſiſtenz Herrn
P. Müllers von Central Townſhip,. Mo., inmitten
ſeiner Gemeinde öffentlich und feierlich zu ſeinem
Amte ordinirt und eingewieſen worden. Möge
die theure Gemeinde, die bisher unter den Hän⸗
den von unirt⸗evangeliſchen, rationaliſtiſchen und
methodiſtiſchen Predigern unſäglich gelitten hat,
nun unter der Pflege eines Predigers ihrer eignen
Confeſſion um ſo herrlicher ſich bauen, daß Jeder⸗

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