Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 3 › Seite 24
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-29, Seite 24
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mann ſehe, ſie ſei eine Jumanuels-Gemeinde in zehn Meilen gemacht hatte, ehe der Indianer ihn
der That und Wahrheit, das iſt, eine Gemeinde,
mit welcher der HErr iſt, in welcher Er wohnt
mit ſeinem reinen Wort und Sacrament und aus
welcher Er ſich eine große, ewige Kirche im Him⸗
mel ſammlet.
Kirchweihe.
So eben meldet uns Herr Paſtor Seidel, daß
er die Freude gehabt habe, am 10ten Sonntag
nach Trin. die neuerbaute Kirche ſeiner lieben Fi⸗
lialgemeinde in Wittenberg, Franklin Co. O.,
und am 11ten Sonntage eine dergleichen in ſeiner
Neudettelsauer, Union Co., O., letztere unter
Mitwirkung der PP. Ernſt und Heid, feierlich
einweihen zu können. Mögen unſere geliebten
Glaubensgenoſſen daſelbſt ihre neuen Bethäuſer
nie verlaſſen, ohne in den Ausruf Jakobs über
Bethel einſtimmen zu müſſen. 1 Moſ. 28, 16. 17.
Conferenz⸗Anzeige.
Die diesjährige Predigerconferenz der lutheri⸗
ſchen Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St.,
Diſtrict Fort Wayne, Ind., ſoll am Mittwoch
und Donnerstag nach dem 17ten Sonntage nach
Trin., den 18ten und 19ten d. M., ſtattfinden.
Die Glieder der Conferenz bitten die theilnehmen⸗
den Freunde, an dieſen Tagen ihrer inſonderheit
im Gebet zu gedenken, damit der HErr zu ihrer
Zuſammenkunft ſeinen Segen verleihe.
(Eingeſandt von P. Fick.)
Oregon.
(Schluß.)
Herrn Spaldings Flucht — Befreiung
der Gefangenen.
Ich war am Utkilla, zwanzig Meilen weſtlich
von Waiilatpu, als der Mord geſchah; beſuchte
die Kranken, predigte den Indianern und blieb
dort bis Mittwoch-Morgen, dann begab ich mich
zum Wohnort des Dr. Whitman. Als ich unge⸗
fähr drei Meilen von der Station entfernt war,
begegnete ich einem Nömiſch⸗katholiſchen Prieſter,
ſeinem Dolmetſcher und einem Kayuſe.
Nach kurzer Unterhaltung kehrte der Indianer
um, und begab ſich mit großer Eile nach dem
Hauſe des Dr. Whitman, während der Prieſter
mich von dem Vorgefallenen benachrichtigte. Er
ſagte mir, daß er die vorige Nacht dort angekom⸗
men ſei, daß er an jenem Morgen die Kinder der
Mörder getauft habe, während die Hände ihrer
Eltern noch naß waren vom Blute ihrer frommen
proteſtantiſchen Lehrer, darauf habe er zwei be⸗
freundeten Indianern beim Begraben der Erſchla⸗
genen geholfen. Er ſagte, zehn Männer und Frau
Whiman ſeien getödtet; ein Franzoſe, der bei dem
Doctor in Dienſten geſtanden, ſei verſchont, ebenſo
die Weiber und Kinder; kein Franzoſe, noch Je⸗
mand von der Hudſon⸗Bay⸗Compagnie würde
verletzt ſein, ſondern nur Amerikaner. Dieſes
vernahm er vom Häuptlinge. Nachdem ich ihn
gebeten hatte, für mein Pack⸗Pferd Sorge zu tra⸗
gen, nahm ich einige Lebensmittel, die er für die
Nacht bereitet hatte, und gab mich in Gottes Hand
und wandte mein Pferd zur Ebene.
Mittlerweile war der Indianer nach Dr. Whit⸗
mans Hauſe zurückgekehrt, um ſeine Piſtole wieder
zu laden und auf mich zu warten, daß ich dahin
käme. Er war mit dem Prieſter fortgegangen in
der Abſicht, mich zu tödten; als er aber Halt machte,
um zu rauchen, hatte er beim Anzünden ſeiner
Pfeife zufällig ſeine Piſtole entladen und es ver⸗
ſäumt, ſie wieder zu laden. Nachdem er eine
Weile gewartet hatte, machte er ſich wieder auf
den Weg und folgte dem Prieſter, welcher durch
göttliche Vorſehung ſehr geeilt war und bereits
einholte. Als er mich dort nicht fand, auch vom
Dolmetſcher nicht erfuhr, welche Richtung ich ein⸗
geſchlagen habe, kehrte er wieder um zu dem Platze
unſerer Begegnung und nahm meine Spur; da
aber die Dunkelheit ſchon hereinbrach, ſo mußte er
aufhören.
Genug! der HErr rettete mich von meinen Ver⸗
folgern. Ich reiste des Nachts und lag bei Tage
verborgen. In der zweiten Nacht verließ mich
mein Pferd. Ich hatte noch neunzig Meilen zu
gehen, ohne etwas zu eſſen; ich mußte Alles zu⸗
rücklaſſen, ſelbſt meine Stiefel, da ſie zu klein wa⸗
ren. Doch! gelobt ſei der Name Gottes! in der
vierten Nacht erreichte ich mein Haus ohne große
Erſchöpfung.
Sofort wurde ein eigener Bote von Walla
Walla nach dieſem Platze geſandt. Herr Ogden
kam mit zwei Schiffen und einer großen Menge
von Gütern in aller Eile nach Walla Walla,
ſchickte nach mir und meiner Familie und den
Amerikanern an meinem Platze, wir möchten uns
ohne Verzug mit ihm verbinden, und ließ die Nez
Perces bitten, uns zu überbringen, wofür er ihnen
bei der Rückkehr Güter verſprach. In acht und
vierzig Stunden waren wir auf dem Wege mit
einem Theile unſeres Eigenthuns. Ein Theil
davon wurde zurückgelaſſen, ein Theil war von
den Indianern geplündert, und etwas wurde ihnen
gegeben, um ſie zu beſänftigen. Wir erreichten
Walla Walla in vier Tagen, geleitet von etwa
vierzig Nez Perces, um uns gegen die Kayuſe zu
ſchützen, welche eine große Menge von Gütern
verlangten, die ihnen im Fort geliefert wurde.
Hier fanden wir die Gefangenen von Waiilatpu,
gerettet durch die ſchnellen und klugen Bemühun⸗
gen des Herrn Ogden. Er bezahlte den Kayuſe
für die Gefangenen fünfzig wollene Decken nebſt
einer großen Meuge von andern Gütern. Den
Nez Perces zahlte er zwölf wollene Decken nebſt
andern Artikeln. Meine Geſellſchaft brachte die
Zahl der Geretteten auf ſechszig; am nächſten Tage
waren wir in drei Booten auf dem Wege nach
dieſem Platze. Gott gab uns für dieſe Jahres⸗
zeit das ſchönſte Wetter und wir kamen hier
heute an.
Am zehnten dieſes Monats gehen wir nach
Oregon City, wo Herr Ogden uns dem Gou⸗
verneur übergeben wird. Es kann nicht zu viel
Lob der Hudſon⸗Bay⸗Compagnie gegeben werden,
beſonders dem Herrn Ogden, für ihre rechtzeiti⸗
gen, ſchnellen, klugen und chriſilichen Anſtren⸗
gungen um unſertwillen. Wir verdanken es,
unter Leitung der gütigen Vorſehung, den An⸗
ſirengungen der Herrn Ogden und Douglass,
daß wir am Leben und heute an dieſem Platze
ſind. Möge der Gott des Himmels ſie reichlich
belohnen! Das Eigenthum zu Waiilatpu iſt
ſämmtlich geplündert und die Gebäude ſind zer⸗
ſtört. Vierhundert Soldaten ſind bereits geſam—
melt, und auf dem Wege, um von dem Lande
der Kayuſe Beſitz zu nehmen und die Schuldigen
zu beſtrafen. Den Herrn Cells und Waller iſt
gerathen, nach Colville zu fliehen. Gott leite uns
in Gnaden!
Mittheilung von Welthändeln.
Das einzige Erfreuliche, was aus Deutſchland
berichtet wird, iſt der am 26. Auguſt geſchloſſene
Waffenſtillſtand mit Dänemark, welcher auf ſechs
Monate dauern und, das helfe Gott! einen blei⸗
benden Frieden vorbereiten ſoll. Dagegen klin⸗
gen die Nachrichten aus Frankreich und Italien
ziemlich kriegeriſch. Nachdem nemlich die öſter⸗
reichiſche Regierung die angebotene Vermittlung
Frankreichs und Englands abgelehnt hat, ſo hat
die franzöſiſche Regierung erklärt, daß die franzö⸗
ſiſche Armee über die Alpen gehen werde, wenn
die Vermittlung nicht augenblicklich angenommen
werde. Die Rüſtungen in Frankreich werden
auf's ernſtlichſte fortgeſetzt und die für dieſen
Zweck beſtimmte Armee wird bis auf 100,000
Mann gebracht werden. Rußland dagegen ſoll
an alle großen Mächte einen entſchiedenen Proteſt
gegen die betreffende Einmiſchung Frankreichs in
Italien gerichtet und erklärt haben, es werde in
dieſem Falle für Oeſterreich Partei ergreifen. So⸗
mit könnte ſich allerdings die Befürchtung eines
allgemeinen europäiſchen Kriegs verwirklichen.
Während man in Italien Frieden ſtiften will,
gährt es in Paris von Neuem und die großen
Vorkehrungsmaßregeln, die die jetzige Regierung
trifft, verrathen, wie unſicher ſie ſich ſelbſt fühlen
mag. Es ſoll diesmal auf nichts Geringeres ab⸗
geſehen ſein, als auf Umſturz der Republik und
Wiederherſtellung der ſeit 1830 vertricbenen
Bourbonfamilie. In Ungarn dauert der Bür⸗
gerkrieg fort; die Ungarn wurden von den Raitzen ö
(das ſind die ſlaviſchen Inſurgenten) zurück⸗
geſchlagen und 6000 Serben gingen über die
Donau und rückten gegen Temeswar vor. In
Peſth ſoll große Beſtürzung herrſchen. Was nun ·
Deutſchland betrifft, ſo fährt zwar der deutſcht
Reichstag in Frankfurt fort, die Wohlfahit
Deutſchlands zu bauen (2); aber der Erfolg hat
ſeine Arbeiten bis jetzt noch nicht gekrönt. Der
noch chriſtlich geſinnte Theil des Volkes, beſonders
in Süd⸗Deuntſchland, hegt ernſtliche Beſorgniſe
wegen geſetzlichen Umſturzes des Bibelglaubens
und zahlreiche Petitionen gehen an den Reichstag
ein gegen die beabſichtigte Trennung der Kirche
vom Staate; die Republikaner ſchütten auf den
Reichstag alle erdenkliche Schmach und beabſich—
tigen, ihn aus einander zu treiben. In dieſem
Sinne wurde am 15ten Auguſt in Altenburg ein
durch 44 demokratiſche Vereine vertretener Con⸗
greß gehalten. Ueberdem ſind in vielen Städten
mehr oder weniger bedenkliche Unruhen geweſen,
ſo in Berlin, in Wien, wo ſechs Perſonen getödtet
und 100 verwundet wurden, in München, Caſſel,
Trier, Weimar, Heidelberg u. a.
Die Cholera wüthet auſ's heftigſte in der
aſiatiſchen Türkei, auch in Riga, Stettin, Berlin,
Leipzig und Paris iſt ſie ausgebrochen.,
Anzeige.
Der Zweite Synodalbericht der Deut⸗
ſchen Evang.-Lutheriſchen Synode von Miſſouri,
Ohio u. a. Staaten vom Jahre 1848 iſt, das
Er. zu 10 Cts., zu haben bei
F. W. Barthel.
—
Erhalten
51.00 von einem Unbekannten für die Miſſion am Fluſſe
Cass in Michigan durch Hrn. P. Schürmann. Kl.25 für
die Synodal⸗Miſſions⸗Caſſe von Sch. und Ill. in New
Aork. 5l.31 für die Gemeinde in Palmyra von P. H.
und H. in New Nork.
Bezahlt.
Die 2. Hälfie des 3. Jahrg. Hr. Aug. Fiſcher.
Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. Conr. Wöb⸗
becke und Martin Krauß.
Den 4. Jahrg. Die HH. Jacob Conrad, Aug. Fiſcher
und P. Selle.
Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Fr. Almeper,
Mart. Krauß und P. Selle.
Den 5. Jahrg. Die HH. Fritz Buuk, Ernſt Buuk, Joh.
Gröſch, Peter Hofmann, P. Jäbker, Chr. Kiefer, Conr.
Könemann, Ludw. Kaatze, Joh. Merz, Chr. Puſcheck P.
Schürmann (3 Ex.), Ernſt Stoppenhagen, Hermann We⸗
fel, Nicol. Zelt (bis No. 17.).
Gedrugt bei Arthur Olshauſen,
bderausgeber des Anzeiger des Weſtens.
English translation
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