# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 29_S23 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſe gedenken deinen Namen und dein armes Häuf⸗ lein, das dich bekennt, auszutilgen. Wir haben zwar die Strafe um dich wohl verdient. Aber unſern Feinden haben wir kein Leid gethan; wir haben nicht ihnen, ſondern dir geſündiget; ſie ſtra⸗ fen nicht unſere Sünden an uns, ſondern wollen an uns dich und dein heiliges Evangelium ver⸗ tilgen; denn wenn wir dich verleugneten und zu ihren päbſtiſchen Greueln uns begäben, ſo würden wir von ihnen geduldet, geliebet und befördert werden; weil wir aber bei deinem Wort gedenken ſtandhaftig zu verbleiben, ſo werden wir von ihnen gehaſſet und verfolget. Hie ſiehe nun darein, du barmherziger Vater über uns und ernſter Richter über unſere Feinde, denn ſie ſind deine Feinde mehr, als unſere Feinde. Darum wenn ſie uns verfolgen, ſo verfolgen ſie dich ſelbſt. Drum wache auf, lieber HErre Gott, und heilige deinen Namen, den ſie ſchänden; ſtärke dein Reich, das ſie in uns zerſtören, und ſchaffe deinen Willen, den ſie in uns dämpfen wollen, und laß dich nicht um unſerer Sünden willen mit Füßen treten von denen, die in uns nicht unſere Sünde ſtrafen, ſondern dein heiliges Wort, Namen und Werk in uns tilgen wollen. Du wolleſt uns, o gütiger Gott! nicht von dir wanken laſſen, ſondern in der erkannten Wahrheit ſtandhaft erhalten, uns tröſten, in allen unſeren Trübſalen ſtärken und uns wiederum mit deinem Worte und Dienern in Gnaden erfreuen. Laß unſer Gebet vor deine Ohren kommen, ver⸗ gieb uns unſere Sünden und thue, wie wir gläu⸗ ben und zu dir hoffen, durch deinen lieben Sohn IeEſum Chriſtum, unſem Heiland und Erlöſer. Amen.“ Nach dieſem Gebete ward von allen das heilige Vater Unſer mit Einem Munde geſprochen und mit dem Geſang des Liedes: „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort und ſteu'r des Pabſt's und Türken Mord“ ꝛc. ꝛc. der Beſchluß gemacht. Als nun Günther hierauf ſeinen lieben Zu⸗ hörern, ſich von ihnen verabſchiedend, für das an⸗ ſehnliche Geleite zu ſeinem Exile dankte, da ging erſt recht ein allgemeines Weinen und Heulen an; jeder wollte dem ſcheidenden Vater um den Hals fallen und die Hand reichen; es entſtand ein ſo großes Gedränge, daß der theure Mann auf den Wagen ſteigen mußte, von wo aus er noch immer ſeine betrübte Heerde vermahnte, tröſtete und ſeg⸗ ntte. Endlich ruft er: Gute Nacht! worauf ein ſo herzzerreißendes lautes und bitteres Wehklagen folgt, daß, wie Günther ſelbſt ſich ausdrückte, einem dabei nicht allein das Herz hätte bluten und zer⸗ brechen, ſondern ſelbſt die Steine zum Mitleiden hätten bewogen werden mögen; niemand, ſchreibt er, werde ſolchen Schmerz verſtehen können, wer nicht dergleichen an ſich ſelbſt erfahren habe. Gegen hundert Perſonen konnten noch immer von dem geliebten Seelſorger ſich nicht trennen und begleiteten ihn, neben ſeinem Wagen hergehend, noch einige Stunden weiter bis Reichenau, gegen fünfzig bis nach Zittau. Die andern, als ſie noch eine Weile an dem Abſchiedsorte ſtille geſtanden, geſungen und gebetet hatten, gingen endlich mit ſchwerem Herzen und traurigen Mie⸗ nen nach Hauſe. Zur Erinnerung an die letzten durchdringenden Worte ihres theueren Seelſorgers 23 ſetzten einige Tage darauf mehrere, die dabei ge⸗ weſen waren, an den Ort, wo er zuletzt geſtanden hatte, eine Linde, welche längere Zeit den Namen der Friedländiſchen Pfarrlinde trug, von den ver⸗ laſſenen Schafen oft beſucht und mit ihren Thrä⸗ nen genetzt wurde; da ſie aber den Papiſten ein Dorn im Ange war, wurde ſie endlich von ſelbigen ausgerottet. So niederſchlagend es auf der einen Seite war, im Verlauf dieſer Geſchichte zu ſehen, wie ſehr es die lieben Friedländer Lutheraner in ihrer erſten Prüfungszeit an Treue und Eifer ermangeln lie⸗ ßen, ſo erfreulich iſt es, zu leſen, daß ſich bald darauf eine ſchöne Frucht der treuen Ausſaat und Arbeit ihres ſtandhaften Lehrers zeigte. Aus den wenigen Nachrichten, die wir über das ſpätere Schickſal der Friedländer Gemeinde haben aus⸗ findig machen können, geht nemlich hervor, daß nach dem erfolgten Weggange Günthers eine ziem⸗ liche Anzahl Glieder dieſer Gemeinde ihre irdiſche Habe verließen und dem Worte Gottes nachzogen, während viele andere, welche in Frier land ver⸗ blieben, ihrem aufgedrungenen Prieſter allen geiſt⸗ lichen Gehorſam verſagten und in den benach⸗ barten lutheriſchen Orten von Zeit zu Zeit den Gottesdienſt beſuchten. Der neue Prieſter hat eine Schrift geſchrieben, worin er ſich ſelbſt dar⸗ über beſchwert, „daß im ganzen Königreich Böh⸗ men nirgends ſo halsſtarrige Lutheraner, als zu Friedland, ſeien, welche ihr voriger Prädicant (Günther) ſo feſt verſtrickt habe, daß kaum der zehnte Theil der Bürger an den Sonn- und Feier⸗ tagen bei ſeinen Predigten erſcheine“. Merkwürdig iſt, daß, da im Jahre 1633 die Peſt hier graſſirte, um derſelben willen der katholiſche bauchdieneriſche Prieſter ſelbſt aus der Stadt entwich. Hierzu kam, daß im Jahre darauf (den 25. Februar 1634) der Herzog von Friedland, Wallenſtein, der bis⸗ herige ſo grauſame Dränger der Lutheraner, durch Gottes Gericht unter Mörderhänden ſtarb, wor⸗ auf Friedland einen neuen Herrn an dem Grafen Gallas bekam, unter deſſen Herrſchaft die hieſigen Luiheraner wieder mit treuen Dienern des reinen Evangeliums verſorgt wurden. Doch dieſe hohe Gnade genoſſen ſie nun nur kurze Zeit wieder, denn da es in dem Weſtphäliſchen Frieden feſt⸗ geſetztwar, daß es in jedem Ort, was die Religions⸗ übung und den Beſitz der Kirchengüter betraf, ſo ſein und bleiben ſollte, wie es daſelbſt im Jahre 1624 (dem ſogenannten Nommaljahr) geweſen ſei, ſo war dieſer Friedensſchluß gerade für die Kirche in Friedland, wie überhaupt in dem unglücklichen Böhmen, von der traurigſten Wirkung. Nicht nur wurden nun alle lutheriſchen Prediger für immer verjagt, auch allen andern Einwohnern wurde die Wahl geſtellt, entweder alle ihre zeitlichen Güter und ihre Heimath, oder ihre Religion zu verlaſſen und ſich zur römiſchen antichriſtiſchen Kirche zu wenden. Wohl wanderten daher viele aus und verließen um Chriſti willen alles, was ihnen von irdiſchen Gütern theuer war, aber die endliche Folge war, daß unſer Friedland den reinen evan⸗ geliſchen Gottesdienſt für immer verlor. Möge dieſe Trauergeſchichte dazu dienen, daß diejenigen, welche das Kleinod der reinen Lehre und des ungehinderten reinen evangeliſchen Gottes⸗ dienſtes beſitzen, erkennen, wie Großes der HErr an ihnen gethan hat, vor Undank und Untreue ſich hüten und die überſchwängliche Gnade, die ſie genießen, mit Redlichkeit benutzen. Denn wehe denen, die da nicht erkennen die Zeit, darinnen ſie heimgeſucht werden! Darauf muß Gottes Gericht folgen; geſchieht es nicht hier in der Zeit, ſo ge⸗ ſchieht es in der Ewigkeit. Davor behüte uns Am in Gnaden um Chriſti JIEſu willen. Amen! men! „Der HErr führet in die Hölle, und wieder heraus.“ 1 Sam. 2, 6. Der berühmte lutheriſche Theolog Dr. Aegi⸗ dius Hunnius (geſtorben 1603 zu Wittenberg) erzählt von ſich folgende merkwürdige Erfahrung der gnädigen Regierung Gottes. Als er noch im Knabenalter die lateiniſche Schule zu Adelberg im Würtembergiſchen beſuchte, habe er zwar viele böſe Buben zu Commilitonen gehabt, doch habe ihn Gott aus großer Gnade vor Verführung zu den Sünden der Jugend bewahrt. Als er z. B. einſt mit mehreren ſeiner Mitſchüler zuſammengeſeſſen und ein vertrauliches Geſpräch gepflogen habe, habe unter anderen einer der Sünde in den Hei⸗ ligen Geiſt Erwähnung gethan, die nicht ver⸗ geben werden könne, weder in dieſer noch in jener Welt, wie Chriſtus ſage. Wie ein Pfeil ſeien dieſe Worte ihm in das Herz gefahren; denn weil er nicht gewußt habe, was eigentlich die Sünde in den Heiligen Geiſt ſei, ſo habe der Teufel ihm als⸗ bald zugeraunt: Wie? wenn du dieſe Sünde be⸗ gangen hätteſt? In die tiefſte Traurigkeit ver⸗ ſunken, ſei er an dieſem Tage zu Bette gegangen, aber kein Schlaf ſei in ſeine Augen gekommen, die ganze Nacht hindurch habe er geweint, geſeufzt und Gott angefleht, er wolle ihm doch ſeine Barm⸗ herzigkeit erzeigen und ihn mit ſeinem Troſte auf⸗ richten; erſt gegen Morgen ſei er, von Weinen und Seufzen ermattet, ein wenig eingeſchlummert, aber bald darauf mit deſto größerer Betrübniß wieder erwacht und mit bekümmertem Herzen in ſeine Lection gegangen. Doch ſiehe! kaum habe er ſich an ſeinen gewöhnlichen Platz geſetzt, ſo ſei er eines vor ihm liegenden und aufgeſchlagenen Buches anſichtig geworden, von welchem er nicht wiſſe, wer es hingelegt habe. Das Buch ſei Johann Spangenbergs Margarita theologica (eine Perlenſchnur chriſtlicher Wahrheiten) geweſen und die Stelle, die ihm ſogleich in die Augen ge⸗ kommen ſei, habe gerade die Antwort auf die Frage enthalten: was die Sünde in den Heiligen Geiſt ſei? Als er nun hier geleſen habe, daß zu dieſer Sünde, wie auch der heilige Auguſtinus bezeuge, eine beharrliche Unbußfertigkeit bis an den Tod gehöre, daß daher derjenige dieſe Sünde gewiß noch nicht begangen habe, der noch die Regungen der Buße in ſeinem Herzen ſpüre, da ſei er von großer Freude überſtrömt worden, augen⸗ blicklich ſei ſeine Anfechtung verſchwunden geweſen und er habe nicht im geringſten daran gezweifelt, daß jenes Buch durch Gottes beſondere gnädige Lenkung, damit er aus ſeiner großen Seelennoth errettet und vor Verzweiflung bewahrt würde, auf ſeinen Platz gelegt worden ſei. Kircliche Nacicht. Nachdem der Candidat der Theologie, Herr Rudolph Lange aus Schleſien, der ſeinen letz⸗ ten theologiſch-philologiſchen Curſus auf dem Seminar zu Altenburg gemacht hatte, von der deutſchen evangeliſch-lutheriſchen Gemeinde zur Immanuelskirche in St. Charles, Miſſouri, zu deren Seelſorger ordentlich berufen worden war, ſo iſt ſelbiger am letztvergangenen 14. Sonntag nach Trinitatis. den 24. September d. I., auf ſein Erſuchen bei der Synode von Miſſouri ꝛc. von dem Präſes derſelben unter Aſſiſtenz Herrn P. Müllers von Central Townſhip,. Mo., inmitten ſeiner Gemeinde öffentlich und feierlich zu ſeinem Amte ordinirt und eingewieſen worden. Möge die theure Gemeinde, die bisher unter den Hän⸗ den von unirt⸗evangeliſchen, rationaliſtiſchen und methodiſtiſchen Predigern unſäglich gelitten hat, nun unter der Pflege eines Predigers ihrer eignen Confeſſion um ſo herrlicher ſich bauen, daß Jeder⸗ *