Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 2 › Seite 13

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-09-20, Seite 13

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gericht 6 · Lehre. — Lehre prüfen 259 · Luther 1 · Lutheriſche Kirche

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finden, die ihr lutheriſches oder reformirtes Be⸗
kenntniß um der Union willen aufgegeben hätten,
oder aufzugeben Willens wären. Haben unſere
Behörden, haben unſere Fakultäten ihr luthe⸗
riſches oder reformirtes Bekenntniß aufgegeben
und ſich zu Pflegern einer Union in Lehre und
Bekenntniß umgewandelt, ſo iſt das ſchlimm ge⸗
nug, ꝛc.“

„Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeglichen
Geiſte, ſondern prüfet die Geiſter, ob ſie von
Gott ſind. Denn es ſind viel falſche Prophe-
ten ausgegangen in die Welt. Daran ſollt
ihr den Geiſt Gottes erkennen: Ein jeglicher
Geiſt, der da bekennet, daß JEſus Chriſtus iſt
in das Fleiſch gekommen, der iſt von Gott.“
1 Joh. 4, 1. 2.

Hierüber ſchreibt Luther:

Es iſt kräftiger geredt: „Glaubet nicht einem
jeglichen Geiſte“, als wenn er geſagt hätte:
Glaubet nicht einer jeglichen Lehre. Denn un⸗
ter dem Vorwande des Geiſtes unterſtehen ſie (die
falſchen Geiſter) ſich alles und .. . ſtrafen uns,
daß wir ſo viel Rühmens machen vom Buchſtaben
und vom fleiſchlichen Worte. Derohalben befiehlt
er, die Geiſter zu prüfen — als wollte er ſagen:
Es werden zu euch ſolche Leute kommen, die ſich
des Geiſtes rühmen; aber prüfet die Geiſter.

Wie ſollen wir ſie aber prüfen? Woran ſollen
wir den Geiſt des Irrthums und der Wahrheit

erkennen? Alles, was ſie lehren, das haltet ge⸗
gen den Spruch: „IEſus Chriſtus iſt in dieſe Welt
gekommen, die Sünder ſelig zu machen.“ 1 Tim.
1,15. Was mit dieſem übereinſtimmt, das
nehmet alſo an, daß es von Gott ſei. Was aber
nicht damit übereinkommt, das glaubet, daß es
vom Vater der Lügen ſei.

Daß Chriſtus ins Fleiſch kommen ſei, das
leugnen erſtlich die Juden beſtändiglich. Und
der Geiſt des Pabſts iſt von keiner beſſern
Gattung. Denn der Pabſt bekennt zwar dieſes
Wort: Chriſtus iſt ins Fleiſch gekommen“, aber
er leugnet deſſen Frucht. Das iſt aber eben ſo
viel, als wenn man ſagt: Chriſtus iſt nicht ins
Fleiſch gekommen. Denn die Zukunft Chriſti
ins Fleiſch iſt nicht deswegen geſchehen, daß er
um ſein ſelbſt willen ein Menſch würde, ſondern
auf daß er uns ſelig machte. Der Pabſt ver⸗
dammt dieſen Artikel in ſeinen Bullen, daß wir
durch die Gerechtigkeit Chriſti allein gerecht
würden, welches doch die Wirkung ſeiner Menſch⸗
werdung iſt. Aber Paulus widerſpricht dieſem
mit klaren Worten: Röm. 3, 28. Demnach
machen wir aus dieſem Texte den Schluß, daß
des Pabſts Geiſt vom Teufel ſei, weil er leugnet,
daß Chriſtus ins Fleiſch kommen ſei, indem er die
Kraft und Wirkung der Zukunft Chriſti leugnet.

Der Geiſt der Sacramentirer (Reformir⸗
ten) leugnet gröblich, daß Chriſtus ins Fleiſch
kommen ſei, wenn ſie ſagen, das Fleiſch Chriſti
nütze nichts; ingleichen, der Geiſt müſſe alles
thun, die Taufe ſei nichts. Derowegen iſt er
nicht von Gott. Der Satan kann zwar den Text
den Worten nach leiden, aber deren Kraft ſucht er
zu rauben. Der Pabſt läßt ihm die Schale und
nimmt den Kern heraus. Denn er bekennt zwar

13

Chriſti Gerechtigkeit, doch alſo, daß unſere Ge⸗
rechtigkeit nicht aufgehoben werde. Und das iſt
eben ſo viel, als nichts bekennen.

Chriſtus iſt ins Fleiſch gekommen, daß er bei
uns zugegen wäre in der Taufe und im heiligen
Abendmahl. Ein jeglicher Geiſt nun, der dahin
gehet, daß er lehre, Chriſtus thue durch die Sa⸗
cramenta alles, derſelbige iſt von Gott, derſelbige
höret gerne von Chriſto und danket dafür. Denn
der verſtehet, daß Chriſtus ſeine ſei, und ſei ins
Fleiſch gekommen. Demnach iſt das ſehr nach⸗
drücklich geredet. Siehe, das iſt die Prüfung
eines jeglichen Geiſtes, ob er von Gott, oder vom
Teufel ſei. (Luthers Werke. Hall. IX, 1008. ff.)

2+*

Den Eltern Gleiches vergelten, iſt angenehm

vor Gott!
(1 Tim. 5, 4.7)

Ein Vater übergab ſeinen Kindern alle ſeine
Güter, Haus, Hof, Aecker und alle Bereitſchaft;
verſah ſich deſſen zu ſeinen Kindern, ſie würden
ihn ernähren. Da er nun bei ſeinem Sohn eine
Zeitlang war, ward der Sohn ſeiner überdrüſſig
und ſprach: Vater, mir iſt dieſe Nacht ein Knäb⸗
lein geboren, und wo Euer Armſtuhl ſtehet, da
ſoll ſeine Wiege ſtehen. Wollet Ihr nicht zu
meinem Bruder ziehen, der eine größere Stube
hat?

Da er nun eine Zeitlang bei dem andern Sohne
geweſen war, wurde der ſein auch müde und
ſprach: Vater, Er hat gern eine warme Stube,
und mir thut der Kopf davon weh, will Er nicht
zu meinem Bruder gehen, der ein Bäcker iſt? Der
Vater ging; und da er auch eine Zeitlang bei
dem dritten Sohn geweſen war, ward er auch
dieſem zur Laſt, daß er ſprach: Vater, bei mir
geht es aus und ein, wie in einem Taubenſchlag,
und Du kannſt Dein Mittagsſchläfchen nicht
machen, wie Du willſt; möchteſt Du nicht zu
meiner Schweſter, der Käthe, die wohnt an der
Stadtmauer.

Der Alte merkte, wie viel es geſchlagen hatte,
und ſprach bei ſich ſelbſt: Wohlan, ich will mich
aufmachen und es bei meinen Töchtern verſuchen.
Die Weiber haben ein weicheres Herz.

Da er aber eine Zeitlang bei ſeiner Tochter ge⸗
weſen war, wurde ſie ſeiner überdrüſſig und meinte,
es ſei ihr immer höllenangſt, wenn der Vater zur
Kirche oder ſonſt wohin gehe und die hohe Treppe
hinunter müſſe. Bei der Schweſter Liſabeth
brauchte er keine Treppe zu ſteigen, die wohne zu
ebener Erde.

Damit er in Frieden hinwegkomme, gab ihr
der Alte zum Schein Recht und ging zu ſeiner
andern Tochter. Und da er eine kurze Zeit bei
ihr geweſen war, wurde ſie ſein müde und ließ
ihm durch einen Dritten zu Ohren kommen, ihr
Quartier an der Pegnitz wäre zu feucht für
einen Mann, der mit der Gicht geplagt ſei; ihre
Schweſter, die Todtengräberin bei St. Johannis,
hätte ein überaus trocknes Loſement.

Der Alte meinte ſelbſt, ſie könnte Recht haben,
und begab ſich vor das Thor zu ſeiner jüngſten
Tochter Lena. Und als er zwei Tage bei ihr ge⸗

weſen war, ſagte ihr Söhnlein zu ſeinem Groß⸗
vater: „Die Mutter ſprach geſtern vor der Haus⸗
thür zu der Baſe Liſabeth: Für Dich gäbe es
kein beſſeres Quartier, als eine Kammer unter
der Erde, wie ſie der Vater macht.“ Ueber dieſer
Rede brach dem Alten das Herz, daß er in ſeinen
Armſtuhl zurückſank, und ſtarb. St. Johannes
nahm ihn nun auf. und iſt barmherziger gegen
ihn als ſeine ſechs Kinder. Denn er läßt ihn in
ſeiner Kammer ſchlafen immer ſeit der Zeit.
Darum ſagt man im Sprüchwort, daß ein Va⸗
ter leichter kann 6 Kinder ernähren, denn 6 Kin⸗
der einen Vater. Aus Luthers Tiſchreden.

Beſtrafte Verſpottung des Tiſchgebets.

Der Profeſſor D. erzählt folgenden Vorfall, der
ſich in ſeiner Gegenwart, als er im Jahre 1765
nach Halle reiste, um dort zu ſtudiren, bei ſeiner
Durchreiſe in Leipzig zutrug. Er kehrte daſelbſt
mit ſeinem Reiſegefährten auf der Nicolaiſtraße
in einem Wirthshaus ein, wo er eine Menge
Studenten, theils Jenenſer, theils Halenſer und
andere fand, die ſehr luſtig waren. Eine lange
Tafel ſtand, da es eben Mittag war, für dieſe

gedeckt, und D. nebſt ſeinem Gefährten erhielten

als angehende, noch nicht zu jenen gehörende
Studenten ihren Platz an einem abgeſonderten
Tiſche. Alle verſammeln ſich hierauf um den Tiſch
und verrichten ſtillſchweigend ihr Gebet, oder neh⸗
men wenigſtens den Anſtand Betender an; nur
Einer, der ſich ſchon vorher durch Rohheit und
zügelloſes Weſen ausgezeichnet hatte, beobachtet
dieſe Sitte nicht, ſondern lacht vielmehr auf und
ſpottet der Übrigen alſo: „Was wollt ihr denn?
ſeht ihr denn nicht, was da iſt? Ihr wollt um
Speiſe beten, ſie iſt ja ſchon auf dem Tiſche!“
Die beiden zur Seite Stehenden ſuchen ſeinem
Spott Einhalt zu thun, und der linke Nebenmann
namentlich ſagt zu ihm: Wir beten, daß wir die
Speiſe fröhlich und geſund genießen mögen. „O,
das werde ich auch ſo gut wie ihr, verſetzt jener,
ohne daß ich zu beten nöthig habe.“ — Wer weiß,
erwiederte der andere, ob du es ſo froh wirſt thun
können. — Man ſetzt ſich nun; die Suppe wird
herumgegeben, und die Reihe kommt auch an den
wilden Burſchen, der ſeinem Leichtſinne bis jetzt
noch freien Lauf gelaſſen hatte. Kaum aber
bringt er den erſten Löffel an den Mund, als ihn
der Schlag rührt; er ſtürzt mit dem Stuhl zurück
und fällt todt zu Boden! — Allgemein war der
Schreck unter den Anweſenden, und man gedachte
der Worte Pauli: „Irret euch nicht, Gott läßt
ſich nicht ſpotten.“ Gal. 6, 7. Laß uns daran
auch ſtets gedenken, lieber Leſer, und unſer Herz
und unſern Mund vor Sünden bewahren.

Wer Chriſti Sache treibt, kann immer getroſt
und ruhig ſein, mag er etwas ausrichten oder
nicht, mag er ſiegen, oder beſiegt werden.

Als Luther im Jahr 1518 zu Fuße nach Augs⸗
burg reiste, um ſich wegen ſeiner Sache vor dem
Cardinal Cajetanus zu verantworten, kehrte er
unterwegs in Weimar im daſigen Barfüßerkloſter

English translation AI translation

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...to find [any] who had abandoned their Lutheran or Reformed confession for the sake of union, or who were minded to abandon it. If our authorities, if our faculties, have abandoned their Lutheran or Reformed confession and turned themselves into caretakers of a union in doctrine and confession, then that is bad enough, etc."

"Beloved, believe not every spirit, but test the spirits, whether they are of God. For many false prophets have gone out into the world. Hereby shall ye know the Spirit of God: every spirit that confesseth that Jesus Christ has come in the flesh is of God." 1 John 4:1-2.

On this Luther writes:

It is spoken more forcefully: "Believe not every spirit," than if he had said: Believe not every doctrine. For under the pretext of the Spirit they (the false spirits) take it upon themselves to do everything and ... reproach us for making so much of the letter and of the fleshly word. Therefore he commands that the spirits be tested — as if he would say: Such people will come to you who boast of the Spirit; but test the spirits.

But how are we to test them? By what shall we recognize the spirit of error and the spirit of truth? Hold everything they teach against this saying: "Christ Jesus came into this world to save sinners." 1 Tim. 1:15. What agrees with this, accept as being of God. But what does not agree with it, believe to be of the father of lies.

That Christ has come in the flesh — this the Jews first of all steadfastly deny. And the spirit of the Pope is of no better kind. For the Pope does indeed confess these words, "Christ has come in the flesh," but he denies its fruit. That, however, amounts to just as much as saying: Christ has not come in the flesh. For Christ's coming in the flesh did not happen so that he, for his own sake, should become a man, but that he might make us blessed. The Pope condemns this article in his bulls — that we are made righteous through the righteousness of Christ alone, which is nevertheless the effect of his incarnation. But Paul contradicts this in plain words: Rom. 3:28. Accordingly we conclude from this text that the Pope's spirit is of the devil, because he denies that Christ has come in the flesh, in that he denies the power and effect of Christ's coming.

The spirit of the Sacramentarians (the Reformed) grossly denies that Christ has come in the flesh, when they say that the flesh of Christ profits nothing; likewise, that the Spirit must do everything, that Baptism is nothing. Therefore it is not of God. Satan can indeed tolerate the text according to its words, but he seeks to rob it of its power. The Pope leaves him the shell and takes out the kernel. For he does indeed confess

Christ's righteousness, yet in such a way that our own righteousness is not set aside. And that amounts to just as much as confessing nothing at all.

Christ has come in the flesh, that he might be present with us in Baptism and in the Holy Supper. Now every spirit that goes so far as to teach that Christ does everything through the Sacraments — that one is of God; that one gladly hears of Christ and gives thanks for it. For he understands that Christ is his own, and that he has come in the flesh. Accordingly this is spoken very emphatically. Behold, this is the test of every spirit, whether it be of God or of the devil. (Luther's Works, Halle edition, IX, 1008 ff.)

Repaying Parents in Kind Is Pleasing to God!
(1 Tim. 5:4, 7.)

A father gave over to his children all his goods, house, farmstead, fields, and all his provisions; he relied on his children to support him in return. Now after he had been with his son for a while, the son grew weary of him and said: Father, this night a little boy was born to me, and where your armchair stands, there his cradle must stand. Would you not go to my brother, who has a bigger room?

Now after he had been with the other son for a while, that one too grew tired of him and said: Father, he likes to have a warm room, and it makes my head ache, will he not go to my brother, who is a baker? The father went; and after he had also been with the third son for a while, he became a burden to him too, so that this one said: Father, at my place people go in and out as in a dovecote, and you cannot take your afternoon nap as you would wish; would you not go to my sister Kathe, who lives by the town wall.

The old man noticed how things stood, and said to himself: Well then, I will set out and try it with my daughters. Women have a softer heart.

But after he had been with his daughter for a while, she too grew weary of him and thought it was a constant mortal fright for her whenever the father went to church or elsewhere and had to descend the high stairs. At sister Elisabeth's he would need to climb no stairs, for she lived on the ground floor.

So that he might depart in peace, the old man pretended to agree with her and went to his other daughter. And after he had been with her a short time, she grew tired of him and let it come to his ears through a third party that her lodging by the Pegnitz was too damp for a man afflicted with gout; her sister, the gravedigger's wife at St. John's, had an exceedingly dry dwelling.

The old man himself thought she might be right, and betook himself outside the gate to his youngest daughter, Lena. And when he had been with her two days, her little son said to his grandfather: "Yesterday, at the front door, Mother said to cousin Elisabeth: For you there could be no better lodging than a chamber under the earth, such as father makes." At these words the old man's heart broke, so that he sank back into his armchair and died. St. John now took him in, and is more merciful to him than his six children. For he has let him sleep in his chamber ever since. Hence the proverb: a father can more easily feed six children than six children one father. From Luther's Table Talk.

The Punished Mockery of Grace at Table.

Professor D. relates the following incident, which took place in his presence when, in the year 1765, he traveled on foot to Halle to study there, passing through Leipzig on the way. There he put up with his traveling companion at an inn on Nicolai Street, where he found a number of students — some from Jena, some from Halle, and others — who were in very high spirits. A long table stood set for them, since it was just noon, and D., together with his companion, being beginners not yet belonging to that company, received their place at a separate table. All then gathered around the table and said their grace in silence, or at least assumed the posture of those praying; only one, who had already distinguished himself earlier by coarseness and unbridled conduct, did not observe this custom, but rather burst out laughing and mocked the others thus: "What is it you want, then? Do you not see what is there? You want to pray for food — it is already on the table!" The two seated beside him tried to check his mockery, and the one to his left in particular said to him: We pray that we may enjoy the food with cheerfulness and health. "Oh, I shall manage that just as well as you," the other retorted, "without needing to pray for it." — Who knows, replied the other, whether you will be able to do it so cheerfully. — They now sat down; the soup was passed around, and the turn came also to the wild fellow, who up to now had given free rein to his recklessness. But scarcely had he brought the first spoonful to his mouth when he was struck down; he toppled backward with his chair and fell dead to the floor! — Terror was general among those present, and they called to mind the words of Paul: "Be not deceived, God is not mocked." Gal. 6:7. Let us too, dear reader, always bear this in mind, and guard our heart and our mouth against sin.

Whoever pursues Christ's cause can always be confident and at peace, whether he accomplishes something or not, whether he prevails or is overcome.

When Luther traveled on foot to Augsburg in the year 1518, to answer for his cause before Cardinal Cajetan, he stopped along the way in Weimar at the Franciscan monastery there