# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 09 20_S13 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) + finden, die ihr lutheriſches oder reformirtes Be⸗ kenntniß um der Union willen aufgegeben hätten, oder aufzugeben Willens wären. Haben unſere Behörden, haben unſere Fakultäten ihr luthe⸗ riſches oder reformirtes Bekenntniß aufgegeben und ſich zu Pflegern einer Union in Lehre und Bekenntniß umgewandelt, ſo iſt das ſchlimm ge⸗ nug, ꝛc.“ „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeglichen Geiſte, ſondern prüfet die Geiſter, ob ſie von Gott ſind. Denn es ſind viel falſche Prophe- ten ausgegangen in die Welt. Daran ſollt ihr den Geiſt Gottes erkennen: Ein jeglicher Geiſt, der da bekennet, daß JEſus Chriſtus iſt in das Fleiſch gekommen, der iſt von Gott.“ 1 Joh. 4, 1. 2. Hierüber ſchreibt Luther: Es iſt kräftiger geredt: „Glaubet nicht einem jeglichen Geiſte“, als wenn er geſagt hätte: Glaubet nicht einer jeglichen Lehre. Denn un⸗ ter dem Vorwande des Geiſtes unterſtehen ſie (die falſchen Geiſter) ſich alles und .. . ſtrafen uns, daß wir ſo viel Rühmens machen vom Buchſtaben und vom fleiſchlichen Worte. Derohalben befiehlt er, die Geiſter zu prüfen — als wollte er ſagen: Es werden zu euch ſolche Leute kommen, die ſich des Geiſtes rühmen; aber prüfet die Geiſter. Wie ſollen wir ſie aber prüfen? Woran ſollen wir den Geiſt des Irrthums und der Wahrheit erkennen? Alles, was ſie lehren, das haltet ge⸗ gen den Spruch: „IEſus Chriſtus iſt in dieſe Welt gekommen, die Sünder ſelig zu machen.“ 1 Tim. 1,15. Was mit dieſem übereinſtimmt, das nehmet alſo an, daß es von Gott ſei. Was aber nicht damit übereinkommt, das glaubet, daß es vom Vater der Lügen ſei. Daß Chriſtus ins Fleiſch kommen ſei, das leugnen erſtlich die Juden beſtändiglich. Und der Geiſt des Pabſts iſt von keiner beſſern Gattung. Denn der Pabſt bekennt zwar dieſes Wort: Chriſtus iſt ins Fleiſch gekommen“, aber er leugnet deſſen Frucht. Das iſt aber eben ſo viel, als wenn man ſagt: Chriſtus iſt nicht ins Fleiſch gekommen. Denn die Zukunft Chriſti ins Fleiſch iſt nicht deswegen geſchehen, daß er um ſein ſelbſt willen ein Menſch würde, ſondern auf daß er uns ſelig machte. Der Pabſt ver⸗ dammt dieſen Artikel in ſeinen Bullen, daß wir durch die Gerechtigkeit Chriſti allein gerecht würden, welches doch die Wirkung ſeiner Menſch⸗ werdung iſt. Aber Paulus widerſpricht dieſem mit klaren Worten: Röm. 3, 28. Demnach machen wir aus dieſem Texte den Schluß, daß des Pabſts Geiſt vom Teufel ſei, weil er leugnet, daß Chriſtus ins Fleiſch kommen ſei, indem er die Kraft und Wirkung der Zukunft Chriſti leugnet. Der Geiſt der Sacramentirer (Reformir⸗ ten) leugnet gröblich, daß Chriſtus ins Fleiſch kommen ſei, wenn ſie ſagen, das Fleiſch Chriſti nütze nichts; ingleichen, der Geiſt müſſe alles thun, die Taufe ſei nichts. Derowegen iſt er nicht von Gott. Der Satan kann zwar den Text den Worten nach leiden, aber deren Kraft ſucht er zu rauben. Der Pabſt läßt ihm die Schale und nimmt den Kern heraus. Denn er bekennt zwar 13 Chriſti Gerechtigkeit, doch alſo, daß unſere Ge⸗ rechtigkeit nicht aufgehoben werde. Und das iſt eben ſo viel, als nichts bekennen. Chriſtus iſt ins Fleiſch gekommen, daß er bei uns zugegen wäre in der Taufe und im heiligen Abendmahl. Ein jeglicher Geiſt nun, der dahin gehet, daß er lehre, Chriſtus thue durch die Sa⸗ cramenta alles, derſelbige iſt von Gott, derſelbige höret gerne von Chriſto und danket dafür. Denn der verſtehet, daß Chriſtus ſeine ſei, und ſei ins Fleiſch gekommen. Demnach iſt das ſehr nach⸗ drücklich geredet. Siehe, das iſt die Prüfung eines jeglichen Geiſtes, ob er von Gott, oder vom Teufel ſei. (Luthers Werke. Hall. IX, 1008. ff.) 2+* Den Eltern Gleiches vergelten, iſt angenehm vor Gott! (1 Tim. 5, 4.7) Ein Vater übergab ſeinen Kindern alle ſeine Güter, Haus, Hof, Aecker und alle Bereitſchaft; verſah ſich deſſen zu ſeinen Kindern, ſie würden ihn ernähren. Da er nun bei ſeinem Sohn eine Zeitlang war, ward der Sohn ſeiner überdrüſſig und ſprach: Vater, mir iſt dieſe Nacht ein Knäb⸗ lein geboren, und wo Euer Armſtuhl ſtehet, da ſoll ſeine Wiege ſtehen. Wollet Ihr nicht zu meinem Bruder ziehen, der eine größere Stube hat? Da er nun eine Zeitlang bei dem andern Sohne geweſen war, wurde der ſein auch müde und ſprach: Vater, Er hat gern eine warme Stube, und mir thut der Kopf davon weh, will Er nicht zu meinem Bruder gehen, der ein Bäcker iſt? Der Vater ging; und da er auch eine Zeitlang bei dem dritten Sohn geweſen war, ward er auch dieſem zur Laſt, daß er ſprach: Vater, bei mir geht es aus und ein, wie in einem Taubenſchlag, und Du kannſt Dein Mittagsſchläfchen nicht machen, wie Du willſt; möchteſt Du nicht zu meiner Schweſter, der Käthe, die wohnt an der Stadtmauer. Der Alte merkte, wie viel es geſchlagen hatte, und ſprach bei ſich ſelbſt: Wohlan, ich will mich aufmachen und es bei meinen Töchtern verſuchen. Die Weiber haben ein weicheres Herz. Da er aber eine Zeitlang bei ſeiner Tochter ge⸗ weſen war, wurde ſie ſeiner überdrüſſig und meinte, es ſei ihr immer höllenangſt, wenn der Vater zur Kirche oder ſonſt wohin gehe und die hohe Treppe hinunter müſſe. Bei der Schweſter Liſabeth brauchte er keine Treppe zu ſteigen, die wohne zu ebener Erde. Damit er in Frieden hinwegkomme, gab ihr der Alte zum Schein Recht und ging zu ſeiner andern Tochter. Und da er eine kurze Zeit bei ihr geweſen war, wurde ſie ſein müde und ließ ihm durch einen Dritten zu Ohren kommen, ihr Quartier an der Pegnitz wäre zu feucht für einen Mann, der mit der Gicht geplagt ſei; ihre Schweſter, die Todtengräberin bei St. Johannis, hätte ein überaus trocknes Loſement. Der Alte meinte ſelbſt, ſie könnte Recht haben, und begab ſich vor das Thor zu ſeiner jüngſten Tochter Lena. Und als er zwei Tage bei ihr ge⸗ weſen war, ſagte ihr Söhnlein zu ſeinem Groß⸗ vater: „Die Mutter ſprach geſtern vor der Haus⸗ thür zu der Baſe Liſabeth: Für Dich gäbe es kein beſſeres Quartier, als eine Kammer unter der Erde, wie ſie der Vater macht.“ Ueber dieſer Rede brach dem Alten das Herz, daß er in ſeinen Armſtuhl zurückſank, und ſtarb. St. Johannes nahm ihn nun auf. und iſt barmherziger gegen ihn als ſeine ſechs Kinder. Denn er läßt ihn in ſeiner Kammer ſchlafen immer ſeit der Zeit. Darum ſagt man im Sprüchwort, daß ein Va⸗ ter leichter kann 6 Kinder ernähren, denn 6 Kin⸗ der einen Vater. Aus Luthers Tiſchreden. Beſtrafte Verſpottung des Tiſchgebets. Der Profeſſor D. erzählt folgenden Vorfall, der ſich in ſeiner Gegenwart, als er im Jahre 1765 nach Halle reiste, um dort zu ſtudiren, bei ſeiner Durchreiſe in Leipzig zutrug. Er kehrte daſelbſt mit ſeinem Reiſegefährten auf der Nicolaiſtraße in einem Wirthshaus ein, wo er eine Menge Studenten, theils Jenenſer, theils Halenſer und andere fand, die ſehr luſtig waren. Eine lange Tafel ſtand, da es eben Mittag war, für dieſe gedeckt, und D. nebſt ſeinem Gefährten erhielten als angehende, noch nicht zu jenen gehörende Studenten ihren Platz an einem abgeſonderten Tiſche. Alle verſammeln ſich hierauf um den Tiſch und verrichten ſtillſchweigend ihr Gebet, oder neh⸗ men wenigſtens den Anſtand Betender an; nur Einer, der ſich ſchon vorher durch Rohheit und zügelloſes Weſen ausgezeichnet hatte, beobachtet dieſe Sitte nicht, ſondern lacht vielmehr auf und ſpottet der Übrigen alſo: „Was wollt ihr denn? ſeht ihr denn nicht, was da iſt? Ihr wollt um Speiſe beten, ſie iſt ja ſchon auf dem Tiſche!“ Die beiden zur Seite Stehenden ſuchen ſeinem Spott Einhalt zu thun, und der linke Nebenmann namentlich ſagt zu ihm: Wir beten, daß wir die Speiſe fröhlich und geſund genießen mögen. „O, das werde ich auch ſo gut wie ihr, verſetzt jener, ohne daß ich zu beten nöthig habe.“ — Wer weiß, erwiederte der andere, ob du es ſo froh wirſt thun können. — Man ſetzt ſich nun; die Suppe wird herumgegeben, und die Reihe kommt auch an den wilden Burſchen, der ſeinem Leichtſinne bis jetzt noch freien Lauf gelaſſen hatte. Kaum aber bringt er den erſten Löffel an den Mund, als ihn der Schlag rührt; er ſtürzt mit dem Stuhl zurück und fällt todt zu Boden! — Allgemein war der Schreck unter den Anweſenden, und man gedachte der Worte Pauli: „Irret euch nicht, Gott läßt ſich nicht ſpotten.“ Gal. 6, 7. Laß uns daran auch ſtets gedenken, lieber Leſer, und unſer Herz und unſern Mund vor Sünden bewahren. Wer Chriſti Sache treibt, kann immer getroſt und ruhig ſein, mag er etwas ausrichten oder nicht, mag er ſiegen, oder beſiegt werden. Als Luther im Jahr 1518 zu Fuße nach Augs⸗ burg reiste, um ſich wegen ſeiner Sache vor dem Cardinal Cajetanus zu verantworten, kehrte er unterwegs in Weimar im daſigen Barfüßerkloſter