Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 2 › Seite 12
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-09-20, Seite 12
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 3 · Unterricht
geiſtlichen Lebens geworden und ſonderlich iſt er
der mächtige Hebel des heutigen Miſſionseifers.
Eines ſolchen Hebels bedarf aber die Miſſion nicht
erſt, welche ſchon im Geböt der Nächſtenliebe das
Siegel ihrer Rechtmäßigkeit und in der All⸗
gemeinheit des göttlichen Gnadenberufs das
Siegel ihres Erfolgs hat. Sollte aber nicht ſchon
der Widerſpruch dieſes Chiliasmus gegen den
Lehrbegriff der Reformatoren und aller reinen
Lehrer des 16. und 17. Jahrhunderts uns gegen
ihn bedenklich machen, deſſen chronologiſche Un⸗
haltbarkeit ohnehin der Verlauf des letzten Jahr⸗
zehntes deutlich genug bewieſen hat?
Ich bin himmelweit entfernt, auf jene gott⸗
ſeligen Männer, welche dieſe Lehre in der Kirche
eingeführt haben, einen Flecken bringen zu wollen,
ſie ſind mir, als denen ich die erſten Buchſtaben
heilſamer Erkenntniß verdanke, viel zu theuer, als
daß ich ihre Namen verunehren wollte. Es ſind
einige Stoppeln geweſen, die ihnen, wie vielen
ihres gleichen, in dieſem zeitlichen Leben an⸗
gehangen haben, dieſe aber ſind vom Feuer ver⸗
zehrt, das Gold aber iſt geblieben und ſie ſelbſt
ſind ſelig im Anſchauen Gottes. Ebenſo himmel⸗
weit entfernt bin ich, die Augsb. Confeſſion oder
Luthern, oder irgend einen Kirchenlehrer zur Re⸗
gel des Glaubens zu machen. Ich wollte durch
die aufgeworfene Frage zunächſt nichts anderes
thun, als der Meinung entgegentreten, als ſei
die Verträglichkeit des modernen Chiliasmus mit
der Augsb. Confeſſion eine bereits ausgemachte
Sache, und wollte eine geübtere Feder einladen,
auch deſſen Unverträglichkeit mit der heiligen
Schrift ſelbſt nachzuweiſen. Th. B.
(Eingeſandt.)
Eine Probe, wie der Apologet die Schrift
und ſeine Leſer anführt.
Vor einiger Zeit kamen dem Unterzeichneten
einige Nummern des Apologeten, der ſich hie und
da, wie die Methodiſten ſelbſt, unberufen bei den
Leuten einſchleicht, in die Hände, und in Nro.
432 fand ich ein angebliches Geſpräch zwiſchen
einem ſogenannten Altlutheraner und Methodiſten
über den lauten Gottesdienſt, worin der Metho⸗
diſt natürlich! den Altlutheraner gründlich davon
überzeugt, daß es bei den Prayer- und Camp
Meetings der Methodiſten ganz anſtändig und
erbaulich hergeht, — ja, ihn mit Luthers eigenen
Worten davon überführt, daß die Weiber in
öffentlichen Verſammlungen laut beten müſſen,
indem er folgende Stelle von Luther mittheilt:
„Im neuen Teſtamente ordnet der Heilige
„Geiſt durch St. Paulum, daß die Weiber ſollen
„ſchweigen in der Kirche und Gemeinde, und
„ſpricht: Es ſei des HErrn Gebot, 1 Cor. 14.;
„und er doch wohl wußte, daß Joel zuvor ver⸗
„kündigt hatte, Gott wolle ſeinen Geiſt auch auf
„die Mägde ausgießen; dazu geſehen hatte die
„vier Töchter Philippi weiſſagen, Ap. Geſch. 21.
„Aber in der Gemeinde und Kirche ſollen ſie
„ſchweigen und nicht predigen, ſonſt mögen ſie
„mit beten, ſingen, loben und Amen ſprechen;
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„und daheim leſen und ſich unter einander ver⸗
„mahnen, lehren und tröſten, auch die Schrift
„auslegen, ſo gut ſie immer können. (Dr. Lu⸗
„ther, 5. Altenb. S. 966. a. b)“
Nun muß man wohl eine Methodiſtenbrille
aufhaben, um in dieſen Worten eine Billigung
des Unfugs, den die Methodiſten mit dem öffent⸗
lichen, lauten Weibergebet treiben, entdecken zu
können, und aus Mangel an einer ſolchen war
mir dies nicht möglich.
Auf obiges Citat folgt ſodann der Beweis aus
der heiligen Schrift, daß es den Weibern ſogar
geboten ſei, öffentlich und laut zu beten, und
zwar folgender Geſtalt: „Allein aller Zweifel
wird verſchwinden, wenn wir bedenken, wie der
Apoſtel Paulus 1 Cor. 11, 5. ſpricht: Ein jedes
Weib, das da betet oder weiſſaget mit unbedecktem
Haupt, die ſchändet ihr Haupt. Und ihnen ferner
1 Tim. 2, 8. 9. ſogar gebietet, gleich den Män⸗
nern an allen Orten zu beten. Er ſpricht: So
will ich nun, daß die Männer beten an allen
Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn
und Zweifel. Desſelbigen gleichen die Weiber
u. ſ. w.“
Nun nehme jeder chriſtliche Leſer ſeine Bibel
und ſehe nach, ob es nicht eine ſchändliche Cor⸗
ruption des 9. Verſes ſei, wenn man die erſten
Worte desſelben, mit Hinweglaſſung der
folgenden, ſo an den 8. Vers anſchließt, daß
der unerfahrne und argloſe Leſer zu der irrigen
Meinung verleitet wird, als ſage der Apoſtel im
9. Vers den Weibern dasſelbe, was er im
8. Vers den Männern geſagt hat; da doch ein
Punkt am Schluß des 8. Verſes ſteht, und der
Apoſtel im 9. Vers mit keiner Silbe vom Gebet
der Weiber redet.
„Was denken Sie nun wohl, fährt der Me⸗
thodiſt triumphirend fort, von der Rede Ihres
Predigers im Vergleich mit Luther und Paulo,
und was war des Letztern Meinung über die Un⸗
ordnung?“ — Ja, was denkſt du, chriſtlicher Le⸗
ſer! wohl von der Redlichkeit eines ſolchen Me⸗
thodiſten und insbeſondere des Apologeten?! —
In Nro. 431. findet ſich auch ein Pröbchen
von dem gelehrten Scharfſinn des Herrn Mul⸗
finger. — An dem „Haus⸗, Schul⸗ und Kirchen⸗
buch für Chriſten des lutheriſchen Bekenntniſſes“
ſchlägt er ſich ſelbſt zum Ritter! — Er beweiſt
nämlich, daß wir Chriſten von der Feier des jü⸗
diſchen Sabbaths, auch des Samstags, keines⸗
wegs entbunden, gleichwohl aber durch einen
wahrſcheinlichen Befehl unſers HErrn
an die Feier des Sonntags geſetzlich gebunden
ſeien. Wir verweiſen den zweifelnden Leſer an
jenen ſeinen Aufſatz ſelbſt; — und wünſchte nur
ſchließlich noch, Herr Mulfinger hätte ſeinem Ver⸗
dienſt um unſere Belehrung dadurch die Krone
aufgeſetzt, daß er uns eine genaue und getreue
Ueberſetzung des griechiſchen Worts in Col. 2, 16.,
welches, wie er ſagt, von Dr. Luther „Sab⸗
bather“ überſetzt iſt, gegeben hätte. — Wollen der
Schrift Meiſter ſein, und verſtehen nicht, was ſie
ſagen! 1 Tim. 1, 7. F. W. Husmann.
*
Kirchliche Nachricht aus Sachſen.
In Nro. 32 des Wochenblatts der deutſchen
Schnellpoſt leſen wir folgende Anzeige, datirt:
Altenburg, 30. Juni. — „Dieſer Tage fand in
dem Städtchen Gößnitz, unweit Altenburg, eine
Verſammlung von Streng⸗Gläubigen ſtatt, wozu
namentlich das ſehr fromme Muldenthal eine ſehr
bedeutende Zahl geſchickt hatte. Es waren nicht
blos Geiſtliche, ſondern auch Laien verſammelt.
Den Vorſitz führte der unlängſt zum Paſtor an
der Nikolaikirche in Leipzig erwählte Profeſſor Dr.
Harleß. Man ſoll ſich ſehr ernſtlich über die
Mittel, das Volk zum wahren Glauben zurück⸗
zuführen, berathen haben. Um deſto wirkſamer
eingreifen zu können, hat die Verſammlung ſich
nach beſtimmten Bezirken in einzelne Miſſionen
abgetheilt, von denen aus das Volk bearbeitet wer⸗
den ſoll. Auch ſoll ein neuer Volksſchriftenverein
gegründet werden, der dem Zwickauer Verein ent⸗
gegenarbeiten ſoll.“
Spuren des Lutherthums mitten in der
Preußiſchen unirten Kirche.
Der Wahrheitsfreund theilt in ſeiner letzten
Nummer eine kirchliche Nachricht aus der Provinz
Sachſen vom 11. Juli mit, die wir auch unſern
Leſern nicht vorenthalten können. Aus einer dort
erſcheinenden Zeitſchrift erſieht man nemlich, wie
jetzt, nachdem die Berliner Landesſynode ab⸗
gehalten worden iſt, manchem, der mitten in der
unirten Kirche ein Lutheraner bleiben zu können
meinte, die Augen aufgehen. In jenem Blatte,
„Kirchliche Monatsſchrift für die Provinz Sach⸗
ſen“, heißt es unter Anderem:
„Nun, wenn es denn Gottes Wille ſein ſollte,
daß die Symboliſchen von ihrem väterlichen Grund
und Boden, aus ihrem wohlerworbenen Beſitz,
aus ihren Kirchen, Pfarren und Schulen ver⸗
drängt werden ſollten, wie ſie aus ihren theolo⸗
giſchen Lehrſtühlen und ihren Conſiſtorialzimmern
verdrängt zu ſein ſcheinen, ſo wird Gott ſie freilich
nicht Hungers ſterben laſſen und kann ihre kleine
Heerde wohl wieder, wie des alten Israels Sa⸗
men, mehren, wie den Sand am Meer und die
Sterne am Himmel. „Aber der unirten Kirche
wird der Kirchenraub nicht wohl bekommen.“
Der Berliner Synode wird vorgeworfen, ſie
ſei „nicht wahrhaftig“; es müſſe jetzt entſchieden
ausgeſprochen werden, daß das evangeliſche Lan⸗
deskirchenregiment in Preußen auch noch eine
lutheriſche Kirche unter ſich habe, die durch
„Gottes Gnade“ nicht gewillt ſei, „ſich von dem
großen Leibe der lutheriſchen Kirche auf Erden,
am wenigſten durch den Majoritätsbeſchluß der
Berliner Synode losreißen zu laſſen“. Nach den
beſtimmten Erklärungen der Cabinetsordre vom
28. Februar 1834 ſeien die Bekenntnißſchriften
noch in ihrer alten Autorität gültig, der Beitritt
zur Union ſei Sache des freien Entſchluſſes ꝛc.
„Man frage doch nur im Lande herum, man
wird unter tauſend Pfarrern und Gemeinden, die
nicht im geiſtigen Todesſchlafe liegen, nicht zehn
English translation AI translation
spiritual life, and it is in particular the powerful lever of today's missionary zeal. Yet mission work needs no such lever, since it already has, in the commandment of love of neighbor, the seal of its legitimacy, and in the universality of the divine call of grace, the seal of its success. But should not the very contradiction of this chiliasm to the doctrinal system of the Reformers and of all the pure teachers of the sixteenth and seventeenth centuries make us wary of it — a chiliasm whose chronological untenability the course of the last decade has, in any case, demonstrated clearly enough?
I am infinitely far from wishing to cast a blemish upon those godly men who introduced this doctrine into the church; to me, as one who owes to them the first letters of saving knowledge, they are far too dear for me to wish to dishonor their names. There have been a few stray stalks clinging to them, as to many of their like, in this temporal life; but these have been consumed by the fire, while the gold has remained, and they themselves are blessed in the sight of God. Equally infinitely far am I from making the Augsburg Confession, or Luther, or any teacher of the church, a rule of faith. By raising the question posed here I wished to do nothing else, in the first place, than to oppose the opinion that the compatibility of modern chiliasm with the Augsburg Confession is already a settled matter, and I wished to invite an abler pen to demonstrate also its incompatibility with Holy Scripture itself. Th. B.
(Submitted.)
A sample of how the Apologete quotes Scripture and its readers.
Some time ago a few numbers of the Apologete — which, like the Methodists themselves, insinuates itself here and there among the people uninvited — came into the hands of the undersigned, and in No. 432 I found an alleged conversation between a so-called Old Lutheran and a Methodist about loud worship, in which the Methodist, naturally!, thoroughly convinces the Old Lutheran that things go on quite decently and edifyingly at the Methodists' prayer and camp meetings — indeed, convinces him with Luther's own words that women must pray aloud in public assemblies, by quoting the following passage from Luther:
"In the New Testament the Holy Spirit ordains, through St. Paul, that women should keep silent in the church and congregation, and says: It is the Lord's commandment, 1 Cor. 14; and yet he well knew that Joel had before proclaimed that God would pour out his Spirit also upon the maidservants; and had moreover seen the four daughters of Philip prophesy, Acts 21. But in the congregation and church they are to keep silent and not to preach; otherwise they may join in praying, singing, praising, and saying Amen, and at home read and admonish, teach, and comfort one another, and also expound Scripture as well as ever they can. (Dr. Luther, vol. 5, Altenburg, p. 966, a. b.)"
Now one must indeed wear Methodist spectacles to discover, in these words, an endorsement of the mischief that the Methodists carry on with public, loud women's prayer, and for lack of such spectacles this was not possible for me.
Upon the above citation there follows the proof from Holy Scripture that women are even commanded to pray publicly and aloud, in the following manner: "All doubt will vanish, however, when we consider how the Apostle Paul speaks in 1 Cor. 11:5: Every woman who prays or prophesies with her head uncovered dishonors her head. And he further, in 1 Tim. 2:8-9, even commands them, just like the men, to pray in every place. He says: I will therefore that men pray everywhere, lifting up holy hands without wrath and doubting. In like manner also the women, etc."
Now let every Christian reader take his Bible and see whether it is not a shameful corruption of the ninth verse when the opening words of that verse, with the omission of what follows, are attached to the eighth verse in such a way that the inexperienced and unsuspecting reader is misled into the erroneous notion that the Apostle says, in verse 9, the same thing to the women that he said, in verse 8, to the men — when in fact there is a period at the end of verse 8, and the Apostle in verse 9 does not say a single word about the prayer of women.
"Now what do you think," the Methodist continues triumphantly, "of your preacher's statement, compared with Luther and Paul, and what was the latter's opinion about disorder?" — Yes, what do you think, Christian reader, of the honesty of such a Methodist, and of the Apologete in particular?! —
In No. 431 there is likewise a little sample of the learned acumen of Mr. Mulfinger. In the "House, School, and Church Book for Christians of the Lutheran Confession" he dubs himself a knight! He proves, namely, that we Christians are by no means released from the observance of the Jewish Sabbath, including Saturday, yet are nevertheless, through a probable command of our Lord, legally bound to the observance of Sunday. We refer the doubting reader to that essay of his; and would only wish, in conclusion, that Mr. Mulfinger had crowned his service to our edification by giving us an exact and faithful translation of the Greek word in Col. 2:16, which, as he says, is translated by Dr. Luther as "Sabbaths." — They wish to be masters of Scripture, and do not understand what they themselves are saying! 1 Tim. 1:7. F. W. Husmann.
Church News from Saxony.
In No. 32 of the weekly Deutsche Schnellpost we read the following notice, dated: Altenburg, June 30. — "These days a meeting of the strictly orthodox took place in the little town of Gössnitz, not far from Altenburg, to which the very devout Muldenthal in particular had sent a very considerable number. Not only clergy but also laymen were assembled. The chair was taken by Professor Dr. Harless, recently elected pastor at the Nikolaikirche in Leipzig. It is said that they deliberated very earnestly on the means of leading the people back to the true faith. In order to be able to work the more effectively, the assembly has divided itself into individual missions according to fixed districts, from which the people are to be worked upon. A new tract society is also to be founded, to work against the Zwickau society."
Traces of Lutheranism in the Midst of the Prussian Union Church.
The Wahrheitsfreund shares in its latest number a piece of church news from the Province of Saxony, dated July 11, which we likewise cannot withhold from our readers. From a journal published there one can see how now, after the Berlin provincial synod has been held, the eyes are being opened for many who thought they could remain Lutherans in the midst of the Union church. In that journal, the "Kirchliche Monatsschrift für die Provinz Sachsen," it says among other things:
"Now, if it should indeed be God's will that the Symbolists [the confessional Lutherans] should be driven from their ancestral ground and soil, from their rightfully acquired possessions, from their churches, parishes, and schools, as they seem to have been driven from their theological chairs and their consistory rooms, then God will certainly not let them starve, and can indeed multiply their little flock again, like the seed of ancient Israel, as the sand of the sea and the stars of heaven. But the robbery of the church will not go well for the Union church." The Berlin synod is reproached as being "not truthful"; it must now be plainly declared that the evangelical territorial church government in Prussia still has under it a Lutheran church as well, which, "by God's grace," is not willing "to let itself be torn away from the great body of the Lutheran church on earth, least of all by a majority resolution of the Berlin synod." According to the definite declarations of the cabinet order of February 28, 1834, the confessional writings are still valid in their old authority, and joining the Union is a matter of free decision, etc.
"One need only ask around in the country, and among a thousand pastors and congregations that are not lying in spiritual deathly sleep, one will not find ten