Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 67, Nummer 12 › Seite 194
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1911-06-13, Seite 194
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die Nähe des Heilandes! Petrus vor dem Hohen Rate, Stephanus unter den Steinwürfen seiner Feinde, Paulus und Silas im Gefängnis, die Füße im Stock und doch Psalmen singend, Chrysostomus, wie ein Wild zu Tode gehetzt und seinen Geist aufgebend mit dem Seufzer: „Gott sei Dank für alles!" Elisabeth Fry, die in die Gefängnisse geht, um dort in der Verkommenheit wie ein Engel zu wirken, die Missionare, die sich an die Goldküste Afrikas schicken lassen, um in wenigen Jahren eine Beute des mörderischen Klimas zu werden, die Diakonissen, die sich der Pflege an Aussätzigen widmen und Ekel und Todesfurcht niederkämpfen, so mancher stille Dulder auf seinem Siechbette, der sich nicht rühren kann und es jahrzehntelang vor Schmerzen kaum aushält: frage sie doch einmal, woher sie diese Riesenkraft gewonnen haben. Sie werden den Blick zum Kreuze richten und betend die Hände falten und bekennen:
Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben.
Deine Kraft war in meiner Schwachheit mächtig, du hast deine Verheißungen an mir erfüllt.
Gottes Werke.
„Gott arbeitet nach den Regeln der Geometrie", las ein wissenschaftlich hochgebildeter Mann in Texas, der an Gott überhaupt nicht glaubte. Er war der Ansicht, alle Dinge wären nur zufällig entstanden. „Sollte es wirklich für alles Gesetze und Regeln geben?" fragte er sich jetzt. Sein Blick fiel dabei auf jene wundervolle kleine Blume, die als „Stern von Texas" bekannt ist. Er pflückte sie ab und begann sie zu untersuchen. Er zählte die Staubfäden; es waren fünf. Er zählte die Blätter der Blütenkrone; es waren fünf. Die Kelchblätter zählte er und fand nochmals fünf. Er untersuchte noch eine andere Blume und dann noch mehrere. Immer fand er die gleiche Zahl von Staubfäden, Blüten- und Kelchblättern. „Wie kann das zugehen?" fragte er sich. „Wenn alles aus sich selbst zufällig hervorginge, so müßte doch eine Blume einmal zwei, eine andere drei und die dritte gar keine Staubfäden haben. Wo nach festen Regeln gearbeitet wird, muß ein Arbeiter sein — und ich weiß, wer der Arbeiter ist." Dankbar küßte er die kleine Blume, durch die sich Gott ihm offenbart hatte.
Todesanzeigen.
Am Sonntag Reminiscere, den 12. März, rief der HErr einen betagten, in seinem Dienste ergrauten, treuverdienten Diener von der Arbeit im Weinberge zu der Ruhe, die vorhanden ist dem Volke Gottes, nämlich P. Heinrich Jüngel. Mit ihm ist wieder einer der ältesten unserer Pastoren von uns geschieden. Der Entschlafene wurde bei Gießen in Hessen am 13. Mai 1829 geboren. Nachdem er die Volksschule absolviert hatte, wurde er zu Grünberg im Jahre 1843 konfirmiert. Im Alter von 21 Jahren wanderte er mit seinen Eltern aus nach Amerika und kam nach St. Louis, wo er mit Prof. C. F. W. Walther bekannt wurde. Dieser lernte ihn bald als einen begabten jungen Mann kennen und bewog ihn, das praktische Predigerseminar, das sich damals in Fort Wayne befand, zu besuchen. Nach Vollendung seiner Studien trat er ins Amt, berufen von der Gemeinde in Peru, Ind. Später bediente er die Gemeinden in Cooper Co., Mo., Liverpool, O., und White Creek, Ind. Im Jahre 1887 wurde er von der Zionsgemeinde zu Fort Wayne berufen. Diese Gemeinde bediente er bis zum Jahre 1899 und legte dann wegen zunehmenden Alters sein Amt nieder. Der Unterzeichnete wurde sein Nachfolger, ließ aber durch die Gemeinde P. Jüngel zum Hilfspastor berufen. — Ein herber Schlag traf den nun Heimgegangenen am 13. November vorigen Jahres, indem seine Gattin, die über 55 Jahre als treue Gehilfin Freud' und Leid mit ihm geteilt hatte, ihm durch den Tod entrissen wurde. Von da an wurde er immer schwächer und gebrechlicher. Er sehnte sich danach, heimzugehen zu seinem Heilande. Sooft der Unterzeichnete oder ein anderer Amtsbruder ihn besuchte, erhob er vom Krankenbette seine Hand und sprach mit schwacher Stimme: „Heim, heim will ich!" Auf meine Frage, ob er im Glauben an JEsum Christum, den er über ein halbes Jahrhundert gepredigt habe, sterben wolle, antwortete er: „Ja, wohin soll ich sonst gehen? Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden. JEsus nimmt die Sünder an, alle Sünder, auch mich, den vornehmsten unter den Sündern, denn er spricht: ‚Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.' O wie glücklich bin ich armer Sünder, daß ich einen solchen Heiland habe! Wie herzlich gern möchte ich recht bald bei ihm sein!" So ist er denn, wie wir zuversichtlich hoffen, im Glauben an seinen Heiland gestorben und ist nun daheim beim HErrn. — Seiner langen, glücklichen Ehe sind zwölf Kinder entsprossen, von denen noch sieben leben, vier Söhne und drei Töchter. Alle Söhne hat P. Jüngel zum Dienste des Wortes hergegeben, drei zu Pastoren und einen zum Lehrer. — Am 14. März hielt P. Aug. Lange im Hause einen kurzen Trauergottesdienst, worauf die teure Leiche in die Zionskirche gebracht und dort aufgebahrt wurde, um allen Gliedern, Freunden und Bekannten Gelegenheit zu geben, noch einen letzten Blick auf den Leichnam zu werfen. Am folgenden Tage fand unter reger Beteiligung der Gemeinde, der Freunde und der Allen und Adams County-Pastoralkonferenz das Leichenbegängnis statt, wobei P. C. F. W. Huge, ein langjähriger, intimer Freund des Entschlafenen, den 145. Psalm verlas und auf Grund desselben eine kurze Ansprache hielt, in der er besonders hervorhob, daß der Entschlafene ein demütiger und aufrichtiger Christ war. Der Unterzeichnete hielt die Leichenrede, und zwar auf Wunsch des Entschlafenen über 1 Tim. 1, 15: „Das ist je gewißlich wahr und ein teuerwertes Wort, daß Christus JEsus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin." Die Schulkinder unter Leitung Lehrer W. Vennhoffs und ein Chor der Collegeschüler trugen passende Chorstücke vor. Als Bahrtuchträger fungierten die Stadtpastoren, als Ehrenbahrtuchträger der Kirchenrat der Zionsgemeinde. Am Grabe amtierte P. Aug. Lange. Die Zeit seiner Wallfahrt hat P. Jüngel gebracht auf 81 Jahre, 9 Monate und 29 Tage. — Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, nun hat dein HErr und Heiland dich über viel gesetzt und eingehen lassen zu seiner Freude.
H. Lühr.
Am 11. April entschlief, wie wir zuversichtlich hoffen, selig im HErrn P. Wilhelm Endeward. Der Entschlafene wurde am 2. Oktober 1839 in Drohe, Hannover, geboren. Dort besuchte er die Dorfschule bis zu seiner Konfirmation. Bald nach seinem vierzehnten Jahre verlor er seinen Vater. Ein christlicher Arzt nahm ihn zu sich und vertrat Vaterstelle an ihm. Bei diesem Arzt kam er öfter in Berührung mit Leuten, die viel mit ihm über das Missionshaus in Hermannsburg redeten. Dadurch erwachte auch in ihm der Wunsch, das Missionshaus zu besuchen, um sich dort als Missionar ausbilden zu lassen. So trat er denn, nachdem er seiner Militärpflicht genügt hatte, im Alter von 26 Jahren als Zögling dort ein. Im Jahre 1871 kam er nach Amerika auf unser Seminar zu St. Louis. Nach bestandenem Examen wurde er von der Gemeinde zu Berlin, Wis., be-
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the nearness of the Savior! Peter before the Sanhedrin, Stephen under the stones of his enemies, Paul and Silas in prison, their feet in the stocks and yet singing psalms, Chrysostom, hunted to death like a wild animal and giving up his spirit with the sigh, "Thanks be to God for everything!" Elizabeth Fry, who goes into the prisons to work there like an angel amid the degradation, the missionaries who send themselves to the Gold Coast of Africa only to become prey to the murderous climate within a few years, the deaconesses who devote themselves to caring for lepers and overcome disgust and fear of death, many a quiet sufferer on his sickbed who cannot move and can scarcely endure the pain for decades: just ask them where they gained this immense strength. They will turn their gaze to the cross and, folding their hands in prayer, confess:
What serves for godly conduct and living, Is given me, my Savior, all in you.
Your strength was mighty in my weakness, you have fulfilled your promises to me.
The Works of God.
"God works according to the rules of geometry," read a highly educated scientific man in Texas who did not believe in God at all. He held the view that all things had come about merely by chance. "Could there really be laws and rules for everything?" he now asked himself. His eye fell upon that wonderful little flower known as the "Star of Texas." He picked it and began to examine it. He counted the stamens; there were five. He counted the petals of the corolla; there were five. He counted the sepals and found five again. He examined another flower, and then several more. He always found the same number of stamens, petals, and sepals. "How can that be?" he asked himself. "If everything arose by mere chance from itself, then surely one flower would have two stamens, another three, and a third none at all. Where things are made according to fixed rules, there must be a worker — and I know who the worker is." Gratefully he kissed the little flower through which God had revealed himself to him.
Death Notices.
On Sunday Reminiscere, March 12, the Lord called an aged, long-serving, faithful servant from his labor in the vineyard to the rest that awaits the people of God, namely Pastor Heinrich Jüngel. With him another of the oldest of our pastors has departed from us. The deceased was born near Giessen in Hesse on May 13, 1829. After completing the village school, he was confirmed at Grünberg in 1843. At the age of twenty-one he emigrated with his parents to America and came to St. Louis, where he became acquainted with Prof. C. F. W. Walther. Walther soon recognized him as a gifted young man and persuaded him to attend the practical preachers' seminary, then located in Fort Wayne. After completing his studies he entered the ministry, called by the congregation in Peru, Indiana. He later served the congregations in Cooper County, Missouri, Liverpool, Ohio, and White Creek, Indiana. In 1887 he was called by Zion congregation in Fort Wayne. He served this congregation until 1899, when he laid down his office on account of advancing age. The undersigned became his successor but had the congregation call Pastor Jüngel as assistant pastor. A severe blow struck the now departed on November 13 of last year, when his wife, who for more than fifty-five years had shared joy and sorrow with him as a faithful helper, was taken from him by death. From then on he grew ever weaker and more infirm. He longed to go home to his Savior. As often as the undersigned or another fellow pastor visited him, he would raise his hand from his sickbed and say in a weak voice, "Home, I want to go home!" When I asked whether he wished to die in faith in Jesus Christ, whom he had preached for over half a century, he answered, "Yes, where else should I go? There is salvation in no one else, nor is there any other name given among men by which we must be saved. Jesus receives sinners, all sinners, even me, the foremost among sinners, for he says: 'Come to me, all you who labor and are heavy laden, and I will give you rest.' Oh how happy I, a poor sinner, am to have such a Savior! How gladly I would wish to be with him very soon!" So he has, as we confidently hope, died in faith in his Savior and is now home with the Lord. Twelve children were born of his long and happy marriage, of whom seven are still living, four sons and three daughters. Pastor Jüngel gave all his sons to the service of the Word, three as pastors and one as a teacher. On March 14 Pastor Aug. Lange held a brief funeral service in the home, after which the precious body was brought to Zion church and laid out there, so that all members, friends, and acquaintances might have the opportunity to take one last look at the deceased. On the following day the funeral took place with strong participation of the congregation, of friends, and of the Allen and Adams County pastoral conference, at which Pastor C. F. W. Huge, a longtime, intimate friend of the deceased, read the 145th Psalm and gave a brief address on it, in which he especially emphasized that the deceased had been a humble and sincere Christian. The undersigned delivered the funeral sermon, at the deceased's own request, on 1 Tim. 1:15: "This is a faithful saying and worthy of all acceptance, that Christ Jesus came into the world to save sinners, of whom I am chief." The schoolchildren, under the direction of teacher W. Vennhoff, and a choir of the college students sang fitting choral pieces. The city pastors served as pallbearers, and the church council of Zion congregation as honorary pallbearers. Pastor Aug. Lange officiated at the grave. The time of Pastor Jüngel's pilgrimage came to 81 years, 9 months, and 29 days. Well done, good and faithful servant; you have been faithful over a few things, and now your Lord and Savior has set you over many things and let you enter into his joy.
H. Lühr.
On April 11, as we confidently hope, there fell asleep blessed in the Lord Pastor Wilhelm Endeward. The deceased was born on October 2, 1839, in Drohe, Hanover. There he attended the village school until his confirmation. Soon after his fourteenth year he lost his father. A Christian doctor took him in and stood in a father's place to him. Through this doctor he often came into contact with people who spoke much with him about the mission house in Hermannsburg. This awakened in him too the desire to visit the mission house, in order to be trained there as a missionary. So, after fulfilling his military duty, he entered there as a student at the age of twenty-six. In 1871 he came to America to our seminary in St. Louis. After passing his examination he was