Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 67, Nummer 12 › Seite 191

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1911-06-13, Seite 191

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mand begehrte meiner, bis gegen Ende Februar 1856 ein Beruf der Zionsgemeinde in New Orleans an mich gelangte, den ich annahm. Während meiner Anwesenheit in St. Louis hatte ich mich in etwas nützlich machen können dadurch, daß ich an dem Gymnasium den grammatischen Unterricht erteilte im Griechischen, Lateinischen und Deutschen, durch alle Klassen. So ging ich denn zu Ende Februar nach New Orleans und wurde von P. C. C. Metz inmitten meiner Gemeinde ordiniert. Die Gemeinde war arm, und infolgedessen war ich sehr arm. Doch sind wir keinen Tag hungrig zu Bette gegangen oder ohne die nötige Kleidung gewesen, wiewohl später noch, selbst von Gemeindegliedern, solche Bemerkungen gemacht wurden: „Herr Pastor, Ihr Rock sieht gar nicht geistlich aus"; und mit Recht, denn ich hatte ihn, weil er billig war, von einem hausierenden Juden gekauft. Dies berichte ich nicht als eine Klage, sondern damit die gegenwärtige und die künftige Generation sehe, wie die Zeiten sich geändert haben. Die Zeit der Armut war eine überaus köstliche und gesegnete für mich und, wie ich glaube, auch für meine Gemeinde, denn wir lebten eine lange Reihe von Jahren miteinander in dem besten Einvernehmen. Auch an Missionsversuchen haben wir es nicht fehlen lassen. Abwechselnd predigten wir, P. Metz, P. J. List und ich, in Jefferson City, um eine sich lutherisch nennende evangelische Gemeinde zu gewinnen, die sich unsere Predigten gern gefallen ließ, weil sie während der Zeit keinen Pfarrersgehalt zu zahlen brauchte und unterdes das Geld zu einer neuen Kirche sammelte. Doch nach geraumer Zeit wurden wir plötzlich enttäuscht, denn an einem Sonntage, an welchem P. Metz dort predigen wollte, wurde ihm mitgeteilt: man bedürfe unserer Dienste nicht mehr, weil sich die Gemeinde einen Missionar von Basel verschrieben habe, der jetzt angekommen sei. Nicht besser ist es mir in Carrollton gegangen, als ich in den Jahren 1877 und 1878 predigte in der sich lutherisch nennenden Gemeinde, die sich zu Anfang 1879 einen Schullehrer als Prediger zulegte, der versprochen hatte, er wolle allen Fleiß daran setzen, sich im Predigen zu üben. Diese Gemeinde hat keinen Bestand gehabt, und das Kircheneigentum ist für unsere Negermission angekauft worden. Auch der Schule der Zionsgemeinde habe ich zwei Jahre lang gedient; zuerst von Herbst 1856 bis dahin 1857, indem ich die durch den Weggang des Kantor Bünger eingegangene Schule wieder aufrichtete und ein Jahr lang verwaltete, bis wieder ein Schullehrer eintraf; sodann, als uns Lehrer Conzelmann im Jahre 1865 verließ, bis wir einen andern Lehrer erlangten. Im Jahre 1866 hatte ich die St. Johannisgemeinde mit zu versorgen, während P. Metz nach Deutschland gereist war, und ebenso im folgenden Jahre, wo die Gemeinde vakant geworden war durch den Weggang des P. Metz. Da befiel mich im Oktober 1867, während der großen Epidemie, ganz unerwartet das gelbe Fieber, welches mich und meine Familie (mit Ausnahme meiner ältesten Tochter) selbst in dem grausigen Fieberjahre 1858 verschont hatte, obwohl ich fortwährend bei Tag und bei Nacht mit Gelbfieberkranken zu tun gehabt hatte und im Charity Hospital, in welchem zu derselben Zeit durchschnittlich tausend Gelbfieber-Patienten untergebracht waren, von Bett zu Bett wanderte. Denn wenn ich bei einem gewesen war und ihm Zuspruch getan hatte, so riefen mich alsbald von allen Seiten andere Kranke, auch Katholiken, und begehrten geistliche Erquickung. Einmal, als ich vier Tage lang fast keinen Schlaf bekommen hatte (denn ich versah die Krankenpflegerstelle bei meiner Tochter, weil ich meine Frau und mein kleines Kind nicht der Ansteckung aussetzen wollte) und mich im Bette zur Ruhe gelegt hatte, wurde ich nach etwa zwei Stunden wieder herausgeklingelt und an ein Krankenbett gerufen. — Ich will hier nur ein Beispiel aus dem Jahre 1867 anführen, mit welcher erstaunlichen Schnelligkeit diese Seuche bisweilen ihr Mordwerk ausrichtet. Morgens 9 Uhr ging ich bei der Wohnung K.s vorbei und sah dessen junge Frau mit ihrem Kindlein auf dem Schoße vor der Tür sitzen. Ich fragte sie, meine frühere Konfirmandin: „Adeline, wie geht's?" Sie antwortete: „Herr Pastor, ich fühle mich sehr schlecht." Drei Stunden später trat ihr Vater bei mir ein und meldete mir: „Adeline ist tot!"

In diesem Jahre (1867) starben nicht allein viele Eingeborene, die man vielfach für immun hält, sondern auch Leute, welche in der schrecklichen Epidemie 1853 Krankenwärterdienste getan hatten, ohne von der Seuche befallen zu werden. Im Jahre 1853 starben am gelben Fieber über 13,000 Personen; im Jahre 1858 allein an derselben Krankheit 4544; im Jahre 1867 bis zum 5. November 2950; im Jahre 1878 (wo ich das gelbe Fieber zum zweitenmal erlitt) bis zum 31. Oktober 3929; doch war zu der Zeit die Seuche noch nicht erloschen, denn ich hatte noch am 1. Januar 1879 Besuche zu machen bei Gelbfieberkranken in der von mir bedienten Gemeinde zu Carrollton. Erst ganz allmählich erholte ich mich 1867 von meiner Krankheit, und nur mit großer Anstrengung war ich imstande, meine Amtstätigkeit wieder aufzunehmen. Der Verkehr mit Gelbfieberkranken ist für einen Prediger nicht bloß beschwerlich, weil die Kranken durch große Chiningaben häufig sehr schwerhörig sind, so daß man den Mund ihrem Ohre nahebringen muß, sondern auch sehr ekelerregend, namentlich nach dem Eintritt des black vomit, welches einen entsetzlichen Geruch an sich hat. Bei einer dieser großen Epidemien hat es sich zugetragen, daß man einen Doktorwagen mitten in der Straße halten sah. Es war das Fuhrwerk des Dr. Jones. Der Doktor war eingeschlafen vor großer Müdigkeit, ebenso der Kutscher und das Pferd. — Von allen Pastoren unserer Synode bin ich der einzige, der diese großen Epidemien durchgemacht hat und noch am Leben ist, denn alle andern sind entweder am gelben Fieber gestorben oder während der Epidemie abwesend gewesen.

Zur kirchlichen Chronik.

Amerika.

Über unsere letzte Delegatensynode schreibt uns ein älterer Pastor unserer Synode, der selbst nicht zugegen war, aber aus mündlichen und gedruckten Berichten sich ein Urteil gebildet hat, folgende Worte, die unsers Erachtens jeder, der die Versammlung besucht hat, unterschreiben wird: „Auf der Delegatensynode ist ja dieses Jahr tüchtig gearbeitet worden. Und wenn man die Berichte liest, dann war auch kein Mißklang, sondern große Einmütigkeit und Brüderlichkeit, wie man sie in früheren Jahren gewohnt war, aber in den letzten Jahren etwas vermißt hat. Selbst die Addisoner Angelegenheit, die ja freilich schwierig genug war, ist im Grunde doch sachlich behandelt worden. Ich glaube, man wird keinen zweiten Körper finden, in welchem es so gemütlich und brüderlich hergeht wie bei uns, obwohl bei der Größe unserer Synode selbst Bekannte einander fremd werden und man mit vielen nie bekannt wird, und dabei die Interessen

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one asked for my services, until toward the end of February 1856 a call from Zion congregation in New Orleans reached me, which I accepted. During my stay in St. Louis I had been able to make myself somewhat useful by giving grammar instruction in Greek, Latin, and German at the Gymnasium, through all the classes. So at the end of February I went to New Orleans and was ordained by Pastor C. C. Metz in the midst of my congregation. The congregation was poor, and as a result I was very poor. Yet we never went to bed hungry a single day, nor lacked necessary clothing, although later even members of the congregation made remarks such as: "Pastor, your coat doesn't look at all clerical"; and rightly so, for I had bought it, because it was cheap, from a peddling Jew. I report this not as a complaint, but so that the present and future generation may see how times have changed. That time of poverty was an exceedingly precious and blessed one for me and, I believe, for my congregation as well, for we lived together for a long series of years in the best of harmony. Nor did we fail to attempt mission work. In turn we preached — Pastor Metz, Pastor J. List, and I — in Jefferson City, to win over an evangelical congregation calling itself Lutheran, which was quite willing to accept our preaching, because during that time it needed to pay no pastor's salary and meanwhile collected money for a new church. But after some time we were suddenly disappointed, for on a Sunday when Pastor Metz was to preach there, he was informed: our services were no longer needed, because the congregation had engaged a missionary from Basel, who had now arrived. Things went no better for me in Carrollton, when in the years 1877 and 1878 I preached in the congregation calling itself Lutheran, which at the beginning of 1879 took on a schoolteacher as preacher, who had promised he would apply all diligence to practicing preaching. This congregation did not last, and the church property was bought up for our Negro mission. I also served the school of Zion congregation for two years; first from fall 1856 until 1857, restoring the school that had lapsed through the departure of cantor Buenger and administering it for a year, until another schoolteacher arrived; and again, when teacher Conzelmann left us in 1865, until we obtained another teacher. In 1866 I also had to care for St. John's congregation, while Pastor Metz had traveled to Germany, and likewise the following year, when the congregation had become vacant through Pastor Metz's departure. Then in October 1867, during the great epidemic, yellow fever struck me quite unexpectedly, having spared me and my family (with the exception of my eldest daughter) even in the dreadful fever year of 1858, although I had continually dealt with yellow fever patients day and night and had gone from bed to bed in the Charity Hospital, where at that time on average a thousand yellow fever patients were housed. For whenever I had been with one patient and given him comfort, other sick people at once called me from every side, Catholics too, and asked for spiritual comfort. Once, when for four days I had gotten almost no sleep (for I was tending the sickroom at my daughter's, since I did not want to expose my wife and small child to infection) and had lain down in bed to rest, I was rung out of bed again after about two hours and called to a sickbed. — Let me cite here just one example from the year 1867 of the astonishing speed with which this plague sometimes carries out its work of death. At nine in the morning I passed by K.'s dwelling and saw his young wife sitting before the door with her little child on her lap. I asked her, my former confirmand: "Adeline, how are you?" She answered: "Pastor, I feel very bad." Three hours later her father came to me and reported: "Adeline is dead!"

In that year (1867) not only did many native-born people die, who are often thought to be immune, but also people who had served as nurses in the dreadful epidemic of 1853 without being struck by the plague. In 1853 more than 13,000 persons died of yellow fever; in 1858, from the same disease alone, 4,544; in 1867, up to November 5, 2,950; in 1878 (when I suffered yellow fever for the second time), up to October 31, 3,929; yet at that time the plague had not yet died out, for as late as January 1, 1879, I still had to make visits to yellow fever patients in the congregation I served at Carrollton. Only very gradually did I recover from my illness in 1867, and only with great effort was I able to resume my official duties. Dealing with yellow fever patients is not only burdensome for a preacher because the sick, from large doses of quinine, are frequently very hard of hearing, so that one must bring one's mouth close to their ear, but also very disgusting, especially after the onset of the black vomit, which carries a dreadful odor. During one of these great epidemics it happened that a doctor's carriage was seen standing in the middle of the street. It was the rig of Dr. Jones. The doctor had fallen asleep from great weariness, as had the driver and the horse. — Of all the pastors of our Synod I am the only one who has lived through these great epidemics and is still alive, for all the others have either died of yellow fever or were absent during the epidemic.

On the Church Chronicle.

America.

Concerning our last Delegate Synod, an older pastor of our Synod, who was not present himself but has formed a judgment from oral and printed reports, writes us the following words, which in our opinion everyone who attended the assembly will subscribe to: "At the Delegate Synod good work was indeed done this year. And when one reads the reports, there was no discord either, but great unanimity and brotherliness, such as one was accustomed to in earlier years but has somewhat missed in recent years. Even the Addison matter, difficult enough though it certainly was, was after all dealt with objectively at bottom. I believe one will find no second body in which things go along so congenially and fraternally as with us, although given the size of our Synod even acquaintances become strangers to one another and one never becomes acquainted with many, and in the process the interests