Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 67, Nummer 12 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1911-06-13, Seite 187
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gemäß mit Ehrerbietung begegnen. In dem, was wir dem Nächsten tun sollen, sollen wir nicht träge sein, sondern voll Eifer, ihm zu dienen. Wir sollen brünstig sein im Geist, voll Verlangen zu helfen und Gutes zu tun; aber dabei sollen wir nicht unbesonnen zufahren, sondern uns in die Zeit schicken, das heißt, zusehen, welcherlei Hilfe von Zeit und Umständen erfordert wird. Wie wir für unsere eigene Person fröhlich sein sollen in der ewigen Hoffnung und daher geduldig in Trübsal und anhaltend am Gebet, so sollen wir uns der Heiligen Notdurft annehmen, daß ihre Hoffnung gemehrt, ihre Trübsal gemindert, ihr Gebet freudig gestärkt werde. So sollen wir auch gerne herbergen, sonderlich Verfolgte und Verjagte, ja, wir sollen uns zu solchem Herbergen mit Liebeseifer drängen. Werden wir selbst verfolgt, so sollen wir unsere Verfolger segnen — segnen und nicht fluchen. Und was unsere Brüder und Mitchristen anlangt, so sollen wir uns freuen mit den Fröhlichen und weinen mit den Weinenden. Wir sollen einerlei Sinn untereinander haben, uns durch die Liebe in die Lage unsers Nächsten hineinversetzen und mit ihm fühlen. Wir sollen nicht hochfahrend nach hohen Dingen trachten, sondern uns liebreich herunterhalten zu den niedrigen. Wir sollen uns nicht selbst für klug halten und meinen, daß unsere Meinung immer gelten müsse.
Und was unsern Umgang mit Weltmenschen anlangt, so soll uns auch da die Liebe regieren. Wir sollen nicht Böses mit Bösem vergelten. Wir sollen uns der Ehrbarkeit gegen jedermann befleißigen, vor aller Augen einen ehrbaren, einen christlich ehrbaren Wandel führen. Die Augen der Welt sind scharf auf die Christen gerichtet. Ist es möglich, soviel an uns ist, so sollen wir mit allen Menschen Frieden haben. O liebste Christen, rächet euch selber nicht, sondern gebet Raum dem Zorn, dem Zorn Gottes: der wird rächen, wo zu rächen ist, dem alleine steht das Rächen zu; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der HErr.“ So nun deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn. Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln: deine Liebe wird ihn brennen und ihn sein Böses, das er dir zugefügt hat, bereuen machen. Laß dich nicht das Böse, das dir dein Feind tut, überwinden, daß du auch Böses tust, sondern überwinde das Böse mit Gutem!
So werden wir Christen ermahnt „durch die Barmherzigkeit Gottes“.
C. M. B.
Die Christengemeinde zu Banihambadi, Indien.
„Gehet hin, machet zu Jüngern alle Völker!“ so lautet wortwörtlich der Missionsbefehl unsers Heilandes, Matth. 28, 19. „Machet zu Jüngern alle Völker“ — das ist die Aufgabe seiner Kirche auf Erden. Auch hier im Tamulenlande Heiden zu Jüngern JEsu zu machen und zu Gemeinden zu sammeln, ist ein euch befohlenes Werk, ihr Glaubensgenossen unserer teuren Synode.
Wir Missionare, einige wenige Männer, von euch berufen und gesandt, wohnen hier im Heidenlande, von einem wahren Völkermeere umgeben — es sind die Hindus in ihren Geschlechtern: Brahminen, Sudras, Parias, dazu auch Mohammedaner. Die gesellschaftliche Ordnung dieser Heiden ist die der Kaste. Durch Josephs Geschichte wissen wir schon aus der Heiligen Schrift etwas von der Kaste in Ägyptenland. 1 Mos. 43, 32 lesen wir: „Denn die Ägypter dürfen nicht Brot essen mit den Ebräern; denn es ist ein Greuel vor ihnen.“ Mit diesen Worten ist die Kaste gezeichnet. Kaste ist ausschließende Klasse. Eine Klasse schließt immer die andere aus, namentlich von Eß- und Ehegemeinschaft. Diese Gesellschaftsform läßt die Hindus etwas unnahbar und vornehm erscheinen. Aber sie sind allzumal voller Aberglauben und Finsternis. Ihre Religion ist nichts als ein einziger Selbst-, Götzen-, Fleisch- und Teufelsdienst. Und sie sind so konservativ, daß auch die niedrigsten Kasten, die Parias, festhalten an den Sitten und Gebräuchen ihrer Väter, voller Sünden und Missetaten. Ihre Religion zu verlassen, ist ein Greuel in ihren Augen.
Diese Leute sollen wir zu Jüngern JEsu machen. Ist es ein Wunder, wenn wir vor solcher Aufgabe erschrecken? Wir würden verzagen, wüßten wir nicht, daß unser allmächtiger und erhöhter König selbst es ist, der die Völker zu seinen Jüngern macht, und daß wir nur seine Handlanger sind. So tun wir denn, was uns befohlen ist, gehen unter die Heiden und lassen das Wort des Lebens unter ihnen leuchten.
Und nun begleite mich einmal, lieber Leser, im Geist auf unser Missionsgehöft; ich will dir etwas zeigen. Hier siehst du zuerst unser Wohnhaus. Daneben siehst du unser Kirchlein stehen, denn wir haben eine kleine Gemeinde. Laß uns eintreten! Siehe, es ist eine wirkliche Kirche. Wenn mein Auge sinnend auf dem Altar ruht, so muß ich immer an Abraham denken, wie von ihm 1 Mos. 12, 8 geschrieben steht: „Und er bauete daselbst dem HErrn einen Altar, der ihm erschienen war.“ Hier, an unserm Altar, wird die Liturgie gehalten im Gottesdienst, hier werden die Konfirmanden eingesegnet, hier wird das heilige Abendmahl verwaltet, hier werden die Verlobten zu Ehepaaren zusammengegeben. Rechts vom Altar steht der einfache Taufstein. Die Weltmeere können unsere Sünden nicht abwaschen; hier aber fließt der rechte Jordan in seinem Reich, das gnadenreiche Wasser des Lebens, das einzige Wasser mit Gottes Wort verbunden, welches unsere Seelen reinigt von aller Sünde. Dem Taufstein gegenüber befindet sich die hübsche Kanzel. Von hier aus strömt das Wort der Predigt hinein in die Herzen der andächtigen Gemeinde. In der Mitte befindet sich das Schiff der Kirche; es bietet Platz für mehr als hundert Personen. Hinter dem Schiff, dem Altar entgegengesetzt, siehst du das Orgelchor. Unsere Kostschulknaben singen auf demselben. Ein Harmonium begleitet mit unsern bekannten heimischen Melodien den Gesang. Draußen aber weist ein kleiner Turm wie ein Zeigefinger gen Himmel. Es hängt ein Glöcklein darin, welches die Zeit des Gottesdienstes ansagt und die Gemeinde zusammenruft.
Doch der schönste Schmuck der Kirche ist die darin versammelte Gemeinde. Es schadet nichts, daß sie nur aus armen Parias besteht. Jeden Sonntagvormittag um zehn Uhr versammeln sich in dieser Kirche etwa siebzig Seelen. Neulich taufte ich den hundertsten Täufling unserer Station. Einige derselben sind schon selig entschlafen, andere sind fortgezogen und von diesen einige untreu geworden. Gegenwärtig besteht unsere Gemeinde aus sechsundachtzig Seelen. Zu Ostern werden mit Gottes Hilfe weitere sechs Seelen durch die heilige Taufe hinzugefügt werden. Jahrelang arbeitete ich ohne sichtbaren Erfolg. Darum ist mein Herz über diese Gemeinde von tiefstem Danke gegen Gott erfüllt.
English translation AI translation
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respond to him accordingly with reverence. In what we ought to do for our neighbor, we should not be lazy but full of zeal to serve him. We should be fervent in spirit, full of desire to help and to do good; but in doing so we should not act rashly, but adapt ourselves to the time — that is, consider what kind of help the time and circumstances require. Just as we ourselves should be joyful in the eternal hope, and therefore patient in tribulation and constant in prayer, so we should take up the needs of the saints, so that their hope may be increased, their tribulation lessened, and their prayer joyfully strengthened. We should likewise gladly give lodging, especially to the persecuted and the banished; indeed, we should press eagerly toward such hospitality out of zeal for love. If we ourselves are persecuted, we should bless our persecutors — bless and not curse. And as for our brothers and fellow Christians, we should rejoice with those who rejoice and weep with those who weep. We should be of one mind among ourselves, putting ourselves through love into our neighbor's situation and feeling with him. We should not proudly aspire to high things, but lovingly stoop to the lowly. We should not consider ourselves wise, nor think that our opinion must always prevail.
And as for our dealings with worldly people, there too love should govern us. We should not repay evil with evil. We should strive for honorable conduct toward everyone, leading an honorable, a Christianly honorable life before the eyes of all. The eyes of the world are sharply fixed on Christians. As much as it depends on us, we should be at peace with all people. O dearest Christians, do not avenge yourselves, but leave room for wrath, for the wrath of God: he will avenge where vengeance is due, for vengeance belongs to him alone; for it is written: "Vengeance is mine, I will repay, says the Lord." So if your enemy is hungry, feed him; if he is thirsty, give him drink. For in doing this you will heap burning coals on his head: your love will burn him and make him repent of the evil he has done you. Do not let the evil your enemy does overcome you, so that you too do evil, but overcome evil with good!
So we Christians are exhorted "through the mercy of God."
C. M. B.
The Christian Congregation at Banihambadi, India.
"Go, make disciples of all nations!" So runs, word for word, the mission command of our Savior, Matt. 28:19. "Make disciples of all nations" — that is the task of his church on earth. Making heathen disciples of Jesus here in the Tamil country as well, and gathering them into congregations, is a work commanded to you, fellow believers of our dear Synod.
We missionaries, a few men called and sent by you, live here in the heathen land, surrounded by a veritable sea of peoples — the Hindus in their classes: Brahmins, Sudras, Pariahs, and also Mohammedans besides. The social order of these heathen is that of caste. From the story of Joseph we already know something from Holy Scripture about caste in the land of Egypt. In Gen. 43:32 we read: "The Egyptians could not eat bread with the Hebrews, for that is an abomination to the Egyptians." These words mark out caste. Caste is an exclusive class. One class always excludes another, particularly from fellowship in eating and marriage. This form of society makes the Hindus seem somewhat unapproachable and refined. But they are altogether full of superstition and darkness. Their religion is nothing but a single service of self, of idols, of the flesh, and of the devil. And they are so conservative that even the lowest castes, the Pariahs, hold fast to the customs and practices of their fathers, full of sins and misdeeds. To leave their religion is, in their eyes, an abomination.
These are the people we are to make disciples of Jesus. Is it any wonder that we are alarmed at such a task? We would despair, did we not know that it is our almighty and exalted King himself who makes the nations his disciples, and that we are only his instruments. So we do what we are commanded: we go among the heathen and let the word of life shine among them.
And now, dear reader, come with me in spirit to our mission compound; I want to show you something. Here you first see our dwelling house. Beside it you see our little church standing, for we have a small congregation. Let us go in! See, it is a real church. When my eye rests thoughtfully on the altar, I always think of Abraham, as it is written of him in Gen. 12:8: "And there he built an altar to the Lord, who had appeared to him." Here, at our altar, the liturgy is held in worship; here the confirmands are blessed; here the Holy Supper is administered; here the betrothed are joined together as husband and wife. To the right of the altar stands the simple baptismal font. The world's oceans cannot wash away our sins; but here flows the true Jordan in his kingdom, the gracious water of life, the only water joined with God's Word, which cleanses our souls from all sin. Opposite the font is the handsome pulpit. From here the word of the sermon flows into the hearts of the devout congregation. In the middle is the nave of the church; it holds room for more than a hundred people. Behind the nave, opposite the altar, you see the organ loft. Our boarding-school boys sing there. A harmonium accompanies the singing with our familiar native melodies. Outside, a small tower points like a forefinger toward heaven. A little bell hangs in it, which announces the time of worship and calls the congregation together.
But the finest ornament of the church is the congregation gathered within it. It does not matter that it consists only of poor Pariahs. Every Sunday morning at ten o'clock about seventy souls gather in this church. Recently I baptized the hundredth person baptized at our station. Some of them have already fallen asleep in blessedness; others have moved away, and of these some have become unfaithful. At present our congregation numbers eighty-six souls. At Easter, with God's help, six more souls will be added through holy baptism. For years I worked without visible success. Therefore my heart is filled with the deepest thanks to God for this congregation.