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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-11-24, Seite 37
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Der LCutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 3.
St. Louis, Mo., den 1. December 1846.
No. 7.
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte
vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Friedrich Myeconius.
Eine lehrreiche und erbauliche Lebens geſchichte,
aus alten Schriften neu erzaͤhlt.
(Schluß.)
Viertes Kapitel.
Von Myconii Krankheit und ſeinem ſeligen Abſchied aus
dieſer Zeit.
Es war Zeit, daß Myconius heimkehrte.
Seine eifrige Thätigkeit in Leipzig ſchien ſeine
letztejKraft aufgezehrt zu haben. Er kam ſchon
mit ſehr geſchwächter Geſundheit nach Gotha
zurück, und es bildete ſich bald völlige Schwind⸗
ſucht bei ihm aus, ſo daß ſeine Kräfte ganz da—
hin ſchwanden, und er alle Hoffnung des Le⸗
bens aufgab.
Damals war es nun, wo Luther an den kran—
ken Freund jenen bekannten glaubenskühnen
Brief ſchrieb, den wir am liebſten ganz herſetzen
möchten, wenn der Raum es litte. Hören wir
wenigſtens das Hauptſächlichſte. Nachdem er
im Eingang geſagt, daß es ihn ſehr freue zu
ſehen, wie Myconius ſo getroſt und nner—
ſchrocken gegen den Tod ſei, fähret er fort:
„Doch bitte ich und flehe den HErrn JEſum
an, welcher iſt unſer Leben, Heil und Geſund—
heit, daß er mirs zu dieſem Unglück nicht kom—
men laſſe, daß ich erleben und ſehen ſollte, daß
Ihr oder Etliche der Unſern ſolltet mir zuvor—
kommen, hindurchdringen und reißen durch den
Vorhang zur Ruhe und mich hinter Euch, hier
in dieſer argen falſchen Welt, mitten unter den
Teufeln laſſen, daß ich nach Eurem Abgang noch
länger müßte mehr Plage und Marter ausſtehen,
der ich mehr denn genug, nun etlich und zwan—
zig Jahre her, erduldet und erlitten habe und
derhalben wohl werth wäre, (hätte es auch um
die Welt nur ſehr wohl verdient,) daß ich euch
allen zuvorkäme und im HErrn entſchliefe.
Alſo begehre ich und bitte ich, daß mich der
liebe Gott an Euer Statt wollte laſſen krank
werden und mich heißen ablegen dieſe meine
Hütten, die nun ausgearbeitet und gedient hat,
verzehret und kraftlos worden und derhalben
untüchtig iſt, ſehe es auch, daß ich Niemand
mehr nütze bin. Derhalben bitte und ermahne
ich Euch mit Ernſt, daß Ihr ſammt uns den
lieben Gott wollet bitten, daß er Euch länger
beim Leben erhalten wolle, zum Dienſt und
Beſſerung ſeiner Kirchen und dem Teufel zu
Spott und Verdrieß.“ Und am Schluſſe ſagt
er abermals:
„Gehabt Euch wohl, mein lieber Ehr Frie—
drich, der HErr laſſe mich ja nicht hören, ſo
lange ich lebe, daß Ihr geſtorben ſeid, ſondern
ſchaff's, daß Ihr mich überlebet. Das bitte ich
mit Ernſt, wills auch gewähret ſein und ſo ha—
ben, und mein Wille ſoll hierinnen geſchehen.
Amen. Denn dieſer mein Wille ſucht die Ehre
des göttlichen Namens, nicht meine Ehre noch
Luſt; das iſt gewißlich wahr. Gehabt Euch
abermal wohl in dem HErrn, wir bitten von
Herzen für Euch und bewegt und betrübt uns
Eure Krankheit nicht wenig. Geben am Sonn—
tag nach Epiphaniä Anno 1541.“
Und es geſchah in der That, wie Luther ge—
beten hatte. Myconius genas wenigſtens inſo—
weit wieder, daß er noch immer für die ihm
anvertraute Gemeinde und für die Kirche
Chriſti überhaupt thätig ſein konnte. So be—
gleitete er z. B. den Kurfürſten zum Reichstag
nach Speier im J. 1542 und machte ſich vor⸗
züglich um Erhaltung und angemeſſene Verwen—
dung der geiſtlichen Güter ſehr verdient. Am
meiſten machte ihm ſeine Heiſerkeit zu ſchaffen.
„Ich habe noch immer—ſchrieb er im Februar
1544 an Luther—mit meiner Krankheit viel
zu ſchaffen; aber, wenn ich auch nicht ſchreien
kann, ſo höre ich doch nicht auf, gegen den Sa—
tau zu murren und die Streiter des HErrn
anzutreiben, welche eine helle Stimme haben
und wacker zum Streite ſind. Auch habe ich
beſchloſſen, ehe ich ſterbe, Euch, ſo Gott will,
in Wittenberg zu beſuchen und perſönlich von
Euch Abſchied zu nehmen, ehe wir uns in einem
andern Lichte ſehen und umfangen.“ Luther
antwortete: „Ich wollte freilich gern, Ihr be—
fändet euch beſſer; aber ſo Ihr ſehet, daß es
mit der Sprache nicht gehen will, ſo bitte ich
Euch, Ihr wollet Eure Geſundheit bedenken
und Euch nicht noch ein größer Uebel zuziehn.
Iſts doch beſſer, Ihr lebt, wenn auch halb
ſtumm, als daß Ihr mit heller Stimme ſterbt.
Ihr könnet auch als ein halb Todter noch den
Kirchen mit Eurem Rath und Anſehen helfen.
Ihr ſeht ja auch, wie nöthig die alten gedien—
ten Streiter Chriſti ſind, damit durch ſie die
nachwachſende und noch zarte Jugend geſtärkt
werde, die einmal unſern Platz einnehmen ſoll.
Wenn auch der heilige Geiſt Alles ohne uns
kann, ſo will er uns doch nicht umſonſt ins
Amt gerufen haben, ſondern daß wir ſeine
Werkzeuge ſein ſollen.“
Noch hatte Myconius, ehe er aus dieſer
Zeit ging, mit ſeinen Gothaern eine Zeit großer
Noth zu durchleben, indem am 31. October
1545 ein großer Theil der Stadt niederbrannte.
Melanchthon ſchrieb au Myconius ein ſchönes
Troſtſchreiben und ſandte im Namen der Wit⸗
tenberger Univerſität 100 Gulden. Bald dar—
auf aber ward unſer Myconius aufs Neue von
ſeiner Krankheit ergriffen. Er hatte, wie eriſelbſt
ſagt, durch des ehrwürdigen Vater Luthers Be-—
fehl, Gebet und Briefe im Jahr 1541, gleich⸗
ſam von den Todten erweckt, nun ſechs Jahre
in der Schwachheit, ja wie im Tode ſelbſt da—
hin gelebt, und doch die Geſchäfte eines leben—
digen Menſchen verrichtet und, ſo viel er konnte,
ſich bis zum 4. Advent d. J. 1545 allen Amts⸗
handlungen unterzogen. An dieſem Tage er—
mahnte er, da er merkte, daß ſeine Krankheit
wiederkehrte, die Gemeinde mit großer In—
brunſt, mit der Stimme eines Predigers in
der Wüſten, ſie möchten dem HErrn den Weg
bereiten und ſeine Straße richtig machen und
alle Hinderniſſe aus ihrem Herzen wegthun,
damit ſie bereitet wären, das Heil Gottes und
unſern Richter zu empfangen, der für uns und
wider die Gottloſen und den Satan, den Für—
ſten dieſer Welt, den letzten Spruch thun und
alsbald ausführen werde. Gleich darauf er—
krankte er.
Aber auch auf ſeinem Krankenlager und mit—
ten unter ſeinen Schmerzen lag ihm die Kirche
Gottes am Herzen, wie das Folgende uns zei—
gen wird. Im Jahr 1546 ſollte zu Regens-—
burg ein Reichstag, zuvor aber zwiſchen den
Katholiſchen und Evangeliſchen ein Reli—-—
gionsgeſpräch gehalten werden. Daran
ſollte nach des Kurfürſten Willen auch unſer
Myconius Theil nehmen. Ehe aber deßhalb
der Ruf an ihn erging, hatte er einen merkwür—
digen Traum, den wir unſern Leſern, ſo wenig
wir ſonſt auf Träume halten, nicht vorenthal—
ten dürfen, denn dieſer Traum, gleich wie der,
welchen Myconius bei ſeinem Eintritt ins
Kloſter hatte, iſt, wenn weiter nichts, doch ge⸗
wiß ein Zeugniß eines geiſtlich gerichteten Ge—
müths, deſſen höchſtes Sinnen und Denken
ſeine und andrer Seelen Seligkeit und Gottes
Ehre und ſeines Reiches Förderung war. Auch
dieſen Traum mag uns Myconius ſelbſt er—
zählen:
„Ich träumte, ich würde an den Hof' des
Kurfürſten von Sachſen gerufen, und als ich
dahin gekommen war, wars ein Ort, den ich
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor ever."
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 3.
St. Louis, Mo., December 1, 1846.
No. 7.
Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and must also bear the postage. — In St. Louis each single issue is sold for 5 cents.
Friedrich Myconius.
An instructive and edifying life story, newly retold from old writings.
(Conclusion.)
Chapter Four.
On Myconius's Illness and His Blessed Departure from This Life.
It was time for Myconius to return home. His zealous activity in Leipzig seemed to have consumed his last strength. He came back to Gotha already in greatly weakened health, and he soon developed full-blown consumption, so that his strength wasted away entirely, and he gave up all hope of life.
It was then that Luther wrote to his sick friend that well-known letter, so bold in faith, which we would gladly reproduce here in full, if space allowed. Let us at least hear its main substance. After saying at the outset that it pleased him greatly to see how composed and undaunted Myconius was in the face of death, he continues:
"Yet I beg and implore the Lord Jesus, who is our life, salvation, and health, that he not let this misfortune befall me — that I should live to see you, or some of our own, go before me, break through and tear through the veil to rest, and leave me behind you here in this wicked, false world, in the midst of devils, so that after your departure I should have to endure still longer more torment and torture — I who for more than twenty-some years now have endured and suffered more than enough, and who would well deserve (indeed, would have earned it well, even at the cost of the world) to go before you all and fall asleep in the Lord. Therefore I desire and ask that dear God would, in your place, let me fall sick and bid me lay aside this tabernacle of mine, which has now been worked to the full and has done its service, has been consumed and rendered powerless, and is therefore unfit — for I see indeed that I am of use to no one any longer. Therefore I beg and earnestly admonish you, that you, together with us, would ask dear God that he would preserve you longer in life, for the service and betterment of his churches, and to the Devil's mockery and vexation."
And at the close he says again:
"Fare you well, my dear Master Friedrich; may the Lord not let me hear, so long as I live, that you have died, but rather grant that you outlive me. This I ask in earnest; I wish it granted and would have it so, and my will shall be done in this matter. Amen. For this will of mine seeks the honor of the divine Name, not my own honor or pleasure; that is certainly true. Fare you well again in the Lord; we pray for you from the heart, and your illness troubles and grieves us not a little. Given on the Sunday after Epiphany, in the year 1541."
And it happened indeed as Luther had prayed. Myconius recovered at least to the extent that he was still able to labor for the congregation entrusted to him and for the church of Christ in general. Thus, for example, he accompanied the Elector to the Diet at Speyer in the year 1542, and rendered especially valuable service in preserving and properly applying the church's properties. His hoarseness troubled him most of all.
"I still have much trouble" — he wrote to Luther in February 1544 — "with my illness; but even though I cannot cry out, I do not cease to grumble against Satan and to spur on the soldiers of the Lord, who have a clear voice and are valiant for the fight. I have also resolved, before I die, to visit you in Wittenberg, God willing, and to take leave of you in person, before we see and embrace one another in another light." Luther answered: "I would certainly wish that you were feeling better; but since you see that your voice will not cooperate, I ask you to consider your health and not bring upon yourself some still greater affliction. It is better that you live, even if half mute, than that you die with a clear voice. Even as a half-dead man you can still help the churches with your counsel and standing. You see indeed how necessary the old, seasoned soldiers of Christ are, so that through them the growing and still tender youth, who are one day to take our place, may be strengthened. Even though the Holy Spirit can do all things without us, he did not wish to have called us into office for nothing, but rather that we should be his instruments."
Before Myconius departed this life, he still had to live through, with his people of Gotha, a time of great distress, when on October 31, 1545, a large part of the city burned down. Melanchthon wrote Myconius a beautiful letter of comfort and sent, in the name of the University of Wittenberg, 100 gulden. But soon afterward our Myconius was seized once more by his illness. As he himself said, through the command, prayer, and letters of the venerable father Luther, he had in the year 1541 been, as it were, raised from the dead, and had now lived six years in weakness — indeed, as if already in death — and yet had performed the business of a living man and, as far as he was able, had carried out all his official duties up to the Fourth Sunday in Advent of the year 1545. On that day, sensing that his illness was returning, he exhorted the congregation with great fervor, with the voice of a preacher in the wilderness, that they should prepare the way of the Lord and make his paths straight, and put away all hindrances from their hearts, so that they might be ready to receive the salvation of God and our Judge, who would pronounce and soon execute the final sentence for us and against the ungodly and Satan, the prince of this world. Immediately afterward he fell ill.
But even on his sickbed and in the midst of his pains, the church of God lay on his heart, as the following will show us. In the year 1546 a Diet was to be held at Regensburg, and beforehand a religious colloquy between the Catholics and the Evangelicals. According to the Elector's wish, our Myconius was to take part in this as well. But before the summons to this end reached him, he had a remarkable dream, which — little as we otherwise put stock in dreams — we must not withhold from our readers; for this dream, like the one Myconius had upon his entrance into the monastery, is, if nothing else, certainly a testimony to a spiritually minded heart whose highest thought and concern was the blessedness of his own and other souls, and the honor of God and the advancement of his kingdom. This dream too Myconius may tell us in his own words:
"I dreamed that I was summoned to the court of the Elector of Saxony, and when I had arrived there, it was a place which I..."