Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 4 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-10-13, Seite 22
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(Eingeſandt.)
Da ich unſere theure lutheriſche Kirche des
reinen Bekenntniſſes gerade um der vollen
Wahrheit willen ſo lieb habe und den Sec⸗
ten, Rotten, Afterlutheranern ꝛc. recht eigent⸗
lich deshalb gram bin, weil ſie nur Stücken der
heilſamen Wahrheit nehmen und ſie dergeſtalt
mit eigner Zuthat ergänzen, daß daraus etwas
ganz Neues, Verkehrtes zu Tage kömmt, ſo
iſt mir's natürlich in allen Dingen, die die
Kirche betreffen, ernſtlich um volle Wahrheit zu
thun. Deshalb wär' ich faſt erſchrocken, als
ich in den in voriger Nummer befindlichen
Randgloſſen zu dem Aufſatz: „Die Synode
Michigan und ihre Heidenmiſſion“ betitelt,
gleich vorn herein die Bemerkung fand,
derſelbe bedürfe erſt noch der Ergänzung, um
völlig wahr zu ſein. Doch mein Schrecken
löſte ſich bald zuerſt in ein Lächeln auf, da ich
Ergänzungen fand, die allerdings nichts er⸗
gänzen —dann in Wehmuth, da ich den ſchelen
Seitenblick auf Paſtor Hattſtädt bemerken
mußte—zuletzt in bittern Schmerz, als ich die
häßliche Blasphemie auf rückhalts loſe
Verpflichtung und rein kirchlichen
Standpuncet geleſen hatte.
Was die Ergänzungen betrifft, müſſen wir
uns gegen all derlei geſchraubte Interpretation
ernſtlich verwahren, da man uns inſinuirt:
wenn wir ſagen wollten
„Als Paſtor H. an die luther. Gemeinde
„von Monroe gerufen wurde, hat man ihn
„ſeitens der Gemeinde oder auch ſeitens der
„Synode gezwungen, mit letzterer in
„gliedliche Verbindung zu treten“ —
ſo drückten wir dies mit den Worten aus:
„durch Berufung an jene Gemeinde kam
„H. zur gliedlichen Theilnahme an beſagter
„Synode.“
Nein, wir ſind deutſch und reden dem Wider⸗
part frei in's Angeſicht, ohne verblümter Weiſte
auf ihn Verdacht zu werfen. Hätten wir mit
unſern Worten mehr ausdrücken wollen, als
ſie ſagen, nämlich: „Durch Veranlaſſung
jener Berufung“ ꝛc. ꝛc., ſo hätten wir gewiß
nicht hinterm Buſch gehalten. — Ebenſo heißt
der Satz
„Auch wurden von den fränkiſchen Luthe⸗
„ranern große Summen Geldes zur Unter⸗
„ſtützung dieſer Miſſion geſendet,“
natürlich nicht hinterrücklicher Weiſe ſo viel:
„Die Leute in Ann Arbor haben — nach—
„dem ſie die von ihnen eingegangenen Ver—
„pflichtungen allerdings nicht erfüllt,
„ſondern vielmehr uns Gewiſſenshalber zum
„Austritt aus ihrer Synode gedrungen hat—
„ten—auch noch ſo unehrlich gehandelt, daß
„ſie jenes Geld zurückbehietlten“ —
ſondern iſt und bleibt eine unverfängliche hiſto⸗
riſche Thatſache, die aus brieflichen Actenſtücken
männiglich dargethan werden kann. — Endlich,
da wirs nur mit einer rückhaltsloſen Ver⸗
pflichtung auf ſämmtliche Symbole unſerer
Kirche zu thun haben und auch noch eine an⸗
dere daneben anzuerkennen uns in unſerm Ge⸗
wiſſen nicht befugt halten, ſo haben wir der
Dumſeriſchen Verpflichtungskomödie, der wir
mit Bedauern beiwohnen mußten, natürlich gar
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keine Erwähnung gethan. So wenig wir näm⸗
lich die Conſequenzen gelten laſſen, die der
Rationaliſt gegen alle ehrliche Schrifterklä—
rung auf eigene Fauſt aus der Bibel zieht,
ebenſowenig laſſen wirs gelten, wenn man ſich
unſere Symbole nach ſubjectivem Wohlgefallen
deutet — etwa alſo: Am Schluß des 11. Cap.
der Concordienformel heißt's freilich wohl:
„Aus welcher unſerer Erklärung Freund
„und Feind und alſo männiglich klar abzu⸗
„nehmen, daß wir nicht bedacht, um zeitliches
„Friedens, Ruhe und Einigkeit willen, et⸗
„was der ewigen, unwandelbaren Wahrheit
„Gottes (wie auch ſolches zu thun, in unſe⸗
„rer Macht nicht ſtehet,.) zu begeben, welcher
„Friede und Einigkeit, da ſie wider Wahr⸗
„heit und zu Unterdrückung derſelben gemei⸗—
„net, auch kein Beſtand haben würde, noch
„viel weniger geſinnet, Verfälſchung der rei⸗
„nen Lehre und öffentlich verdammte Irr⸗
„thum zu ſchmücken, und zu decken, ſondern
„zu ſolcher Einigkeit herzlichen Luſt und
„Liebe tragen, und dieſelbe unſers Theils
„nach unſeren äußerſten Vermögen, zu be⸗
„fördern, von Herzen geneigt, und begierig,
„durch welche Gott ſeine Ehre unverletzt, der
„göttlichen Wahrheit des heiligen Evangelii
„Hnichts begeben, dem wenigſten Irrthum
„nichts eingeräumt, die armen Sünder zu
„wahrhaftiger rechter Buße gebracht, durch
„den Glauben aufgerichtet, im neuen Gehor⸗
„ſam geſtärket und alſo durch den alleinigen
„Verdienſt Chriſti, gerecht und ewig ſelig
„werden —“
aber das haben die frommen Männer nicht ſo
ernſtlich gemeint. Sie ſagen zwar mit dem
Munde, daß ſie nicht geſonnen ſind, um zeit⸗
lichen Friedens willen der ewigen Gottes⸗
wahrheit etwas zu vergeben, ja ſie bekennen,
daß dies gar nicht in ihrer Macht ſtehe
und daß ſie bei aller Liebe zur Einigkeit, doch
nur eine ſolche Einigkeit gelten laſſen könnten,
da dem geringſten Irrthum nichts
eingeräumt wird ꝛc.; aber — ſo läſtern'nämlich
die falſchen Liebespropheten dieſer unſrer ar—
gen Zeit — im Herzen waren ſie doch ganz
anders und gut unioniſtiſch geſinnt wie wir,
auch von derſelben weiten Liebe beſeelt, die ſo⸗
gar den Irrthum liebt. — Solche zuckerſüße
Gefühlschriſtlein können freilich nicht mit
David beten: „Ich haſſe, die da halten auf
loſe Lehre,“ noch mit St. Paulus vermahnen:
„Sehet auf die Hunde, auf die böſen Arbeiter;
ſehet auf die Zerſchneidung!“ aber ſie wiſſen
ſich zu helfen: ſie ſagen halt, es iſt nicht ſo
ſtreng und lieblos gemeint, wie du, engherziger
Lutheraner, es auslegſt, der du dem Wort
gleich immer auf's Wort glaubſt. —
Bei all dieſer umfaſſenden Liebe jedoch, lie⸗
ben ſie im Grund genommen ganz eigentlich
nur die Brüder id estihre lieben Unions⸗
brüder und begeifern jeden ehrlichen Mann,
der mit ihnen nicht in daſſelbe wüſte Weſen
rennen mag, wie ſie hier dem Paſtor H. thun.
Und doch konnten ſich alle aufrichtigen Luthe⸗
raner herzinniglich der lautern ſchriftgemäßen
Abendmahlspredigt freuen, die H. bei der
diesjährigen Synodalverſammlung an einem
Orte hielt, da man gleich darauf mit rein re⸗
formirten Abendmalsceremonien dem lutheri⸗
ſchen Weſen öffentlich Hohn ſprach. Auch hat
er in allen Sitzungen ſtets für Lutherthum und
gegen die unioniſtiſche Religionsmengerei des
Widerparts geſtimmt, und dadurch männiglich
bewieſen, daß er wohl fähig iſt, lutheriſches
Weſen und unioniſtiſchpietiſtiſchen Sauerteig
von einander zu unterſcheiden. Deshalb bitten
wir uns ſtatt gehäſſiger Seitenhiebe gutt
Gründe aus, die das Gegentheil eben ſo rund
beweiſen, wie wir's mit Thatſachen von dem
beweiſen können, was über die rückhalts—
loſe Verpflichtung des Hrn. Miſſionars Auch
und über ſeinen rein kirchlichen Stand⸗
punet geſagt iſt.
Wir berufen uns nämlich zuerſt auf öffent⸗
liche Vorfälle bei der heurigen Synodalver⸗
ſammlung, da der rückhaltslos verpflichtete
Miſſionar Auch ſo treulich zu dem nicht
rückhaltslos verpflichtet ſein wollenden Miſſio⸗
nar Dumſer hielt, daß ſelbſt Paſt. Cronen⸗
wett, ein Glied jener Synode, in die Worte
ausbrach:
„Was willſt denn Du, Bruder Auch,
„Du biſt ja verpflichtet?“
Auch: „Davon ſteht nichts in der Anzeige, dit
„von meiner Ordination ꝛc. in der luthe⸗
„riſchen Kirchen-Zeitung geſchehen iſt.“
Cronenw. „So ſteht's doch in Deinem Ordi⸗
„nations-Zeugniß?“
Auch: „Auch da ſtehts nicht ausdrücklich.“
Cronenw. „Ja, es ſteht darinnen; es muß
„darinnen ſtehen und jedenfalls kams doch
„mündlich bei Deiner Ordination vor ꝛc.“
In neueſter Zeit aber hörten wir aus dem
Munde eines Mitglieds der Miſſions-Com⸗
mittet, daß Auch angefragt habe — ob er denn
nicht zum Quartely Meeting der Indianerme⸗
thodiſten am Flint River ſolle; der Miſſionar,
der ein gar ſo lieber Mann ſei und ihm ange⸗
boten habe das Miſſionswerk unter den Cake⸗
Indianern mit ihm vereint zu betreiben,
habe ihn recht freundſchaftlich eingeladen. —
Wir neiden ſolche Freundſchaft nicht, ſagen
aber von unſerer Seite alles Ernſtes: „Wer
nicht mit mir iſt, der iſt wider mich,“ und wol⸗
len keine Lutheraner, die nicht aufrichtig luthe—
riſch ſein mögen. Man ſei doch einmal
ehrlich, und nachdem man den lutheriſchen
Kern weggeworfen, lege man auch die luthe⸗
riſche Schale i. e. den Namen ab, daß man nicht
für etwas gehalten werde, was man nicht iſt.
Dies als Beitrag zur vollen Wahrheit mit
dem Bemerken, daß wir gar nicht glaubten, ſo
weitſchweifig ſein zu müſſen, da wir grad
herausgingen, und unſerer Geſinnung gar kein
Hehl hatten, die kürzlich und ſchließlich alſo
lautet:
„Gott rette und bewaͤhre uns in Gnaden vor
den falſchen Lutheranern.“ A. C.
(Eingeſandt.)
Sehr geehrter Freund, lieber Bruder in
Chriſto!
Ich erſuche Dich freundlich, dem unten ſte⸗
henden Brief ein Plätzchen in Deinem ſehr ge⸗
ſchätzten Blatt zu gönnen. Bekehrungsge⸗
English translation AI translation
(Submitted.)
Since I love our precious Lutheran church of the pure confession precisely for the sake of the full truth, and am truly hostile to the sects, factions, pseudo-Lutherans, etc., precisely because they take only fragments of the wholesome truth and then supplement them with their own additions in such a way that something entirely new and perverse results, it is naturally my earnest concern, in all matters touching the church, to have the full truth. I was therefore almost alarmed when, in the marginal glosses found in the previous issue on the article entitled "The Michigan Synod and Its Mission to the Heathen," I found, right at the outset, the remark that it still needed supplementing in order to be entirely true. But my alarm soon resolved itself — first into a smile, since I found "supplements" that in fact supplemented nothing — then into sorrow, since I had to notice the sidelong, envious glance at Pastor Hattstädt — and finally into bitter pain, when I read the ugly blasphemy concerning unreserved commitment and a purely churchly standpoint.
As for the supplements, we must earnestly protest against all such contrived interpretation, since it is insinuated to us that if we had wished to say
"When Pastor H. was called to the Lutheran congregation of Monroe, he was compelled — whether by the congregation or by the Synod — to enter into membership with the latter" —
we would have expressed this in the words: "through his call to that congregation, H. came to membership participation in the said Synod."
No, we are plain-spoken, and we say things straight to our opponent's face, without casting suspicion upon him in veiled fashion. Had we wished to express more by our words than they say — namely, "by occasion of that call," etc., etc. — we certainly would not have held back behind the bush. — Likewise the sentence
"Large sums of money were also sent by the Franconian Lutherans to support this mission,"
naturally does not, in some underhanded way, mean as much as: "The people in Ann Arbor — after they had, to be sure, not fulfilled the obligations they had entered into, but rather had, for conscience's sake, driven us to withdraw from their Synod — also acted so dishonestly as to keep back that money" —
but rather is and remains a harmless historical fact, which can be demonstrated to everyone from documentary correspondence. — Finally, since we are concerned only with an unreserved commitment to all the symbolical books of our church, and do not consider ourselves, in conscience, entitled to acknowledge any other alongside it, we have naturally made
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no mention at all of the Dumser comedy of commitment, which we were obliged, with regret, to witness. So little do we allow the conclusions to stand which the rationalist draws from the Bible on his own authority against all honest scriptural interpretation, just as little do we allow it when our symbols are interpreted according to subjective pleasure — for instance thus: at the end of chapter 11 of the Formula of Concord it indeed says:
"From which our declaration friend and foe, and thus everyone, may clearly gather that we have not resolved, for the sake of temporal peace, quiet, and unity, to yield anything of the eternal, unchangeable truth of God (as indeed it does not lie in our power to do so), which peace and unity — being intended against the truth and for the suppression of it — would in any case have no permanence; still less are we minded to adorn and cover over the falsification of pure doctrine and publicly condemned error; but rather we bear a heartfelt desire and love for such unity, and are, for our part, inclined and eager from the heart to promote it to our utmost ability — whereby God's honor may remain unimpaired, nothing of the divine truth of the holy Gospel be surrendered, not the least room given to error, poor sinners brought to true and genuine repentance, raised up through faith, strengthened in new obedience, and thus, through the sole merit of Christ, made righteous and eternally blessed —"
but the pious men did not mean this so seriously. They say, indeed, with their mouths, that they are not minded to give up anything of the eternal truth of God for the sake of temporal peace; indeed, they confess that this does not even lie within their power, and that, for all their love of unity, they could only accept a unity in which not the least room is given to error, etc.; but — so the false prophets of love of this evil age of ours slander — in their hearts they were, after all, quite differently and well unionistically disposed, just like us, and animated by that same broad love which even loves error. — Such sugar-sweet sentimental little Christians can, of course, not pray with David: "I hate them that regard lying vanities," nor admonish with St. Paul: "Beware of dogs, beware of evil workers, beware of the concision!" but they know how to help themselves: they simply say it is not meant as strictly and unlovingly as you, narrow-minded Lutheran, interpret it — you who always believe the Word exactly according to the Word. —
Yet with all this all-embracing love, at bottom they really only love the brethren — that is to say, their dear fellow unionists — and rail venomously against every honest man who will not run with them into that same disorderly business, as they are here doing to Pastor H. And yet all sincere Lutherans could rejoice most heartily over the pure, scripturally sound sermon on the Lord's Supper which H. delivered at this year's synodical convention in one place, where, immediately afterward, purely Reformed communion ceremonies publicly mocked the Lutheran character. He has also, in all the sessions, consistently voted for Lutheranism and against the opposing party's unionistic mingling of religions, thereby proving to everyone that he is indeed capable of distinguishing between the Lutheran character and unionistic-pietistic leaven. We therefore ask, instead of spiteful side-blows, for good reasons that prove the contrary just as squarely as we can prove with facts what has been said about the unreserved commitment of the missionary Mr. Auch and about his purely churchly standpoint.
We appeal, namely, first of all, to public incidents at this year's synodical convention, where the unreservedly committed missionary Auch stood by the missionary Dumser — who did not want to be unreservedly committed — so loyally, that even Pastor Cronenwett, a member of that Synod, burst out with the words:
"What do you want, then, Brother Auch — you are indeed committed, are you not?"
Auch: "Nothing is said of that in the notice of my ordination, etc., published in the Lutherische Kirchen-Zeitung."
Cronenw.: "But surely it is stated in your ordination certificate?"
Auch: "It is not explicitly stated there either."
Cronenw.: "Yes, it is stated in it; it must be stated in it, and in any case it certainly came up orally at your ordination, etc."
Quite recently, however, we heard from the mouth of a member of the Mission Committee that Auch had inquired whether he should not go to the Quarterly Meeting of the Indian Methodists on the Flint River; the missionary there, who is said to be such a very dear man and who had offered to carry on the mission work among the Cake Indians together with him, had invited him in a most friendly way.
We do not begrudge such friendship, but say, for our part, in all earnestness: "He that is not with me is against me," and we want no Lutherans who are unwilling to be sincerely Lutheran. Let one for once be honest, and, after having thrown away the Lutheran kernel, let one also lay aside the Lutheran shell — that is, the name — so that one may not be taken for something one is not.
This is offered as a contribution to the full truth, with the remark that we never thought we should have to be so long-winded, since we spoke straightforwardly and made no secret at all of our disposition, which briefly and in conclusion runs thus:
"God save and preserve us in his grace from false Lutherans." A. C.
(Submitted.)
Dear esteemed friend, beloved brother in Christ!
I kindly ask you to grant a little space in your greatly esteemed paper to the letter given below.