Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 18 › Seite 145
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-04-25, Seite 145
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gebote 2 · Katechismus 3
In Chriſti Wunden ſteh ich hier.
„Meine Taube in den Felslöchern,
in den Steinritzen.,
Hohel. 2, 14.
In die Fſcher vor flieht die Taube,
Wo ſie ſicher vor dem Sturme iſt:
Alſo ſuchet auch mein ſchwacher Glaube
Deine Wunden, liebſter IEſu Chriſt!
Die wie Felſenſchlößer mich beſchützen,
Wenn die Unglückswolken mich umblitzen.
Heil ob dieſer Freiſtatt mir!
In Chriſti Wunden ſteh ich hier.
Hebet mein Gewißen an zu klagen,
Zeigt ſich mir des Lebens lange Schuld,
Will mein Herz vor Sündenangſt verzagen:
Fliehe ich zu meines JIEſu Huld,
Der am Kreuz für meine Schuld geſtorben,
Und Vergebung mir von Gott erworben.
Sünde, du haſt nichts an mir:
In Chriſti Wunden ſteh ich hier.
Wenn die ſchweren Zweifel mich anfechten,
Ob auch ich zur Seligkeit beſtimmt:
Will ich drob mit der Vernunft nicht rechten,,
Die vom Geiſte Gottes nichts vernimmt.
Dort am Kreuz in meines Heilands Wunden
Hab ich meine Gnadenwahl gefunden: —
Weicht, ihr Zweifel, all von mir!
I Chriſti Wunden ſteh ich hier.
Spricht die Welt: „Der hat nur Armuth
Leiden
Und Verfolgung, wer den HErren ehrt;
Komm, ich geb dir Reichthum, Ehren, Freuden
Luſt, und alles, was dein Herz begehrt“: —
Sollte ich, dem Kreuze zu entlaufen,
Meinen Heiland um das Geld verkaufen?
Welt du biſt gekreuzigt mir;
In Chriſti Wunden ſteh ich hier.
Satan geht umher, mich zu verſchlingen,
Reizt zum Abfall ſtets mein Fleiſch und Blut;
Will's ihm nicht mit Liſt und Lug gelingen,
Schießt er Feuerpfeile voller Wuth.
Doch der HErr hat ihm den Kopf zertreten,
Er muß fliehn, wenn wir zu IEſu beten.
Satan, heb dich weg von mir!
In Chriſti Wunden ſteh ich hier.
Wenn ich traurig von den letzten Huͤgeln
Schaue in das finſtre Todesthal,
Und es ſchwebt zu mir auf ſchwarzen Flügeln
Nun der Todesengel bleich und fahl,
Wenn der Schreckenskönig mich erſchrecket,
Und nach mir die grimme Hand ausſtreket;
Ruf ich: „Tod, ich trotze dir!
In Chriſti Wunden ſteh ich hier.“
Bin ich glücklich nun der Höll entronnen,
Sünden, Teufeln und dem Tod entflohn;
Wenn ich nun die Lebenskron gewonnen,
Und verkläret ſtey vor Gottes Thron!
Dann will ich mit Freudenthränen ſagen,
Und dazu die Harfe fröhlich ſchlagen:
„Lob und Dank ſei, Jeſu, dir!
Durch deine Wunden ſteh ich hier“.
4 Hermann Fick.
—2——
—————————
Wie die päbſtliche Kirche
nit den in ihrem Bereich geborenen Kindern
ö der wahren Kirche umgeht.
Benn man zuglbt, daß auch in der römiſchen
Luche noch viele Seelen wiedergeboren und ſelig
verden, ſo wird damit keinesweges zugeſtanden,
daß diejenigen, welche das römiſche Pabſtthum
oder das päbſtliche Reich ausmachen, wahrhaft
Gläubige ſein können und zu Gottes Kirche ge—
hiten. Mit jenem Zugeſtändniß wollen die
Autheraner nur ſo viel ſagen, daß ſich Gott ſelbſt
— 143—
mitten im Pabſtthum ſeine Gläubigen, das iſt,
ſeine Kirche, nach der Verheißung: „Herrſche
unter deinen Feinden“ Pſ. 110, 2., je und je
erhalten hat und noch erhält; und nur, wenn
man dieſe Gläubigen darunter verſteht, kann noch
von einer römiſchen „Kirche“ die Rede ſein.
Was hingegen das Pabſtthum, als ſolches, be—
trifft, ſo trägt dieſes den Namen „Kirche“, wie
der Satan den Namen „Gott dieſer Welt“. Weit
entfernt, daß durch die römiſche Kirche, ſofern
man das Pabſtthum darunter verſteht, Kinder
Gottes geboren und ſelig gemacht werden ſollten,
ſo werden durch dieſelbe vielmehr die meiſten
Kinder Gottes, die in ihrem Bereich von der
unſichtbaren Kirche durch die Taufe geboren wer—
den, wieder geiſtlich gemordet und in die Ver⸗
dammniß geſtürzt. Dies hat unter Anderen der
ſelige Gerhard Schmezr bezeugt. Es war
derſelbe nehmlich ein Dominicanermönch von
Aachen, der, nachdem er in dem Orden dieſes
Namens achtzehen Jahre hingebracht hatte,
endlich zur Erkenntniß kam, nach Leipzig flüch⸗
tete und hier am 10. Oktbr. 1649 öffentlich zur
evangeliſch-lutheriſchen Kirche übertrat. Zum
Andenken an dieſen ſeinen Ausgang aus Babel
ſchrieb derſelbe hierauf eine Schrift unter dem
Titel: „Das geſtümmelte Pabſtthum“. Darin
heißt es unter Anderem folgendermaßen:
„Es hat ſich in meinem Herzen über ein
ganzes Jahr ein Streit erhoben wegen des
wahren ſeligmachenden Glaubens. Denn weil
ich in der römiſchen Kirche die Lehre und das
Leben der Mönche und Pfaffen beſchauete, habe
ich angefangen zu zweifeln, ob ich den wahren
ſeligmachenden Glauben habe oder nicht? Und
weil Syrach ſagt: Wohl dem, der ſtets mit
Gottes Wort umgehet, und daſſelbige ausleget
und lehret ꝛc. 14, 22. 23., *) habe ich mich be—
fliſſen, die Schrift fleißig zu leſen, ſonderlich
aber die Epiſteln Pauli, durch welche ich dann
den rechten wahren Glauben in meinem Herzen
empfangen und geſehen die großen dicken Fin⸗
ſterniſſe und Schatten des Todes, in welchen ich
bisher geſeſſen. Damit man aber meine Motiven
(Beweggründe) deſto beſſer verſtehen möge, will
ich den Glauben darſtellen, welchen die wahre
evangeliſche Kirche in den Herzen der Gläubigen
gebieret, und wie ſchrecklich und tyranniſch hin⸗
gegen die Päbſtliche Kirche mit dieſen Glaubens⸗
kinde umgehe. . .. I. Sie ſticht ihm die
Augen aus, wenn ſie die Leſung der heiligen
Schrift unterſagt, welche ſonſten (der Jeſuit)
Cornelius a Lapide eine Sonne nennt, welch
die Strahlen ihrer Weisheit durch die ganze
Welt austheilt und Alles mit ihrer Hitze ent—
zündet; Thomas de Aquino das Principium der
Theologie. Iſt aber die Schrift dine Sonne, iſt
ſie ein Auge des Glaubens, iſt ſie ein Principium,
daraus alle theologiſchen Fragen müſſen gezogen
und geſchlichtet werden: woher kommts denn,
daß ſie die römiſche Kirche allen Laien insgemein
zu leſen verbietet? 2. Sie haut dieſem
Glaubenskinde das Haupt ab. Iſt
Chriſtus das Haupt ſeiner Gemeinde, Epheſ. 1,
) Ein Thatbeweis für den Segen auch der apokryphiſchen
Bücher.
—
22. 4, 15.: warum wirft ſich denn der Pabſt
dazu auf und herrſchet als ein Monarche in der
Kirche, erhebet ſich über alles, das Gott oder
Gottesdienſt heißt? 3. Sie bindet ihm
Ohren, Hände, Füße und andere
Glieder dergeſtalt, daß dieſelben
faſt keine Macht haben; nehmlich durch
die Excommunicationen (Bann), durch die allein
dem Pabſt zu abſolviren vorbehaltenen Fälle,
durch die Ohrenbeichte, durch das Verbet gewiſſer
Speiſen, durch das Verbot der Ehe für die
Prieſter (da ſie doch ſonſt die Ehe für ein Sacra⸗
ment halten), durch die Kloſtergelübde ꝛr.
4. Nach der Zerſtümmelung des Lei⸗
bes reißt ſie ihm das Herz heraus,
nehmlich Chriſtum IEſum mit ſeiner Gerechtig⸗
keit, Gnade und Seligkeit. 5. Sie entzieht
der Seele die Nahrung, nehmlich den
Gebrauch des hl. Abendmahls unter beiderlei
Geſtalt. 6. Und wo kommt ſie endlich
mit dem Glaubenskinde hin? Eine
erſchreckliche Sache! Sie iſt nicht erſättigt an dem
Tode dieſes unſchuldigen Kindes, ſondern unter⸗
ſtehet ſich, daſſelbe auch endlich dem rothen
Drachen zu übergeben — nehmlich dem Fegfeuer!
O welch' eine unbarmherzige Mutter!“ — Dies
alles führt nun Schmezr weitläuſig aus, und
ſchließt mit den Worten: „Wollen mich dit
Papiſten deßwegen verläſtern, ſo mag St. Au⸗
guſtinus anſtatt meiner antworten, der da
ſchreibet: Was ſchadet es einem Menſchen, daß
denſelben menſchlicher Unverſtand aus ſeiner
Tafel austilgen will, wenn ihn nicht ein böſes
Gewiſſen aus dem Buche des Lebens aus⸗
tilgt?“ —
—. — ——
Z3weiter Aufruf
an die ganze
Lutberiſche Kirche Amerika's.
Geliebte Brüder! Im Vertrauen auf Euer
Aller kräftige Hilfe haben wir es, beauftragt
von der evangel. luth. Synode von Miſſouri,
Ohio u. a. S., gewagt, eine Vereinigung der
Indianiſchen Gemeinden zu Shebahyont
(Tuscola County, Mich.) und Bethanien
(Gratiot County, Mich.) vorzuſchlagen und mit
Bewilligung der betreffenden Gemeinden ins
Werk zu ſetzen. Der Umzug der Shebahyonk—
Indianer wird, ſo Gott will, binnen Kurzem
geſchehen. Die Letzteren wollen freudig um des
Wortes Gottes willen ihre alte liebe Heimath
verlaſſen, um eine neue, die etwa 100 Meilen
entfernt iſt, in Bethanien zu ſu chen, wo ihnen das
Brod desvebens, ſo viel an uns iſt, reichlich dar⸗
gereicht werden wird. Mit ihnen hoffen die Betha⸗
nier, daß wir ihnen allen bei Gelegenheit derVerei⸗
nigung beider Gemeinden behülflich ſind, ein
gemeinſchaftliches Indianerdorf mit Bauerhöfen
einzurichten, wo einer jeden Familie etwa 40
Acker Waldland zugetheilt werden, damit ſie daſ⸗
ſelbe nach Art Amerikaniſcher Bauern bewirth⸗
ſchaften und im Schweiße ihres Angeſichts ihr
eigenes Vrod eſſen möchten. Ihr hättet ſelbſt
hören und ſehen ſollen, mit welcher Freude das
Verſprechen, welches wir ihnen in dieſer Hinſicht
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