Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 18 › Seite 140
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-04-25, Seite 140
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Gemeindeſchule · Unterrichtsfächer 6
hafter ſeyn ſollte, die Herkunft Chriſti mit den
Worten abfertigt
„Er war der Sohn einer armen jüdiſchen
Mutter“
Es wird aber dieſer Ausdruck noch bedenk⸗
licher, da der Jugendgeſchichte Chriſti und der
darauf bezüglichen Lehren in dem ganzen Buche
nicht weiter gedacht, dagegen aber, als auf das,
was genug wäre, auf den 15. §. der Rel. Geſch.
verwieſen wird, und das iſt derſelbe, in welchem
ſich der Ausdruck findet, den wir angegriffen
haben.
Denn in dem Abſch. von der Erloͤſ. ſpricht der
Vf., ſtatt eine weitere Ausführung zu geben,
ſiehe Rel. Geſch. XV. (vgl. Abſchn. 4. Fr. 3.
S. 36.)
Aber der Vf. ſagt doch nicht geradezu, daß
Chriſtus unrein empfangen und geboren wäre—
Antwort: Daß er das geradezu geſagt habe,
das iſt gar nicht der Vorwurf, den wir ihm
machen—Unſer Vorwurf gegen ihn iſt vielmehr
der, daß er keinen ſolchen Ausdruck gebraucht
habe, aus welchem unzweifelhaft hervorgehe, daß
er an die Gottheit Chriſti glaube und daß er es
alſo, zuvörderſt hier, vermieden habe,
Chriſtum zu bekennen.
Aber iſt denn das die einzige Stelle aus
welcher der Vf. zu beurtheilen iſt? — Vielleicht
erzeugen andere Stellen ein ganz anderes Ur⸗
theil.
Wir haben es nicht unterlaſſen, die Stellen
zu vergleichen. Was ſich daraus ergiebt, werden
wir ſehen.
Billig fangen wir an mit dem, worauf uns
der Vf., wie wir geſehen haben, verweiſt, nämlich
mit 8 XV. der Rel. Geſch.
Was wird hier von Chriſto geſagt und we lches
Licht wirft es auf die Stelle
„Er war der Sohn einer armen jüdiſchen
Mutter?“
Es wird aber geſagt:.
1.) Er ſey prophezeiht worden nach Volk
und Geſchlecht
2.) Er würde die Erkenntniß und eine
vernünftige Verehrung des Einigen
Gottes unter die Heiden und erhabnere Tugen⸗
den und feinere Sitten unter die Völker
bringen.
3.) Er ſey erwartet worden unter dem
Namen Meſſias oder Chriſtus d. i. König.
4.) Er ſey erſchienen in der Perſon Jeſu.
5.) Er ſey der Sohn geweſen einer armen
jüdiſchen Mutter.
6.) Gott habe ſich mit ihm verbunden
auf eine unbegreifliche Art auf das genaueſte.
7.) Auf ihn habe Johannes der Täufer
aufmerkſam gemacht.
8.) Er habe ſich Jünger erwählt.
9.) Er habe viele Wunder verrichiet.
10.) Er habe der Hoffnung der Juden,
die emen weltlichen Helden in ihm haben woll⸗
ten, nicht entſprochen. ö
11.) Er habe wider Irrthümer und Laſter
geeifert und geſucht, eine reinere u. voll⸗
kommnere Religion unter ihnen (den Juden)
zu gründen.
12.) Es ſey auch von Gott nicht beabſich⸗
tiget geweſen, daß er ein weltlicher Regent ſeyn
ſollte.
13.) Er ſollte vielmehr die Sünder erleuch⸗
ten u. bekehren u. von ihren Sünden ſelig machen
er habe darin keinen Unterſchied ge⸗
14.)
macht zwiſchen Juden und Heiden
15.) dieſe geiſtliche Abſicht ſeines ganzen
Wirkens ſei der Grund geweſen zum Vorſatz,
ihn zu ermorden.
16.) Dieſer Vorſatz ſey durch falſche An⸗
gaben vor Pilatus zur Ausführung gebracht
worden
17.) dadurch aber ſey der Rath Gottes
erfüllt worden
18.) dieſem Rathe Gottes zufolge ſollte
Jeſus ſein Leben zum Heile des menſch⸗
lichen Geſchlechts laſſen und ſein Vlut
zur Vergebung der Sünden vergießen.
Wir haben dieſen ganzen XV. §. ſo umſtänd⸗
lich detaillirt, damit der Leſer ſehe, wir wollen
unſer Urtheil über die in Rede ſtehende Stelle
„Er war der Sohn ꝛc.“
nicht abſchließen, ohne den ganzen Zuſam⸗
menhang vernommen zu haben.
In welchem der angegebenen Punkte nun
bekennt der Vf. ſeinen Glauben an die Gott⸗
heit Chriſti?
Vielleicht möchte Jemand ſagen: Im letzten
Satze; denn da wird ausdrücklich geſagt, daß
Chriſtus ſein Leben gelaſſen habe und habe laſſen
ſollen, zum Heile des menſchlichen Geſchlechtes
und um der Vergebung der Sünde willen. Wie
aber kann Vergebung der Sünde ſeyn, wenn
Chriſtus nicht Gott iſt? Alſo—ſchließt man—
glaubt auch u. beken nt der Vf. des hannöv
Kat. die Gottheit Chriſti.
Wir antworten
Der Vf. glaubt eine Vergebung der Sün⸗
den, er glaubt auch, daß Chriſtus um derſelben
willen geſtorben ſey — Aber wo ſagt er denn,
daß, wenn uns der Tod Chriſti etwas helfen
ſolle, es unerläßlich nothwendig ſey,
daß Chriſtus Gott ſey? Das iſt es eben,
was er nicht ſagt, Und weil er das nicht ſagt,
ja vielmehr, weil er die Gottheit Chriſti ver⸗
dächtig macht (durch No. 5. u. 6), ſo bleibt der
an ſich richtige Satz:
„Er ſollte ſein Leben laſſen und ſein Blut
vergießen zur Vergebung der Sünde“
ohne Wirkung für die Rechtfertigung des Vf.
Der Artikel von der Vergebung der
Sün de führt uns ſehr natürlich auf die Frage
Wie lehrt aber der Vf. in dem Abſchnitte:
VonderErlöſung? (4. Abſchn. S. 86.)
Da tritt uns alsbald ein Satz entgegen, der
wie es ſcheint- den Vorwurf, den wir dem Vf.
machen, aufs ſchlagendſte widerlegt, denn da
wird Chriſtus genannt
„der ewige Sohn Gottes“
ja geradezu
„Gottund Menſch“ (Abſchn. 4. Fr. 3.
S. 36.)
Wie kann man nan dem Vf. den Vorwurf
machen, er lehre nicht recht von der Gottheit
Chriſti?
—
Wir entgegnen: Wie lautet denn die Frage
auf welche die betr. Worte die Antwort ſind ?
Der Vf. fragt:
„Was lehrt uns die heil. Schrift?
und daß er das zugibt, daß d. heil. S. ſo lehre—
das haben wir auch nie beſtritten, . des Pf.
Zuſtimmung zur Lehre der h.
was da fehlt.
Mu ßte er denn dieſe Zuſtimmung ſchlechter⸗
dings ausſprechen?
Allerdings, denn Chriſius ſpricht:
Wer mich bekennet u. ſ, w. Matth. 10, 38.
und abermal: ö ö
Wer nicht mit mir iſt, der iſt wider mich und
wer nicht mit mir ſammelt, der zerſtreuet.
Matth. 12, 30.
Man wird aber fragen:
anders ſagen ſollen?
Antwort: Er hätte nur fragen dürfen:
Wer iſt dieſer Erlöſer ſeiner Natur nach?
Mußte er denn aber allemal ſo ſagen?
Warum nicht? Nichts deſto weniger wollten
wir ſeine Redensart gar gelind beurtheilen,
wenn er es nur ein Einziges Mal geſagt hätte.
Aber er braucht das Wörtlein iſt auch wirk⸗
lich z. E. Abſchn. IV. Fr. 13. 17. 19.
Das thut er; aber es ſind lauter Fälle, wo
es ſich nich t handelt um die Gottheit Chriſti.
Demnach iſt unſer Schluß:
Der Vf. lehrt zwar, daß in der heil. S. die
Gottheit Chriſti gelehrt werde; aber er lehrt
nicht, daß man der h. S. darin glaubeu müſſe,
ja mit ſeinem eigenem Beiſpiele, indem er von
Chriſto ſagt:
Er war der Sohn einer u. ſ. w.
rechtfertiget er den Zweifel.
Es iſt übrig, die Stellen zu vergleichen, wo
von der Gottheit Chriſt ganz eigentlich die
Rede ſeyn ſollte. Der Vf. ſelbſt weiſet darauf
hin, indem er bei Gelegenheit der in Rede ſtehen⸗
den Frage ſagt: S. Abſchn. I. Fr. 63. u. ſ. f.
Was iſt nun die Ausbeute für das Vekennt⸗
niß der Gottheit Chriſti von Seiten des Vf?
Fr. 63. ſpricht er „die heil. Schrift nennt
ihn
handelt nicht von Chriſto.
„Er wird genannt.
„Es werden ihm gewiſſe Eigenſchaf—
ten zugeſchrieben.
„Es werden ihm gewiſſe Werke zu⸗
geeignet.
Fr. 68. „Es wird ihm göttliche Ehre und
Anbetung beigelegt.
Alſo: Nennen, Zuſchreiben, Zueignen, Bei⸗
legen — das ſind die zweideutigen Worte, mit
welchen der Vf. die Gottheit Chriſti verſichert.
Denn wer weiß nicht, daß man Jemand nennen
kann, was er darum noch nicht iſt, und Jeman⸗
dem etwas zuſchreiben kann, was er darum
nicht hat?
Aber der Vf. ſchärft ſeine Worte u. ſpricht
Fr. 63. „ſie nennt nur Ihn.
„ 65. „er wird ausdrücklich ſo ge⸗
nannt wie der V.
„ 66 „dieſe Eigenſchaften kommen ganz
allein dem Einigen Gott zu.
—das iſts,
Wie hätte er denn
Fr. 64.
Fr. 65.
Fr. 66.
Fr. 67.
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