Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 18 › Seite 143
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-04-25, Seite 143
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Kirche 24
ö ju einer Schatzkammer unberechenbaren Wer⸗
thes, wofür ihnen die engliſche Sprache nicht
den kümmerlichſten Erſatz bietet. Ueber der
deutſchen ſollte aber auch die engliſche Sprache
nicht verſüaͤmt werden. »Dieſe iſt einmal die
Sprache des Landes, welches wir zu unſerem
Vaterlande gemacht haben, ſie iſt die Geſchäfts
und Gerichtsſprache, zum bürgerlichen Fortkom⸗
men unerläßlich, und ohne ſie fertig und geläufig
zu ſprechen und zu ſchreiben, kann ein Deutſcher
ſich ſchwerlich die Achtung in der bürgerlichen
Geſellſchaft verſchaffen, welche eine nicht zu ver⸗
achtende Zugabe zum irdiſchen Lebensglücke und
die unerläßliche Bedingung iſt, ſeine Pflichten
als Bürger genügend und gewiſſenhaft zu er⸗
füllen. Deutſche Kinder ſollten daher die eng⸗
1liſche Sprache eben ſo gründlich, fertig und
fließend ſprechen und ſchreiben lernen, wie ihre
Mutterſprache. Dieß ſollte nicht dem bloßen zu⸗
fälligen Umgang überlaſſen bleiben, dafür ſollte
die Schule ſorgen. Allein die Ausbildung fürs
irdiſche bürgerliche Leben iſt nur die kleinſte Hälfte
der Aufgabe einer Volksſchule. Kinder ſind
zum ewigen Leben erſchaffen und berufen, ſie
ſind getauft, nicht daß gebildete Staatsbürger,
geſchickte Kaufleute, tüchtige Profeſſioniſten, ſon⸗
dern daß Bürger des Reichs Gottes aus ihnen
werden ſollen. Darum kann und darf in einer
guten Volksſchule der chriſtliche Religionsun—
terricht nicht fehlen, er muß vielmehr die Haupt⸗
ſache und die Grundlage alles Unterrichts und
aller Erziehung ſein. Was chriſtliche Haus—
väter und Mütter angefangen, das ſoll die Schule
fortführen, was ſie lückenhaft gelaſſen, das ſoll
die Schule ausfüllen; berſelbe Geiſt, der ein
briſliches Hausweſen regiert, ſoll auch in der
Schule walten, welche nichts anders iſt, als die
Gehülfin und Stellvertreterin eines chriſtlichen
VBaters oder einer chriſtlichen Mutter. Daher
nuß chriſtlicher Religionsunterricht unter allen
Lehrfächern voranſtehen, chriſtliche Grundſätze
müſſen alle andere Lehrfächer beleben und über⸗
wachen und in chriſtlichem Geiſt muß die Zucht
geübt werden. Wenn wir dieſen Maaßſtab an
das hieſige amerikaniſche Volksſchulweſen anle⸗
gen, ſo werden wirs nicht probehaltig finden.
Ezs iſt wahr, die hieſigen öffentlichen Schulen
ſnud in ihrer Art vortrefflich eingerichtet, daß ſie
kaum etwas zu wünſchen übrig laſſen. Allein
eint Hauptſache fehlt in ihnen allen, der geſunde
criſtliche Religionsunterricht. Grundſätzlich iſt
dieſer aus allen öffentlichen Volksſchulen ver⸗
vieſen, wie das bei einer ſo gemiſchten Bevöl⸗
„terung wie die hieſige auch gar nicht anders ſein
kann. Wie dem hieſigen Staatsleben, ſo hängt
auch der Schule das nothwendige Uebel des re—
ligiöſen Indifferentismus an. Daher gehen
aus dieſen Volksſchulen junge Leute heran, die
im beſten Fall vom Wege der Seligkeit gar nie
etwas gehört haben und nicht wiſſen, wer ſie er⸗
ſchaffen und erlöſet hat oder die im ſchlimmern ſt
Falle aus den meiſt deiſtiſchen Lehr⸗ und Leſe⸗
büchern ſolche Ideen und Grundſätze eingeſogen
à haben, welche geeignet ſind, ſpäter Feinde des
criſtlichen Glaubens aus ihnen zu machen.
Hur beide Fälle könnte ich Beiſpiele in Menge
—1 1—
anführen. Ich kann es in der That nicht be⸗
greifen, wie man von dem hieſigen Voltsſchul⸗
weſen ſo viel Rühmens machen kann, ohne ſich
zugleich deſſen zu ſchämen, was ihm mangelt,
oder wie chriſtlich ſein wollende Eltern ſich mit
dieſen armſeligen publie shools begnügen kön⸗
nen (denn armſelig nenne ich jede, auch die beſte
Schule, in der das chriſtliche Element fehlt) oder
wie ganze kirchliche Gemeinſchaften der Ver—
pflichtung, ſelbſt chriſtliche Gemeindeſchulen zu
unterhalten, durchdie öffentlichen Schulen überho—
ben zu ſein meinen können. Ich bin eurer un⸗
getheilten Zuſtimmung, ihr Eltern, verſichert,
wenn ich die Behauptung ausſpreche, chriſtliche
Eltern können nicht ohne ſchwere Gewiſſensver⸗
letzung, nicht ohne gegen ihre Kinder eine große
Treuloſigkeit zu begehen, ihre Kinder in die eng⸗
liſchen Volksſchulen ſchicken. Thun ſie es, Golt
wird dereinſt ernſte Rechenſchaft von ihnen for⸗
dern. Ich weiß wohl auf welche Weiſe viele
Eltern ihre Gewiſſen beſchwichtigen: ich ſchicke
meine Kinder in die Sonntagsſchule, da ſollen
ſie Religion lernen. Aber ich frage ſolche El—
tern: was für Sonntagsſchulen ſind es, dahin
ihr eure Kinder ſchicket? Etwa eine methodiſtiſche
oder eine wiedertäuferiſche ꝛc., da ſollen ſie alſo
Religion lernen? und geſetzt, es iſt eine luthe⸗
riſche Sonntagsſchule, was für ein kümmerlicher
Erſatz iſt ſie doch für eine regelmäßige Wochen⸗
ſchule? Ich will die Sonntagsſchulen, wenn
ſie im rechten Geiſt gehalten werden nicht ver⸗
achten, und um armer, verwahrloſeter Kinder
willen, die von ihren unchriſtlichen Eltern in
keine regelmäßige Wochenſchule geſchickt werden,
möchte ich wünſchen, daß jede lutheriſche Kirche
eine Sonntagsſchule unterhalten möchte; aber
wenn Eltern, die lutheriſchen Gemeinden ange⸗
hören, ihren Kindern das tägliche Brod der
Wochenſchule entziehen und ſie nur mit einem
dürftigen Bröcklein Sonntagsſchule abſpeiſen
wollen, das müſſen in der That hartherzige,
grauſame Eltern ſein. Ich habe auch ſchon an⸗
dere ſagen hören: ich ſchicke mein Kind in die
ſonntägliche Kinderlehre, die unſer Pfarrer hält,
da wird reichlich erſetzt, was den engliſchen
Schulen abgeht. Aber meint ihr wirklich, daß
eine halbe Saunde Kinderlehre am Sonntage
einen regelmäßigen Religionsunterricht erſetzt?
Die Kinderlehre iſt eine vortreffliche Einrichtung
für Kinder und Erwachſene. Geht ihr aber der
tägliche Catechismusunterricht in der Schule
nicht voran, ſo wird auch die ſonntägliche Kin⸗
derlehre ſo viel, als nichts ausrichten. Es ſind
mir endlich auch ſchon Leute vorgekommen, die
unverſchämt genug waren, von mir zu verlan⸗
geu, ich ſollte ihreKinder, die bis in ihr 12.,J8.
Jahr in engliſchen Schulen aufgewachſen waren
und weder deutſch leſen, noch einen Artikel des
chriſtlichen Glaubens herſagen konnten, in ein
Paar Wochen zur Confirmation zuſtutzen und
ofort confirmiren. Ich ſchweige, was ich ſol—
chen geantwortet habe.
Was müſſen nun chriſtliche Eltern und chriſt⸗
liche Gemeinen thun? Sie müſſen chriſtliche
Gemeindeſchulen aus ihren eigenen Mitteln er⸗
richten und unterhalten. Vor 300 Jahren
ſchärfte Dr. Luther den chriſilichen Rathsherrn
und Obrigkeiten das Gewiſſen und ermahnte
ſie, chriſtliche Schulen zu errichten. Dieſe Er⸗
mahnung haben ſich hieſigen Landes alle chriſt⸗
lichen Gemeinden anzunehmen. Rathsherrn
und Obrigkeiten thun hier nichts und können
nichts thun für chriſtliche Schulen;. ſo müſſen
chriſtliche Gemeinden aus eigenen Mitteln da⸗
für ſorgen, damit ihre Kinder nicht ohne Gottes
Erkenntniß aufwachſen. Keine Gemeinde ſollte
es dulden, daß ihre Glieder ihre Kinder, mit
Umgehung der Gemeindeſchule, in engliſche
Volksſchulen ſchicken und ſie darin geiſtlich ver⸗
wahrloſen und verwildern laſſen.
Laßt mich euch nun noch den Segen anpreiſen,
den chriſtliche Schulen ſtiften. Groß iſt der Se⸗
gen, den chriſtliche Eltern davon genießen. From⸗
me, dazu in allerlei nöthigen Wiſſenſchaften
wohl unterrichtete Kinder ſind ihrer Eltern Freude
und Krone, ihre Hülfe und Stütze in ihrem
Alter. Dagegen verwahrloſete Kinder werden
je länger, deſto mehr ihrer Eltern Verdruß, Her⸗
zeleid und Schande werden. Groß iſt der Se⸗
gen, den Kinder ſelbſt von der chriſtlichen Schule
genießen. Wus Kinder Gutes und Nützliches
in der Schule gelernt haben, das kommt ihnen
zu Gute in ihrem ganzen Leben. Wie manches
fleißige Schülerlein hat in der Schule den erſten
Grundſtein zu ſeinem künftigen Lebensglücke
gelegt und iſt aus ihm ein großer Mann gewor⸗
den. Würde er das geworden ſein, wenn er
die Schule verſäumt hätte oder faul und lieder⸗
lich in der Schule geweſen wäre? Nimmermehr.
Was aber ein frommes Kind in der Schule aus
Gottes Wort lernt, das kommt ihm zu Gute
im ewigen Leben. Weil du von Kind auf die
heilige Schrift weißeſt, kann dich dieſelbe unier⸗
weiſen zur Seligkeit. Gottes Wort iſt ein hei⸗
liger Saame, der, wenn er nicht muthwillig
erſtickt wird, ſelige Früchte trägt und geſetzt, ein
Kind ſollte ſo unglücklich ſein, den guten Weg
zu verlaſſen, ſo geht oft nach vielen Jahren der
Saame, der wie todt im Herzen lag, unter Got⸗
tes Gedeihen auf und der heilige Geiſt erinnert
es an das Wort, das es in der Schule gelernt
hatte. Es ſind mir viele Exempel derer bekannt,
die unter dem gnädigen Erinnerungsamte des
heiligen Geiſtes ihre ſpätere Bekehrung dem
verdanken, was in der Schule in ihr Herz ge⸗
pflanzt worden war. Groß iſt endlich der Segen,
der von der chriſtlichen Schule überfließt über die
ganze Kirche. Die Schule iſt der Baumgarten,
aus welchem die Kirche ihren immerwährenden
Zuwachs erhält. Kinder ſind bereits von ihrer
Taufe an der edelſte Beſtandtheil der Kirche,
Schulen ſind die Ammen und Wärterinnen, die
der Kirche dieſes edle Eigenthum bewachen hel⸗
fen. Bieles, vieles möchte ich noch hinzufügen
um euch die chriſtliche Schule recht lieb, werth
und wichtig zu machen. Die Zeit aber gebietet,
zu ſchließen. Nur zwei Bitten erlaubt mir noch
auszuſprechen, eine an euch ihr l. Eltern. Der
getreue Gott hat uns eine ſchöne Schule ge⸗
ſchenkt, chriſtliche treue Lehrer arbeiten darin,
laßt dieſe Schule nicht leer ſtehen. Schet ſie
nicht an, als eine Laſt, ſondern als eine Wohl⸗
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