Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 18 › Seite 144
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-04-25, Seite 144
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
that. Schicket eure Kinder frühzeitig zur Schu⸗
le, laßt die Kinder nicht erſt wilde Straßenbuben
werden die in der Schule dann ſchwer oder nie
zu bändigen ſind. Schickt ſie regelmäßig und
ohne Unterbrechung zur Schule, ſonſt entſtehen
Lücken, die nicht leicht auszufüllen ſind. Die
Schule ſei euch ſo wichtig, daß ihr jede andere
Arbeit, zu der ihr eure Kinder brauchen könntet,
der Schule nachſetzet. Unterſtützt die Schule
durch fleißiges Rachfragen und Wiederholen zu
Hauſe; der Erfolg wird auffallend ſein. Endlich
nehmt eure Kinder nicht zu frühzeitig aus der
Schule. Gönnt doch curen Kindern dieſe Wohl⸗
that, ſo lange als nur möglich. Die andere
Bitte geht euch an ihr l. Kinder. Dieſe Schule
iſt aus Liebe zu euch und euch zum Beſten, mit
nicht geringen Opfern erbaut worden. Seid
für dieſe Gabe recht dankbar. Benutzt die koſt⸗
bare Schulzeit, ſie kehrt nie wieder. Seid gleich
den fleißigen Bienen, die im Sommer einſam⸗
meln, damit ſie im Winter nicht darben. Seid
gehorſam euren Lehrern, friedfertig unter ein⸗
ander, ſittig und beſcheiden gegen jedermann
und wachſet auf als Bäume der Gerechtigkeit,
dem Herrn zum Preiße. Der Herr ſegne euren
Ausgang und Eingang in dieſem Hauſe.
Amen, ö
(Eingeſandt.)
Welthändel.
Der Lutheraner hat längere Zeit nichts von
Welthändeln berichtet, weil er die Geduld der
Leſer nicht ermüden wollte mit der beſtändigen
Wiederholung der Nachricht, daß die Ruſſen und
Türken ſich unterweilen an der Donau ohne be⸗
ſonderen Erfolg ſchlügen, dagegen der Ruſſiſche
Kaiſer Nikolaus mit Frankreich und England
durch Vermittlung von Oeſtreich und Preußen
unterhandle. Deutlich konnte man das Beſtre⸗
ben des Ruſſen erkennen, durch zweideutige
Antworten die Sache in die Länge zu ziehen und
dadurch Zeit zu gewinnen, um ſeine Rüſtungen
zu Land und zu Waſſer zu vollenden und na⸗
mentlich ſein Heer an der Donau, welches ent⸗
ſetzlich gelitten, ja ſich um 30000 Mann ver⸗
ringert hatte, wieder vollzählich zu machen, bevor
England und Frankreich dem Türkiſchen Sultan
mit Landtruppen zu Hülfe kommen könnten.
Nikolaus erklärte während der Unterhandlungen
alle die weſtlichen Grenzländer ſeines Reichs in
Belagerungsſtand, verbreitete unter ſeinen Un⸗
terthanen, daß er einen Kampf beginne für dir
Griechiſch Katholiſche Kirche, deren höchſtes ir—
diſches Haupt in Nußland er ſelbſt iſt, erregte
dadurch die Begeiſterung der ganzen Nation und
erlangte namentlich auch wahrhaft ungeheure
freiwillige Geldbeiträge von Geiſtlichkeit und
Adel: die wenigen Nachrichten, welche aus dem
Innern von Rußland ſelbſt zu uns herüberkom⸗
men, bezeugen, daß der bevorſtehende Krieg dem
Ruſſiſchen Volke zur Herzensſache geworden iſt,
und dies allein ſchon gibt dem Kaiſer eine wahr⸗
lich nicht zu verachtende Macht. Andrerſeits
haben England und Frankreich auch nicht ge⸗
feiert; ihre Flotte im Schwarzen Meer iſt daran,
gegen die Krim und namentlich den dort gelege⸗
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nen Ruſſiſchen Seehafen Sebaſtopol eine Unter⸗
nehmung zu machen; ein franzöſiſches Landheer
von 65000 Mann, ein engliſches von 30000
Mann ſind unterwegs nach der Türkey und
werden gegen den Kten Mai dort erwartet, um
an der Donau mit den Türken gegen die Ruſſen
zu ſchlagen; eine prachtvolle engliſche Kriegsflot⸗
te unter Admiral Napier iſt bereits in die Oſt⸗
ſee gegangen mit der Beſtimmung auf Peters⸗
burg und Ruſſiſche Kriegshäfen und lag nach
den letzten Nachrichten unweit der Kieler Föhr—
de; auch in England hat ſich große, in Frankreich
wenigſtens einige Begeiſterung für den Krieg
gezeigt. Die Vorbereitungen zu einem furcht⸗
baren Kampfe wurden gemacht ſo daß man wohl
ſehen konnte, von beiden Seiten werde einẽ fried⸗
liche Beilegung des Streites für unmöglich er⸗
achtet. Dennoch wurden die Unterhandlunzen
bis vor Kurzem fortgeführt, beſonders Preußen
verſuchte noch in der letzten Zeit zum Frieden zu
reden, aber vergebens: der Ruſſiſche Kaiſer be⸗
ſtand auf den Forderungen, welche er längſt ge⸗
macht, nemlich vom Sultan als der Beſchützer,
ja eigentlich als der Oberbiſchof der Griechiſchen
Chriſtenheit in Türkiſchen Landen anerkannt zu
werden. Endlich ſandten Frankreich und Eng⸗
land die Aufforderung an Nikolaus, die Fürſten⸗
thümer Moldau und Wallachei zu räumen,
widrigenfalls der Krieg begonnen werden müſſe.
Der Kaiſer antwortete, er werde auf dieſe Auf⸗
forderung nicht antworten, und am 27ten März
erklärte die Königin von England dem Parla⸗
mente, am 28ten März Kaiſer Napoleon der
Franzöüſchen Geſetzgebung, daß ihre Länder mit
dem Kaiſer von Rußland in Krieg gerathen
wären. Die Erklärung der Königin von Eng⸗
land ſchiebt die Schuld dieſes Reſultats auf den
Kaiſer von Nußland, als welcher auf unver⸗
antwortliche und dazu höchſt argliſtige und
lügneriſche Weiſe in die Rechte der Türkey ein—
gegriffen habe, und beruft ſich dabei auf Oeſtreich
und Preußen, welche allerdings und mit Recht
die Forderungen des Ruſſiſchen Kaiſers als
höchſt unbillig anerkannt haben; ſie erwarte zu⸗
verſichtlich den Beiſtand des Engliſchen Volkes
und hoffe, daß es ihr mit Gottes Hülfe gelingen
werde, bald einen feſten und dauernden Frieden
zu erkämpfen. Dem Admiral Napier in der
Oſtſee iſt ſogleich der Befehl zugegangen, die
Ruſſen anzugreifen. Daß Rikolaus während
der langen und breiten Unterhandlungen fleißig
geweſen iſt, zeigt ſich jetzt ſchon an der Donau,
da am 23ten März 50000 Ruſſen an mehreren
Punkten den Uebergang über die Donau er—
zwungen haben und damit in die eigentliche
Türkey eingedrungen ſind, offenbar mit der Ab⸗
ſicht, ſich den Weg nach Conſtantinopel durch die
Päſſe des Balkan Gebirges zu erkämpfen, bevor
die Engliſchen und Franzöſiſchen Hülfstruppen
ankommen können.
Ob unſer theures altes Vaterland mit in
dieſen Krieg hineingezogen werden wird, läßt ſich
natürlich jetzt nicht vorausſagen. Oeſtreich ſchein
ſich mehr und mehr der Seite von England und
Frankreich zuzuneigen, Preußen, welches um
ſeines außerordentlichen Credites willen eine
bedeutende Macht beſitzt, beſteht darauf, völlig ö
neutral zu bleiben. Gott behüte Deutſchland
vor den Schreckniſſen des Kriegs. ö
Die Ausſicht auf einen allgemeinen Krieg,
welche gewiß nicht wegzuleugnen iſt, hat nicht
bloß die Könige und Fürſten Europas in Be⸗
wegung geſetzt, auch die unruhigen Köpfe und
Weltverbeſſerer, welche bei der von ihnen wenig⸗
ſtens erwarteten allgemeinen Verwirrung im
Trüben zu fiſchen hoffen. Der Herzog von Par⸗
ma (in Italien) iſt meuchlings ermordet wor⸗
den. Eben in Italien regen ſich die ſogenannten
Patrioten, je mehr die Aufmerkſamkeit der Fürſten
Europas nach der Türkey gewandt iſt. Ueber⸗
haupt übt dieſer entſtehende Krieg einen uner⸗
meßlichen Einfluß auf die Gemüther nicht bloß,
die voll Furcht ſind der Dinge, die da kommen
ſollen, auch auf alle andere menſchlichen Verhält
niſſe in Europa, ja ſelbſt in den V. Staaten.
Müſſen wir doch einen vorzüglichen Grund der
Theurung, welche hier zu Lande herrſcht, darin
ſuchen, daß durch den Krieg die Ausfuhr von
Korn aus Rußland verhindert iſt, ſo daß das
Mehl der V. Staaten in England und andern
Europäiſchen Ländern zu ungeheuren Preiſen
gekauft wird.
Beſonders bemerkungswerth bei all dieſen
Geſchichten iſt dieYEinwirkung der V. Staaten
auf die Europäiſchen Mächte; England wie
Frankreich ſuchen die Freundſchaft derv. Staaten
und haben beſonders um dieſer willen und auf
die eindringlichen Anträge der Geſandten der
BV. Staaten, erklärt, ſie würden weder Ruſſiſche
Handelsgüter in neutralen (alſo vorzüglich V.
Staaten) Schiffen noch neutralen Güter in
Ruſſiſchen Schiffen confisciren ausgenommen
Munition und ſonſtige Kriegsmaterialen. Frei⸗
lich erklärt England nur für jetzt von jener Wei⸗
ſe, welche es ſein Recht nennt, abſtehen zu wol⸗
len, aber daß es einmal davon abſteht, gibt die
Bürgſchaft, daß durch ſeine bekannte Unver⸗
ſchämtheit in dieſen Dingen wenigſtens diesmal
nicht ſo leicht andere friedfertige Nationen mit
in den Krieg hineingezogen werden.
Lieben Brüder, gedenkt unſeres Vaterlandes
in euren Gebeten vor Gott und überhaupt:
„Wachet und betet, ſchwer dieſe Zeiten!“
m
Die Sache iſtentſchieden!
Denjenigen, welche bisher mit Spannung dem
Austrag unſeres Streites mit der Buffalo-Sy⸗
node entgegengeſehen haben, können wir zu ih⸗
rer Beruhigung melden, daß die Sache nun end⸗
lich entſchieden iſt. Der berühmte Herr Doktor
Benjamin Kurtz hat ſich nehmlich der Noth der
Kirche endlich angenommen u. ſeinen Ausſpruch
gethan. Er hat nehmlich erklärt, daß, wenn
man die Sache nach den Symbolen entſcheiden
wolle, man der Buffalo⸗Synode das Recht zu⸗
ſprechen müſſe, „uns zu verdammen.“ Hierbei
wird freilich manchem Leſer jener Theolog ein⸗
fallen, der in den Symbolen ſo bewandert war,
daß er den Articulus Smalcaldicus für einen be⸗
rühmten Schriftſteller hielt, und mancher wird
wohl boshafter Weiſe dies auf den Herrn Do⸗
tor anwenden. Allein dieſe alle mögen bedenken:
Roma locuta est, lis transacta est d. i. Rom
hat geſprochen, die Sache iſt entſchieden! Siehe:
Obſerver No. 1072. vom 31. März 1854.
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