# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 04 25_S145 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) In Chriſti Wunden ſteh ich hier. „Meine Taube in den Felslöchern, in den Steinritzen., Hohel. 2, 14. In die Fſcher vor flieht die Taube, Wo ſie ſicher vor dem Sturme iſt: Alſo ſuchet auch mein ſchwacher Glaube Deine Wunden, liebſter IEſu Chriſt! Die wie Felſenſchlößer mich beſchützen, Wenn die Unglückswolken mich umblitzen. Heil ob dieſer Freiſtatt mir! In Chriſti Wunden ſteh ich hier. Hebet mein Gewißen an zu klagen, Zeigt ſich mir des Lebens lange Schuld, Will mein Herz vor Sündenangſt verzagen: Fliehe ich zu meines JIEſu Huld, Der am Kreuz für meine Schuld geſtorben, Und Vergebung mir von Gott erworben. Sünde, du haſt nichts an mir: In Chriſti Wunden ſteh ich hier. Wenn die ſchweren Zweifel mich anfechten, Ob auch ich zur Seligkeit beſtimmt: Will ich drob mit der Vernunft nicht rechten,, Die vom Geiſte Gottes nichts vernimmt. Dort am Kreuz in meines Heilands Wunden Hab ich meine Gnadenwahl gefunden: — Weicht, ihr Zweifel, all von mir! I Chriſti Wunden ſteh ich hier. Spricht die Welt: „Der hat nur Armuth Leiden Und Verfolgung, wer den HErren ehrt; Komm, ich geb dir Reichthum, Ehren, Freuden Luſt, und alles, was dein Herz begehrt“: — Sollte ich, dem Kreuze zu entlaufen, Meinen Heiland um das Geld verkaufen? Welt du biſt gekreuzigt mir; In Chriſti Wunden ſteh ich hier. Satan geht umher, mich zu verſchlingen, Reizt zum Abfall ſtets mein Fleiſch und Blut; Will's ihm nicht mit Liſt und Lug gelingen, Schießt er Feuerpfeile voller Wuth. Doch der HErr hat ihm den Kopf zertreten, Er muß fliehn, wenn wir zu IEſu beten. Satan, heb dich weg von mir! In Chriſti Wunden ſteh ich hier. Wenn ich traurig von den letzten Huͤgeln Schaue in das finſtre Todesthal, Und es ſchwebt zu mir auf ſchwarzen Flügeln Nun der Todesengel bleich und fahl, Wenn der Schreckenskönig mich erſchrecket, Und nach mir die grimme Hand ausſtreket; Ruf ich: „Tod, ich trotze dir! In Chriſti Wunden ſteh ich hier.“ Bin ich glücklich nun der Höll entronnen, Sünden, Teufeln und dem Tod entflohn; Wenn ich nun die Lebenskron gewonnen, Und verkläret ſtey vor Gottes Thron! Dann will ich mit Freudenthränen ſagen, Und dazu die Harfe fröhlich ſchlagen: „Lob und Dank ſei, Jeſu, dir! Durch deine Wunden ſteh ich hier“. 4 Hermann Fick. —2—— ————————— Wie die päbſtliche Kirche nit den in ihrem Bereich geborenen Kindern ö der wahren Kirche umgeht. Benn man zuglbt, daß auch in der römiſchen Luche noch viele Seelen wiedergeboren und ſelig verden, ſo wird damit keinesweges zugeſtanden, daß diejenigen, welche das römiſche Pabſtthum oder das päbſtliche Reich ausmachen, wahrhaft Gläubige ſein können und zu Gottes Kirche ge— hiten. Mit jenem Zugeſtändniß wollen die Autheraner nur ſo viel ſagen, daß ſich Gott ſelbſt — 143— mitten im Pabſtthum ſeine Gläubigen, das iſt, ſeine Kirche, nach der Verheißung: „Herrſche unter deinen Feinden“ Pſ. 110, 2., je und je erhalten hat und noch erhält; und nur, wenn man dieſe Gläubigen darunter verſteht, kann noch von einer römiſchen „Kirche“ die Rede ſein. Was hingegen das Pabſtthum, als ſolches, be— trifft, ſo trägt dieſes den Namen „Kirche“, wie der Satan den Namen „Gott dieſer Welt“. Weit entfernt, daß durch die römiſche Kirche, ſofern man das Pabſtthum darunter verſteht, Kinder Gottes geboren und ſelig gemacht werden ſollten, ſo werden durch dieſelbe vielmehr die meiſten Kinder Gottes, die in ihrem Bereich von der unſichtbaren Kirche durch die Taufe geboren wer— den, wieder geiſtlich gemordet und in die Ver⸗ dammniß geſtürzt. Dies hat unter Anderen der ſelige Gerhard Schmezr bezeugt. Es war derſelbe nehmlich ein Dominicanermönch von Aachen, der, nachdem er in dem Orden dieſes Namens achtzehen Jahre hingebracht hatte, endlich zur Erkenntniß kam, nach Leipzig flüch⸗ tete und hier am 10. Oktbr. 1649 öffentlich zur evangeliſch-lutheriſchen Kirche übertrat. Zum Andenken an dieſen ſeinen Ausgang aus Babel ſchrieb derſelbe hierauf eine Schrift unter dem Titel: „Das geſtümmelte Pabſtthum“. Darin heißt es unter Anderem folgendermaßen: „Es hat ſich in meinem Herzen über ein ganzes Jahr ein Streit erhoben wegen des wahren ſeligmachenden Glaubens. Denn weil ich in der römiſchen Kirche die Lehre und das Leben der Mönche und Pfaffen beſchauete, habe ich angefangen zu zweifeln, ob ich den wahren ſeligmachenden Glauben habe oder nicht? Und weil Syrach ſagt: Wohl dem, der ſtets mit Gottes Wort umgehet, und daſſelbige ausleget und lehret ꝛc. 14, 22. 23., *) habe ich mich be— fliſſen, die Schrift fleißig zu leſen, ſonderlich aber die Epiſteln Pauli, durch welche ich dann den rechten wahren Glauben in meinem Herzen empfangen und geſehen die großen dicken Fin⸗ ſterniſſe und Schatten des Todes, in welchen ich bisher geſeſſen. Damit man aber meine Motiven (Beweggründe) deſto beſſer verſtehen möge, will ich den Glauben darſtellen, welchen die wahre evangeliſche Kirche in den Herzen der Gläubigen gebieret, und wie ſchrecklich und tyranniſch hin⸗ gegen die Päbſtliche Kirche mit dieſen Glaubens⸗ kinde umgehe. . .. I. Sie ſticht ihm die Augen aus, wenn ſie die Leſung der heiligen Schrift unterſagt, welche ſonſten (der Jeſuit) Cornelius a Lapide eine Sonne nennt, welch die Strahlen ihrer Weisheit durch die ganze Welt austheilt und Alles mit ihrer Hitze ent— zündet; Thomas de Aquino das Principium der Theologie. Iſt aber die Schrift dine Sonne, iſt ſie ein Auge des Glaubens, iſt ſie ein Principium, daraus alle theologiſchen Fragen müſſen gezogen und geſchlichtet werden: woher kommts denn, daß ſie die römiſche Kirche allen Laien insgemein zu leſen verbietet? 2. Sie haut dieſem Glaubenskinde das Haupt ab. Iſt Chriſtus das Haupt ſeiner Gemeinde, Epheſ. 1, ) Ein Thatbeweis für den Segen auch der apokryphiſchen Bücher. — 22. 4, 15.: warum wirft ſich denn der Pabſt dazu auf und herrſchet als ein Monarche in der Kirche, erhebet ſich über alles, das Gott oder Gottesdienſt heißt? 3. Sie bindet ihm Ohren, Hände, Füße und andere Glieder dergeſtalt, daß dieſelben faſt keine Macht haben; nehmlich durch die Excommunicationen (Bann), durch die allein dem Pabſt zu abſolviren vorbehaltenen Fälle, durch die Ohrenbeichte, durch das Verbet gewiſſer Speiſen, durch das Verbot der Ehe für die Prieſter (da ſie doch ſonſt die Ehe für ein Sacra⸗ ment halten), durch die Kloſtergelübde ꝛr. 4. Nach der Zerſtümmelung des Lei⸗ bes reißt ſie ihm das Herz heraus, nehmlich Chriſtum IEſum mit ſeiner Gerechtig⸗ keit, Gnade und Seligkeit. 5. Sie entzieht der Seele die Nahrung, nehmlich den Gebrauch des hl. Abendmahls unter beiderlei Geſtalt. 6. Und wo kommt ſie endlich mit dem Glaubenskinde hin? Eine erſchreckliche Sache! Sie iſt nicht erſättigt an dem Tode dieſes unſchuldigen Kindes, ſondern unter⸗ ſtehet ſich, daſſelbe auch endlich dem rothen Drachen zu übergeben — nehmlich dem Fegfeuer! O welch' eine unbarmherzige Mutter!“ — Dies alles führt nun Schmezr weitläuſig aus, und ſchließt mit den Worten: „Wollen mich dit Papiſten deßwegen verläſtern, ſo mag St. Au⸗ guſtinus anſtatt meiner antworten, der da ſchreibet: Was ſchadet es einem Menſchen, daß denſelben menſchlicher Unverſtand aus ſeiner Tafel austilgen will, wenn ihn nicht ein böſes Gewiſſen aus dem Buche des Lebens aus⸗ tilgt?“ — —. — —— Z3weiter Aufruf an die ganze Lutberiſche Kirche Amerika's. Geliebte Brüder! Im Vertrauen auf Euer Aller kräftige Hilfe haben wir es, beauftragt von der evangel. luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. S., gewagt, eine Vereinigung der Indianiſchen Gemeinden zu Shebahyont (Tuscola County, Mich.) und Bethanien (Gratiot County, Mich.) vorzuſchlagen und mit Bewilligung der betreffenden Gemeinden ins Werk zu ſetzen. Der Umzug der Shebahyonk— Indianer wird, ſo Gott will, binnen Kurzem geſchehen. Die Letzteren wollen freudig um des Wortes Gottes willen ihre alte liebe Heimath verlaſſen, um eine neue, die etwa 100 Meilen entfernt iſt, in Bethanien zu ſu chen, wo ihnen das Brod desvebens, ſo viel an uns iſt, reichlich dar⸗ gereicht werden wird. Mit ihnen hoffen die Betha⸗ nier, daß wir ihnen allen bei Gelegenheit derVerei⸗ nigung beider Gemeinden behülflich ſind, ein gemeinſchaftliches Indianerdorf mit Bauerhöfen einzurichten, wo einer jeden Familie etwa 40 Acker Waldland zugetheilt werden, damit ſie daſ⸗ ſelbe nach Art Amerikaniſcher Bauern bewirth⸗ ſchaften und im Schweiße ihres Angeſichts ihr eigenes Vrod eſſen möchten. Ihr hättet ſelbſt hören und ſehen ſollen, mit welcher Freude das Verſprechen, welches wir ihnen in dieſer Hinſicht