# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 04 25_S140 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hafter ſeyn ſollte, die Herkunft Chriſti mit den Worten abfertigt „Er war der Sohn einer armen jüdiſchen Mutter“ Es wird aber dieſer Ausdruck noch bedenk⸗ licher, da der Jugendgeſchichte Chriſti und der darauf bezüglichen Lehren in dem ganzen Buche nicht weiter gedacht, dagegen aber, als auf das, was genug wäre, auf den 15. §. der Rel. Geſch. verwieſen wird, und das iſt derſelbe, in welchem ſich der Ausdruck findet, den wir angegriffen haben. Denn in dem Abſch. von der Erloͤſ. ſpricht der Vf., ſtatt eine weitere Ausführung zu geben, ſiehe Rel. Geſch. XV. (vgl. Abſchn. 4. Fr. 3. S. 36.) Aber der Vf. ſagt doch nicht geradezu, daß Chriſtus unrein empfangen und geboren wäre— Antwort: Daß er das geradezu geſagt habe, das iſt gar nicht der Vorwurf, den wir ihm machen—Unſer Vorwurf gegen ihn iſt vielmehr der, daß er keinen ſolchen Ausdruck gebraucht habe, aus welchem unzweifelhaft hervorgehe, daß er an die Gottheit Chriſti glaube und daß er es alſo, zuvörderſt hier, vermieden habe, Chriſtum zu bekennen. Aber iſt denn das die einzige Stelle aus welcher der Vf. zu beurtheilen iſt? — Vielleicht erzeugen andere Stellen ein ganz anderes Ur⸗ theil. Wir haben es nicht unterlaſſen, die Stellen zu vergleichen. Was ſich daraus ergiebt, werden wir ſehen. Billig fangen wir an mit dem, worauf uns der Vf., wie wir geſehen haben, verweiſt, nämlich mit 8 XV. der Rel. Geſch. Was wird hier von Chriſto geſagt und we lches Licht wirft es auf die Stelle „Er war der Sohn einer armen jüdiſchen Mutter?“ Es wird aber geſagt:. 1.) Er ſey prophezeiht worden nach Volk und Geſchlecht 2.) Er würde die Erkenntniß und eine vernünftige Verehrung des Einigen Gottes unter die Heiden und erhabnere Tugen⸗ den und feinere Sitten unter die Völker bringen. 3.) Er ſey erwartet worden unter dem Namen Meſſias oder Chriſtus d. i. König. 4.) Er ſey erſchienen in der Perſon Jeſu. 5.) Er ſey der Sohn geweſen einer armen jüdiſchen Mutter. 6.) Gott habe ſich mit ihm verbunden auf eine unbegreifliche Art auf das genaueſte. 7.) Auf ihn habe Johannes der Täufer aufmerkſam gemacht. 8.) Er habe ſich Jünger erwählt. 9.) Er habe viele Wunder verrichiet. 10.) Er habe der Hoffnung der Juden, die emen weltlichen Helden in ihm haben woll⸗ ten, nicht entſprochen. ö 11.) Er habe wider Irrthümer und Laſter geeifert und geſucht, eine reinere u. voll⸗ kommnere Religion unter ihnen (den Juden) zu gründen. 12.) Es ſey auch von Gott nicht beabſich⸗ tiget geweſen, daß er ein weltlicher Regent ſeyn ſollte. 13.) Er ſollte vielmehr die Sünder erleuch⸗ ten u. bekehren u. von ihren Sünden ſelig machen er habe darin keinen Unterſchied ge⸗ 14.) macht zwiſchen Juden und Heiden 15.) dieſe geiſtliche Abſicht ſeines ganzen Wirkens ſei der Grund geweſen zum Vorſatz, ihn zu ermorden. 16.) Dieſer Vorſatz ſey durch falſche An⸗ gaben vor Pilatus zur Ausführung gebracht worden 17.) dadurch aber ſey der Rath Gottes erfüllt worden 18.) dieſem Rathe Gottes zufolge ſollte Jeſus ſein Leben zum Heile des menſch⸗ lichen Geſchlechts laſſen und ſein Vlut zur Vergebung der Sünden vergießen. Wir haben dieſen ganzen XV. §. ſo umſtänd⸗ lich detaillirt, damit der Leſer ſehe, wir wollen unſer Urtheil über die in Rede ſtehende Stelle „Er war der Sohn ꝛc.“ nicht abſchließen, ohne den ganzen Zuſam⸗ menhang vernommen zu haben. In welchem der angegebenen Punkte nun bekennt der Vf. ſeinen Glauben an die Gott⸗ heit Chriſti? Vielleicht möchte Jemand ſagen: Im letzten Satze; denn da wird ausdrücklich geſagt, daß Chriſtus ſein Leben gelaſſen habe und habe laſſen ſollen, zum Heile des menſchlichen Geſchlechtes und um der Vergebung der Sünde willen. Wie aber kann Vergebung der Sünde ſeyn, wenn Chriſtus nicht Gott iſt? Alſo—ſchließt man— glaubt auch u. beken nt der Vf. des hannöv Kat. die Gottheit Chriſti. Wir antworten Der Vf. glaubt eine Vergebung der Sün⸗ den, er glaubt auch, daß Chriſtus um derſelben willen geſtorben ſey — Aber wo ſagt er denn, daß, wenn uns der Tod Chriſti etwas helfen ſolle, es unerläßlich nothwendig ſey, daß Chriſtus Gott ſey? Das iſt es eben, was er nicht ſagt, Und weil er das nicht ſagt, ja vielmehr, weil er die Gottheit Chriſti ver⸗ dächtig macht (durch No. 5. u. 6), ſo bleibt der an ſich richtige Satz: „Er ſollte ſein Leben laſſen und ſein Blut vergießen zur Vergebung der Sünde“ ohne Wirkung für die Rechtfertigung des Vf. Der Artikel von der Vergebung der Sün de führt uns ſehr natürlich auf die Frage Wie lehrt aber der Vf. in dem Abſchnitte: VonderErlöſung? (4. Abſchn. S. 86.) Da tritt uns alsbald ein Satz entgegen, der wie es ſcheint- den Vorwurf, den wir dem Vf. machen, aufs ſchlagendſte widerlegt, denn da wird Chriſtus genannt „der ewige Sohn Gottes“ ja geradezu „Gottund Menſch“ (Abſchn. 4. Fr. 3. S. 36.) Wie kann man nan dem Vf. den Vorwurf machen, er lehre nicht recht von der Gottheit Chriſti? — Wir entgegnen: Wie lautet denn die Frage auf welche die betr. Worte die Antwort ſind ? Der Vf. fragt: „Was lehrt uns die heil. Schrift? und daß er das zugibt, daß d. heil. S. ſo lehre— das haben wir auch nie beſtritten, . des Pf. Zuſtimmung zur Lehre der h. was da fehlt. Mu ßte er denn dieſe Zuſtimmung ſchlechter⸗ dings ausſprechen? Allerdings, denn Chriſius ſpricht: Wer mich bekennet u. ſ, w. Matth. 10, 38. und abermal: ö ö Wer nicht mit mir iſt, der iſt wider mich und wer nicht mit mir ſammelt, der zerſtreuet. Matth. 12, 30. Man wird aber fragen: anders ſagen ſollen? Antwort: Er hätte nur fragen dürfen: Wer iſt dieſer Erlöſer ſeiner Natur nach? Mußte er denn aber allemal ſo ſagen? Warum nicht? Nichts deſto weniger wollten wir ſeine Redensart gar gelind beurtheilen, wenn er es nur ein Einziges Mal geſagt hätte. Aber er braucht das Wörtlein iſt auch wirk⸗ lich z. E. Abſchn. IV. Fr. 13. 17. 19. Das thut er; aber es ſind lauter Fälle, wo es ſich nich t handelt um die Gottheit Chriſti. Demnach iſt unſer Schluß: Der Vf. lehrt zwar, daß in der heil. S. die Gottheit Chriſti gelehrt werde; aber er lehrt nicht, daß man der h. S. darin glaubeu müſſe, ja mit ſeinem eigenem Beiſpiele, indem er von Chriſto ſagt: Er war der Sohn einer u. ſ. w. rechtfertiget er den Zweifel. Es iſt übrig, die Stellen zu vergleichen, wo von der Gottheit Chriſt ganz eigentlich die Rede ſeyn ſollte. Der Vf. ſelbſt weiſet darauf hin, indem er bei Gelegenheit der in Rede ſtehen⸗ den Frage ſagt: S. Abſchn. I. Fr. 63. u. ſ. f. Was iſt nun die Ausbeute für das Vekennt⸗ niß der Gottheit Chriſti von Seiten des Vf? Fr. 63. ſpricht er „die heil. Schrift nennt ihn handelt nicht von Chriſto. „Er wird genannt. „Es werden ihm gewiſſe Eigenſchaf— ten zugeſchrieben. „Es werden ihm gewiſſe Werke zu⸗ geeignet. Fr. 68. „Es wird ihm göttliche Ehre und Anbetung beigelegt. Alſo: Nennen, Zuſchreiben, Zueignen, Bei⸗ legen — das ſind die zweideutigen Worte, mit welchen der Vf. die Gottheit Chriſti verſichert. Denn wer weiß nicht, daß man Jemand nennen kann, was er darum noch nicht iſt, und Jeman⸗ dem etwas zuſchreiben kann, was er darum nicht hat? Aber der Vf. ſchärft ſeine Worte u. ſpricht Fr. 63. „ſie nennt nur Ihn. „ 65. „er wird ausdrücklich ſo ge⸗ nannt wie der V. „ 66 „dieſe Eigenſchaften kommen ganz allein dem Einigen Gott zu. —das iſts, Wie hätte er denn Fr. 64. Fr. 65. Fr. 66. Fr. 67.