Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 25 › Seite 175
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-08-31, Seite 175
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Jeſuiten die engliſche Kirche zu untergraben,
und hätten römiſche Lehre und Gebräuche. Als
wir von dieſem Manne Beweiſe begehrten, hat
er ſelbige auch auf eine ihm würdige Weiſe ge—
liefert. Auf den erſten Punkt ſagte er, er habe
damit nicht behaupten wollen, wir ſeien wirklich
mit den Jeſuiten in Verbindung; zu dem zwei⸗
ten liege der Beweis darin, weil einer ſeiner Ka—
techeten (eingeborner Hilfsarbeiter) aus einer
Unterredung mit mir, und er ſelbſt aus einer
Unterredung mit einigen unſerer Gemeindeglieder
will herausgefunden haben, daß wir die Trans⸗
ſubſtantiation oder doch deren Zwillingsbruder,
die Conſubſtantiation lehrten; weil ferner in un⸗
ſrem Katechismus die Gebote ſo eingetheilt ſeien,
wie ſie auch die römiſche Kirche eintheilt; weil
wir bei'm Sprechen des Segens im Gottesdienſte
das Kreuz machten; weil wir zum Beweiſe un—
ſerer Abendmahlslehre uns auf dieſelben Bibel—
ſtellen beriefen, die die Römer für ihre anführ—
ten: weil in einer unſerer Kirchen ein Crucifir
auf dem Altare ſtände. Daß dieſes von jeher
nicht nur in der lutheriſchen Kirche im Allgemei—
nen, ſondern auch in der hieſigen Miſſion immer
Sitte geweſen iſt, kümmert dieſen armſeligen
Menſchen, der übrigens von dem Herzpunkte der
evangeliſchen Lehre, der Rechtfertigung allein aus
dem Glauben ſo viel wie nichts weiß, nicht. Ich
würde ſeines Angriffes auch gar nicht gedenken,
bätte er nicht damit der Geſinnung, die unſere
Gegner hier gegen uns haben, einen Ausdruck
gelicehen. Unſre Kirche und Miſſion hier iſt ih—-
nen ein Dern im Auge, und wenn daher weni—
ger gewiſſenhafte unter ihnen ohne Scheu fal—
ſches Zeugniß gegen uns ablegen, ſo darf uns
das nicht ſehr wundern, aber ſtaunen muß man,
wenn man ſieht und hört, wie ſie der ganzen Ge⸗
ſchichte Hohn ſprechen, um alle unſre älteren
Miſſtonare zu Speichellackern der engliſchen Kir—
cht und damit zu Männernz zu ſtempeln, die ih⸗
res gegebenen Eides uneingedent nur für die
engliſche Kirche geſammelt hätten. Da ſoll der
ſelige Ziegenbalg ſchon im Dienſte der engliſchen
Kirche geſtanden und das Common Prayer book
gebraucht haben; obgleich davon keine Sylbe
wahr iſt. Ja um ihn ganz ſich zu vindiciren,
laſſen ſie ihn gar in Cudalore, 60 engl. Meilen
übrilch von hier, ſterben und begraben werden,
während er doch hier in Trankebar ſelig entſchla⸗
fen iſt uns in unſrer Jeruſalemskirche neben dem
Altare begraben liegt. Da ſoll der ſelige Schwarz
'ohne Weiteres der engliſchen Kirche angehören,
weil er vom N. B. lutheriſchen— Biſchof in Ko⸗
penhagen ordinirt wurde. Er iſt ja doch biſchöf⸗
lich ordinirt! — Daß die Episcopalkirche ſi ſich hier
zu kräftigen und zu erweitern ſucht, wer wollte
ihr das verargen; und wemn ſie, vom Hertn mit
Segen heimgeſucht, den armen Heiden hier ein
Segen wird, wer wollte ſich darüber nicht freu⸗
en? Ihre Verfahrungsweiſe aber, die ich ſo
eben bemerkte, wird wohl Niemand im Ernſte eine
dem Neiche des Herrn ſegens sreiche nennen wol⸗
len. Da ſie freilich meint, nur ſie könne den
Pforten der Höͤlle trotzen und ſie allein ſei es, der
rie Verheißungen des Herrn angehen, ſo darf es
vns wenig wundern, wenn wir ſehen, wie weit
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Stolz und Unverſtand ſelbſt gutgeſinnte Leute in
ihr zu verblenden vermöge. Ein ſchlagendes
Beiſpiel dafür liefert die Rede eines bedeutenden
und hochgeſtellten Mannes, gehalten am 6. Ja⸗
nuar d. J. in Madras in öffentlicher Verſamm⸗
lung zur Feier des Jubiläums der gospel society
und abgedruckt in dem Organ gedachter Geſell—
ſchaft (Madras Quarterly Missionary Journal,
Vol. II. No. 7. pag. 242.), worin unter andern
von der engliſchen Staatskirche geſagt iſt: „She
vas the great barrier of Protestantism; the
great fortress, compact and well defined; a
tower of strength; she was their more than
Fort St. George; (die Feſtung in Madras;) 2
tower ok strength round which the Protestant
world might rally. Ile felt assured that all
Protestants would come in at the last.“ Dieſe
Worte bedürfen keiner Verdeutſchung, ſie ſprechen
für ſich ſelbſt; und wenn der gute Mann Wahr—
heit geſprochen hätte, ſo wäre es unnöthig, fer—
ner zu ſiagen: „Eine veſte Burg iſt unſer Gott;,
da ja die engliſche Staatskirche mit dem dekensor
fidei an der Spitze und den fürſtlich bezahlten
Biſchöfen auf der Bank ſichtlich den unſichtba⸗
ren Herrn, den die lutheriſche Kirche als den
überall gegenwärtigen Fels ihres Heils und als
ihre feſte Burg kennt und bekennt, erſetzen wür⸗
de. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß nicht alle
ernſtgeſinnten Engländer hier ſo verblendet ſino,
oder ſolche thörichte Hoffnungen hegen; dennoch
ſind ſie faſt durchgängig gegen unſere Miſſion
feindlich geſinnt, und nicht wenige erklären ge⸗
radezu, ihre hilfreiche Hand ſtehe zwar jedem oh⸗
ne Rückſicht auf ſeinen Glauben zu Dienſten,
nur den Lukheranern nicht.
feſſionelle Geſellſchaften und Miſſionen iſt man
äußerſt tolerant, ſie werden von Gliedern der
engliſchen Kirche rrichlich mit Gaben unterſtützt,
und 'erhalten gelegentlich auch einiges Lob ge—
ſpendet, da man recht gat erkennt, daß die von
ſelbigen geſammelten Gemeinden über kurz oder
lang doch in den Schooß der biſchöflichen Kirche
eingehen werden. —Du mußt indeß aus dem Ge—
ſagten nicht ſchließen wollen, als ob ſich die Feind—
ſchaft gezen unſre Kirche nur bei Gliedern der
Staatskirche fände, die Seeten und beſonders die
Schotten von der Freikirche ſind von der größten
Bitterkeit gegen uns und zugleich auch gegen un—
ſre ſeligen Vorfahren erfüllt. Der Unterſchied
beſteht darin,
Secten die Väter dieſer Miſſion zuſammt uns
ſchwärzen ſuchen. Wollten wir' nur mit ihnen
in ein Horn bläſen, würdeses bald änders ſein.
Hier giebt's Miſſionare, die die verderblichſten
Ketzereien lehren und' Weddteiten, die Erbfünde
leugnen, die Dreieinigkeit'guk ſocinianiſch erklä⸗
ren u. ſ. m., und doch werden ſie als die werthe⸗
ſten Brüder in Chriſto geehrt, ermuntert und ge⸗
prieſen; bekennſt Du aber die reine Lehre von
Ende und Du wirſtrdurch ganz Indien als ein
ſehr gefährlicher Menſch, vor dem ſich jedermann
Gegen andre con⸗
Lehren, ſprechen die Hoffnung aus
daß die Hochkirche die alten Miſ⸗
ſionare ſammt und ſonders als ihr Eigenthum
beanſprucht, und uns als Eindringlinge aus⸗
muſtern möchte; während die Schotten und die
als halbe Papiſten, ja als halbe Heiden anzu⸗
umſonſt und unnͤltzlichz Kl.
den Sacramenten, ſo hat alle Freundſchaft ein
hüten müſſe, verſchrien. Es iſt daher kein Wun⸗
der, wenn man ſagen muß, es ſei der Segen von
der Miſſion im Allgemeinen gewichen. Man
macht freilich viel Aufhebens von dem, was jetzt
geſchehe; aber es iſt meiſt nicht viel dahinter,
und die Rechnungen ergeben gewöhnlich nur, es
ſei viel Geld ausgegeben worden. Man verglei⸗
che einmal die Miſſion, wie ſie hier vor etwa 120
Jahren war, und wie ſie jetzt in Indien iſt. Un⸗
ſere Väter begannen das Werk hier unter ſehr
widrigen Umſtänden, das Land war ihnen allent⸗
halben verſperrt, von Krieg und innern Unruhen
zerriſſen und ihre
geſegnet Gemeinden geſammelt, Kirchen gebaut,
gute Schriften überſetzt und gedruckt u. ſ. w.
Jetzt ſind die Umſtände äußerſt günſtig, das Land
allenthalben offen, zugänglich, friedlich und ſi⸗
cher, die Mittel der engliſchen Geſellſchaften auſ⸗
ſerordentlich greß, und doch iſt das, was geſchieht
ſehr wenig. Ich will keineswegs einen Stein
auf Andere ſchleudern, noch ihre Splitter auszu⸗
ziehen ſuchen, wenn wir uns ſelbſt ſo vielfältig
anklagen müſſen; das aber glaube ich dennoch,
würde mehr des Herrn Ehre allein geſucht, we—
niger erperimentirt, auch die väterliche Weiſe un⸗
ſerer alten Miſſenare nicht ſo vornehm ignorin
oder verachtet, —der Herr würde Seinen heiligen
Geiſt und Seinen reichen Segen wieder in vol—⸗
len Strömen über die Miſſion ausgießen. — Es
iſt allerdings gerecht, billig und nothwendig, wenn
von den im Ganzen geringen Erfolgen der Mif⸗
ſion hier in Indien die Rede iſt, auch den Cha⸗
rakter des Volks in Anſchlag zu bringen. Die
Indier ſind kindiſch, charakterlos, kriechend, ohne
Rechtsgefühl und gehen mit ihren Wünſchen ganz
im Irdiſchen auf. Der Bauch iſt ihr Gott. Ob
ein Mann glücklich ſei, wird aus ſeiner Wohlbe⸗
leibtheit geſchloſſen. Sinn fär das Hoͤhere und
Ewige geht ihnen ganz ab. Ba die Europäer
nun die Herren des Landes ſind, fo laſſen ſich die
Hindus auch gefallen, von Miſſionaren das Wort
Gottes zu höͤren, und um den „Herren“ nicht zu
mißfallen, (to please the master,) geben ſie auch
ihren Beifall zu erkennen, loben die köſtlichen
„daß bald
ganz: Indien ſelbige annehmen werde, ſagen, es
ſei mit dem Götzendienſte nichts, und gehen dann
nach Hauſe, waſchen ſich ſorgfältig, um die Un⸗
reinigkelt, die ihnen die Berührung oder die Ge⸗
genwart eines unreinen Europäers zuzog, weg⸗
zuſchaffen, und bleiben nach wie vor. Nimmt
man 'n dieſem noch! ven Zuſtannd der aus den
Indiern geſammelten Gemeinden, ſo wird einem
nicht ſellen das Herz ſchwer, und man glaubt,
man arbeite vergeblich und bringe ſeine Kraft
Es bedarf daher ei⸗
ner öftern Auffriſchung und Ermunterung, da⸗
iiit man die Hände nicht ſinken laſſe, noch in
feinem Muthe laß werde, ſondern den Samen
des Worts gegen Hoffnung auf Hoffnung aus⸗
ſtreue und des Segens vom Herrn erwarte.
iſt ja doch unſre Sache die drs Herrn, und un⸗
ſer Amt unſies Gottes. Ei wird anch hier in
Indien unter dieſen? Gefangenen des Satans
Seinen Namen verherrlichen, ſie aus der Fin⸗
Mittel ſehr gering, und doch
haben ſie durch des Herrn Gnade und von Ihm
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