Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 25 › Seite 174
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-08-31, Seite 174
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
gen wenden, allenthalben ſehen wir die Wunder
unſeres Gottes, und von allen Seiten hören wir
den Ruf: Der Herr hat Großes an uns ge⸗
than, deß ſind wir fröhlich — In dieſen Lobge—
ſang ſtimmt auch Dein lieber Brief ein, indem
er von den großen Thaten Gottes in der Kirche
in Nordamerika redet. Fürwahr, auf das Werk
des Herrn und auf das Geſchäft Seiner Hände
zu ſehen, Seine Wunder zu verkündigen und
Seinen heiligen Namen zu preiſen, geziemt uns
ja vor allen Dingen, uns, deren Augen Er ge—
oͤffnet hat, zu ſehen ſein Werk und zu erkennen
die Macht Seiner Stärke. Darum ſei denn auch
vunſer Mund Seines Preiſes und unſre Zunge
Seines Ruhmes voll!— Zwar fehlt es bei Euch
auch nicht an vielſeitigem Kampfe und Ihr müſ⸗—
ſet gerüſtet ſein zur Rechten und zur Linken. Das
iſt aber ein ſehr erfreuliches Zeichen. Die Kir.
che, in der wir uns hier befinden, iſt eine ſtrei—
tende und lebt im fortwährenden Kampfe. Wo
dieſer ausgeht, da iſt Schlaf und Tod. Je mehr
Kampf, deſto mehr Gebet und deſto mehr Sieg.
Wie allenthalben, ſo iſt auch bei Euch der Kampf
nicht bloß gegen das ungöttliche Weſen und das
Reich der Finſterniß nach Außen hin gewendet;
es findet ſich auch unter den eignen Hausgenoſ—
ſen ſo Manches, dem widerſtanden werden muß.
Das iſt zwar höchlich zu beklagen, liegt aber in
der Natur der Sache. Die Sünde ſteckt nicht
in der menſchlichen Natur wie etwa ein Pflock,
den man nur ausziehen dürſte, um alles in den
beſten Zuſtand zu bringen, ſondern ſie hat unſer
ganzes Weſen durchgiftet, und der Heilungs—
prozeß iſt nicht ein momentaner, ſondern ein
durrchs ganze Leben fortgehender. So lange
ſind wir aber auch dem Irrthume ausgeſetzt, und
dageden muß gewacht und das Schwert des
Geiſtes ſiets gehandhabt werden..* *
Gebe der Herr der Kirche, daß alle Mißver—
ſtänd niſſe unter denen, die Er berafen hat zum
Ausbau Seines Reiches, beſeitigt werden, und
daß zwiſchen der Mutterkirche in ullſrem lieben
deutſchen Vaterlande und der Tochterkirche in
Eurem Amerika, ſowie Einheit im Bekenntniſſe
der Wahrheit, ſo auch Einheit im Kampfe nach
Außen und im Weiterbaſue des Hauſes Gottes
nach Innen bleibe, damit weder die Mutter die
Hand albziehe von der Tochter, noch auch dieſe
mißachtend auf iene ſehe, weil ſie an ihr ſo man⸗
ches entdeckt, was dem Ideale nicht entſpricht,
dem ſie nachſtrebt.
In meinem vorigen Briefe habe ich Dir in ei—
ner kurzen Ueberſicht mitgetheilt, wie der Herr
Sein Werk und Seine Kirche hienx i in Süd indien
in der letzten Zeit geſegnet habe, und es wird
Dir gewiß nicht unlieb ſein, etwas Weiteres da⸗
von zu hören. Der Herr hat ſich auch ſeitdem
au uns nicht unbezeugt gelaſſen, hat Seine Miſ⸗
ſion und Kirche freundlich angeſehen und mit
reichem S Segen begnadigt, und hat beſonders dar⸗
in geholfen, daß der Riß, durch welchen die An⸗
kunft des Hrn. Dir. Graul in unſerer Miſſion be⸗
zeichnet wurde, nicht erweitert, ſondern größten⸗
theils geſchloſſen wurde. Ich kann mir denken/
daß Du wünſchſt, ich möchte Dir über jene be⸗
Arübenden Vorfälle einige nähere Mittheilungen x
— 173—
machen; da aber der Grund der Zerwürfniſſe
tiefer und weiter zurückliegt, als ich in dieſem
Briefe auseinanderſetzen kann, ſo iſt beſſer, es
dem Herrn zu befehlen und dazu zu ſchweigen.
r * ( Boald nachdem ich meinen
vorigen Brief an Dich abgeſandt hatte, erlitt
auch meine eigene Stellung eine bedeutende Aen⸗
derung, die mich für lange Zeit in nicht geringe
Noth verſetzte und mein Verbleiben hier in In—
dien ſehr unſicher machte. Da indeß dieſer Punkt
jetzt beigelegt iſt, ich auch nicht gerne alte Wun—
den auffriſchen mag, ſo will ich Dir lieber mit
der Erzählung dieſer Geſchichte nicht beſchwerlich
fallen. Ich habe nun nicht mehr die Pflege der
Bethlehemsgemeinde in Poreiar, ſondern die der
im Weſten zerſtreut liegenden, zu unſerer Kirche
gehörigen Gemeinden in Pudukotto, Tritſchino—
poli und Tanjore. Wenn ich nicht irre, habe
ich Dir bereits mitgetheilt, in welcher Weiſe uns
das Arbeitsfeld in Pudukotto zugefallen iſt, und
wie ſich ein Gemeindlein in Tritſchinopoli unſe—
rer Kirche angeſchloſſen habe. Im Laufe letzten
Jahres hat ſich unſer Arbeitsfeld dort durch Got⸗
tes Gnade noch mehr erweitert, indem haupt⸗
ſächlich an drei Orten in Tanjore, Tiruweior und
Mottupotti ſich mehrere Familien von der engli⸗
ſchen Kirche trennten und zu unſerer Kirche, der
ſie auch größtentheils urſprünglich angehörten,
übertraten. Der weſtlichſte Hauptort dieſes Ar—
beitsfeldes iſt Tritſchinopoli, 90 engliſche Mei—
len von hier. Es iſt ein bedeutender Ort von
etwa 80,000 Einwohnern, liegt am rechten Ufer
des Kawerifluſſes und iſt in militäriſcher Bezie—
hung von ziemlicher Wichtigkeit, wes wegen auch
immer mehrere Regimenter Soldaten in Garni⸗
ſon dort liegen. Da früher der Nabob, ein Mu⸗
hamedaner, dort reſidirte, ſo befinden ſich unter
den Bewohnern der Stadt eine nicht geringe
Zahl Muſelmanen, deren Fanatismus bis jetzt
alle Einwirkungen von Seiten der Miſſionäre
auf ſie vereitelt hat. Aber auch unter den dor—
tigen Heiden hat das Ev angelium bis jetzt noch
wenige Siege gefeiert, obgleich bereits ſeit bei⸗
nahe 100 Jahren eine proteſtantiſche Miſſions⸗
ſtation dort iſt. Der erſte evangeliſche Miſſio—
nar, der ſich dort bleibend niederließ, war der ſe⸗
lige Ch. F. Schwarz, dem bei ſeiner Ueberſiede⸗
lung nach Tanjore der Miſſionar Pohle folgte.
Die wenigen Chriſten dort ſind nicht ſowohl aus
den Heiden geſammelt, als vielmehr Nachkom-—
men ſolcher Chriſten, die ihres Lebensunterhalts
willen von hier dorthin gezogen oder von der rö⸗
miſchen Kirche übergetreten waren. —37 engliſche
Meilen von Tritſchinopoli in ſüdſüdöſtlicher Rich⸗
tung liegt Pudukotto, die Hauptſtadt des Ton⸗
diman, eines kleinen Fürſten, der, obgleich eng⸗
liſcher Vaſall, doch bedeutende Vergünſtigungen
genießt als Lohn der Anhänglichkeit, die ſeine
Vorfahren im vorigen Jahrhunderte den Eng⸗
ändern bewieſen haben. Ihn einen un abhän-⸗
gigen Fürſten nennen wollen, wäre doch ein gar
zu arger Mißgriff; officiell wird er von der eng⸗
liſchen Negierung nur „Excellenz“ betitelt, wäh⸗
rend ſelbſt die penſionirten- Regenten von Tan⸗
jore, Arkot ꝛc. das Prädicat „Hoheit“ erhalten
In der Stadt Pudukotto ſelbſt befinden ſich nur
wenige Chriſten, und im Lande iſt das Miſhons⸗
werk erſt im Beginne. Der Nadſcha (König)
iſt ganz in den Händen der Brahmanen und den
Chriſten nichts weniger denn günſtig. Von Pu⸗—
dukotto, 38 engl. Meilen nach Nordoſt, liegt
Tanjore, die Neſidenz des Königs von Tanjore,
der nun in ſeiner Gewalt nichts weiter mehr hat,
als die Stadt Tanjore ſelbſt, die er ohne Erlaub⸗
niß des engliſchen Reſidenten nicht einmal ver—
laſſen darf. —Der Gründer der dortigen Miſſion
war der ſel. Ch. F. Schwarz, bei deſſen Leben ſie
auch ihre Blüthezeit hatte. Nach ſeinen Tode
verſah beſonders ſein Zögling Joh. Caſpar Kohl—
hoff die Arbeit daſelbſt, ein frommer, treuer
Mann, dene leider nur confeſſionelle Klarheit
und Entſchiedenheit gänzlich abging. Neben
ihm arbeiteten noch andere Männer, die häufig
mehr oder weniger vom Rationalismus ange—
freſſen waren, und daher kein Leben, ſondern nur
Tod verbreiteten. — Das lutheriſche Kirchenwe—
ſen, was die älteren Miſſionare doch allenthalben
in den von ihnen gegründeten Gemeinden ein⸗
geführt hatten, wurde nach Einſetzung engliſcher
Biſchöfe in Indien bald beſeitigt, die Kirchen
aufs Neue geweiht und die Gemeinden in das
Joch der Hochkirche geſpannt.— Das erregte in—
deß doch hie und da Unzufriedenheit und bewog
in letzterer Zeit mehrere Gemeinden, die Gemein⸗
ſchaft mit ihrer Mutterkirche wieder zu ſuchen.
So iſt denn auch zu Anfang dieſes Jahres ein
kleines Häuflein in Tanjore zu unſerer Kirche
zu rückgetreten, und noch andere haben um Auf—
nahme nachgeſucht. — Ich brauche Dir kaum zu
bemerken, daß wir nicht im Mindeſten darauf
ausgehen, Proſelyten aus der engliſchen Kirche
zu machen, ihnen vielmehr den Uebertritt zu uns
bedeutend erſchweren. Unſer Beruf iſt zumichſt,
den Heiden das Evangelium zu predigen, ihnen
die unergründlichen Schätze der göttlichen Gnade
anzupreiſen und ſie zu deren Genuß einzuladen.
Da aber unſre Kirche, wie ſie vom Herrn Gnade
empfangen hat, die lautere Predigt vom Worte
des Lebens und die rechte Verwaltung der heili—
gen Sacramente zu beſitzen, ſo auch den Befehl
hat, dieſe Gnadengüter keinem vorzuenthalten
der ihrer theülhaftig zu werden wünſcht, ſo köͤn—
nen wir nach Pflicht und Gewiſſen diejenizen
Glieder anderer Confeſſionen, die an der Gnade,
die der Herr unſerer Kirche elchrntt hat, Theil
nehmen wollen, nickt ehne Weiteres abweiſen,
wenn wir nicht gewiß ſind, ihr Verlangen ſei kein
aufrichtiges. Wir ſind ja nicht Herren über
Gottes Geheimniſſe und Gnadenſchätze, ſondern
bleß Diener, die nicht nach eigenem Belieben in
Gottes Haushalt ſchalten und walten können,
ſondern den Befehlen ihres Herrn und Meiſters
Gehorſam und Folge zu leiſten haben. —Gerade
aber dieſes gewiſſenhafte Verfahren nach unſerer
Amtspflicht hat uns eine kaum zu beſchreibende
Feindſchaft von ſämmtlichen en gliſchen Miſſiona⸗
ren zugezogen, und wir mäſſen nun hier durch
mancherlei Gerüchte hindurchgehen. —Einer die—
ſer Miſſionare, ein höchſt unwiſſender Menſch,
hat nun geglaubt, uns, ſeine. Gegnet, mit einem
Streiche erlegen zu könuen, wenn er uns öffent⸗
lich anklagte, wir ſuchten in Derbindung mit den
English translation
Not yet translated.