Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 6 › Seite 47

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-10, Seite 47

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aus einem Menſchen ſpäter ein Taugenichts
wird. Allein das Sprüchwort kann auch in ei—
nem beſſeren Sinne genommen werden.

Jugend, ob Jemand ſpäter ein tüchtiger Mann
werden wird. So konnte man es wohl bald
an dem kleinen Luther merken, daß er einſt ein
tüchtiger Theolog werren werde, da er ſchon als
Knabe nicht nur ſo fleißig lernte und Fortſchritte
machte, ſondern auch das Sprüchlein immer im
Munde führte: „Fleißig gebetet, iſt über
Hälfte ſtudirt.“ Ein anderes Beiſpiel hierzi
von dem ich bier erzählen will, iſt der alte T
olog Johannes Heinrich Feuſtking.

Dieſer war der Sohn eines im 17. Jahrh.
lebenden getiſeligen lutheriſchen Predigers zu
Stellau im Holſteiniſchen. Schon in der Wie—
ge hatten ihn ſeine lieben Eltern zu einem Die—
ner Gottes in ſeiner heiligen Kirche beſtimmt.
Und ſiehe! gar bald zeigte es ſich, daß es auch
wirklich Gottes gnädiger Wille ſei, der kleine
Heinrich ſelle einſt einmal ſein Prediger wer—
den. In der Bibel las er nehmlich ſo gern und
eifrig, daß er, als er das zehnte Jahr ſeines
Alters erreicht hatte, die ganze heilive Schrift
ſchon fünfmal ganz durchgeleſen hatte. Zwar
ſtarb ihm ſein lieber Vater bald, ſo daß es ſchien,
er werde doch wohl noch ein Handwerk lernen
müſſen. Aber ſeine fromme Mutter Dorothea,
eine geborne von Molsdorf, meinte, der rechte
Vater lebe ja noch, und der werde ſchon helfen,
daß ihr liebes Söhnlein, welches einmal dem
HErrn geweiht worden ſei, noch ſein Dieuer
werden könne. Und Gott ließ ihre Hoffnung
auch nicht zu Schanden werden. Mit Hilfe
frommer Chriſten brachte ſie es nach des Vaters
Tode dahin, daß der hoffnungsvolle Waiſen—
knabe auf die lateiniſche Schule in Itzehoe nnd
ſpäter auf das Gymnaſium zu Krempe kam.
Die Hauptſache aber, die die verwittwete from—
me Mutter hierbei that, waren die Gebete, die
ſie unabläſſig für das Schülerlein zu Gott ſen—
dete, und die herzlichen mütterlichen Ermahnun⸗k
gen, die ſie fort und fort an ihn richtete. Da—
ber er ſelber, als er ſpäter ein Mann geworden
war, von ſeiner Mutter geſchrieben hat: „daß
ſie mit mehr Sorgfalt und Mühe an ſeiner geiſt⸗
lichen Geburt gearbeitet, als ſie ihn dem Fleiſche
nach geboren habe.“ Ihre mütterliche Sorge
und Treue, ihre ſtillen Thränen und Gebete wa⸗
ren aber auch nicht verloren. Unſer Johan—
nes Heinrich Feuſtking machte bald n
auf der Schule ſo große Fortſchritte, daß er ſchon
als ſechzehnjähriger Knabe — es war im J.
1688 — die Univerſität zu Roſtock und ein
Jahr darauf die zu Wittenberg beziehen konnte,
wo er ſeine theologiſchen Studien glücklich und
geſegnet vollendete. Er war nun ein ſo guter
Prediger geworden, und ſein Ruf ſo weithin er—
ſchollen, daß man ihn an mehrere große Gemein—
den hin berief. Sein Leben war zwar nach
Gottes unerforſchlichem Rathe ein kurzes; er
ſtarb ſchon im zwei und vierzigſten Jahre ſei⸗
nes Alters; aber nachdem er durch ſeine herrli—
chen Predigten und ſchönen Schriften einen gro—
ßen Segen in der Kirche geſtiftet hatte.

The⸗

Häu⸗
fig zeigt es ſich nehmlich auch gar bald in der

— 46 —

Die Urſache aber, warum ich geſagt habe, daß
an ihm das Sprüchwort in Erfüllung gegangen
ſei: „Was ein Häkchen werden will, krümmt
ſich beizeiten,“ iſt eigentlich folgende.
ſer Heinrich erſt neun Jahr alt war, wurde
ſein Vater einſtmals ſo unwohl, daß er ſah, er
werde wohl am nächſten Sonntag — es war der
Sonntag Miſericordias Domini — nicht pre—
digen können. Im Scherz ſagte daher der Vater
zu dem Kleinen: da er nächſten Sonntag ſelbſt ſi
nicht predigen köͤnne, werde er wohl die Pre—
„digt üvernehmen und ſeine Stelle vertreten müſ—
ſen. Stillſchweigend hört dies der Knabe, und
in der Meinung. der Vater habe die Sache ernſt—
lich gemeint, geht er auf deſſen Studirſtube und
lernt hier heimlich eine Predigt aus der Poſtille
des alten Dilherr vom guten Hirten auswen—
dig. Der Sonntag kommt. Der Schnlmeiſter,
dem aufgetragen worden war, eine Predigt zu
leſen, geht in die Kirche, um den Gottesdienſt
zu beginnen; findet aber den kleinen Pfarrhein—
rich ſchon in der Sacriſtei, im Begriff, daſſelbe
zu thun. Der Knabe erklärt dem Schulmeiſter
mit ernſter Miene, der Herr Vater habe es ſo
befohlen. Mit Befremden hört dies der Lehrer,
ſtimmt das Lied: „Nun bitten wir den heiligen
Geiſt ꝛc.“ an und eilt nun während des Ge—
ſanges in die Pfarre, um hier den Eltern des
Knaben Vorgeben zu hinterbringen. Kaum iſt;
aber der Schulmeiſter fort, ſo tritt der Knabe
heraus an den Altar, und da die Gemeinde
nach Beendigung des erſten Verſes zu ſingen
aufhört, fängt er auch alſobald an, ſeine me—
morirte Predigt herzuſagen. Unterdeſſen war
aber der Schulmeiſter in Begleitung des Vaters
zur ückgekehrt. Mit Erſtaunen hören dieſe ſchen
vor der Thür, daß der Kleine bereits mitten im

Als un⸗

habt, desgleichen mit den Wittwen Reynera und
Anna und mit ſeiner eigenen Enkelin; daß 4
ſeinen eigenen Beichtvater blind gemacht, öffene!
lich gewaffnet ausgegangen, Fenſter und Thürtt
eingeſchmiſſen und auf die Geſundheit des Teu-⸗
fels getrunken habe. Das Ende eines ſo ſchän⸗4
lichen Pabſtes iſt folgendes geweſen: Er ſtath
im Jahr 964, in dem 10. Jahre ſeiner Rtgiczs
rung. Er wurde nehmlich von einem, welcheh
ihn im Ehebruch mit ſeiner Frau ergriffen hatt,
erſtochen.

zon Pabſt Pius III. ſchreibt Gundinbus
Illescas, ein ſpaniſcher Prieſter und ſonſt eifri⸗
ger Papiſt und Vertuſcher der päbſtlichen Un⸗1
thaten: „Er ſei ein erſchrecklicher Gottesläſterer!
geweſen und obgleich ſeine Reden unverſchämt

jund das Buch dem Pabſt dedicirte, unter deſſen

Predigen ſei, und da der Vater bald merkt, daß
die Predigt aus Dilherr's Poſtille iſt und der
Knabe ſie Wort für Wort ohne Anſtoß vorträgt, ö
wagt er nicht, die andächtige Verſammlung zu
ſtören, ſondern wartet vor der Thür, bis der

hat.

Die Heiligkeit der Paͤbſte.

Pabſt Johannes XIII. (nach Anderer Rech—
nung der XII.) ſteht ſelbſt bei den Papiſten nicht
in dem beſten Rufe. Unter Anderen nennt ihn
der Minorit Joh. de Pineda, um anzuz zeigen,
welchen Johannes er meine, gewöhnlich „Jo—
hannes den Sünder“ und an anderen Stellen
ein „hölliſches Ungeheuer.“ Der Biſchof von
Cremona Luitprand gibt von ihm folgende Be—
ſchreibung: „In einer Synode zu Rom, welcher
Kaiſer Otto IV. ſelbſt beiwohnte, wurde dieſer a
Pabſt bezüchtigt: daß er den canoniſchen Gottes—
dienſt nicht abwartete; daß er nicht communicir—
te, wenn er Meſſe läſe; daß er die Diakonen in
einem Pferdeſtalle ordinirt habe; mit zwei
Schweſtern Blutſchande begangen habe; den
Teufel im Würfelſpiel zu Hülfe gerufen; für
Geld Biſchöffe gemacht; viele Frauensperſonen
ihrer Ehre beraubt; ein unerlaubtes Verſtänd-

kleine Prediger alles glüchlich zu Ende gebracht

0 warum biſt du doch ſo träge,

geſchienen, ſo hätten ſeine Thaten jenen doch
den Vorzug ſtreitig gemacht. Man hörte ihn !
ſolche gottesläſterliche Reden führen, daß auch
der ärgſte Lotterbube und Kriegsknecht es nich
ſchlimmer hätte machen können.“ Unter dieſen
Pabſte ſchrieb Jobannes de la Caſa, Erzbiſchßß
zu Benevento, Dekan der apoſtoliſchen Kammtr
und päbſtlicher Nuntius zu Venedig, ein Buch
von der Sodomiterei, worin er dieſen uufläthig-
ſten aller Greuel, als ein göttliches Werk lebte

Privilegium auch daſſelbe zu Venedig durch Tu— ö
janus Novain im Jahre 1552 gedruckt worden

iſt. (Dazu gab natürlich der Antichriſt Frei—
heit, während er den Druck von Bibeln t
und diejenigen, bei welchen er Bibeln vorfand,“
verbrennen ließ. Der „Wahrheitsfreund,“ der
neuerdings das antichriſtiſche, fluchwürdige und
teufliſche päbſtliche Verbot des Bibelleſens gott— ö
loſer Weiſe vertheidigt hat, hätte billig, um ſei⸗ 4
nem Werke die Krone aufzuſetzen, mit erzählel“
ſollen, daß iedoch ſolche echt päbſtliche Bücher,
wie de la Caſa's, von Sr. Heiligkeit, Vater
Pabſt, zu leſen keineswegs verboten worden
ſeien.)

Lobe den Herrn, meine Seele.

O Seele, deinen Gott zu loben?
Don deſſen treuſter Liebespflege
Du täglich ſiehſt ſo viele Proben,
Und der mit Gutem allewege
Hat überſtrömet mich von oben.
Iſt's recht, ſo, ohne ſich zu ſchämen,
Dem HErrn den ſchuld'gen Dank zu nehmen

Und doch hat ewig er geſchworen:

„O O Menſchenkind, ich bin dein Vater!“

Als in der Tauf' du neugeboren,

Und ſtets war er dein treuſter Rather.

Ja, was dir Sünder, der verloren,

e Liebe nur kann thun, das that er.
Wie, willſt du deinen Gott ſo kränken,

Und ſeine Liebe nicht bedenken?

Sag', was iſt anders doch dein Leben,
Als eine unermeß'ne Kette 5
Wohlthaten, die dir Gott gegeben, 2
Und die an Größe um die Wette

niß mit ſeines Vaters Concubine, Stephana, ge⸗

Einander zu verdunkeln ſtreben?

English translation

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