Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 6 › Seite 32

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-10, Seite 32

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ſriten und zeugen.
Streiten iſt ibre heiligſte Pflicht, iſt ein Gottft
woblgefälliges Werk und wer es aus Menſchen—
murcht und Menſchengefälligkeit, oder aus Gleich—
Willigkeit gegen die Wahrheit unterläßt, der be⸗
gebt eine ſchwere Sünde. Ja der Herr Jeſus
bezeugt, daß er gerade dazu gekommen ſei, eine
ſolche Zwietracht, ein ſolch heiliges Kampfesfruer
auf Erden anzurichten. Venn er fährt fort:
Ihr ſollt nicht wähnen, daß ich gekommen ſei,
Frieden zu ſenden auf Erden. Ich bin nicht ge—
kemmen, Frieden zu ſenden, ſondern das Schwert.
Denn ich bin Hetomen, den Menſchen zu erre—
gen wider ſeinen Vater, und die Tochter wider
ihre Mutter, und die Schnur wider ihre Schwie—
ger. Und des Menſchen Feinde werden ſeine
tigenen Hausgenoſſen ſein. Matth. 10, 34 —
36. Und weiter ſpriater: Ich bin gekommen,
daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte
ich lieber. denn es brennete ſchon? Meinet ihr,
daß ich „en bin, Frieden zu bringen
auf Erden? Ich ſage: Nein, ſondern Zwietracht.
Lue. 12, 49. 51.

Und auch ſonſt ermahnt uns der hl. Geiſt an
zielen Stellen der hl. Schrift, nicht blos die
reine Lehre des göttlichen Wortes treulich feſtzu—
halten, ſondern auch alle falſche Lehre ernſtlich
zu haſſen, zu meiden und zu beſtreiten. Der hei—
lige Judas ſpricht, v. 3.: Ich hielt es für nö—
thig, euch mit Schriften zu ermahnen, daß ihr
ob dem Glauben kämpfet, der einmal den
Heiligen vorgegeben iſt. Timotheus erhält die
Ermahnung: Leide dich als ein guter Strei⸗
ter Jeſu Chriſti. 2 Tim. 2, 3. Ein chriſtlicher
Prediger ſoll alſo die ihm anbefohlene Heerde
nicht blos weiden mit dem Worte der reinen
Lehre, ſondern auch ſtreiten gegen die Wölfe, d
i. die Ketzer und falſchen Propheten, welche durch
das Gift ihrer Irrlehre die Seelen ſeiner Zubö—
rer zu morden ſuchen. Ja es heißt weiter: Und
ſzo Jemand auch kämpfet, wird er doch hi0
gekrönet, er kämpfe denn recht. 2 Tim. 2, 5.
Es wird alſo der Prediger, welcher den vom
Herrn gebetenen Kampf gegen die Irrlehrer un—
terläßt, die Krone der Ehren nicht erlangen.
Nach Gottes Wert iſt er ein „ſtummer Hund.“
hen 56, 10. 11.
Darunm haben auch die heiligen Männer Got—
tes die falſchen Propheten, als Träger und Ver—
breiter ſeelenmörderiſcher Irrlehre allezeit ernſt—
lich gehaßt. David ſagt: Ich haſſe, die da hal—
ten auf faliche Lehre. Pſ. 31, 7. Und Pſ. 119,
113.: Ich haſſe die Flattergeiſter; und liebe dein
Eeſetz. Deßhalb wünſcht auch der Apoſtel Pau—
lus: Wollte Gott, daß ſie auch ausgerottet wür—
den, die euch verſtören. Gal. 5, 12. Ja, der
hl. Geiſt ſpricht durch ihn den Fluch aus über
alle muthwilligen Verfälſcher des Evangeliums:
Se auch wir oder ein Engel vom Himmel, euch
würde Evangelium predigen anders, denn das
wir euch gepredigt haben, der ſei verflucht. Gal.
1. 8. Alles dieſes Streiten, welches der hl.
Geiſt ſo ernſtlich gebietet und ſo gewaltig durch2
ſeine Organa übt, nennt Herr Naſt fleiſchl ich.
Welcher Frevel!

Daß wir aber gegen die Irrlehrer, wie z. B.

Solches Kämpfen und

— 31—

die Methodiſten, auch mit ſcharfen harten Wor!

ten ſtreiten ſollen, um die Serlen vor ihrem Lü—
geugifte zu warnen, gebietet uns Gott an allen
den Stellen, wo er befiehlt, daß die Prediger ge—
troſt rufen, nicht ſchonen, ſondern ſcharf ſtrafen
ſollen, Jeſ. 58, 1. Tit. 1, 13. Es ermahnt
uns dazu auch das eigene Vorbild des Apoſtel
Paulus, welcher von den Irrlehrern mit dieſen
Worten ſpricht: Sehet auf die Hunde, ſehet auf
die böſen Arbeiter, ſehet auf die Zerſchneidung.
Phil. 3, 2. Es ermahnt uns dazu ſelbſt ſein
Berfaͤhren gegen einen Apoſtel, den Apoſtel Pe—
trus. Als derſelbe nicht richtig wandelte nach
der Wahrheit des Evangelii, widerſtand er ihm
unter Augen und ſtritt gegen ihn vor allen öf—
fentlich mit ſehr ernſten, ſcharfen Worten, und
nannte das Verfahren deſſelben noch in dem
Briefe an eine Gemeinde Heuchelei. Gal. 2,
11—14.

Es iſt alſo eine offenbare Lüge, wenn Herr
Naſt ſagt: „der Geiſt Gottes, der Geiſt des
Friedens und der Liebe iſt und regiert nicht, wo
Streit iſt.“ Im Gegeuntheil, wo der Geiſt Got—
tes iſt und regiert, da iſt Streit gegen die falſche
Lehre. Darum laßt uns freudig und ritterlich r
kämpfen gegen alle Verfälſchung des göttlichen
Wortes, damit auch wir einſt die Krone der Eh—
ren empfahen.

Hermann Fick.

8

Das erzwungene Colloquium.

Während die Rechtgläubigen, immer bereit?

zur Verantwortung jedermann, der Grund for—

derte der Hoffnung, die in ihnen war, es nie,
ausſchlugen, wenn ihnen eine Disputation mit

ihren Widerſachern angeboten wurde, ſo haben

hingegen die Falſchgläubigen nicht ſetten in ei⸗

nem ſolchen Falle allerhand Winkelz züge gemacht
und dahin gearbeitet, einer öffentlichen Beſpre—
chung zu entgehen. Ein Beiſpiel hierzu ſind
die Donatiſten. Von ihnen ſagt der hei—
lige Anguſtin us, auf die Einladung zu
einem Colloquium ſei ihre Antwort geweſen:“
„Es iſt eine unwürdige Sache, daß die Söhneni
der Märtprer ſich nut dem Geſchlecht derer ver—
ſammeln, welche die heilige Schrift ausgeliefert

haben.“ An einer anderen Stelle ſagt er: „Da nus' Werken,

ſie wußten, daß ſie keine gute Sache hatten, 3
trachteten ſie vorerſt darnach, ſo viel ſie nur ver⸗

mochten, daß die Unterredung ſelbſt nicht ſtatt

fände und ihre Sache gar nicht verhandelt
würde. Aber weil ſie dies durchaus nicht er—
halten konuten „(da nehmlich der Kaiſer ſelbſt
auf Anſuchen der Rechtgläubigen eine Unterre—

dung anbefohlen hatte),„ bewirkten ſie durch die

Mannichfaltigkeit der Sachen ſo viel, daß das,
was verhandelt worden iſt, nicht leicht geleſen
würde.“ Die Rechtgläubigen hingegen mach—
ten ſich, wie Auguſtinus ſchreibt, vorter ſchrift—
lich dazu verbindlich: „Wenn ihnen nachgewie—
ſen würde, daß die wahre Kirche auf Seiten
Donat's ſei, ſo wollten ſie dort keine biſchöf⸗
liche Würde ſuchen, ſondern um des Heils der

Chriſtenheit willen der Verſammlung derſelben
folgen; wenn aber vielmehr in ibrer Gemein—

ſchaft die wahre Kirche gezeigt würde, ſo woll⸗

ten ſie deuſelben (den Donatiſten) die biſchöfli⸗
chen Würden nicht verweigern; und das geſchehe
von ihnen um Friedens willen, damit die, wel—
chen ſie dies zugeſtänden, erkennen möchten, daß
die Rechtgläubigen nicht die chriſtliche Weihe bei
ihuen, ſondern den menſchlichen Irrthum ver—
abſcheuten. Wenn nun das Volk in Einer Kir—
che zwei Biſchöfe nicht ertragen (erhalten) könn—
te*), ſo ſollten beide weichen, einzeln ſtehende
Biſchöfe beſtellt und dieſe von denjenigen Bi—
ſchöfen ordinirt werden, welche in ihrer. Gemein—
den einzeln ſtehend vorgefunden würden.“ Nach
dem Kaiſerlichen Edikt ſollten von beiden Sei—
ten je 18 Biſchöfe gegenwärtig ſein; die Recht—
gläubigen fügten ſich dieſer Vorſchrift und es
kamen ihrer 18 zur Disputation; die Donati—
ſtiſchen Biſchöfe erſchienen bis auf die krank
darnieder liegenden Mann für Mann, etwa ih⸗
rer 120. Auch dieſes lieben die erſteren ſich
gefallen. Der Kaiſerliche Unterſuchungsrichter
forderte alle Anweſende auf, ſich niederzulaſſen.
Auguſtin ſagt: „Alſobald ſetzten ſich die Recht⸗
gläubigen nieder, die Donatiſten hingegen ver⸗
weigerten dies. Bei welcher Verweigerung ſie
unter Anderem auch dies ſagten, für ſie ſtehe

geſchrieben, daß ſie mit ſolchen Leuten nicht zu⸗
ſammen ſitzen dürften. Worauf die Rechtgläu⸗
bigen, damit kein Verzug entſtünde, jetzt nichts
erwiederten.“ Später erklürten die letzteren,

wenn die Donatiſten es für Sünde hielten, wi⸗

Pſ. 26, 4. mit ihnen zuſammenzuſitzen,
ſo hätten ſie es auch für Sünde halten ſollen,
ſich wider Pſ. 26, 5. mit ihnen zu verſam—
meln; aber hier ſei nicht von leiblicher, ſon—
dern geiſtlicher Gemeinſchaft die Rede.

Das Colloquium dauerte drei Tage lang.
Der Ctfeͤlg war, daß die Donatiſten in ihrer
ganzen Schande, die Rechtgläubigen als voll—
kommen gerechtfertigt vor jedermann daſtanden.
So viel auch hierbei die Rechtgläubigen von der
Falſchheit und Bosheit ihrer Gegner hatten lei—
deu müſſen, ſo war doch der offenbare S Sieg der
Wahrheit, der hierbei davon getragen wurde,
ihnen eine reichliche Vergeltung für die von ih—
nen bewieſene Demuth und Selbſtverleugnung.
Vergleiche: Brevicul. collation. in Auguſti⸗
Bas ler Ausg. Tom. VII, fol.

5690-592., raraus wir obize Data ausgezo⸗
gen.

Die Anwendung auf nnſere gegenwärtigen
Verhältniſſe mache der geneigte und ungeneigte
Leſer ſelbſt.

) In Foige der durch die Denatiben angerichteten Kir⸗
ö chenſpaltung gab es nehmlich in vieten afritaniſchen Städten
zwei Biſchöſe, einen recitgläubigen und einen donati hiſcheu.

Quittun“ und Dank.
Der Unterzeichnete bekennt mit Dank gegen
Gott und die milden Geber — die Glieder des
Jünglings-Vereins in Aktenburg. Perry Co.,

Mo. —, von denſelben empfangen zu haben
812,00.

Vergelte Gott es den Gebern zeitlich und
ewiglich.

P. Beyer

Concordia-College d. 25. Septbr. 1852.

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