Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 6 › Seite 33

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-10, Seite 33

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Grabauiana.

In der neueſten Nummer des „Informato—
rium“ greift Pſt. Grabau die Worte eines Cor⸗
reſpondenten des „Lutheraner“ an: „Zur ſicht—
baren Kirche gehören alle chriſtlichen Secten,
ſofern ſie noch Wort und Sacrament weſent⸗
lich haben.“ Dagegen führt derſelbe Stellen
aus Luther an, in welchen bezeugt wird, daß
das Pabſtthum nicht ein Stück der chriſtlichen
Kirche ſei, und bezüchtiget unſeren Correſpon-—
denten des Irrthums, daß er die wahre Kirche
für einen Miſchmaſch aller Sekten und Rotten
anſehe.

Hätte dies ein einfältiger, nicht wiſſenſchaft⸗
lich gebildeter Mann entgegnet, ſo könnten wir
es ihm leicht verzeihen, denn ein ſolcher kann
ſich wohl oft in den Gebrauch und in die Be—
deutung der Adverbia limitandi vel restrin-
gendi, (Beſchränkungswörtlein) nicht finden.
Es gibt nehmlich gewiſſe Wörtlein, welche, wenn
man ſie hinzuſetzt, eine Rede ſo einſchränken,
daß man von einer Sache etwas ſagen kann,
was ohne dieſen einſchränkenden Zuſatz aller—
dings falſch wäre. Zu dieſen Wörtlein gehört

z. B.: als, nach, ſofern, rückſichtlich
ꝛc. So kann man nicht ſagen: Wer falſch und

ungerecht in den Bann thut, geht verloren.
Wohl aber kann man das ſagen, wenn man
hinzuſetzt: Sofern ein ſolcher ungerecht Ban—
nender nicht Buße thut. Man kann ferner
nicht ſagen: Der Teufel iſt etwas Gutes.
Wohl kann man aber ſagen: Der Teufel, als
Gottes Creatur, oder ſofern ihn Gott ge⸗
ſchaffen hat, oder nach ſeinem von Gott ge—
ſchaffenen Weſen, oder rückſichtlich deſſel⸗
ben, iſt etwas Gutes. Leute jedoch, welche
nicht fähig ſind, einzuſehen, welchen Einfluß auf
den Sinn eines Satzes die Hinzuſetzung eines
einſchränkenden Wörtleins habe, entſetzen ſich
häufig vor einem Satz, deſſen Sinn ſie, wenn
ſie ihn recht verſtünden, von Herzen unterſchrei—
ben würden. Daher ſchreibt Spener: „Es
bleibt eine ausgemachte Sache, daß kein Hete-
rodoxus qua talis „(d. h. kein Falſchgläubiger
als ſolcher), ſelig werden könne. Ich laſſe
aber wohl gelten, wo man mit Leuten, die The⸗
ologiam nicht ſtudirt haben, redet, werden ſie
ſolche Phraſin (Ausdrucksweiſe) nicht verſtehen,
daher kein Wunder, daß ſie darüber etwa un—
gleich antworten.“ (Bedenken VI, 73.)

Wer muß ſich aber nicht wundern, daß Pſt.
Grabau ſo ungleich antwortet auf jene Phraſin
unſeres Correſpondenten? Oder weiß er nicht
was das einſchränkende Wörtlein „ſofern,“ deſ-,
ſen ſich unſer Correſpondent bedient, bedeute? —
Es bedeutet der ganze Satz mit ſeinem „So—
fern“ nichts anderes, als dies: Die Sekten,
ſofern ſie noch etwas von der reinen Lehre
haben, ſofern und ſoweit ſie daher nicht
von der wahren Kirche abgefallen ſind, ſofern
ſie alſo nicht Sekten ſind und Kinder
Gottes oder die Kirche unter ſich haben, ge—
hören zur ſichibaren Kirche. Wer dieſen Sinn
nicht herausfinden kann, den möchten wir, wie
einſt Luther den Zwingli, freundlichſt gebeten

— 32—

haben, noch einige Lektionen in der Logik zu
nehmen.*)

Was ſind alſo alle die Deklamationen unſe⸗
res Herrn Gegners gegen unſeren Indifferen
tismus und unſeren Unionsſinn? Es ſind
Luftſtreiche. — Die weitere Ausführung der
Sache und der Nachweis, daß die Lehrer unſe—
rer Kirche immer ſo geredet haben, überlaſſen
wir unſerem Herrn Correſpondenten ſelbſt.

Pſt. Grabau macht gegen uus in der ge—
nannten Nummer auch daraus Capital, 1. daß
uns Prof. Dr. Delitzſch ein Buch dedicirt hat,
in welchem viele Irrthümer ſich finden; und 2.
daß der „Kirchenbote“ von Gettysburg meldet,
Dr. Guericke ſei zur unirten Kirche abgefallen.

Wir antworten ad 1. Wir glauben wohl,
Pſt. Grabau würde, wenn er in unſerem Falle
geweſen wäre, Herrn Dr. Delitzſch als Antwort
auf ſeine Dedication eine Bulle zugeſchickt und
ihn darin für einen Ketzer erklärt haben. Wir
konnten das nicht, indem wir wiſſen, daß Herr
Dr. Delitzſch weit davon entfernt iſt, ſeine Irr—
thümer halsſtarrig feſt zu halten. Wir haben
ihn aber privatim ermahnt, und, wo nöthig,
auch öffentlich ſeine Irrthümer verworfen und
verdammt. Daß wir hier in Amerika noch
nicht öffentlich dagegen proteſtirt haben, hat le—
diglich ſeinen Grund darin, daß wir meinten,
das Buch eirculire hier nicht.

Ad 2. antworten wir: Wir ſind nicht ſo
voreilig, dem nur zu verdächtigen „Kirchenbo⸗
ten“ etwas Schimpfliches nachzuerzählen, wel—
ches dieſer von einem Manne meldet, der ihm
bisher als ein „Haupt der Altlutheraner“ zu—
wider geweſen iſt. Wir warten auf ſichere Nach⸗
richten. Sollte es ſich aber ſpäter wirklich als
begründet erweiſen, daß ſich Dr. Guericke in
die Union habe verlocken laſſen, ſo müßten und
würden auch wir dieſen Schritt entſchieden ver—
dammen. Es iſt übrigens lächerlich, den Ab—
fall eines Mannes, der vor einiger Zeit ſich mit
uns einverſtanden erklärte, uns verantworten
und enigelten laſſen zu wollen. Was würde
Pſt. Grabau dazu ſagen, wenn man ihn des⸗
wegen der Hinneigung zu „miſſouriſchen Leh—
ren“ beſchuldigen wollie, weil ſolche denſelben
zugefallen ſeien, die (noch im Jahre des Ab⸗
falls) mit ihm, dem Pſt. Grabau, überein⸗
ſtimmten? Er würde ſagen: Wie? verdamme
und verfluche ich nicht redlich nicht nur die Miſ⸗
ſouriſchen Lehren, ſondern auch die Miſſourier
ſelbſt? Können wir nun auch nicht behaup⸗
ten, daß wir die Unirten je verdammt ha⸗
ben (es ſei denn, qua Unirte oder ſofern ſie
ſolche ſind), ſo haben wir doch die Union, wie
ſie gegenwärtig ſtatt findet (nehmlich ohne Ei⸗
nigkeit in der Wahrheit) immer verdammt und
die Schmach, für falſch excluſiv zu gelten, ſeit
einer langen Neihe von Jahren mit Freuden ge—
tragen, bis Herr Pſt. Grabau gekommen iſt,
dem wir noch nicht ercluſiv genug ſind.

„) Sehr empſehlenswerth iſt in dieſer Beziehung auch die
Philologia sacra Glassii, wo unter Anderem von den Ad-
verbiis limitandi gehandelt wird, ſelbſt für Gelehrte, ſo⸗
fern dieſelben vieſes Theils der Syntax und Logik unkun⸗
dig ſind.

24
TE ss

ſvon Herrn Paſior Ir cke in Indianopolis und

Quittung und Dank.

Erhalten 59,57. von der Jobannis-Gemeſn
zu Euclid bei Clevelan
5,53. von Gemeinde-Gliedern
Cleveiand. „

6,00. vom Jünglings-Verein 11
Cleveland. ö

Möge der gute Gott die milden Geber ſeg⸗
nen, beides, leiblich, allermeiſt aber geiſtlich.
Heinrich König 5

Fort Wayne d. 24. Septbr. 1852.3

de

1i

I.

Erhalten
a. zur Sonodal⸗-Caſſe:

von Herrn Gottiieb Richter 0.
b. zur Sonodal⸗Miſſious⸗ Caſſe: 4

ſeiner Gemeinde 100

Hrn. Gotttieb Richter 1,00.

c. zur unterbaltungder Concordia⸗ Collega 9 4
aCat.

d. für arme Studenten: x

von Hrn. Georg Rasp in Pomeroy, O. ‚ 200.

e. zur Unterſtützung des bitſigen Coll ezr.
Banes:

von Gemeindegliedern des Hrn. Pſt. Kunz in

Eligrove, Cook Co., Ill.

30.

nemlich:
75 Cts. Chriſtorh Senne,
50 „ Cbriſtoph Menſching,
25 „ Cbriſian Lunnemann,
50 „„ Cbriſtoph Henne, —
25 „ Heinrich Röhier, —
50 Conrad Ouman
Philipp Oſtinann. — 4
16/%M0.

durch Hrn. P. Habelei in Pomeros, O., eingeſ.
von Orn. Pſt. Fricke und ſeiner Gemeinde:

1.• Sendung 31½0,
12.90.
von den Oerren Schuricht und UÜblig bier 50,04

„den Herren Paſioren Sibler, Crämer, Kübn,
den Herren Schutlebrern Wolf unt Richter,
den meiſten Gliedern und ettichen Abend⸗
mablegäſten der Gemeinde zu Jort Waynt,

zweite Sendung 00,00.
„etlichen Gemeindegliedern in St. Lonis 11,00.
„ der Gemeinde in und um Miſchawaka, Ja. %

einer kleinen Gem. in Madiſon Towu ſb. Ja.,
einem kleinen Gemeindlein in Towuſhip
Bainbridge, Mich.

„ Herrn Hd in Lacgington D. C. JW.
7. Pt daſelbſt 5.
„ Orn. Pſt. Schürmann und ſeiner Gemeinde 2,88.
„ „ Georg Fiſcher in Staunton, Ill. 940.

ſt. Klintenberg und ſeiner Geme inde,
in Bartholomew Co., Ja. 6/75.
F. W. Barthel, Caſſirer.

7.

Bezahlt

den 6. Jahrg. Herr Andreas Zagel — 50 Cte. ‚
„ 7. . G. Dörner, Hans Meyer, Friett.
Daa Bah Ttürwächter.
HH. Paſt. Baßler, Adam Bohne, G. Dirner,
Schneider Fricke, Georg Fiſcher, Daniel Göalen,
Georg Greb, Paſtor Haktſiädt, (10 Er.), Hans
Meyer, Friedr. Pechmann, Fried. Straubd, Phil.
Theiß, Friedrich Thürwächter.
die 1. Hälfte des 9. Jahrg. HH. Eduard Schocke, Haun⸗
ſchild, Thorbeck.
die 2. Hälfte des 9. Jahrg. HH. Anton Bade, Rrh
und Vebling, Wilb. Brüggemann, Chriſtian Zä⸗
ger, Ludwig Mever, Carl Wiſchmever.
den 9. Jahrg. HH. Michatl Bauer, Heinich Borren⸗
pohl, Fried. Böſe 11. Adan Brück, Heinr. RPag⸗
mann, Heinrich Brinkmann, Heinrich Bierm
Jobann Mich. Deuter, Wilbelm Dornfeld, Gerd.“
Heinr. Dankmever, Schneider Fricke, Franz Frich⸗
tenicht, Georg Fiſcher, Daniel Göglein, Dann
Heine, Hermann Hover, Philipp Kief, Hein
Kratz, Johann Bernbard Krudop, Johaun Wiß.
Lindlag, Heinrich Möller, Ferdinand Meyer, P. .
Clemens Miller, Franz Oelſchläger, Heinr. Oden⸗
thal, Cbriſtian Oſtermever, Cbriſtian Picpenbrinl,
Ernſt Piel, Wilbelm Piel, Friedrich Röſener, Eh⸗
lert Netſe, Cbriſtian Roſe, Pſt. , Cbri. He⸗
mann Röſener, Heinrich Sudbrink, Chriſt. Schtt.
der, Guſta Spiegel, Jobann Schner, Fririuh
Stutz, Chriſtian Heinrich Schönkel, Gottlich Tbit ⸗
me, Phil. Theiß, Ernſt Voß, H. Wolf, Jobans
Wefel, Chriſtian Webking, Gerh. Friedrich Dau⸗
meper.
den 10. Sahrg. Herr Pbilipp Tleiß.
Jahrg. 9. für Herr John Dobler war bereits von In.

Paſtor Brohm berichtigt und iſt demſelben 81,00. ug·
ſchrieben worden.

7.

English translation

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