Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 6 › Seite 44
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-11-10, Seite 44
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ſeiner Gemahlin es zu beruhigen vermochten. mit Ignorirung der Kirchen die Sache einzelner wenige Worte faſſen und ſelbſt der Einfalt eines
Ich fürchte mich für Gott, in deſſen Anſchauen ihrer Glieder. Kindes verſtändlich machen. Wenn die Schrift
ich hier auf Erden wandele, Unnd für welches Das Verhältniß beider Kirchen zu einander ſagt, daß die Taufe das Bad der Wiedergeburt
gerichte ich auch dermaͤbleins erſcheinen muß, iſt alſo noch weſentlich daſſelbe, weil ihr Bekennt⸗Uund der Erneuerung des heil. Geiſtes iſt, daß
Unnd kan's nach dem, wie mein Gewißen von nißſtand noch derſelbe iſt wie ehedem. Wenn in dem Brote und Weine des Abendmahls uns
jugend auff geſtanden und noch itzo ſtehet, nicht wir die uns gebotene Hand der Gemeinſchaft der Leib Ch riſti, der für uns dahingegebene,
anders befinden.“ So ſchrieb er dem Churfür- nicht zurückweiſen, ſo könnte es nur deßhalb ge⸗und ſein Blut, das für uns vergoſſene, darge⸗
ſun und legte ſein kaum wieder angetretenes ſchehen, weil überhaupt die Lehrdifferenzen bei— reicht werden, daß Chriſtus aufgefahren iſt über
Amt in Angſt ſeines Gewiſſens freiwillig nieder. derKirchen nicht als fundamental, nicht als alle Himmel, auf daß er alles erfüllete und daß
Bedenke doch; dieſe Männer, die unſere Kir-⸗ gemeinſchafttrennend anzuſehen ſeien. In die⸗Gott will, daß allen Menſchen geholfen werde,
che gepflaust und begeſſen haben, deren Schrif- ſem Falle müßten wir annehmen, daß der Kampf, obwohl er in Chriſto die welche ſelig werden
In don himmliſchem Balſam triefen, deren Lie- welchen unſere Kirche Jahrhunderte hindurch von Ewigkeit her erwählt hat: ſo beugt ſich un⸗
ſter wie Blätter vom Baume des Lebens nie gegen die reformirte geführt hat, vor Gott ein ſere Kirche ohne zu deuteln unter dieſe Ausſa⸗
berwelken, dieſe Männer, welche den Werth ei⸗ Greuel geweſen iſt und daß Fleiſch und Blut, gen der Schrift, nimmt ihre Vernunft gefangen
ner Secle vor Gett nicht nach unfruchtbarer ja der Teufel ſelbſt den von Anfang an mögli-unter den Gehorſam des Glaubens und beruht
Erkenntniß, ſondern nach dem rechtfertigenden ſchen und gottgefälligen Frieden beider Kirchen anbetend in der göttlich bezeugten Wirklichkeit
Glauben und lebendiger Erfahrung bemaßen, verhindert hat. Es wäre ſchrecklich, wenn esdes unbegriffenen Myſteriums.“) Die refor⸗
raren ſo ſchroff, ſo eroluſio und wollten keinen.ſo wäre; indeß wenn die Vorausſetzung, daß mirte Kirche dagegen reißt was in geheimniß⸗
ſrieden als in Einheit der Wahrheit. rie Unterſchiede beider Kirchen unweſentlich ſei⸗ voller Weiſe ſacramentlich zuſammengegeben,
Ind was machen wir mit unſeren Bekennt-en, wahr ſein ſollte, ſo dürften wir ſelbſt vor ſo fperſoͤnlich geeinigt iſt, mehr oder weniger aus—
nißſchriften, wenn wir eine andere, als dieſe er— hartem Urtheil nicht zurückbeben und wir müß⸗Heinander und läugnet, ſoweit ſie an ihren prä⸗
luſioe Stellung zu den Reformirten einnehmen ten um Gottes willen über unſere Vergangen- deſtinationiſchen“) Symbolen feſthält, zu Gun—
umüſſen glauben? Daß unſere Bekenntniß⸗ heit den Stab brechen. Gott ſei Dank, daß wir ſten der ewigen Vorherbeſtimmung den heiligen
hriften die ſtrengſten Verwerfungsurtheile überdas nicht uöthig haben! Wohl wiſſen wir, daßErnſt des allgemeinen göttlichen Gnadenwil⸗
tie Lehre der Reformirten, die entſchiedenſte Ab wir uns an dem Gotte der Wahrheit verſün-lens. Sie ſucht was für die Vernunft unbe⸗
lchnung kirchlicher Gemeinſchaft mit ihnen ent— digten, wenn wir unſere lutheriſche Lehre um greiflich und widerſprechend iſt dieſer näher zu
hälten, weiß jeder der ſie auch nur oberflächlich jeden Preis zu rbehaupten ſuchten eben nur weilbringen, indem ſie das Unzertrennliche trennt
ſennt. Iſt das unſittliche Maßloſigkeit, ortho⸗wir ſie ererbt, weil ſie die unſere iſt. Das Erbe und den Widerſpruch beſeitigt.
deriſtiſche Härte, conſequenzmacheriſche Schroff- der Bäter muß immer aufs neue in den Schmelz- Können wir den Charakter der Lehrunter⸗
beit? Schlimm dann für uns, die wir auf tiegel des Wortes Gottes, und wehe den Kin⸗ ſchiede nur ſo und nicht anders anſehen: ſo
dieſe Sombole eidlich verpflichtet ſind oder doch dern, die ſich nicht freuen wenn in Feuer auf- müſſen wir es auch für die Pflicht uuſrer Kirche
der Kirche an gehören, welche ſich zu dieſen Sym- geht was nicht feuerbeſtändig iſt! Aber wir halten, daß ſie ihr gutes Bekenntniß wahre und
bolen bekennt, ohne ſich von jenen unſittlichen können ohne Selbſtruhm laut und fröhlich be⸗ wie eine feſtgegründete unerſchütterliche Säule
und keinesweges unweſentlichen Beſtandtheilen zeugen, daß unſere bekenntnißmäßige Lehre in vor aller Welt hoch emporhalte. Der Juhalt
iffentlich losgeſagt zu haben. Denn wenn jene allen mit der reformirten Kirche ſtreitigen Punk-ihres Bekenntniſſes iſt ja nicht ein erſtudirtes
Strenge den Gegenſatz der Liebe bildete, welche ten dieſe Feuerprobe ſiegreich beſtauden hat. Syſtem, auf welches ſie. nach Gutdünken mehr
unſer Herr und Heiland zum Kennzeichen ſeiner In der Periode des herrſchenden Rationalismus ſoder weniger Werth legen könnte, nicht eine
Jünger gemacht hat, wenn der Sachverhalt des war ſie wie in den Tod dahingegeben. Aus die-⸗ menſchliche Hypotheſe,) welche Beſcheidenheits
ucht verſtandenen reformirten Bekenntniſſes ein ſem Tode iſt ſie wiedererſtanden, mit der Macht halber mißtrauiſch gegen ſich ſelbſt ſein muß,
anderer wäre, wenn das Berhältniß der beiden göttlichen Wortes die Herzen überzeugend und ſondern das ihrem Herzen durch den heil. Geiſt
Kirchen zu einander eine weſentliche Aenderung ſich an ihnen bezeugend, der gläubigen Wiſſen— beſiegelte, ihr Gewiſſen bindende Ja und Amen
elitten hätte: ſo dürfte die lutheriſche Kirche ſchaft ſich bewährend, neue Gemeinden ſam- zum göttlichen Worte. Die ſchriftgemäße Er—
nicht ſchweigen, ſie müßte durch den Mund ih— melnd und mit altem Bekennermuth durchdrin-kenntniß die ſie beſitzt iſt nicht ihre Erfindung,
uer bekenntnißtreuen Glieder reden und demje⸗gend. Wir behaupten nicht zu viel wenn wir ſondern eine Gabe der Gnade, das ihr von ih⸗
nigen im Inhalt der Symbole entſagen was wi- ſagen, daß auf dei Gebiete der neueſten Kir- rem Herrn anvertraute Pfund das ſie nicht in's
der die Liebe aus Gott iſt oder doch jetzt keine chengeſchichte kein Bekenntniß ſolche gemein⸗ Schweißtuch wickeln und vergraben ſoll, die
Anwendung mehr leidet. ſchaftbildende Kraft bewieſen, wie das luthe⸗gute Beilage die ſie zu bewahren hat bis auf
Aber ſo gern und freudig wir es anerkennen, riſche, und daß auch auf dem Gebiete der Wiſ⸗ jenen Tag durch den heiligen Geiſt der in ihr
daß viele gläubige Glieder der reformirten Kir⸗ ſenſchaft die lutheriſche Grundanſchauung von wohnet. Sie iſt nicht ſo ſtolz und bornirt, ſich
che mit den gläubigen Gliedern der lutheriſchen dem unzertrennlichen geheimnißvollen Ineinan-für die allgemeine (katholiſche) Kirche zu hal⸗
durch Einheit gleichen Glaubens verbunden ſind, der des Göttlichen und Menſchlichen in der Per⸗ten, aber ſie iſt göttlich gewiß, daß ihre Lehre
ſo gewiß iſt es doch auch, daß das öffentlich an⸗ſon Chriſti, in dem Worte Gottes, in den ſa— die katholiſche iſt und bleiben und triumphiren
niannte und rechtsgültige Bekenntniß der refor⸗eramentlichen Gaben, in dem Heilsrathſchluſſe wird ſelbſt wenn das geſchichtlich gewordene
nirten Kirche bis auf den heutigen Tag daſſelbe und ſeiner zeitlichen Verwirklichung zur treiben— den.i ⸗lutheriſche Kirchenweſen dem Gerichte
geblieben iſt. Es ſind die alten Fahnen, mit!lden Kraft neuer fruchtreicher Erkenntniſſe, ja des Todes verfallen ſollte. Das Credo 8) im
welchen die Heerlager beider Kirchen einander einer ganz neuen verheißungsvollen Entwicke— Schrein ihres Bekenntniſſes iſt freilich ſehr ver—
gegenüberſteben. In demſelben Mabe als die lung geworden iſt. ſchieden von dem bekenntnißmäßig feſtgeſtellten
lutheriſche Kirche die Fahne ihres Bekenntniſſs Wer die Sätze und Gegenſätze unſeres Be⸗HCredo anderer Kirchen, es iſt aber das weſent—
wieder hoch emporgehoben und entfaltet hat, iſt kenntniſſes im Verhältniß zum reformirten mit liche Credo aller in allen Kirchen zerſtreuten
guf Seiten der reformirten Kirche das Gleiche einem Blicke überſehen will, der leſe die unſerm Kinder Gottes auf Erden. iſts gegeben
geſchehen. Und wenn es auch wahr iſt, daß die Concordienbuch beigegebenen ſächſiſchen Viſita- — —
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njormirte Kirche ihre Fahne ein wenig geſenkt tationsartikel. Die Lehrunterſchiede ſind hier „ Hebeimniſes. D. R.
„ „ — * * — „ Das ſi ſot i eine bedingte Vorherbe⸗
kat, um unſere Kirche mit dem Wunſche des überaus klar, bündig und würdevoll auscin⸗ ſin unng Hunt uird. denen eine unbedinste D. N.
driedens zu begrüßen, ſo ſteht der Friede doch andergelegt. Es handelt ſich nicht um ſpecula ) Ein unerwieſener, im Voraus angenommener Satz.
erſt in Ausſicht, er iſt noch nicht geſchloſſen, der tioe Lehrſätze, ſondern um einfache Heilswahr⸗ D. R.
Friedensſchluß iſt Sache beider Kirchen, nicht heiten. Was beide Kirchen ſcheidet, läßt ſich in ) Die Glaubensformel.
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