Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 2 › Seite 14

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-09-29, Seite 14

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lekannt, um einen ſolchen Satz noch ferner be⸗ zufragen, ohne ihnen dieſe Wahrheit Gottes
haupten zu wollen. alsbald zu verkündigen, das hieße in der That
Aber es giebt auch noch einen beſſern Grund, nichts anderes, als der hungernden und frie—
llo den der Geſchichte, wiewohl auch der aller renden Armuth zu ſagen: „Gott berathe euch,
Ehren werth iſt; es giebt einen Grund aus wärmet euch und ſättiget euch,“ ohne eine Hand
Gottes Wort, auf welchen geſtützt wir jenen zu rühren, dem Mangel abzuhelfen. Wollte
Eaß verwerfen und dafür ſagen: die Miſſion Gott darauf warten, bis die in Sünden erſtor—
rübrt von dem Herrn Chriſto her, der wirklich bene Menſchheit Ihn ſuchte; bis die geiſtlich
Macht hat zu gebieten, daß das Evangelium Blinden ſeine Herrlichkeit erblicken, und ſich nach
aler Creatur gepredigt werde, und das nicht Ihm ſehnen; bis die geiſtlich Stummen Ihn
nur einmal, ſondern immerdar, bis an der Welt anrufen; bis die geiſtlich Todten Ihm entgegen
Ende. Denn was auch dagegen vorgebracht gehen: ſo bliebe Er ewig ungeſucht und unge⸗
werden mag, iſt doch nur ſo ein „Kräuſeln um's funden, und die theure Erlöſung Jeſu Chriſti
Wendgewölk, bei welchem der Mond dabinter wäre vergeblich. Aber Dank ſeiner ewigen Lie—
in guter Rube bleibt.“ Was man auch dage- be, daß er nicht, dem Prieſter und Lediten gleich,
gen vorbringen mag, wird doch nimmermehr vorübergebt und uns in unſerm Blute liegen
im Staude ſein darzuthun, daß es Gott läßt; ſondern, dem barmherzigen Samariter

nicht haben wolle, daß das Evangelium beut,
noch aller Creatur, auch den Heiden, geprevigt

rarzuthun, daß Gott dieſen ſeinen gnädigen
Willen nicht ausgeſprochen hätte, nicht geboten
hätte, ſeine Gnade bis an das Ende der Welt
allen Völkern zu verkündigen.

Vefeble Gottes fußct die Miſſion, und nicht auf
rem Papſtthum, auch nicht auf der Menſchen
Liebe, wie Hr. Pſt. Graban lehrt. Die Liebe
zu den armen irrenden Seelen muß uns freilich
auch bewegen, ihnen den Weg des Lebens zu
zeigen, aber voraus gehört die Liebe zu Gott
und der Gehorſam unter ſein Wort. Und wo
bätten wir doch das Recht ber, auch den Heiden
die Guade Gottes zuzuſichern, wenn es kein
vort, keinen Befehl Gottes dafür gäbe? Es
wäre dies eitel ſelbſterwählter Gottesdienſt, we⸗
der uns noch den Heiden nützlich. Aber Gott!
ſei Dank, daß die Miſſion kein eitler ſelbſter—
wählter Gottesdienſt iſt; Gott ſei Dank, daß Er
ſelbſt geboten hat, auch den armen Heiden ſeine
ewige Gnade, die eben alle Menſchen aller Zei⸗
ten umfaßt, zu verkündigen, und, ſo ſie Buße
thun, in Seinem Namen zu taufen und das
ewige Erbe im Himmel ibnen zuzuſichern; denn
es iſt für ſie alle noch Raum da. Aller Welt
Sünden hat Gottes Lamm geiragen; Alle Men⸗
ſchen erlöſet, und mit Seinem Blute ſich zum
Eigenthum erkauft, Alle ſollen daher auch ſelig
werden, dars iſt ſein Wille. Und ſein
Wille iſt nicht faul und unthätig, ſondern le⸗
bendig und wirkſam. Er überläßt es nicht den
Menſchen, ob ſie bei Gelegenheit mal die Heiden
„ermahnen wollen, der Wahrheit Gottes beſſer
nachzufragen;“ er wartet nicht darauf, was die
arme unvollkommene Liebe der Menſchen thun
wird; ſondern ſeine eigne ewige und allervoll⸗
kommenſte Liebe und Erbarmung geht ſelbſt
rem Irrenden und Verlornen nach, ſucht es auf
alle Weiſe zu ſich zu ziehen, und ruft noch heut:
„Wendet euch zu mir, ſo werdet ihr ſelig, al⸗
ler Welt Ende; denn ich bin Gott und keiner
mehr!“ Und weil Er aller Menſchen Seligkeit
ernſtlich will, ſo will er auch, daß ihnen Allen
die Mittel zur Seligkeit gebracht, der Weg zum
Leben dargelegt werde. Denn die Heiden blos
zu ermahnen, der Wahrheit Gottes beſſer nach⸗

Auf dem klaren und beſtimmten Worte und fen, ſage ich;

gleich, unſre Wunden verbindet, uns in die
Herberge bringt und pflegt, ohne darauf zu war⸗
werde; nimmer auch wird es im Stande ſein ten,

bis wir ihn darum bitten werden. Dank

ſeiner ewigen Liebe, daß Er heut noch ſpricht:
„Ich werde gefunden von de
mich nicht ſuchten, und zu den Hei⸗

nen, die

den, die meinen Namen nicht anrie⸗
Hier bin ich, hier bin
ich.“ Jeſ. 65, 1.

Nicht aus dem Papſtthum alſo rührt die Miſ⸗
ſion her, und nicht unſrer Liebe iſt ſie entquol⸗
len, ſondern Chriſtus iſt der Stifter der Miſ⸗
ſion. Er ſelbſt hat ein für alle Mal geboten,
daß das Evangelium aller Creatur, allen Völ⸗
kern verkündigt werde, und das nicht nur ein—
mal. Nun kann es den Griechen und Römern,
den Hunnen und Gothen heut freilich nicht

mehr verkündigt werden, aber andern Völkern,

die damals noch nicht vorhanden waren, muß
es gepredigt werden; aller Creatur, bis an der
Welt Ende, bis an den jüngſten Tag, muß es
gepredigt werden, das iſt Gottes Wille, das
befiehlt ſein Wort. Und ſein Wort, auch dieſes
Wort, bleibt Wahrheit und beſtehet, auch wenn
Himmel und Erde vergehet.

Aber Hr. Pſt. Grabau nimmt es uns übel,
daß wir uns bei dem ſchweren und verantwort⸗
lichen Werke der Miſſion auf den Willen und
Befehl Gottes ſtützen, und uns des getröſten,
daß unſer Werk, weil es von Gott geboten und
mit göttlicher Verheißung geſegnet, auch nicht
vergeblich ſein werde, ſollten auch unſre Augen
nicht alsbald die Früchte wachſen und reifen
ſehen; wie ja auch ein Ackermann auf Hoffnung
ſäct und Geduld hat, bis Gott das Gedeihen
giebt. Er nennt es „Unverſtand der Neulinge,“
wenn wir die Kirche ermahnen, den köſtlichen
Schatz der Erkenntniß Gottes nicht im Schweiß⸗
tuch zu vergraben, ſondern treulich und nach
Gottes Befehl damit zu wuchern, bis daß die
Erde voll der Erkenntniß des HErrn, und in
allen Sprachen ſein heiliger Name geprieſen
werde. Weiter möchte er uns gern den Boden
unter den Füßen wegnehmen, indem er behaup⸗
tet, zur Verkündigung des Evangeliums unter
den Heiden gehört die Gabe unerlernte Spra⸗
chen zu reden und Wunder zu thun; welche Ga⸗
be die Apoſtel für ihren beſtimmten Beruf er⸗
halten hätten. Und wenn ich ihm im vorigen

Aufſatz (Siehe „Lutheraner“ No. 16.) bewies,
daß dem nicht ſo ſei, weil ja nicht die Apoſtel
allein, ſondern damals faſt alle Chriſten mit
Zungen redeten, und ſehr Viele die Gabe Wun⸗
der zu thun hatten, die doch weder Apoſtel wa—
ren noch Hirten und Lehrer; ſo wird er darüber
gar böſe, beehrt mich mit fremden Namen, ob—
wohl er doch weiß, daß ich weder „Hans“ noch
„Klügel“ heiße, und ſagt: mein Satz beweiſe
weiter nichts, als daß der Apoſiel Wort durch
mitfolgende Zeichen an vielen Gläubigen be—
kräftigt ward.“ Allein Hr. Pſt. Grabau irrt
ſich hierin. Mein Satz beweiſ't wirklich, was
er beweiſen ſoll; das nämlich: da zur Zeit der
Apoſtel auch andre Chriſten die Gabe der Spra—
chen und der Wunder hatten: ſo kann dieſe
Gabe kein „Berufs- und Creditiv-Brief des
Apoſtelamtes“ geweſen ſein. Und Herr Paſt.
Grabau hat ſomit nicht mehr Recht, dieſe Gabe
jetzt von den Heidenpredigern zu fordern, als er
ein Recht hat, ſie von den Predigern unter den
Chriſten und von ſich ſelbſt, ja von allen Chri—
len zu fordern. — Als die Braut des Lam—
mes zuerſt auf Erden erſchien, da gefiel es dem
himmliſchen Bräutigam ſie mit Gaben nud
Kräften ſo wunderbar zu zieren, daß auch nach
außen hin die Strahlen der Herrlichkeit mächtig
wirkten, und alle anzogen, die ſich nicht ſelbſt
verſtockten. Aber wie e'ne jede Braut ihren
Schmuck ablegt, um im ſchlichten Kleide häus—
liche Treue zu erzeigen: ſo kam auch für die
Kirche die Zeit, und iſt noch vorhanden, im
ſchlichten Kleide, von der Sonne verbrannt, ver⸗
kannt und verläſtert, ihrem himmliſchen Bräuti—
gam Treue zu erzeigen. Zu ſeiner Zeit wird
der HErr wohl ihre Schmach wenden, und ſie
ſo verherrlichen, daß ſich alle Welt darüber ver—
wundern und erſchrecken wird. Was alſo zu
dieſer Zeit die ganze ſtreitende Kirche entbehrt,
das fordere man doch auch nicht von einzelnen
Gliedern. Und wie kämen die armen Hei—
denprediger dazu, hierin eine Ausnahme zu
machen? Apoſtel wollen ſie ja auch nicht ſein,
wie Hr. Pſt. Grabau ihnen aufbürden will.
Sie wiſſen recht gut, daß ſie nicht werth ſind
jenen Fürſten der Kirche die Schuhe zu tragen,
und es fällt ihnen auch nicht im Traume ein,
ſich mit ihnen vergleichen zu wollen. Sie ſind
nichts weiter und wollen nichts weiter ſein, als
Stimmen in der Wüſte, das Evangelium denen
verkündigend, die außerhalb der Stadt Gottes
„an den Laudſtraßen und Zäunen“ verſchmach—
tend liegen, und ſie herein zu nöthigen, weil ſie
wiſſen, daß im himmliſchen Hochzeitsſaale auch
für ſie noch Raum iſt. Aber zu dieſem Dienſte
wäre ihre arme Liebe nimmer vermögend ſie zu
treiben, wenn der klare Wille und Befehl Gottes
ſie nicht dazu nöthigte. Und nimmer wäre ihre
arme Liebe vermögend, die fevrigen Pfeile des
Böſewichts, der ja unter den Heiden ſeine Burg
hat und ſeinen Tempel, auszulöſchen, wenn ſie
nicht den Schild des Glanbens hätten, daß ihr
Werk von Gott gewollt und befohlen ſei. Man
verkümmere ihnen doch dieſen Troſt nicht!

Was nun die „miſſouriſchen Heidenprediger“
betrff, ſo iſt der Schluß, daß dr. Prof. Crä⸗

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