Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 6
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-09-01, Seite 6
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die Welt ſehen kann, ihr Loos ſei. Denn wel⸗ausſieht. Der Sache, die in dieſer Welt kein
ches Loos kann auf dieſer Welt trauriger ſein, Recht findet, wird eben dadurch am beſten ge⸗
als von dem veränderlichen Willen ſchwacher
Menſchenkinder abzuhangen?
3. Nachdem nun die Gefahr, m't der Hero⸗
des das Jeſuskindlein bedroht hatte, vorüberge—
gangen war, hätte es, wie wir meinen, ohne alle
Sorge im jüdiſchen Lande ſeinen Wohnſitz neh—
men können. Aber obwohl es ja für den Au⸗
geublick von Niemand mit Verfolgung bedroht
ward, war doch der vorige Schreck zu gewaltig
geweſen. als daß die Spuren deſſelben ſo bald
bätten verſchwinden können. Daher das ängſt⸗
liche Forſchen nach dem neuen Könige bei der
Rückkehr in's Vaterland und die Furcht, dahin
zu kommen. Dieſer Angſt und Sorge könnte
Joſeph überhoben ſein, wenn Jeſus nicht wäre.
Um Jeſu willen wird ihm auch die Nuhe Un—
ruhe, weil er weiß, wie ſehr der Teufel ſeinen
Pflegling haßt. Jeſus ſelbſt muß ſich nun als
die Urſache davon anſehen, daß die, welche ſich
uni ihn annehmen, ihr irdiſches Glück verſcher⸗
zen. — Das iſt noch ein Zug, der die Geſtalt
unſrer Kirche in dieſer Geſchichte des Jeſuskind—
leins bezeichnet. Sie muß ſich ſo anſehen laſ⸗
ſen, als ſei ſie ſchuld an allen den Schrecken, die
über diejenigen kommen, welche ſich zu ihr ſam—
meln, und daher denen, welche ſie ſelig machen
will, aler Orten und zu allen Zeiten die Furcht
einflößen, ob nicht die Welt ihr Müthlein an
ibnen kühlen werve, weil ſie's mit ihrem Tod—
feinde, dem HErrn Jeſus, halten. Um Jeſu
willen und weil ſie der Kirche zufallen, müſſen
die Gemeinen, die die Apoſtel ſammeln, in ſteter
Furcht ſchweben, ob nicht die Juden oder Hei—
den eine Verfolgung erwecken werden. Die ſo
lange ſicher waren, ſind nun in die höchſte Un—
ruhe verſetzt worden. Die Götzen, auf welche
ſich die Welt ſicher verläßt, verlaſſen diejenigen,
welche ihnen entſagt haben. Nun iſt das
Schickſal derer, die ihnen dienen, und derer, die
ibnen abgeſagt haben, für immer einander feind⸗
lich zuwider. Die Stürme, welche im Meer
dieſer Welt ſtolze Wellen ſchäumend emporhe—
ben, machen denen Angſt, die ſich aus demſelben
in's Schiff gereitet haben, das ſich doch, wie—
wohl es aus dem Meer errettet, vom Meere
tragen laſſen muß.
Das iſt nnn die elende Lage, in der Gottes
Reich auf Erden iſt. Die Mächte, die in dieſer
Welt herrſchen, toben dawider. Es bedarf der
Menſchen Hülfe. Es bringt Furcht u. Schre⸗
cken, wohin es kommt. Was Wunder, daß es
kaum vor der Welt bleibt?
II.
Dennoch aber bleibt es und zwar ſo, daß
man's unverachtet laſſen muß. Wie das zu⸗
geht, ſagt unſer Evangelium auch. Das ma⸗
chen nämlich
1. die Engel. Als Herodes noch ſeinen Blut⸗
befehl nicht hat ausgehen laſſen, hat Joſeph
Kunde davon empfangen. Es war ſo ſchlau
berechnet, daß Jeſus umkommen ſollte, und doch
ſchlägt die Rechnung fehl, weil es die Engel
verrathen. Wo ſolche mächtige Wächter ſind,
habs keine Noth, wenn's auch mal gefährlich
dient: denn ſo wird es offenbar, daß ſie herr⸗
licher vertreten und kräftiger geſchützt iſt, als
wenn alle Völker des Erdbodens ſich zu ihrem
Schutz vereinigt hätten. Was ſchadet es denn,
daß ſie in der Welt unter die Füße getreten
wird? Etwa ſo viel, wie es der Sonne ſcha⸗
den würde, wenn die Sterne, die in der Finſter⸗
niß auch einen Schein haben, ſich aus Neid über
den Glanz des Lichtes, das den Tag regiert,
vereinigen wollten zu erbleichen, ſobald die Mor⸗
genröthe das Nahen ihrer königlichen Schweſter
verkündige. Sie müſſen ohnedies verlöſchen,
nicht der Sonne, ſondern ſich zum Schaden.
Die Welt könnte freilich theilhaben an dem
Strahlenglanze der Kirche Jeſu Chriſti, wenn
ſie aufhören wollte, Welt zu ſein, wenn Alle,
die zu ihr gehören und, ſo lange ſie nicht durch
Unterwerfung unter Gottes Wort aus der Ge⸗
walt des Satans errettet worden ſind, durch
dieſen Namen von denen unterſchieden werden,
die an Chriſtum glauben, dW, was ihnen jetzt
Gewinn iſt, mit Paulo um Ehriſti willen für
Schaden achten und, ſtatt dem Bauch zu die—
nen, der den Gottesdienſt, den man ihm erweiſt,
mit der Verdammniß loͤhnt, und nach der Ehre,
die zu Schanden wird, zu trachten, dem auch
ihnen vorgeſteckten Ziele nachjagen, das Klein—
od, welches auch ihnen vorhält die himmliſche
Berufung in Chriſto Jeſu, gläubig ergreifen
wollten. (Phil. 3.). Verſchmäht ſie das aber,
ſo löſcht ſie damit Chriſtum, die ewige Gnaden⸗
ſonne, nicht aus, ſondern offenbart nur ihre ei⸗
gene Finſterniß in dem Grade, in welchem ſie
ſih vom Lichte ſcheidet; beweiſ't nur, wie wenig
ſie den zu ſchätzen wiſſe, der im Schooß des Va—
ters iſt, und daß ſie deſſen nicht werth ſei. Es
ziemt Jeſu nicht, daß er einen gottloſen Herodes
zum Schutzherrn habe; darum muß ein ſolcher
ihn mit ſeiner Verfolgungswuth aus ſeinem
Reich treiben. Eine Ehre wird, was Schmach
ſein ſollte. — Wenn wir uns doch willig darein
finden könnten, daß es dem Reiche Chriſti nur
zur Verherrlichung gereicht, was als eine Ver—
nichtung deſſelben anzuſehen iſt! Dann würde
es uns wenig kümmern, ob die Machthaber der
Welt der Kirche günſtig ſind oder nicht, ob die
Weisheit dieſer Welt die Kirche anerkennt oder
verwirft; wir würden mehr Angſt als Freude
darüber empfinden, wenn die Welt, ohne ihr
Weſen durch aufrichtige Bekehrung verändert zu
haben, Gottes heilige Gemeine mit ihren Hul—
digungen beflecken wollte: wir würden es anſe⸗
hen, wie eine Huldigung, welche Straßenräuber
einer ordentlichen Obrigkeit darbrächten, mit
gleichem Widerwillen verabſcheuen, wie eine Eh—
re, die Huren einer Königinn erzeigten. Nein,
wo die Feindſchaft der Geſinnung bleibt, da ſoll
auch die Hand nicht werth ſein, ihre Hülfe dar⸗
zubieten. Dennoch bleibt das Jeſuskind vor
der Welt. Trotz Herodis und aller Wütheriche
Zorn wird es erhalten. Seine Wache iſt un—
ſichtbar, aber es hat eine herrlichere Schaar von
Trabanten, als irgend ein König auf Erden ge⸗
habt hat. ER ſelbſt iſt unſichtbar, und dennoch
und Willen derer zu reden, die ihnen leiblichg
ſo gewiß in und unter denen auf Erden, welche
ſeinen Namen tragen und vor der Welt gläu⸗
big bekennen, als er geſagt hat: „Ich bin bei
euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Mat⸗
th. 28, 20,) Mit Ihm ſind ſeine Legionen
Engel uns zugeſellt, die uns bewahren, wenn
der Teufel mit ſeinen Genoſſen ſich wider die
Kirche waffnet. Nun triumphirt das Häuflein
ſeiner Gläubigen durch Gottes Macht.
2. Eben ſo wenig wie der Trotz und Grimm
der feindlichen Welt ſchadet der Herrlichkeit der
Kirche Gottes die Hülfloſigkeit ihrer Diener und
Gliedmaßen. Denn obwohl ſie zu ihrer Demü⸗
thigung der Dienſte eines Joſeph's bedarf, ſo
erſtrecken ſich doch dieſelben nur auf den Leib.
Den kann Joſeph dem HErrn beſchützen helfen.
Das ewige Leben aber ſchenkt ihm ſein Schütz⸗
ling, dafür er ihm nichts thun kann. Auch der
leibliche Schutz währt nicht lange. Etliche Jahre
hat Joſeph Mühe davon. Dann bedarf das
Jeſuskind ſeines Armes nicht mehr. Und ſelbſt
ſolange ihm die leibliche Pflege Jeſu anvertraut
wird, hat dies Kindlein, der geiſtlichen Güter
zu geſchweigen, die es dem Joſeph aus Gnaden
ſchenkt, dem Joſeph mehr mitzutheilen, als von
ihm zu empfangen. Sind nicht ſo eben die
reichen Gaben der Weiſen aus Morgenland, die
dem Kindlein geopfert wurden, dem Joſeph zu⸗
gefallen?
himmliſchen Schutzes? Weiß nicht Maria auf
Genießt nicht Joſeph mit ihm des
der Hochzeit zu Cana, da der HErr noch kein
Zeichen vor dem Volk gethan hatte, ſchon, daß
er auch in leiblichen Nöthen helfen kann? Wo⸗
her anders, als weil Jeſus ſeine Wunderhand
zum öftern über den mütterlichen Heerd ſegnend ö
ausgeſtreckt hat? — Mögen daher immerhin
gleich Jeſu, der ihnen darin, wie in allem Ue—
brigen, vorangegangen iſt, die Diener ſeiner hl.
Kirche ihre leibliche Nothdurft und Nahrung
von der Mildigkeit ohnmächtiger Menſchen em—
pfangen, was ſchadet das der heiligen Gemeine
und ihrer Ehre? Es iſt der herrlichſte Sieg,
den ſie über die Welt davonträgt. Denn ſie ſiegt
durch die ſchwachen Menſchenkinder, die in ih—
ren Schooß geflüchtet ſind. Speiſte Gott vom
Himmel herab ſeine Diener, ſo wäre freilich ſeine
Ehre dadurch gegen Kie wüthende Rotte des
Teufels herrlich gerettet; aber rühmlicher ſiegt
ſeine Kirche über ihre Feinde, wenn ſie mit ganz
gewöhnlichen Kräften dennoch dieſen zum Trotz
ſich und ihre Diener ehrlich nährt. Nun müſſen
die gottloſen Verächter des Wortes Gottes be—
ſchämt die Augen niederſchlagen, daß ſie beim;
Spott über Gottes Heilige und Geliebte nur
geizen, betrügen und rauben können, dieſe aber
für die Wahrheit, die ſie ehren und bekennen,
willig arbeiten. Und wie ſollte es für die Die⸗
ner Gottes ſo gar demüthigend ſein, gleich ih—
rem Herrn und Meiſter von freiwilligen Gaben
derer ihre leibliche Nahrung zu empfangen, die
durch das Wort, das ſie ihnen ſpenden, für's
ewige Leben geſtärkt und erhalten werden? Aber
damit ſie nicht im mindeſten durch dieſe ſchein—
bare Abhängigkeit gehindert würden, als Chriſti
Diener auch nöthigenfalls gegen den Wunſch
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