# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 09 01_S6 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die Welt ſehen kann, ihr Loos ſei. Denn wel⸗ausſieht. Der Sache, die in dieſer Welt kein ches Loos kann auf dieſer Welt trauriger ſein, Recht findet, wird eben dadurch am beſten ge⸗ als von dem veränderlichen Willen ſchwacher Menſchenkinder abzuhangen? 3. Nachdem nun die Gefahr, m't der Hero⸗ des das Jeſuskindlein bedroht hatte, vorüberge— gangen war, hätte es, wie wir meinen, ohne alle Sorge im jüdiſchen Lande ſeinen Wohnſitz neh— men können. Aber obwohl es ja für den Au⸗ geublick von Niemand mit Verfolgung bedroht ward, war doch der vorige Schreck zu gewaltig geweſen. als daß die Spuren deſſelben ſo bald bätten verſchwinden können. Daher das ängſt⸗ liche Forſchen nach dem neuen Könige bei der Rückkehr in's Vaterland und die Furcht, dahin zu kommen. Dieſer Angſt und Sorge könnte Joſeph überhoben ſein, wenn Jeſus nicht wäre. Um Jeſu willen wird ihm auch die Nuhe Un— ruhe, weil er weiß, wie ſehr der Teufel ſeinen Pflegling haßt. Jeſus ſelbſt muß ſich nun als die Urſache davon anſehen, daß die, welche ſich uni ihn annehmen, ihr irdiſches Glück verſcher⸗ zen. — Das iſt noch ein Zug, der die Geſtalt unſrer Kirche in dieſer Geſchichte des Jeſuskind— leins bezeichnet. Sie muß ſich ſo anſehen laſ⸗ ſen, als ſei ſie ſchuld an allen den Schrecken, die über diejenigen kommen, welche ſich zu ihr ſam— meln, und daher denen, welche ſie ſelig machen will, aler Orten und zu allen Zeiten die Furcht einflößen, ob nicht die Welt ihr Müthlein an ibnen kühlen werve, weil ſie's mit ihrem Tod— feinde, dem HErrn Jeſus, halten. Um Jeſu willen und weil ſie der Kirche zufallen, müſſen die Gemeinen, die die Apoſtel ſammeln, in ſteter Furcht ſchweben, ob nicht die Juden oder Hei— den eine Verfolgung erwecken werden. Die ſo lange ſicher waren, ſind nun in die höchſte Un— ruhe verſetzt worden. Die Götzen, auf welche ſich die Welt ſicher verläßt, verlaſſen diejenigen, welche ihnen entſagt haben. Nun iſt das Schickſal derer, die ihnen dienen, und derer, die ibnen abgeſagt haben, für immer einander feind⸗ lich zuwider. Die Stürme, welche im Meer dieſer Welt ſtolze Wellen ſchäumend emporhe— ben, machen denen Angſt, die ſich aus demſelben in's Schiff gereitet haben, das ſich doch, wie— wohl es aus dem Meer errettet, vom Meere tragen laſſen muß. Das iſt nnn die elende Lage, in der Gottes Reich auf Erden iſt. Die Mächte, die in dieſer Welt herrſchen, toben dawider. Es bedarf der Menſchen Hülfe. Es bringt Furcht u. Schre⸗ cken, wohin es kommt. Was Wunder, daß es kaum vor der Welt bleibt? II. Dennoch aber bleibt es und zwar ſo, daß man's unverachtet laſſen muß. Wie das zu⸗ geht, ſagt unſer Evangelium auch. Das ma⸗ chen nämlich 1. die Engel. Als Herodes noch ſeinen Blut⸗ befehl nicht hat ausgehen laſſen, hat Joſeph Kunde davon empfangen. Es war ſo ſchlau berechnet, daß Jeſus umkommen ſollte, und doch ſchlägt die Rechnung fehl, weil es die Engel verrathen. Wo ſolche mächtige Wächter ſind, habs keine Noth, wenn's auch mal gefährlich dient: denn ſo wird es offenbar, daß ſie herr⸗ licher vertreten und kräftiger geſchützt iſt, als wenn alle Völker des Erdbodens ſich zu ihrem Schutz vereinigt hätten. Was ſchadet es denn, daß ſie in der Welt unter die Füße getreten wird? Etwa ſo viel, wie es der Sonne ſcha⸗ den würde, wenn die Sterne, die in der Finſter⸗ niß auch einen Schein haben, ſich aus Neid über den Glanz des Lichtes, das den Tag regiert, vereinigen wollten zu erbleichen, ſobald die Mor⸗ genröthe das Nahen ihrer königlichen Schweſter verkündige. Sie müſſen ohnedies verlöſchen, nicht der Sonne, ſondern ſich zum Schaden. Die Welt könnte freilich theilhaben an dem Strahlenglanze der Kirche Jeſu Chriſti, wenn ſie aufhören wollte, Welt zu ſein, wenn Alle, die zu ihr gehören und, ſo lange ſie nicht durch Unterwerfung unter Gottes Wort aus der Ge⸗ walt des Satans errettet worden ſind, durch dieſen Namen von denen unterſchieden werden, die an Chriſtum glauben, dW, was ihnen jetzt Gewinn iſt, mit Paulo um Ehriſti willen für Schaden achten und, ſtatt dem Bauch zu die— nen, der den Gottesdienſt, den man ihm erweiſt, mit der Verdammniß loͤhnt, und nach der Ehre, die zu Schanden wird, zu trachten, dem auch ihnen vorgeſteckten Ziele nachjagen, das Klein— od, welches auch ihnen vorhält die himmliſche Berufung in Chriſto Jeſu, gläubig ergreifen wollten. (Phil. 3.). Verſchmäht ſie das aber, ſo löſcht ſie damit Chriſtum, die ewige Gnaden⸗ ſonne, nicht aus, ſondern offenbart nur ihre ei⸗ gene Finſterniß in dem Grade, in welchem ſie ſih vom Lichte ſcheidet; beweiſ't nur, wie wenig ſie den zu ſchätzen wiſſe, der im Schooß des Va— ters iſt, und daß ſie deſſen nicht werth ſei. Es ziemt Jeſu nicht, daß er einen gottloſen Herodes zum Schutzherrn habe; darum muß ein ſolcher ihn mit ſeiner Verfolgungswuth aus ſeinem Reich treiben. Eine Ehre wird, was Schmach ſein ſollte. — Wenn wir uns doch willig darein finden könnten, daß es dem Reiche Chriſti nur zur Verherrlichung gereicht, was als eine Ver— nichtung deſſelben anzuſehen iſt! Dann würde es uns wenig kümmern, ob die Machthaber der Welt der Kirche günſtig ſind oder nicht, ob die Weisheit dieſer Welt die Kirche anerkennt oder verwirft; wir würden mehr Angſt als Freude darüber empfinden, wenn die Welt, ohne ihr Weſen durch aufrichtige Bekehrung verändert zu haben, Gottes heilige Gemeine mit ihren Hul— digungen beflecken wollte: wir würden es anſe⸗ hen, wie eine Huldigung, welche Straßenräuber einer ordentlichen Obrigkeit darbrächten, mit gleichem Widerwillen verabſcheuen, wie eine Eh— re, die Huren einer Königinn erzeigten. Nein, wo die Feindſchaft der Geſinnung bleibt, da ſoll auch die Hand nicht werth ſein, ihre Hülfe dar⸗ zubieten. Dennoch bleibt das Jeſuskind vor der Welt. Trotz Herodis und aller Wütheriche Zorn wird es erhalten. Seine Wache iſt un— ſichtbar, aber es hat eine herrlichere Schaar von Trabanten, als irgend ein König auf Erden ge⸗ habt hat. ER ſelbſt iſt unſichtbar, und dennoch und Willen derer zu reden, die ihnen leiblichg ſo gewiß in und unter denen auf Erden, welche ſeinen Namen tragen und vor der Welt gläu⸗ big bekennen, als er geſagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Mat⸗ th. 28, 20,) Mit Ihm ſind ſeine Legionen Engel uns zugeſellt, die uns bewahren, wenn der Teufel mit ſeinen Genoſſen ſich wider die Kirche waffnet. Nun triumphirt das Häuflein ſeiner Gläubigen durch Gottes Macht. 2. Eben ſo wenig wie der Trotz und Grimm der feindlichen Welt ſchadet der Herrlichkeit der Kirche Gottes die Hülfloſigkeit ihrer Diener und Gliedmaßen. Denn obwohl ſie zu ihrer Demü⸗ thigung der Dienſte eines Joſeph's bedarf, ſo erſtrecken ſich doch dieſelben nur auf den Leib. Den kann Joſeph dem HErrn beſchützen helfen. Das ewige Leben aber ſchenkt ihm ſein Schütz⸗ ling, dafür er ihm nichts thun kann. Auch der leibliche Schutz währt nicht lange. Etliche Jahre hat Joſeph Mühe davon. Dann bedarf das Jeſuskind ſeines Armes nicht mehr. Und ſelbſt ſolange ihm die leibliche Pflege Jeſu anvertraut wird, hat dies Kindlein, der geiſtlichen Güter zu geſchweigen, die es dem Joſeph aus Gnaden ſchenkt, dem Joſeph mehr mitzutheilen, als von ihm zu empfangen. Sind nicht ſo eben die reichen Gaben der Weiſen aus Morgenland, die dem Kindlein geopfert wurden, dem Joſeph zu⸗ gefallen? himmliſchen Schutzes? Weiß nicht Maria auf Genießt nicht Joſeph mit ihm des der Hochzeit zu Cana, da der HErr noch kein Zeichen vor dem Volk gethan hatte, ſchon, daß er auch in leiblichen Nöthen helfen kann? Wo⸗ her anders, als weil Jeſus ſeine Wunderhand zum öftern über den mütterlichen Heerd ſegnend ö ausgeſtreckt hat? — Mögen daher immerhin gleich Jeſu, der ihnen darin, wie in allem Ue— brigen, vorangegangen iſt, die Diener ſeiner hl. Kirche ihre leibliche Nothdurft und Nahrung von der Mildigkeit ohnmächtiger Menſchen em— pfangen, was ſchadet das der heiligen Gemeine und ihrer Ehre? Es iſt der herrlichſte Sieg, den ſie über die Welt davonträgt. Denn ſie ſiegt durch die ſchwachen Menſchenkinder, die in ih— ren Schooß geflüchtet ſind. Speiſte Gott vom Himmel herab ſeine Diener, ſo wäre freilich ſeine Ehre dadurch gegen Kie wüthende Rotte des Teufels herrlich gerettet; aber rühmlicher ſiegt ſeine Kirche über ihre Feinde, wenn ſie mit ganz gewöhnlichen Kräften dennoch dieſen zum Trotz ſich und ihre Diener ehrlich nährt. Nun müſſen die gottloſen Verächter des Wortes Gottes be— ſchämt die Augen niederſchlagen, daß ſie beim; Spott über Gottes Heilige und Geliebte nur geizen, betrügen und rauben können, dieſe aber für die Wahrheit, die ſie ehren und bekennen, willig arbeiten. Und wie ſollte es für die Die⸗ ner Gottes ſo gar demüthigend ſein, gleich ih— rem Herrn und Meiſter von freiwilligen Gaben derer ihre leibliche Nahrung zu empfangen, die durch das Wort, das ſie ihnen ſpenden, für's ewige Leben geſtärkt und erhalten werden? Aber damit ſie nicht im mindeſten durch dieſe ſchein— bare Abhängigkeit gehindert würden, als Chriſti Diener auch nöthigenfalls gegen den Wunſch