Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 17 › Seite 137

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-13, Seite 137

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der umliegenden Gemeinden ſich in der Erhal—
tung armer Studenten *) und in der Aufbrin⸗
gung des Lehrer-Gehaltes ſchon reichlich bethei—
ligen, ſo wäre es wohl nicht ungeſchickt, wenn
die Gemeinden in der Ferne, an deren für⸗
ſorgende Liebe das hieſige Semi⸗
nar, als Eigenthum der Synode,
doch auch einen gerechten Anſpruch
hat, zur Deckung obiger Schulden uns brü—
derlich zu Hülfe kämen.

Zudem müſſen wir auch wieder einen kleinen

— 135̃—

ger und unluſtiger werden, Gottes Werke zu
treiben, je mehr ſie Gott mit Geld und Gut
ſegnet. Denn ſo oft man auch in den öffent—
lichen Blättern von reichen Stiftungen und Ver—
mächtniſſen frommer Presbyterianer, vornämlich
in den Neu⸗-England-Staaten, lieſet, ſo ver—
nimmt man doch nichts dergleichen z. B. von
den reichen lutheriſchen Farmers in Peuſylvanien
und Ohio, die mit Leichtigkeit ſämmtliche luthe⸗
riſche Lehranſtalten erhalten könnten, wenn ſie
eben ſo das Herz, als die Mittel dazu hätten.

Mubau vornehmen, da das jetzige Lehrzimmer

für die 26 Zöglinge, die dermalen hier ſind, zu andern

Es wird bei dieſer Gelegenheit vielleicht auch
Leſern des Lutheraners, deren freie

lein iſt, und nothwendig einer Vergrößerung ſchriſtliche Liebe und Wohlthat wir auch mit

bedarf.

Es geſchieht nun zwar dieſe chriſtbrüderliche
Bitte an die Gemeinden der Synode keinesweges
in der Abſicht, ihre Liebesgaben für die Heiden—
miſſion irgendwie zu beſchränken; a

Dank annehmen würden,
ſein, zu erfahren, daß der HErr unſer, aus klei—

nicht unintereſſant

nen Anfängen herausgewachſenes Seminar den—
noch in ſeinem 52jährigen Beſtehen alſo geſegnet

aber auffal⸗ hat, daß bereits vierzig junge Brüder, von de—

lend iſt es doch, daß die meiſten Gemeinden viel⸗ ren Treue und Tüchtigkeit in ihrer Amtsführung

mehr dafür thun,
tizenen Lehranſtalten in St, Louis und Fort.
Waͤyne, die doch billig den Gemeinden noch
näber am Herzen liegen ſollten, da von ihrer
treuen Pflege derſelben, unter Gottes Gnade
und Segen, auch das chriſtliche und kirchliche
Gedeihen der Jugend und des kommenden Ge—
ſchlechts abhängt, und die Kirche zeitweiſe wohl
ebne Miſſion, aber nicht ohne Schulen für ihre
mien d iener beſtehen kann. Oder welche
Mutter würde wohl ihre eigene Kinder verſäu—
mnen, um fremden wohlzuthun? —

Es werden deßhalb auch ſchließlich die lieben

Amtsbrüder herzlich gebeten, ihren Gemeinden
den nöthigen Unterricht und Ermahnung, wie
ſe das Eine zu thun, und das Andere nicht zu
laſſen hätten, nicht vorzuenthalten; und wenn
nur z. B. viermal im Jahre, und ſonderlich an
den drei großen kirchlichen Feſten, nach früher
voraufgegangener, ſachgemäßer Anſprache, Col-—
lecten in den Gemeinden für ihre Lehranſtalten
erhoben würden, ſo würde ſchon dadurch dieſen
kine unbeträchtliche Stärkung zufließen. Zu—
dem aber, da nun einmal hier zu Lande die
Geldgier und der Geiz das herrſchende Verder—
ben iſt, und Arme auf dem Lande oder in den
Rittel⸗-Städten faſt gänzlich fehlen, ſo iſt es
von großer Wichtigkeit, daß die Gemeinden
hriſtlich gewöhnt werden, ob Gott will, durch
ſtohliches und williges Geben dieſen verderblichen

Glaubens durch die Liebe dieſe ſelber zu ſtärken.
Obne ſolche heilſame Gewöhnung aber iſt es
ganz natürlich, daß unſere allmählig zur Wohl—
habenheit gelangenden deutſchen Glaubensge—
roſſen hier im Weſten je länger je mehr denen
in Oſten nacharten, daß ſie nämlich um ſo geizi—

) Aber auch zur wohlfeilen Erhaltung der mit Mitteln
Arſehenen Zöglinge geſchieht durch die Liebesgaben der hie⸗

ſen und umliegenden Gemeinden in Lebensmitteln ſo viel,

daß die jährliche Unterhaltung eines Studenten auf dem
Seminar nur 25 bis 30 Dollars beträgt, wofür er Woh⸗
mug, Frurung, Licht, Koſt und Wäſche hat. Die Aus⸗
leſerung der Kleider und Wäſche beſorgen chriſtlich geſiunte
grauen der Gemeinde, die wöchentlich am Donnerstag Nach⸗
nitag zu dieſem Zwecke zuſammenkommen, unentgeldlich,
ud rrichen auch hin und her Geſchenke an neuer Wäſche dar.

Hang zu bekämpfen und in der Bethätigung des⸗

als für die Erhaltung der wir ſchon mannigfache Proben haben, als Pa—

ſtoren und Schullehrer in den D
getreten ſind.

Auch können wir mit gutem Gewiſſen bezeu—
gen, zu Lob und Ehre Gottes, daß unter unſern
26 jungen Freunden, die dermalen auf dem
Seminar ſind, bei mancherlei Ungleichheit der
Gaben und Kenntniſſe, doch dieſelbe chriſtliche
Geſinnung herrſcht, und daß wir, ſo weit menſch—
liches Auge reicht, von keinem befürchten, daß
er ſich blos geſchäftsmäßig auf den Kirchendienſt
vorbereite, ſondern daß es Allen Herzens⸗ und
Glaubensſache ſei, dereinſt dem HErrn und ſei—
ner Kirche zu dienen, und ſich als recht gläu—
bige, recht gläubige, lehrtüchtige und im
Wandel unſträfliche Knechte Gottes zu erzeigen.
Demgemüß iſt denn auch in ihnen ein fröhlicher
Ernſt bei ihren Studien und eine gewiſſenhafte
Auskaufung der Zeit zur Erwerbung der nöthi—
gen Kenntniſſe und Fertigkeiten; desgleichen
Ehrerbietung und Vertraulichkei zugleich in
ihrem Verhalten gegen uns, ihre Lehrer, und
ein offenes brüderliches Weſen in ihrem gegen—
ſeitigen Verhalten, darin das heilſame Strafen
auch nicht fehlt. Summa: ſie ſind der Unter—
ſtützung durch die Liebe Chriſti, in deren Erwei—
ſung der Geber mehr bekommt, als der Empfän⸗
ger, ſicherlich nicht unwerth.

Darum: „Laſſet uns Gutes thun und nicht
müde werden; denn zu ſeiner Zeit werden wir
auch ernten ohne Auf hören. Als wir denn nun
Zeit haben, ſo laſſet uns Gutes thun an Jeder—
mann, allermeiſt aber an des Glaubens Ge—
noſſen.“ Gal. 6, 9. 10.

Fort Wayne, den 23. März 1852.

W. Sihler.

Dienſt der Kirche

Zeugniß, daß auch Melanchthon und
Brentius einſt keinen weltlichen Schutz
für ihre Lehre begehrten.

So ſchreiben nehmlich dieſe beiden theuren
Männer (ähnlich wie einſt Luther an den
Churfürſten) an Philipp, Landgrgfen von Heſ—
ſen, im Jahre 1530 von Augsburg:

„Wir halten, daß Fürſten und Städte recht
und chriſtlich thäten, ſo ſie uns, die wir lehren,
unſer Lehr verantworten ließen und nicht für⸗
nehmen, und ſonderiich wider Kaiſerliche Ma—
jeſtät zu ſchützen, wie Herzog Friedrich, löblicher
Gedächtniß, den Luther ſein Ebentheuer ſelbſt
ſtehen ließ, wollte ihn nicht wider Kaiſerliche
Majeſtät fchützen. So die Fürſten dermaßen
geſinnet wären, hätten wir arme Geſellen we—
niger Sorge und wollten fröhlich leiden, und
hätten die Fürſten und andere Obrigkeiten mehr
Ruhe.“ (Dedekenni thesaur. cons. I, 329.)

Widerſprüche in unſerer lutheriſchen Lehre.
So ſchreibt Luther an Melanchthon:
„Wie kann unſre Lehre in den Augen der Gott⸗
loſen anders als eitel Widerſprüche zu enthalten
ſcheinen, da ſie gute Werke fordert und
verdammt, Kirchengebräuche aufhebt und
doch behält, die Obrigkeit ehrt und doch
ſtraft, Sünde bei den Heiligen bekennt

und doch läugnet!“

Kurze Regel zum Bibelleſen.

Te totum applica ad textum

Rem totam applica ad te d. i.

Halte dich ſtreng an den Tert,

Den ganzen Inhalt aber wende auf dich an.

Kirchliche Nachrichten.

Da die Gemeinde zu Fort Wayne in ſtetem
Zunehmen begriffen iſt und weit über 100 Fa-—
milien rings auf dem Lande in einer Entfer—
nung zwiſchen 1 und 7 Meilen auch zu ihr
gehören; — da ferner dem Paſtor, bei ſeinen
abnehmenden Leibeskräften, zudem mit theil—
weiſer Arbeit am Seminar und einem Theile
der Beſuchsreiſen des Präſes der Synode betraut
iſt: ſo beſchloß die Gemeinde mit ihrem Paſtor,

ſen völliger Ausrichtung während der gelegent—
lichen amtlichen Beſuchsreiſen des Paſtor Sih—
ler, als Vice-Präſes, zu übertragen.

Die Gemeinde und ihr Seelſorger trugen um
ſo mehr Gefallen zu Herrn Paſtor Kühn, da
beide Gelegenheit gehabt hatten, in ſeiner halb—
jährigen Aushülfe unter der Oberleitung der
Gemeinde durch Herrn Paſtor Crämer, wäh⸗

rend der Dienſtleiſtung des Paſtor Sihler zu

St. Louis, ſeine Treue und ſeinen Eifer genug⸗
ſam kennen zu lernen; erſtere durch eigne Er—
fahrung, letzterer durch den ſtetigen Briefwech—
ſel, in dem er über Gemeinde-Angelegenheiten
und einzelne Gemeindeglieder auch mit Herrn
Paſtor Kühn geſtanden hat.

Hoffnung hin, der HErr werde nach ſeiner Ver—
heißung: „Den Demüthigen giebt Er Gnade

und den Aufrichtigen läßt Er es gelingen,“

Deshalb geben ſich auch beide der fröhlichen

in der Perſon des Herrn Paſtor Kühn einen
Hülfsprediger zu bernfen und ihm beſtimmte
Verrichtungen des hl. Predigtamtes ſammt deſ—

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