Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 17 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-13, Seite 131
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derausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode
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(Offenb. Joh. Cav. 14, v. 6. 7.)
„„Gottes Wort und Luthers Lehr“ vergehet nun und nimmermehr.““
— — *
von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 8S.
St. Louis, Mo., den 13. April 1852.
No. 17.
Sedingungen:
1 Predigt,
egehalten Dom. Reminiscere 1852
zu St. Louis, Mo.
Auf dringendes Verlangen mitgetheilt.
Gott gebe euch Allen viel Gnade und Friede
durch die Erkenntniß Gottes und Jeſu Chri⸗
ſi, unſeres HErrn. Amen.
In demſelben, unſerem theuren Heilande,
herzlich geliebte Zuhörer.
Unter den mancherlei Vorwürfen, die man
lizt den Chriſten macht, iſt einer der allgemein⸗
ien, daß ſie nicht Leute des Fortſchritts,
Pndern des Rückſchritts ſeien; daß ſie nämlich
liht mit der Zeit fortſchreiten, ſondern vielmehr,
lrährend Alles vorwärts eilt, ſtillſtehen, ja zu⸗
nicgehen. Und es iſt wahr, an dem, was man
ht gewöhnlich Fortſchritt nennt, nimmt aller⸗
engs kein Chriſt theil, der in der rechten Er⸗
kuntniß ſteht. Denn was iſt es, was man
ütt gewöhnlich als Fortſchritt bezeichnet und
uühmt? — Wir müſſen hier, um nicht unge⸗
ncht zu ſein, zwei Claſſen von Fortſchrittsmän⸗
lern unterſcheiden. Die einen ſind nämlich die,
velche das den Fortſchritt unſerer Zeit nennen,
uß man unter den Chriſten nicht mehr
vegen Verſchiedenheit im Glauben
ſämpfe. Dieſe ſprechen, in älteren Zeiten
ſube man freilich um eines einzigen Wortes
in der Bibel willen oft lange Jahre gekämpft;
6d Der Lutderaner erſcheint alle zwwei Wochen einmal für den jährlichen
RKrirtirnspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszube⸗
ntlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
das wolle man nun zwar unſeren frommen Vä⸗
tern gern zu gute halten, denn ihr Leben ſei
in eine Zeit gefallen, in welcher noch mancher
Aberglaube geherrſcht, und es daher noch an
dem Geiſte der Liebe und Duldſamkeit geman⸗
gelt habe: in neuerer Zeit ſei man aber in der
Erkenntniß fortgeſchritten, und auch der letzte
Reſt vormaliger Befangenheit gefallen; die Zeit
ſei daher gekommen, wo es ſich nicht mehr ent⸗
ſchuldigen laſſe, wenn man noch um des Glau⸗
bens willen ſtreiten wolle. Lange genug ſei die
Religion ein Zankapfel der Theologen geweſen;
jetzt gelte es, endlich die Waffen einmal niederzu⸗
legen, die Bekenntniſſe, welche bisher die Chri⸗
ſten von einander abgeſondert, als verwitterte
Kirchenmauern niederzureißen, Niemanden mehr
als einen Ketzer zu fliehen und zu meiden, ſon—
dern eine große Union aller Chriſten zu ſtiften,
einen allgemeinen Kirchenfrieden zu ſchließen,
und Allen, welche den Namen des Sohnes Got⸗
tes mit ihren Lippen bekennen, als Brüder die
Hände zu reichen. — Es giebt jedoch in unſe⸗
ſeren Tagen, wie geſagt, noch andere ſogenannte
Fortſchrittsmänner, welche noch bedeutend wei⸗
ter gehen, welche nämlich das Fortſchritt nen⸗
nen, daß man geradezu alle Religionen
abſchaffe. Dieſe ſprechen: Lange genug ſei
die Religion, und beſonders die chriſtliche Re⸗
ligion, die Urſache geweſen, daß die Menſchen
die Erde und ihre Freuden nicht genoſſen und
ſich mit dem Himmel getröſtet und hingehalten
haben. Lange genug ſei die Menſchheit durch
Nur die Briefe, welche Miltheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anberrn
aber. welches Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder 16. enthalten, unter der Adreſſe
Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W
Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenben.
die Fürſten und durch die Prieſter der Kirche in
Unwiſſenheit und Unmündigkeit erhalten worden.
Vor der Sonne der Aufklärung des neunzehnten
Jahrhunderts ſeien nun jene finſtern Zeiten ver⸗
ſchwunden. Auf das Zeitalter des Glaubens
ſei das Zeitalter der Vernunft, auf das Zeital⸗
ter der Unterwerfung das Zeitalter der Freiheit
gefolgt. Jetzt glaube kein Aufgeklärter mehr,
was er nicht mit ſeiner Vernunft faſſen, mit ſei⸗
nen Händen greifen, und mit ſeinen Augen ſe⸗
hen könne. Herunter, rufen daher ſolche, mit
den Königen von ihren Thronen, hinweg mit
allen Prieſtern von ihren Kanzeln, hinaus mit
der Bibel aus den Schulen, nieder mit den
Kirchen von dem Erdboden. Licht, Freiheit
und Gleichheit! das iſt unſere Loſung. Sehet,
das iſt es, was man jetzt gewöhnlich Fortſchritt
und Aufklärung nennt. Wie nun? ſollte wirklich
ein Chriſt an ſolchem Fortſchreiten theilnehmen
können? Doch wahrlich nicht! Wollte er mit der
erſten Claſſe, mit den Unionsmännern, Einen
Weg gehen, ſo müßte er die Sorge und den Ei⸗
fer für die Reinheit des göttlichen Worts
fahren laſſen; und wollte er ſich zu der zweiten
Claſſe, zu den Verkündigern der Freiheit von
allen Banden, ſchlagen, ſo müßte er ſich von
dem Worte Gottes gänzlich losſagen, ja,
ſelbſt der lauten Stimme in ſeinem Innern, ſei⸗
nem Gewiſſen ſelbſt, widerſprechen. Nein, in
dieſem Sinne kann kein Chriſt ein Mann des
Fortſchritts ſein; in dieſem Sinne muß er viel⸗
mehr allervings zurückſchreiten, und zwar zurück
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