Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 17 › Seite 133
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-13, Seite 133
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2..—. — ———
och nichts an. Für dich ſind ganz andere
émahnungen nöthig. Ehe du beſſer zu wer—
den trachten kannſt, muß du erſt gut werden.
he du auf dem Wege zum Himmel immer ei⸗
lnder laufen kannſt, mußt du erſt von deinem
ritlichen Tode erweckt und auf den Himmels⸗
veg gebracht werden. Dir gilt daher die Er—
nabnung des Apoſtels Paulus: „Wache auf,
der du ſchläfſt, und ſtehe auf von den Todten,
ſo wird dich Chriſtus erleuchten.“ Dir gilt erſt
dit Pfingſtpredigt Petri: Thut Buße, ſo werdet
rempfangen des die Gabe heil. Geiſtes.“ Du
uufterſt erkennen, daß du noch ein armer, verirr⸗
kr, verlorner Sünder biſt, mußt wie der verlorne
Cehn in dich ſchlagen und ſprechen lernen: „Ich
hll mich aufmachen und zu meinem himmliſchen
Nter gehen, und ſprechen: Vater, ich habe ge—
ſindigt in den Himmel und vor dir, und bin
linfort nicht werth, daß ich dein Sohn, deine
Zuchter heiße; mache mich zu einem deiner Ta—
glübner.“ Wenn es mit dir dahin kommt, daß
uendlich mit Bitten, Seufzen und Flehen
In Gott geheſt und Gnade ſucheſt, dann wirſt
euerſt ein Kind Gottes, ein rechter Sohn und
ene rechte Tochter im Hauſe des himmliſchen
Haters, ein rechter Chriſt werden, und dann
git auch dir die Ermahnung des heil. Apoſtels
in unſerer Epiſtel, nun auch immer völliger zu
berden.
2.
Laßt uns daher nun zweitens ſehen, was
Uunn der Apoſtel mit dieſer Ermahnung eigent—
lich fordere.
Der Apoſtel ſelbſt läßt uns darüber nicht im
gurifel, indem er ſelbſt hinzuſetzt: „Denn ihr
piſſet, welche Gebote wir euch gege—
benhaben, durch den HErrn JEſum,
denn das iſt der Wille Gottes, eure
heiligung.“ Hieraus ſehen wir, das, worin
Ihrſten immer völliger werden ſollen, iſt mit
einem Worte: die Heiligung.
Eine große ſchwere Aufgabe iſt es alſo, wel—
ge der heil. Apoſtel hiermit allen Chriſten ſtellt.
Ein Chriſt ſoll hiernach nicht denken: du biſt
zun, Gott Lob! ein wahrer Chriſt, du haſt den
Glauben und ſteheſt daher bei Gott in Gnaden,
a hat nun mit dir keine Noth, du kannſt nun
Iubig und ohne Sorge und Mühe einer ſeligen
Evigkeit entgehen ſehen. Nein, ſpricht der Apoſtel,
in Chriſt ſoll nie denken, daß er fertig ſei; ein
hriſt ſoll nie mit ſich zufrieden ſein; ein Chriſt
ſell vielmehr mit Paulo ſprechen: „Nicht daß
ichs ſchon ergriffen habe, oder ſchon vollkommen
ſi, ich jage ihm aber nach, ob ich's ergreifen
nöchte, nachdem ich von Chriſto IEſu ergriffen
kin.“ Ein Chriſt ſoll ein Mann des
ßortſchritts ſein; er ſoll alſo nie ſtille
Utben, ſondern ſtets vorwärts zu ſchreiten ſuchen.
Ein Chriſt ſoll immer im emſigen Thun des Wil—
kns Gottes, immer im Kampf um das Kleinod,
nnmer im Lauf nach der Krone der Herrlichkeit
kfunden werden. Mit jedem Tage ſoll er dem
Ziele näher zu kommen, mit jedem Tage Chriſto
ihrlicher, mit jedem Tage vollkommener, mit
nem Wort: mit jedem Tage heiliger zu
berden trachten. Die Heiligung im engeren
Sinne iſt aber nichts anders, als die auf die
Rechtfertigung folgende Wiedererneurung zu
dem Ebenbilde Gottes, nach welchem der Menſch
einſt von Gott geſchaffen worden iſt. Zur Hei—
ligung gehören daher vor allem drei Stücke,
1. eine immer größere Erleuchtung des Ver—
ſtandes, 2. eine immer größere Reinigung
und Erneurung des Herzens, und endlich
3. ein immer größerer Eifer des Lebens in
guten Werken.
Ein Chriſt ſoll daher erſtens nicht denken:
Es iſt genug, wenn ich nur ſo viel von der rech—
ten Lehre weiß, als ich zum Seligwerden durch—
aus nöthig habe. Nein, ſpricht der Apoſtel, ein
Chriſt muß in ſeiner Erkenntniß immer völ—
liger zu werden trachten. Von einem Chriſten
muß es heißen, wie im erſten Pſalm geſchrieben
ſteht: „Er hat Luſt zum Geſetz des Herrn, und
redet von ſeinem Geſetz Tag und Nacht.“ Ein
Chriſt muß ohne Aufhören in Gottes Wort ſuchen
und forſchen und ſtudiren, daß er von allen Irr—
thümern immer mehr befreit werde, den ganzen
Rath Gottes zu unſerer Seligkeit immer beſſer
durchſchauen, den Zuſammenhang der geoffen—
barten Lehren immer klarer erkennen, die reine
Lehre von der falſchen immer beſſer unterſchei⸗
den, und auf die Frage: Weß Glaubens biſt
du? immer beſſer, gründlicher und vollſtändiger
antworten, und die Widerſprecher immer heller
und deutlicher überweiſen und immer gewaltiger
widerlegen könne. Chriſten ſollen mit Ernſt
trachten, daß ſie wie der Apoſtel an die Epheſer
ſchreibt, „alle hinankommen zu einerlei Glauben
und Erkenntniß des Sohnes Gottes, und ein
vollkommener Mann werden, der da ſei in dem
Maaße des vollkommenen Alters Chriſti; auf
daß ſie nicht mehr Kinder ſeien, und ſich wägen
und wiegen laſſen von allerlei Wind der Lehre,
durch Schalkheit der Menſchen und Täuſcherei,
damit ſie uns erſchleichen zu verführen.“
Ein Chriſt ſoll aber auch ferner nicht denken:
Wenn ich nur nicht in grobe Sünden falle, wo—
durch ich Gottes Gnade verliere, wenn ich nur
in dem guten Zuſtande bleibe, darin ich jetzt
durch Gottes Gnade verſetzt bin. Nein, ſpricht
der Apoſtel in unſerer Epiſtel, willſt du ein Chriſt
ſein, ſo ſollſt du auch immer völliger werden in
der Reinigung und Erneurung dei⸗
nes Herzens. Wo noch eine Unlauterkeit,
wo noch eine Tücke, wo noch ein Verderben, wo
noch etwas Ungöttliches ſich in ſeinem Herzen
zeigt, das ſollſt du, wie die Iſraeliten den Sauer—
teig zum Oſterfeſt, mit allem Ernſte aus allen
Winkeln deines Herzens auszufegen ſuchen.
Auch von deinen Schwachheiten ſollſt du dich
loszumachen ſuchen und darnach trachten, immer
ſtärker im Glauben und ergebener in Gottes
Willen, immer himmliſch geſinnter und fröhlicher
in Gott, immer demüthiger vor Gott und
Menſchen, immer brennender und uneigenütziger
in der Liebe, immer keuſcher in deinen Betzier—
den, immer ſanftmüthiger, immer wachſamer
über deine Gedanken zu werden.
Ein Chriſt ſoll aber auch endlich nicht denken:
Wenn ich nur ſo lebe, daß ich Niemanden ein
Argerniß gebe. Nein, ſpricht der Apoſtel, willſt
du ein Chriſt ſein, ſo muß du auch immer völliger
werden im Eifer des Lebens in guten
Werken. Du muß immer eifriger werden im
Dienſte Gottes, immer eifriger im Gebet, immer
eifriger im Hören und Leſen des Wortes Gottes,
immer freimüthiger im Bekenntniß deines Glau⸗
bens, immer treuer in deinem Amt und Beruf;
immer freundlicher und dienſtfertiger und fried⸗
licher gegen Jedermann; immer verſöhnlicher ge—
gen deine Feinde und immer aufrichtiger gegen
deine Freunde; immer gewiſſenhafter in deinem
Handel und Wandel; immer freigebiger und
wohlthätiger gegen deine ärmeren Brüder; immer
theilnehmender und aufopfernder für die Sache
der Kirche und des Reiches Gottes; mit einem
Worte: du mußt immer ernſtlicher darnach rin—
gen, nicht nur kein Argerniß zu geben, ſondern
auch ein Vorbild zu werden für Jedermann und
dein „Licht leuchten zu laſſen vor den Leuten,
daß ſie deine guten Werke ſehen, und den Vater
im Himmel preiſen.“
Seht, das, das iſt es, was der heil. Apoſtel
fordert, wenn er die Chriſten zu Theſſalonich und
alle, welche Chriſten ſind und ſein wollen, er—
mahnt, daß ſie immer „völliger“ werden.
3.
Es entſteht nun die Frage: Aber wie: ſollte
es wohl wirklich ſo nöthig ſein, dieſer Er—
mahnung Folge zu leiſten? — Dieſe wichtige
Frage laßt mich euch noch zum Schluſſe beant⸗
worten.
Hierauf muß ich aber ſogleich antworten: Ja,
es iſt allerdings einem jeden Chri⸗
ſten höchſt nöthig, daß er immer
völliger werde, und zwar erftlich darum,
weil, wie der Apoſtel in unſerer Epiſtel ſagt, un⸗
ſere Heiligung Gottes Wille und Gebot iſt.
„Denn das,“ ſpricht er, „iſt der Wille
Gottes, un ſere Heiligung.“ Es iſt
freilich wahr, durch die Heiligung ſoll Niemand
erſt ſelig werden, die Seligkeit iſt ein Gnaden⸗
geſchenk. Es iſt ferner freilich wahr, wer im
Glauben an Chriſtum ſteht, dem hat Gott alle
ſeine Sünden vergeben und Gott iſt bereit, ihm
auch noch ferner alle die Sünden zu vergeben,
welche er während ſeines ganzen Lebens noch
künftig thun wird. — Ja, in der heil. Taufe
werden wir ſchon abgewaſchen von allen Sünden
unſeres ganzen Lebens. Denn die Buße
iſt nicht ein neues Mittel, ſelig zu
werden: ſondern die Rückkehr zu dem Schiffe
unſerer Taufe, die wir verlaſſen hatten, die aber,
ob wir auch wankend und abfällig werden, uns
feſt ſteht, und in welcher wir, ſo wir ſie wieder
im Glauben ergreifen, über den brauſenden
Occan der ſündenvollen Welt dem ſicheren Hafen
des ewigen Lebens noch zuſteuern können. Aber
ſo gnädig und freundlich Gott iſt, ſo iſt er doch
auch ein heiliger Gott. Er kann daher
die Sünde nicht lieben noch leiden, er muß ſie
haſſen und verabſcheuen, und nur an Reinheit
und Heiligkeit kann er ſein Wohlgefallen haben.
Darum iſt es und bleibt es ſein ernſter ewiger
Wille, daß die Chriſten, denen er ihre Sünden
vergeben hat, immer mehr von Sünden gereinigt
—
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