Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 13 › Seite 106
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-17, Seite 106
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pſentlich und urſprünglich eben ſo wenig An⸗
ö bl als ein Kind an der Geburt ſeiner Mutter.
Auch ſtellen wir keinesweges in Abrede, was
das Inf. ferner ſagt: „und daß ſolch' Amt der
nahtmäßig berufenen Perſon in Kraft des Evan⸗
gelii von Chriſto ſelbſt dargereicht wird, nämlich
hermittelſt des ordentlichen Berufs.“
Was aber nun eben dieſen Beruf, das zweite
Elück betrifft, ſo ſpricht ſich das Inf. darüber
nicht näher aus und verweiſet nur auf Art. 14.
der Augsburg. Conf. und auf die Ordnung
des N. T.
Da nun die nähere Erklärung über dieſes
Lebrſick im Zuſammenhange mit dem vorigen
ts durchaus im rechten Zuſammenhange der evan—
geliſchen Wahrheit nicht kann begriffen werden, in
ſenem oben angezeigten Büchlein demnächſt er—
ſcheinen wird, ſo wollen wir hier den unpartheii⸗
ſchen Leſer zum Voraus darauf verwieſen haben.
Hier ſei vorläufig nur dieſes bemerkt, daß der
Eckreiber dieſes durchaus leinen Widerſpruch zu
erkennen vermag zwiſchen folgenden zwei Sätzen:
1. Das heilige Predigtamt iſt göttlichen Be⸗
ſebls und Urſprungs; göttlicher Einſetzung und
Ordnung, und wo es, nach des HErrn Chriſti
Beſtimmung, örtlich irgendwo aufgerichtet wird,
ra empfängt es der Träger deſſelben mittelbar
aus Chriſti Hand.
2. Dieſe Mittelung aber oder der mittelbare
erdentliche Beruf zum heiligen Predigtamte be—
ſteit darin, daß die Kirche Chriſti, in dieſer oder
jner, kleinern oder größern örtlichen Berſamm—
lung, kraft der in Matth. 18, 18. vom HErrnChri⸗
ſo empfangenen und ihr übertragenen Vollmacht
und götllichen Gerechtſame der Schlüſſel und
des Predigtamts, daſſelbe einer als rechtgläu⸗
liz, lehrtüchtig und unſträflichen Wandels er⸗
fundenen Perſon zur öffentlichen Verwaltung
überträgt. Und an dieſer Uebertragung und
Darreichung nun des Predigtamts betheiligt ſich
allerdings jedes einzelne Glied ſolcher Verſamm⸗
lung, indem jedes, als durch den Glauben mit
Cbrißo verbunden, auch, wie Luther im großen
Katechismus ſagt, „aller Güter, ſo ſie (die Kir⸗
che) hat, theilhaftig iſt und Mitgenoſſe.“ Es
it alſo keineswegs das einzelne Kirchglied in
Gemeinſchaſt mit den anderen, ſeien es 2 u. 3,
200 u. 300, ein bloßer Nutznießer des ohne
ſeine Mitwirkung in ihrer Verſammlung aufge⸗
richteten Predigtamts, ſondern, als ein Mitbe—
ſizer aller Güter und Rechte der Kirche, die ſie
Aufrichtung.
Es ſei ſchließlich erlaubt, zur beſſern Veran⸗
ſchaulichung für die Einfältigen noch an 2 Bil—
dern deutlich zu machen, daß und wie zwiſchen
derſpruch ſei.
alle ſeine Güter und Schätze zugleich mit dem
beſondern Befehl, nach ſeiner Regel und Richt—
ſchnur, Haushalter über dieſe Güter und Schätze
zu berufen, ſo empfangen dieſe ihr Amt und
Dienſt freilich eigentlich und urſprünglich aus
und mit der Lehre von der Kirche, ohne welche
ven Chriſto hat, auch ein Mitooll zieher dieſer
jenen 2 Sätzen durchaus kein weſentlicher Wi—
Wenn ein Hausherr eine Reiſe thut und über⸗
giebt ſeiner Hausfrau Recht und Macht über
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dem Willev und der Verordnung des abweſen⸗
den Hausherrn, ja weſentlich von ihm ſelbſt,
aber doch durch die Vermittelung der Hausfrau,
die darin den Willen ihres Eheherrn ausrichtet,
der ſie kraft des ehelichen Verlöbniſſes und Ge—
meinſchaft, als Mitbeſitzerin aller ſeiner Güter
und Schätze theilhaftig gemacht hat.
Ahnlich wenn der Kaiſer den Bürgern einer
frelen Reichs⸗-Stadt unter andern Gerechtſamen
auch dieſe gegeben hat, nach ſeiner Regel und
Vorſchrift, ihre Obrigkeit aus ihnen ſelbſt zu
erwählen, um ſie nach kaiſerlichen Geſcben und
unter ſeiner Hoheit zu regieren und dieſe Bürger
dann, als gleich bere chtigt zu ſolchem Amt und
Dienſt, dieſem Willen des Kaiſers nachkommen:
ſo empfängt allerdings die alſo erwählte Obrig⸗
keit ihr Amt weſentlich aus der Hand des Kaiſers
aber doch nur durch das Mittel der zur Beſiel⸗
lung ſolcher“ Ohrigleit vom Kaiſer gleichberech⸗
tigten Bürger.“
Ebenſo iſt es nun auch in der Kirche Gottes,
Bürger und geiſtlicher Prieſter das Recht und
die Macht zum Predigtamt hat; aber das Amt
und den Veruf haben nur die, welche auf Chriſti
Befehl und nach ſeiner Regel und Vorſchrift von
zu dieſem Dienſte beſtellt werden.
So iſt und bleibt alſo Chriſtus allezeit der
Urſacher und Darreicher des heiligen Predigt⸗
amts, aber Er thut dieſes mittelſt der Kirche, d
i. weſentlich der Gemeinde der Gläubigen, die
aus ſeiner freien Guuſt und Gnade auch in je⸗
dem einzelnen Gliede Mitinhaberin und Mitbe⸗
ſitzerin aller Güter, Gaben, Rechte und Amter
iſt, die Er weſentlich beſitzt und verwaltet.
Dieſer Zuſammenhang iſt auch jedem klar ge⸗
nug, der eine evangeliſche klare Anſchauung vom
eigentlichen Weſen der Kirche Chriſti hat, näm⸗
lich daß ſie ſei die Verſammlung der Heiligen,
die Gemeinde der Gläubigen, wie ſolche Erklä—
rung in der heiligen Schrift begründet und von
unſeren ſymboliſchen Büch ern bezeugt wird.
Wer aber die Kirche, ihrem eigentlichen We⸗
ſen nach, nur in einer beſtimmten zeitlichen O
Form, unter dem Bilde einer beſondern irdiſchen
Verfaſſung anſchaut (wie z. B. die Papiſten und
Episcopalen ſie ſich gar nichts anders denken
können, als unter dem Regiment des Papſtes und
der Viſchöfe oder wie dieſe und jene lutheriſchen
Dogmatiker zuweilen alſo von den drei ſoge⸗
nannten chriſtlichen Ständen ſprechen, als ge⸗
ken, auch zur Aufrichtung des Predigtamts, (zum
eigentlichen Weſen der Kirche), der beweiſ't eben
dadurch, daß er jene allein wahre, ſchriftgemäße,
geſunde, evangeliſche Auſchauung vom Weſen
der Kirche, als leitende Wahrheit für die richtige
Erkenntniß vom Weſen des Predigtamts entwe⸗
der noch nicht gewonnen oder wieder verloren
hat und deßhalb folgerecht, je nach ſeiner Anſicht
von der Kirche, auch in den entſprechenden Irr⸗
thum über das Predigt-Amt gerathen muß.
4. Wirft das Inf. dem Lutheraner oder ei⸗
gentlich dem Schreiber des Vorworts „Läſterung
und Verläumdung“ vor, da er dem Redakteur
im Reiche Chriſti, da jeder Gläubige, als freier
ihren geiſtlichen Mitbürgern im Reiche Gottes)
hörte deren Vorhandenſein und Zuſammenwir⸗
des Inf. wünſcht, daß je eher je lieber „das
viele und ungerechte Bannen, Spionirſyſtem,
Angeberei ꝛc. aufhören möge.
Was nun zuerſt das erwähnte Bannen be⸗
trifft, ſo hat leider unſere Synode Erfahrung
genug davon gemacht, wie dieſes auch zu ſeiner
Zeit wird öffentlich dargethan werden, daß Herr
Paſtor G. in Folge ſeiner falſchen Lehre vom
Predigtamt und deſſen Gewalt und einer dem⸗
gemäßen ungerechten Ausdehnung und Anwen⸗
dung von Hebr. 13, 17. „Gehorchet euren Leh⸗
rern“ ꝛc. Leute gebannt hat, welche keinesweges
als verſtockte unbußfertige Sünder, die trotz der
richtigen Erkenntniß im böſen Willen verharrten,
der ganzen Gemeinde offenbar wurden.
Daß er aber wahrſcheinlich Paſtoralklugheit
nennt, was wir und andre einfältige Leute, die
ſich an Matth. 18, 15. halten und auch Andere
darauf weiſen Angeberei und Spionirſyſtem
nennen, dafür können wir nicht; und er möge
ja die Gelegenheit zu neuer gründlicher Selbſi⸗
prüfung nicht verſchmähen, möge ſie ihm auch
von den verhaßten Miſſouriern gegeben werden,
ob ſeine ſogenannte Paſtoralklugheit ſtets mit
Taubeneinfalt gepaart geweſen und noch ſei.
Schließlich übrigens möchte Herr Paſtor G.
aufrichtig gebeten ſein, ſich, wo möglich durch
keinen perſönlichen Widerwillen behindern zu
laſſen, das oben angezeigte und in Deutſchland
gedruckte Büchlein, das hoffentlich bald hier ſein
„wird, und im rechten Zuſammenhange den Nach⸗
weis unſerer Lehreinigeeit mit der luther. Kirche
der Reformation liefert, mit möglichſter Unpar⸗
theilichkeit und Unbefangenheit zu leſen.
SSSSS
„Was ſoll ich thun, daß ich ſelig werde?
Glaube an den HErrn IEſum Chriſtum,
ſo wirſt du ſelig.“
Apoſtelg. 16, 30. 31.
*
Was hat dir Gott verheißen, o ſterblicher
Menſch? — Daß du das ewige Leben erlan⸗
gen ſollſt. Das willſt du nicht glauben?
O glaube, glaube! Es iſt ſchon mehr, was er
Er gethan, als was er verheißen hat.
Was hat Er gethan? Er iſt für dich geſtorben.
Was hat Er verheißen? Daß du mit Ihm
leben ſolleſt. Es iſt unglaublicher, daß der
Ewige geſtorben ſei, als daß der Sterbliche in
Ewigkeit leben ſolle.
St. Augustinus.
EKnarrat. Ps. 148.
+
Dr. Martin Luthers
vollſtändige Auslegung der Epiſtel
Pauli an die Galater.
Herausgegeben von Salomon S. Miles.
Wer dieſes Meiſterwerk kennt, der wird boch⸗
erfreut ſein, daß es durch dieſe ncue amerikani⸗
ſche Auflage auch in unſerem neuen Vaterlande
bekannt wird, ja gleichſam aus dem Grabe wie⸗
der auferſteht. Wer aber dieſes Meiſterwerk
noch nicht kennt, der kaufe es ſich und leſe es
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