# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 02 17_S106 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) pſentlich und urſprünglich eben ſo wenig An⸗ ö bl als ein Kind an der Geburt ſeiner Mutter. Auch ſtellen wir keinesweges in Abrede, was das Inf. ferner ſagt: „und daß ſolch' Amt der nahtmäßig berufenen Perſon in Kraft des Evan⸗ gelii von Chriſto ſelbſt dargereicht wird, nämlich hermittelſt des ordentlichen Berufs.“ Was aber nun eben dieſen Beruf, das zweite Elück betrifft, ſo ſpricht ſich das Inf. darüber nicht näher aus und verweiſet nur auf Art. 14. der Augsburg. Conf. und auf die Ordnung des N. T. Da nun die nähere Erklärung über dieſes Lebrſick im Zuſammenhange mit dem vorigen ts durchaus im rechten Zuſammenhange der evan— geliſchen Wahrheit nicht kann begriffen werden, in ſenem oben angezeigten Büchlein demnächſt er— ſcheinen wird, ſo wollen wir hier den unpartheii⸗ ſchen Leſer zum Voraus darauf verwieſen haben. Hier ſei vorläufig nur dieſes bemerkt, daß der Eckreiber dieſes durchaus leinen Widerſpruch zu erkennen vermag zwiſchen folgenden zwei Sätzen: 1. Das heilige Predigtamt iſt göttlichen Be⸗ ſebls und Urſprungs; göttlicher Einſetzung und Ordnung, und wo es, nach des HErrn Chriſti Beſtimmung, örtlich irgendwo aufgerichtet wird, ra empfängt es der Träger deſſelben mittelbar aus Chriſti Hand. 2. Dieſe Mittelung aber oder der mittelbare erdentliche Beruf zum heiligen Predigtamte be— ſteit darin, daß die Kirche Chriſti, in dieſer oder jner, kleinern oder größern örtlichen Berſamm— lung, kraft der in Matth. 18, 18. vom HErrnChri⸗ ſo empfangenen und ihr übertragenen Vollmacht und götllichen Gerechtſame der Schlüſſel und des Predigtamts, daſſelbe einer als rechtgläu⸗ liz, lehrtüchtig und unſträflichen Wandels er⸗ fundenen Perſon zur öffentlichen Verwaltung überträgt. Und an dieſer Uebertragung und Darreichung nun des Predigtamts betheiligt ſich allerdings jedes einzelne Glied ſolcher Verſamm⸗ lung, indem jedes, als durch den Glauben mit Cbrißo verbunden, auch, wie Luther im großen Katechismus ſagt, „aller Güter, ſo ſie (die Kir⸗ che) hat, theilhaftig iſt und Mitgenoſſe.“ Es it alſo keineswegs das einzelne Kirchglied in Gemeinſchaſt mit den anderen, ſeien es 2 u. 3, 200 u. 300, ein bloßer Nutznießer des ohne ſeine Mitwirkung in ihrer Verſammlung aufge⸗ richteten Predigtamts, ſondern, als ein Mitbe— ſizer aller Güter und Rechte der Kirche, die ſie Aufrichtung. Es ſei ſchließlich erlaubt, zur beſſern Veran⸗ ſchaulichung für die Einfältigen noch an 2 Bil— dern deutlich zu machen, daß und wie zwiſchen derſpruch ſei. alle ſeine Güter und Schätze zugleich mit dem beſondern Befehl, nach ſeiner Regel und Richt— ſchnur, Haushalter über dieſe Güter und Schätze zu berufen, ſo empfangen dieſe ihr Amt und Dienſt freilich eigentlich und urſprünglich aus und mit der Lehre von der Kirche, ohne welche ven Chriſto hat, auch ein Mitooll zieher dieſer jenen 2 Sätzen durchaus kein weſentlicher Wi— Wenn ein Hausherr eine Reiſe thut und über⸗ giebt ſeiner Hausfrau Recht und Macht über — 103— dem Willev und der Verordnung des abweſen⸗ den Hausherrn, ja weſentlich von ihm ſelbſt, aber doch durch die Vermittelung der Hausfrau, die darin den Willen ihres Eheherrn ausrichtet, der ſie kraft des ehelichen Verlöbniſſes und Ge— meinſchaft, als Mitbeſitzerin aller ſeiner Güter und Schätze theilhaftig gemacht hat. Ahnlich wenn der Kaiſer den Bürgern einer frelen Reichs⸗-Stadt unter andern Gerechtſamen auch dieſe gegeben hat, nach ſeiner Regel und Vorſchrift, ihre Obrigkeit aus ihnen ſelbſt zu erwählen, um ſie nach kaiſerlichen Geſcben und unter ſeiner Hoheit zu regieren und dieſe Bürger dann, als gleich bere chtigt zu ſolchem Amt und Dienſt, dieſem Willen des Kaiſers nachkommen: ſo empfängt allerdings die alſo erwählte Obrig⸗ keit ihr Amt weſentlich aus der Hand des Kaiſers aber doch nur durch das Mittel der zur Beſiel⸗ lung ſolcher“ Ohrigleit vom Kaiſer gleichberech⸗ tigten Bürger.“ Ebenſo iſt es nun auch in der Kirche Gottes, Bürger und geiſtlicher Prieſter das Recht und die Macht zum Predigtamt hat; aber das Amt und den Veruf haben nur die, welche auf Chriſti Befehl und nach ſeiner Regel und Vorſchrift von zu dieſem Dienſte beſtellt werden. So iſt und bleibt alſo Chriſtus allezeit der Urſacher und Darreicher des heiligen Predigt⸗ amts, aber Er thut dieſes mittelſt der Kirche, d i. weſentlich der Gemeinde der Gläubigen, die aus ſeiner freien Guuſt und Gnade auch in je⸗ dem einzelnen Gliede Mitinhaberin und Mitbe⸗ ſitzerin aller Güter, Gaben, Rechte und Amter iſt, die Er weſentlich beſitzt und verwaltet. Dieſer Zuſammenhang iſt auch jedem klar ge⸗ nug, der eine evangeliſche klare Anſchauung vom eigentlichen Weſen der Kirche Chriſti hat, näm⸗ lich daß ſie ſei die Verſammlung der Heiligen, die Gemeinde der Gläubigen, wie ſolche Erklä— rung in der heiligen Schrift begründet und von unſeren ſymboliſchen Büch ern bezeugt wird. Wer aber die Kirche, ihrem eigentlichen We⸗ ſen nach, nur in einer beſtimmten zeitlichen O Form, unter dem Bilde einer beſondern irdiſchen Verfaſſung anſchaut (wie z. B. die Papiſten und Episcopalen ſie ſich gar nichts anders denken können, als unter dem Regiment des Papſtes und der Viſchöfe oder wie dieſe und jene lutheriſchen Dogmatiker zuweilen alſo von den drei ſoge⸗ nannten chriſtlichen Ständen ſprechen, als ge⸗ ken, auch zur Aufrichtung des Predigtamts, (zum eigentlichen Weſen der Kirche), der beweiſ't eben dadurch, daß er jene allein wahre, ſchriftgemäße, geſunde, evangeliſche Auſchauung vom Weſen der Kirche, als leitende Wahrheit für die richtige Erkenntniß vom Weſen des Predigtamts entwe⸗ der noch nicht gewonnen oder wieder verloren hat und deßhalb folgerecht, je nach ſeiner Anſicht von der Kirche, auch in den entſprechenden Irr⸗ thum über das Predigt-Amt gerathen muß. 4. Wirft das Inf. dem Lutheraner oder ei⸗ gentlich dem Schreiber des Vorworts „Läſterung und Verläumdung“ vor, da er dem Redakteur im Reiche Chriſti, da jeder Gläubige, als freier ihren geiſtlichen Mitbürgern im Reiche Gottes) hörte deren Vorhandenſein und Zuſammenwir⸗ des Inf. wünſcht, daß je eher je lieber „das viele und ungerechte Bannen, Spionirſyſtem, Angeberei ꝛc. aufhören möge. Was nun zuerſt das erwähnte Bannen be⸗ trifft, ſo hat leider unſere Synode Erfahrung genug davon gemacht, wie dieſes auch zu ſeiner Zeit wird öffentlich dargethan werden, daß Herr Paſtor G. in Folge ſeiner falſchen Lehre vom Predigtamt und deſſen Gewalt und einer dem⸗ gemäßen ungerechten Ausdehnung und Anwen⸗ dung von Hebr. 13, 17. „Gehorchet euren Leh⸗ rern“ ꝛc. Leute gebannt hat, welche keinesweges als verſtockte unbußfertige Sünder, die trotz der richtigen Erkenntniß im böſen Willen verharrten, der ganzen Gemeinde offenbar wurden. Daß er aber wahrſcheinlich Paſtoralklugheit nennt, was wir und andre einfältige Leute, die ſich an Matth. 18, 15. halten und auch Andere darauf weiſen Angeberei und Spionirſyſtem nennen, dafür können wir nicht; und er möge ja die Gelegenheit zu neuer gründlicher Selbſi⸗ prüfung nicht verſchmähen, möge ſie ihm auch von den verhaßten Miſſouriern gegeben werden, ob ſeine ſogenannte Paſtoralklugheit ſtets mit Taubeneinfalt gepaart geweſen und noch ſei. Schließlich übrigens möchte Herr Paſtor G. aufrichtig gebeten ſein, ſich, wo möglich durch keinen perſönlichen Widerwillen behindern zu laſſen, das oben angezeigte und in Deutſchland gedruckte Büchlein, das hoffentlich bald hier ſein „wird, und im rechten Zuſammenhange den Nach⸗ weis unſerer Lehreinigeeit mit der luther. Kirche der Reformation liefert, mit möglichſter Unpar⸗ theilichkeit und Unbefangenheit zu leſen. SSSSS „Was ſoll ich thun, daß ich ſelig werde? Glaube an den HErrn IEſum Chriſtum, ſo wirſt du ſelig.“ Apoſtelg. 16, 30. 31. * Was hat dir Gott verheißen, o ſterblicher Menſch? — Daß du das ewige Leben erlan⸗ gen ſollſt. Das willſt du nicht glauben? O glaube, glaube! Es iſt ſchon mehr, was er Er gethan, als was er verheißen hat. Was hat Er gethan? Er iſt für dich geſtorben. Was hat Er verheißen? Daß du mit Ihm leben ſolleſt. Es iſt unglaublicher, daß der Ewige geſtorben ſei, als daß der Sterbliche in Ewigkeit leben ſolle. St. Augustinus. EKnarrat. Ps. 148. + Dr. Martin Luthers vollſtändige Auslegung der Epiſtel Pauli an die Galater. Herausgegeben von Salomon S. Miles. Wer dieſes Meiſterwerk kennt, der wird boch⸗ erfreut ſein, daß es durch dieſe ncue amerikani⸗ ſche Auflage auch in unſerem neuen Vaterlande bekannt wird, ja gleichſam aus dem Grabe wie⸗ der auferſteht. Wer aber dieſes Meiſterwerk noch nicht kennt, der kaufe es ſich und leſe es