Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 13 › Seite 101
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-17, Seite 101
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
die ganze Schwere der Verantwortung, die ſie
auf ſich laden würde, wenn ſie irgend ein Opfer
ſcheuen würde, durch deſſen. Darbringung ſie
dem drohenden Bruch zuvor zu kommen hoffen
konnte. „Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im
Geiſt, durch das Band des Friedens“ (Epheſ.
4, 3.), dieſes Wort Gottes überzeugte ſie, daß
es ſich hier nicht allein um ein löbliches Werk,
daß ſie allenfalls auch unterlaſſen könne, ſondern
um eine heilige Pflicht chriſtlicher Bruder—
liebe handle. Sie vergegenwärtigte fich den
Segen, der gewiß auf einer aufrichtigen und
redlichen Sorge um den Frieden der Kirche ruhen
werde. Hierzu kam, daß Herr Paſtor Löhe nicht
nur faſt der einzige war, durch welchen bis dahin
die Verbindung unſerer Synode mit der Kirche
des alten Vaterlandes vermittelt worden war,
ſo daß ein Bruch mit jenem zugleich ein Abge—
ſchnittenwerden von dieſer zur Folge haben muß—
te; die bedenklichen Außerungen, welche Herr
Paſtor Löhe über die Richtung unſerer Synode
veröffentlicht hatte, hatten auch, wie ihr ſchon
mehrfach kund geworden war, über ihren kirch—
lichen Stand durch ganz Deutſchland die nach—
theiligſten Vorſtellungen und ernſteſten Beden⸗
ken erweckt. Es handelte ſich daher darum, daß
unſere Synode das Zutrauen ihrer Brüder in
Deutſchland, das nicht wenig erſchüttert worden
war, wieder gewinne und daß ein ſchwerer Ver⸗
dacht, welcher vor den Augen an ganzen Kirche
in Deutſchland auf unſere Lehre und Praxis
und auf unſere Treue gegen unſere Kirche
gefallen war, gehoben werde. Es handelte ſich
alſo um Gottes Ehre ſelbſt; denn anſtatt daß
unſere Brüder in der Heimath mit uns Gott
hätten preiſen ſollen, daß Er uns nach ſeiner
großen Barmherzigkeit und aus unverdienter
Gnade aus vielen vormaligen Irrthümern zur
Erkenntniß der reinen lauteren evangeliſchen
Wahrheit gebracht, auf die vorigen guten Wege
unſerer Väter (Jer. 6, 16.) zurückgeführt und
unſerer Kirche hier mitten unter den hunderten
emporwuchernder ſchwärmeriſcher Secten und
unter dem Toben und Wüthen atheiſtiſcher Ge—
meinſchaften ein geſundes und fröhliches Gedei⸗
ben geſchenkt habe: anſtatt deſſen lag die Schmach
auf dem Werke Gottes unter uns, als ſei das⸗
ſelbe ein unlauteres Menſchenwerk und als habe
Gett uns in verkehrten Sinn dahingegeben.
So hielt denn unſere Synode dafür, daß es
bohe Zeit ſei, etwas zu thun, daß Gottes Ehre
gerettet, ſein Werk unter uns geoffenbart, un—
ſere Kirche hier mit der des Mutterlandes ver—
ſöhnt und ſo auch der volle Segen der Gemein⸗
ſchaft mit ihr uns wieder gewonnen werde. Sie
beſchloß daher, zwei aus ihrer Mitte nach Deutſch—
land zu ſenden, welche vor allem mit HerrnPaſtor
Vöbe ſich mündlich beſprechen und mit Gottes
Hülfe verſuchen ſollten, dieſen thenren Mann
wiederzugewinnen, aber auch ſonſt hin und her
in den verſchiedenen kirchlichen Gemeinſchaften
Deutſchlands vor unſeren Brüdern Zeugniß von
unſerer Lehre und Praxis ablegen und ſo eine
allgemeinere und innigere Verbindung mit der
deutſchen Mutterkirche anknüpfen ſollten.
Zur Ausrichtung dieſes zwar ſeligen, aber
—98ü—
ſchweren und verantwortlichen Werkes wurden
denn von der Synode einſtimmig Paſtor Wy⸗
neken dahier und der Schreiber dieſes auf der
letzten im Juni vorigen Jahres zu Milnukie
gehaltenen Jahresverſammlung erwählt. Über
Erwarten freudig und reichlich hatten die Ge—
meinden des Synodalverbandes auf freundliche
Vorſtellung der Sache zu Deckung der nöthigen
bedeutenden Reiſckoſten beigeſteuert, ſo daß eine
nicht ganz unbedeutende Summe als Überſchuß
zurückgelegt werden konnte. So groß erſt die
Bedenken waren, welche die hieſige Gemeinde
hatte, zu dem Zwecke der Delegation ſogar zwei
ihrer Prediger längere Zeit miſſen zu ſollen, ſo
ſchwanden doch dieſelben, als ihr Herr Profeſſor
Dr. Sihler aus Fort-Wayne von der dortigen
Gemeinde, obwohl mit ſchwerem Herzen, doch
mit brüderlicher Liebeswilligkeit zum Vertreter
beider überlaſſen werden ſollte. Es wurde hier⸗
bei eine Einigkeit innerhalb unſerer Synodalge—
meinde offenbar, welche alle mit hoher Freude
erfüllte und einen jeden in der kindlichen Zuver⸗
ſicht beſtärkte, daß das Vorhaben nicht Menſchen—
getriebe, ſondern ein Werk Gottes ſei, daß es
Gott gewirkt haben müſſe, daß ſo viele Tauſende
in dieſem Werke ſo bald Ein Herz und Eine
Secle geworden waren und wie Ein Mann da—
ſtanden und handelten.
So ſind denn auch wir Delegaten, von un—
ſeren Gemeinden und Familien, obwohl viel⸗
fach mit Thränen, doch mit ihren brünſtigſten
Segenswünſchen entlaſſen, an das heilige Frie—
denswerk im Namen des HErrn gegangen, zwar
im lebendigſten demüthig genden Gefühle unſerer
völligen Untüchtigkeit zu einem hohen Werke,
aber unſeres Berufes hierzu von dem Herrn der
Kirche fröhlich und zuverſichtlich gewiſt. Und
ſiehe! unſer Vertrauen, das — wir müſſen es
mit tieſer Beſchämung geſtehen — uns oft wan⸗
kend werden wollte, hat Gott nicht beſchämt, iſt
nicht zu Schanden geworden. Davon können wir
freilich nichts erzählen, wie klug wir es ange—
fangen und wie Großes wir dadurch ausgerich⸗
tet hätten. Vielmehr müſſen wir es bekennen,
daß wir allenthalben, was uns betrifft, nur er⸗
fahren haben, wie ſchwach, wie rathlos, wie
ungeſchickt wir ſeien. Ja, wir bekennen es mit
aufrichtigem Herzen: was bei dieſem ganzen
Werke verdorben worden iſt, das iſt unſere Schuld,
und was Gutes ausgerichtet worden iſt, daran
haben wir keinen Theil, ſondern die gnädige
Hand Gottes iſt es, die ſelbſt oft da, wo unſere
Ungeſchicktheit etwas verkehrt hatte, uns erfaßte,
wie unmündige Kinder herausführte und es zum
Guten lenkte. Wenn wir daher auf das ſehen,
was Gott hierbei gethan hat, müſſen wir aus⸗
rufen: Ihr lieben Brüder und Schweſtern in
Chriſto Jeſn in der Nähe und in der Ferne,
lobet und preiſet und danket mit uns unſerem
Gott, denn Er, der Err, hat Großes an uns ge⸗
than, deß laßt uns fröhlich ſein.
Ehe ich meinen Bericht beginne, kann ich daher
nicht unterlaſſen, euch, ihrLieben, gleich im Voraus
wenigſtens ſo viel im Allgemeinen zu verſichern,
daß der eigentliche Zweck unſerer
Reiſe durch Gottes Hülfe und Gnade
uns mit einem Band der Glaubens-und Lie⸗
erreicht iſt. Der treue Knecht und Streinr
Gottes, der alte treuſte Freund unſerer Kirche
in Amerika jenſeits des Ozeans, der ſchon jahre⸗
lang Tag und Nacht mit wahrhaft pauliniſcher
Sorge für unſere verlaſſenen, hülfsbedürftigen
Gemeinden hier geſorgt hat, iſt wieder ganz der
Unſrige geworden, ſeine Bedenken über uns ſind
aus ſeinem lauteren Herzen geſchwunden und'
ſein der alten ewigen Gotteswahrheit offenes,
nichts Eigenes ſuchendes und dem Heil und Fnie⸗
den der Kirche diesſeits und jenſeits warm ent⸗
gegenſchlagendes Herz iſt hingegen uns offen⸗
bar geworden. Wir haben an ihm wieder den
alten Fürbitter nicht nur vor Gott, ſondern auch
vor Menſchen; ja, hatte Gott vorher ihn und
beseinigkeit verknüpft, das der Feind der Kitcht,
den davon ausfliegenden Segen gewahrens und
der Kirche mißgönnend, gern zerſchneiden mochtt
und das zu zerſchneiden ihn jetzt faſt gelung
wäre: ſo hat Gott nun das Band feſter un
feſter gezogen, daß es nun, ob Gott will, auch
dem Satan mit aller ſeiner Liſt und ſeinen Rän⸗
ken nicht gelingen ſoll, dasſelbe je zu löſen.
Außerdem hat Gott geholfen, daß faſt überal,
wo in unſerem alten Vaterlande unſere Brüder
inſonderheit in den letzten Jahren unſeren Wez
mit großen Bedenken verfolgt haben, dieſe Ve⸗
denken wenn auch nicht immer in vollkommu
Einverſtändniß, doch in volles Vertranuen zu
der Unbedenklichkei unſerer Richtung und zu der
Lauterkeit unſerer Geſinnung ſich verwandelt ha⸗
ben und die fröhliche Überzeugung geweckt wor⸗
den iſt, daß Gott ein großes Segenswerk hier
unter uns habe. Vormals für unſere verwaiſet
amerikaniſch-lutheriſche Kirche lebendig thätigt
Vereine in Deutſchland, die zum Theil durch
die über uns erhaltenen ungünſtigen Berichte in
der letzten Zeit mehr und mehr in ihrem Eifer ge⸗
lähmt worden waren, ſind wieder mit neuer Liebt
zu dem hieſigen Werk und mit neuen Hoffnungen,
daß ihre Liebesarbeit nicht vergeblich ſein werde,
belebt worden. Tauſende ſtrecken wieder ihm
milden Hände aus, um durch reichliche Gaben.
unſeren hieſigen Nothſtänden Abhülfe zu ſchaffen.
Ganze Schaaren neuer Freunde ſind uns wie⸗
der drüben gewon nen, die ſich mit uns brüder⸗
lich verbunden fühlen und unſere Noth als
Glieder Eines und desſelben Leibes mit uns
fühlen, auf ihrem Herzen und Gott vor⸗trager.
Nach dieſen allgem einen Vorbemerkungen geht
ich nun daran, den lieben Leſern eine kurze Gi⸗
ſchichte unſerer Reiſe nach ihren Einzelheiten
mitzutheilen, wobei ich um der Vollſtändigkeit
willen auch das Wenige mit aufnehmen werdt,
was den Leſern dieſer Blätter bereits mitge⸗
theilt worden iſt.
Von der Synode hatten wir die Weiſung en⸗
halten, nach Schluß der Verſammlung ſo bald
als möglich unſere Reiſe anzutreten. Paſtor
Wyneken, der von ſeiner vorigen Gemeinde drin⸗
gend eingeladen war, ſeine Reiſe durch die öſli⸗
chen Staaten zu einem Beſuch als viſitirendn
Präſes der Synode 3u benutzen, reiſte auch be⸗
reits am 28. Juli v. J. von hier dorthin ab;
ich, mit der Vollendung der mir von der Sonode
English translation
Not yet translated.